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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-10-19 · Heft 42 (19.10.1894) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 42 (19.10.1894)
Date
1894-10-19
Page
Seite 501 (sequence 9)
Language
German
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-- 501 -- warum? Weil die Znlaffnng des vom Czorikower Kultusvorstand als Schächter nicht angestellten Mannes znm Viehschlächter in Wygnanka unter dessen „Czorikower Glaube.nsgenossen Unordnung und Aergerniß Hervorrusen könne." Das ist kein Scherz! So zartfühlend war ei» k. k. Bezirks- Hauptmaun gegen die Juden! Freilich, dein Meschel Rost war damit der letzte Versuch, sein Brod zu verdienen, mißglückt. Michel Wallach aber war gleichfalls in der größten Verlegenheit. Eiil jüdischer Unternehmer darf das Vieh, auch wenn das Fleisch für Christen bestimmt ist. nur durch Schächten, also durch einen jüdischen Schlächter erlegen. Nahm er einen Christen, so verfiel er in den Bann, und eineu Inden fand er nicht, weil der jüdische Kultusvorstand dies verbot. Aus einem sehr einfachen Gründe: fand Michel keinen Schächter, so mußte er das Vieh in Czorlkow schlachten lassen und für jedes Stück eine Gebühr von 3 Gulden 25 Kreuzer an die Gemeinde zahlen. Dann aber hatte er aus seinem Vertrag mit der Gemeinde Wygnanka nur Verlust. Und so kam's auch. Wie sich der Mann schließlich aus der Schlinge gerettet, weiß ich nicht. Ich bin zu Ende. Daß der Chassidismus in Galizien mit Hilfe des polonisirteu Beamtenthunis die Aufklärung, und das Poleuthum mit Hilfe der Chassidim die Verfassungspartei besiegt hat, dies weiß Jedermann. Aber wie es im Einzelnen dabei zugegaugen, weiß man nicht. Und darum habe ich es erzählt, schlichtweg den Thatsachen gemäß. Es ist so viel grauenhafte Komik und so viel Menschenelend in diesen Thatsachen, daß sie vielleicht auch Jenen lesenswert h erscheinen werden, die sich sonst lieber au dem freien Spiel der Phantasie ergötzen mögen. gl — IiMIWM 1- K^itiwiuiuimiiHiiimuiüimiiiiiimiuaLirniiiiHlwjiUüimJllnlmitiillfffii ll \ M 1 * 1 FEUILLETON Ü n 2 I WIWMlMl MMMM1 n MllMWMlllttMWMIMMMwMMllMmMmWMMMMIiIMMMillMIMMlM -—- | —1 nRiHTniuti'igg^ IliWilüim'iZs Der Iudenjunge. Eine Erzählung aus Ostgalizien von Wilhelm Feldmann. (Fortsetzung.) (SQJvftr gehen langsam," fuhr Ludwig fort, „und ans jeder Etappe unserer Wanderung setzen sich Andere zum Festmahle, das 0 Beste, was ihnen zur Hand ist, verzehrend. Der Zufall der Geburt, Schlauheit oder ein glückliches Ereigniß, selten Fleiß oder Talent, erheben den Eine» zum Altäre, während der Andere in Elend und Finsterniß versinkt." Hier gerieth Ludwig wieder in Eifer. „Mensch sein, heißt Kämpfer sein." sprach er auf dem Rückweg. „Und Sie glauben, daß das Wissen im Leben nicht nützlich ist? Wem haben wir denn diese glänzende Zukunft zu danken? Und wenn man für solch' eine heilige Sache arbeitet und des Sieges sicher ist, darf man dann auf solche Unglücksraben, oder solche selbstische Feiglinge hören, wie Jene sind?... Mir lacht ein Leben des Schaffens und der Ideale! Wir werden siegen! Uns gehört die Zukunft, Aber auch dann, wenn Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit eingezogen sein werden, wird keine Ruhe herrschen. Die Welt müßte .ja in Fäulniß gerathen. Offen bleiben uns dann die Schranke» des Wiffens, der Prinzipien und Probleme in abstrakten Fragen, des Kampfes mit den noch nicht