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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-10-12 · Heft 41 (12.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 41 (12.10.1894)
Date
1894-10-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Itr. 41 fflf (^Otf ♦ Gerlin. 12. Oktober 1894. Weilage zur „Allgemeinen Zeitung öes ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Drütschla«-. * Berlin, 7. Oktober. Nach nur kurzer Krankheit ist am 6. d. M. der hochgeschätzte Botaniker, Geh. Regierungsrath, Prof. Dr. Nathanael Pringsheim gestorben. Damit ist ein ernstes, nur dem tiefgründigen Forschen gewidmetes Gelehrtenleben beschlossen worden. Der Hingeschiedene. war auf den verschiedensten Gebieten seiner Fachwissenschaft thätig, aber mit ganz besonderer Neigung und dementsprechendem Erfolge beschäftigte er sich mit den Mikroorganismen in der Pflanzenwelt und ihren nur durch die Linse des Mikroskops wahrnehmbaren Lebensäußerungen. Ganz mit dem Geist der neueren Forschungsmethode durchtränkt, studirte Pringsheim — 1823 zu Wziesko in Oberschlesien geboren und in Breslau, Leipzig, Berlin und Paris zuerst als Mediziner, dann als Naturwissenschafter ausgebildet — die Theorie der Pflanzenzelle und die Befruchtung der Algen; Schriften über diese Themata waren es auch, die dem jungen Gelehrten der sich im Jahre 1851 in Berlin habilitirt hatte, schon im Jahre 1856 Eintritt in die Berliner Akademie der Wissenschaften verschafften. In jenen Untersuchungen wurzelte auch die wichtige Entdeckung, die allein schon geeignet wäre, dem Verstorbenen einen Platz unter den Großen seines Faches zu sichern. Er stellte sehr bedeutsame Sätze über das Geschlechtsleben der niedrigsten pflanzlichen Organismen auf und richtete dadurch die Aufmerksamkeit der Gleichstrebenden auf ein bis dahin noch unbebautes Feld. Auch wichtige Untersuchungen über das Chlorophyll, jenen Farbstoff, der die grüne Färbung der Pflanzen bedingt und für deren Ernährung eine wesentliche Rolle spielt, sind dem Gelehrten zu danken. Ueberaus zahlreich sind die Schriften, die Pringsheim über Einzelerscheinungen aus diesen seinen Sondergebieten und über andere angrenzende Stoffe veröffentlicht hat: Sie sind größtenteils in den Berichten der Akademie der Wissenschaften und in den „Jahrbüchern für wissenschaftliche Botanik" erschienen, welch' letztere Pringsheim schon im Jahre 1857 herauszugeben begann. Der Hingeschiedene lebte in Berlin, nur mit einer einzigen Unterbrechung in den Jahren 1864 bis 1868, wo er das Lehramt der Botanik in Jena versah und das pflanzenphysiologische Institut gründete, auch darin vorbildlich für seine Fachgenossen. Das Leichenbegängniß fand am 9. d. M. unter sehr zahlreicher Betheiligung der hervorragendsten Vertreter der Wissenschaft, der Akademie und Universität statt. Rabbiner Dr. May bäum hielt die Grabrede, in derer die Verdienste und die Bedeutung des Dahingeschiedenen in ergreifender Weise schilderte. Wie schon bei seinen Lebzeiten, werden auch nach seinem Tode noch Viele mit dankbarer Erinnerung in seinen Spuren schreiten, und aus den Büchern der Wissenschaft wird sein Name nicht verschwinden. LL2 Berlin, 8. Oktober. Die Inhaber der Wäschefabrik von Gebrüder Borchardt hier. Neue Königstraße 19, die auch durch ihren Gemeinsinn und ihre Wohltätigkeit in jüdischen Kreisen vortheilhaft bekannt sind, feierten am 3. Oktober das 25jährige Geschäftsjubiläum. Die Firma, die sich auf dem Weltmarkt einen guten Ruf erworben hat, beschäftigt hier und in Rodewisch i. S. mehrere tausend Arbeiter. Eine größere Festlichkeit des Komtoir- und Arbeiterpersonals wurde am 6. d. in den Germania-Sälen