Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1894)
- Date
- 1894-10-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 2zur Vertheilung koinmen sollen. Der Magistrat hatte das Legat angenommen und die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Beschlüsse des Magistrats zu. — Bei den jüngst stattgefundenen Repräsentantenwahlen der jüdischen Gemeinde in Kulm wurden die Herren Kaufmann Simon, Schuhmachermeister Sänger, Kaufleute Kirschstein, Hirschberg und Segall und als Vertreter die Herren Kürschnermeister Schnapp, Kaufmann M. Jacobsohn und Kaufmann Zeimann auf eine sechsjährige Wahlperiode gewählt. — Dem Kaufmann Adolf Pick in Lissa ist auf der Ausstellung in Amsterdam die goldene Medaille als Preis für seine Tabakfabrikate zuerkannt worden. — Die von dem Herrn Kultusminister bereits vor mehreren Monaten angeordnete Auflösung der jüdischen Schule in Kosten, welche der dortige Schulvorstand durch eine an denselben gerichtete Vorstellung zu verhindern bestrebt war, kommt nun doch zum 1. November cr. zur Ausführung. Durch Beschluß der Königlichen Negierung zu Posen sind die jüdischen Hausväter vom genannten Zeitpunkte ab der evangelischen Schulsozietät zugewiesen worden. Letztere behält jedoch ungeachtet dieser Zuschulung ihren bisherigen konfessionellen Charakter. Der bisherige jüdische Lehrer von dort, Herr Singermann, ist nach Schildberg verseht vorden. Da derselbe gleichzeitig als Kantor fungirte, büßt er durch diese unfreiwillige Versetzung ungefähr die Hälfte seines bisherigen Einkommens ein. Wegen Erhaltung der Schule hat sich die jüdische Schulgemeinde zwar noch in letzter Stunde in einer Immediateingabe an den König gewendet, jedoch ist hiervon ein günstiger Erfolg kaum zu erhoffen. — In Ostrowo soll in nächster Zeit ein jüdischer Litteraturverein gegründet werden. Herr Hauptlehrer Haym daselbst hat bereits die einleitenden Schritte hierzu gethan, und wird auf eine starke Theilnahme der dortigen jüdischen Bevölkerung an diesem Unternehmen gerechnet. — Der deutsch-soziale (antisemitische) Verband für die Provinzen Posen und Westpreußen wird am 28. Oktober in Bromberg einen Parteitag abhalten, zu dem eine Reihe antisemitischer Abgeordneter ihr Erscheinen bereits zugesagt haben; in der öffentlichen Versammlung werden die Abgeordneten Zimmermann - Dresden und Liebermann von Sonnenberg sprechen.— Am 12 d. M. starbin Posen der Kaufmann Paul Borchert im blühenden Alter von 51 Jahren. Derselbe war Stadtverordneter und gehörte den Vorständen aller gemeinnützigen und wohlthätig wirkenden Vereine jener Stadt an. Seit länger as 10 Jahren gehörte er auch als Vorsitzender dem Vorstande der Gemeinde-Synagoge (Neue Beschule) an und hat es wie überall so auch hier verstanden, selbst in den schwierigsten Lagen durch seine klare Umsicht und aufopfernde Thatkraft stets die richtigen Mittel zu finden, um ihr zu Blüthe und Gedeihen zu verhelfen. Durch seinen ernsten, gottergebenen Sinn hat er es vermocht, zur Verschönerung und Weihe des Gottesdienstes viel beizutragen. Dg Obornik, 21. Oktober. Am zweiten Sukkothtage wurde der allgemein hochgeachtete, erst 46jährige Kaufmann Hermann Kiwi nach schwerem Leiden seiner Familie, Verwandten und zahlreiches Freunden durch den Tod entrissen. Durch seinen religiösen und friedlichen Lebenswandel, durch seine strenge Rechtlichkeit und durch sein leutseliges Wesen war er in allen Schichten der hiesigen Bevölkerung sehr beliebt, wovon die überaus große Betheiligung an seinem Leichenbegängniß Zeugniß ablegte. Möge der Allgütige die tiefgebeugte Wittwe trösten. x. Wiesbaden, im Oktober. In einer Zeit, wie der gegenwärtigen, verdient es immerhin hervorgehoben zu werden, daß zu den in diesen Tagen hier in Anwesenheit des Kaisers stattgefundenen großen Festlichkeiten (Enthüllung des Kaiserdenkmals und Eröffnung des neuen Königlichen Hoftheaters) auch Herr Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. M. Silberstein mit Einladungen beehrt worden ist. — Herr Banquier Ferd. B. Berle, der als Schatzmeister für das Blücherdenkmal in Caub fungirte, wurde durch den Kronenorden IV. Klasse ausgezeichnet. L. Homburg v. d. Höhe, 17. Oktober. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde Herr Wolf Ackermann fast einstimmig zum Mitglied des Magistrats ernannt, nachdem er schon vor Jahren von derselben städtischen Vertretung in den Kreistag gewählt worden war. Seine Klugheit und Gestnnungstüchtigkeit haben ihm die Sympathien aller sich oft befehdenden Parteien errungen. Derselbe gehörte dem alten aus 12 Mitgliedern bestandenen Gemeinderathe seit 1865 an. Als 1890 eine neue Städteordnung hier eingeführt wurde, wählte man ihn nnd Herrn Eduard Emmerich zu Stadtverordneten. Beide sind gleichzeitig Mitglieder des hiesigen israelischen Kultusvorstandes. Herr Ackermann ist Vorsitzender desselben, und haben seit seiner Amtsdauer von 1876 an fortdauernd Verbesserungen unseres Gemeindewesens stattgefunden, beispielsweise die gerechtere Vertheilung der Steuern, Verbesserung der Beamtengehälter, Erbauung eines Gemeindehauses mit Schullokalitäten und Bädern, eines Leichenhauses re. Ehre also, dem Ehre gebührt! 0. München, 21. Oktober. Ein wahrhaft tragisches Geschick bar den älteren Sohn unseres unvergeßlichen Rabbiners, den Dr. med. Max Perles ereilt, der gestern im 28. Lebensjahre nach kurzer schwerer Krankheit gestorben ist. Perles war bis vor Kurzem Assistent an der Hirschbergschen Augenklinik zu Berlin. Er gelangte 1890 in München zur Promotion. Zuvor hatte er dort mit einer experimentellen Studie über das Solanin einen Preis der medizinischen Fakultät gewonnen. In Berlin arbeitete Perles zuerst im hygienischen Universiätsinstitut. Sodann trat er bei der Hirschbergschen Augenklinik als Assistent ein. Von hier aus veröffentlichte er außer mehreren Beobachtungen über Krankheiten der Netzhaut, über Pigment-Staar bei Zucker-Harnruhr und über Allgemein-Jnfektion vom Aügeninnern aus mikroskopische Untersuchungen über die sogenannte perniziöse Anämie. Das Leichenbegängniß fand am 21. d. M. statt. Am Sarge sprachen der Rabbinatsverweser Dr. Eugen Meyer und Medizinalrath Dr. Aub im Namen des ärztlichen Bezirksvereins München. Die Theilnahme an dem Schicksal der allgemein beliebten Familie ist eine sehr warme Oesterreich Ungarn. □ Wien. 21. Oktober. Von einem wahrhaft tragischen Geschicke wurde der bekannte Gelehrte Prof. Dr. Ludwig M authn er betroffen. Die Abendblätter vom 19. d. M. brachten die Ernennung Mauthners zum Professor der Augenheilkunde und Vorstand der ersten Augenklinik an der Wiener Universität im Amtsblatt, und des anderen Morgens starb Ludwig Mauthner eines plötzlichen Todes am Herzschlag! In dem engeren Kreise seiner Berufsgenossen und weit über denselben hinaus, in den großen Kreisen des Publikums wird dieses so tragische Ereigniß einen tiefen Eindruck machen. In seinem wissenschaftlichen Streben hatte Ludwig Mauthner die bedeutendsten Erfolge erreicht, nur Eines fehlte ihm noch, um sein Lebensglück zu einem nach menschlichen Begriffen in seiner Stellung vollkommenen zu machen, die Lehrkanzel und Klinik an der Wiener Universität. Ein harter und langwieriger Kampf ging seiner Ernennung voran, dessen Details .in den wissenschaftlichen Kreisen bekannt sind. Nicht daß an seiner wissenschaftlichen Befähigung und an seiner praktischen Tüchtigkeit zu diesem Amte irgendwo gezweifelt worden wäre; der Ernennung Ludwig Mauthner's stellte sich erstens eine formale Schwierigkeit entgegen, nämlich die, daß er vor Jahren der Lehrkanzel, die er an der Universität Innsbruck bekleidet hatte, und damit dem Staatsamte entsagte, um zurück nach Wien zu übersiedeln, und zweitens wurde gegen Mauthner von gewisser Seite trotz seiner glänzenden und überall anerkannten Leistungen der Einwand seiner Abstammung gemacht. Die unbefangene Würdigung des Unterrichtsministers Dr. v. Madeyski führte zur endlichen Entscheidung, zur Ernennung Mauthner's. — Wie ich Ihnen seiner Zeit mittheilte, machte in den Augusttagen ein Vorfall, der sich im Gasthause des unbedeutenden steirischen Städtchens Mureck abspielte, berechtigtes Aufsehen. Landesingenieur Heide aus Graz, der in Dienstangelegenheiten hier weilte, wurde von einer Tischgesellschaft durch theils höhnische, theils beschimpfende Zurufe beleidigt, weil man ihn für einen Juden ansah. Herr Heide erhob die Ehrenbeleidigungsklage, über welche vor dem hiesigen Bezirksgerichte verhandelt wurde. Der Geklagte, Bürgermeister Mravlag, wurde unter Anwendung außerordentlicher Milderungsgründe zu 25 Gulden Geldstrafe verurtheilt. — Die Wiener klerikal-reaktionären Antisemiten — die deutschnationalen Antisemiten thaten nur zum geringsten Theile mit — feierten jüngst den fünfzigsten Geburtstag des Herrn Lueger. Aufrichtig gesagt: der verhältnißmäßig magere Ausfall dieser Feier hat nicht wenig überrascht. Wenn man bedenktdaß die antisemitischen Begeisterungsagenten, Abgeordnete, Gemeinderäthe, Bezirksausschüsse, seit Wochen für dieses Fest maßlos agitirten und alle möglichen Reklamen aufwendeten, um die Lueger-Feier zu einer großartigen Volksdemonstration zu machen, so muß man sich wundern, daß die Feier, wenigstens was die Quantität der Hheilnehmer betrifft, nicht MMM