unterjochten Elementen der Natur und der angeborenen menschlichen Schwäche, des Kampfes mit der Fiusteruiß und Böswilligkeit in jenen Erdtheilen, die den Rost und Schimmel der Jahrhunderte noch nicht abgeschüttelt haben. Und die Entwickelung, die Vervollkommnung der Völker, wird mit goldigen Gliedern Geschlechte und Jahrhunderte aneinanderreihen." Er sagte dies in einer Art von Verzückung, als hätte er dieses zauberische Eden bereits vor Augen. Auch Jizchal hatte sich erwärmt. Die Gedanken verloren die prüfende Schärfe, das Herz erglühte. Und als Ludwig stehen blieb und, ihm die Hände auf die Schultern legend, feierlich fragte: „Wollt Ihr -ein Bauender an diesem Gemache werden, oder ein bohrender Wurm?" „Wenn ich doch ein Handlanger werden dürfte!" rief er strahlend. Sie umarmten einander herzlich, den Idealen Treue gelobend; und sie gingen vorwärts von den goldenen Strahlen der Sonne, dem Chor der Vögel und dem herrlichen, weihevollen Walde gleich einem Tempel umgeben. XXI. Im Gespräche mit Ludwig hatte Jizchak mehrmals des Schadchens erwähnt. Dies war seinem Gönner aufgefalleu, und er fragte: „Habt Ihr mit diesem Individuum so viel zu schaffen gehabt?" Graf erröthete. Da er aber vor seinem Meister nichts geheim halten wollte und seine Zukunft nach dessen Grundsätzen zu gestalten beabsichtigte, erzählte er ihm offen von der projektirten Heirath. Sie befanden sich in diesem Augenblick bereits zu Hanse, neben dein Baume, an dem die Hängematte des Fräulein Lola befestigt war. Diese hörte seine Bekenntnisse, und da sie ebenfalls seine Lehrerin war, fühlte sie sich znm Einblick in seine Angelegenheiten berechtigt. Sie steckte daher ihr Köpfchen aus dem Netze hervor lind sah blinzelnd und neugierig auf die Sprechenden. „Und Ihr seid darauf eingegangen?" fragte sie. Jizchak erröthete noch tiefer. „Nein," sprach er. Ludwig streckte ihm beide Hände entgegen. „Ihr seid ganz unser Mann. Ich eile zur Mutter, ihr Alles zu erzählen. Die Welt steht Euch jetzt offen." Jizchak stand an den Baum gelehnt; Fräulein Lola wandte kein Auge von ihm. Wie schön, wie berückend sah sie aus! Die Äfft war heiß, drückend, von dem Dufte der Rosen, die neben ihr blühten, durchträiikt. Das Sonnenlicht fiel schräg auf das zart gemeißelte Köpfchen, ihr üppiges Haar vergoldend, das frische Weiß ihres Gesichtchens in durchsichtigen Alabaster, den Karmin ihrer Wangen in Purpur verwandelnd. Die kleinen Stirnlöckchen beschatteten das Antlitz, und das halboffene Müudchen ließ eine Reihe schönster Perlenzähnchen sehen. Jizchak fühlte sich von einem Schauer erfaßt. Unwillkürlich hatte er sich über die Matte geneigt. Auf der Brust des Mädchens, die jetzt so unruhig wogte, waren ihre Hände gekreuzt, ihre schneeigen kleinen, weichen Händchen; unter dem Kleide blickten die kleinen Pantöffelchen hervor, und etwas höher ein Theil des Strumpfes, durch welchen die rosige Haut schimmerte. Die halbgeschlossenen Augen sahen träumerisch sinnendvor sich, — was dem ganzen Gesicht de» Ausdruck schmachtender Ohnmacht verlieh. Lola hatte soeben die feurigen Gefühlsapoteose ans den „Dziady" von Mickiewicz gelesen, und das junge Herzchen war von Unruhe, Sehnsucht und unbestiminten Wünschen erfüllt. Jizchak zog sich zurück. Er senkte den Blick. „Ich begreife nicht," begann das Mädchen mit weicher, süßer Stimme, welche den Jüngling gleich einem elektrischen Stroni durch-

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