veranstaltet, bei welcher Gelegenheit die Herren B. eine Arbeiterstiftung begründeten. --- Berlin, 8. Oktober. Wir lesen in hiesigen politischen Blättern die folgende Notiz: „Eine tolerante Stadt ist unser benachbartes Charlottenburg. Es giebt dort nämlich, wie wenig bekannt sein dürfte, weder einen besonderen katholischen, noch einen jüdischen Kirchhof, vielmehr ruhen die Todten aller Glaubensbekenntnisse friedlich auf demselben Kirchhof in Westend. Auch Heiden — wenn man die Chinesen zu ihnen zählt — finden dort ihre letzte Ruhestätte. Bisher sollen Unzuträglichkeiten aus diesem Paritäts-Verhältniß nicht entstanden sein." X Bromberg, 3. Oktober. Am 26. v. Mts. fand die feierliche Einweihung der Synagoge zu Znin statt. Um 3 Uhr Nachmittags begann die Feier mit der Abstngung des Psalms 122, und darauf hielt Rabbiner Chaim eine Ansprache an die Festgenossen. Dann erfolgte der Einzug in das neue Gotteshaus und Rabbiner Chaim hielt die Benediktion, die.Weiherede und das Gebet für den Landesherrn. Beim Oeffnen der heiligen Lade wurde Psalm 24 vorgetragen, und nach dem Schließen derselben hielt Rabbiner Dr. Walther aus Bromberg die Festpredigt. Den Schluß dieser erhebenden Feier bildete der Gesang des Psalms 150 und Adon olam mit Chorbegleitung. — Der vor kurzer Zeit verstorbene, in weiten Kreisen bekannt gewesene Herr Heimann aus Gollantsch hat ein Legat zur Ausstattung von armen Bräuten in der Familie hinterlassen. Die Zinsen werden jedes zweite Jahr in Höhe von 1200 Mk vertheilt; das zinslich angelegte Kapital beträgt 12,000 Mk. Ein zweites Legat in derselben Summe dient zur Erhaltung eines Klausrabbiners. Ein Schwager des Herrn Heimann, der verstorbene Herr Levy, hat bereits vor mehreren Jahren ein gleiches Testament hinterlassen, in welchem jedes Mädchen mit 150 Mk. bedacht wird und ebenso die Anstellung eines Klausrabbiners, so daß die Gemeinde Gollantsch jetzt zwei Klausrabbiner hat. Kp. Ans der Provinz Posen, im September. Die Synagoge zu Rogasen, welche das ehrwürdige Alter von über 200 Jahren hat, ist vor 32 Jahren zum letzten Male einer größeren Reparatur unterzogen worden. Seit jener Zeit jedoch war das alte Gebäude immer mehr in schlechten baulichen Zustand gerathen, so daß der jetzige Vorstand beschloß, eine recht umfassende Renovirung vornehmen zu lassen. Die zu diesem Zwecke gewählte Baukommission bestand aus den Herren A. Leßler, M. Jtzig, M. Zerenze, M. Goldberg und H. L. Lißner. Der Umbau wurde an Maurermeister Grützmacher daselbst vergeben und kostete nahezu 7500 Mark. Die Synagoge wurde von Grund auf reparirt; besonders schön ist die innere Ausstattung, sowie die Malerei der gewölbten Decke ausgefallen. Herr M. Jtzig beaufsichtigte mit dankeswerthem Eifer die Arbeiten während der ganzen Bauzeit. Am 21. d. M. wurde das Gotteshaus, welches jetzt einen Schmuck für die Stadt bildet, unter allseitiger Betheiligung durch Predigt und Gesang eingeweiht. Der zahlreiche Besuch gab einen erfreulichen Beweis für den Frieden, der unter allen Konfessionen in Rogasen herrscht. — Die diesjährigen Zinsen der Kommerzienrath Joseph Abraham Moll'schen Stiftung in Lissa im Betrage von 7500 Mark sind für dortige Arme zur Hälfte am Sterbetage der verwittweten Kommerzienrath Moll, am 22. September cr., vertheilt worden. — Unter Betheiligung einer großen Anzahl jüdischer Gemeindemitglieder wurde am 25. September in Kolmar i. P. das Grabdenkmal des vor ungefähr l3/4 Jahren daselbst verstorbenen Lehrers Cohn eingeweiht. Die Weihrede hielt Herr Lehrer Lew in daselbst. Das Grabdenkmal besteht aus einem Prisma aus Syenit von 2,44 Meter Höhe, 62 Centimeter Breite und 27 Centimeter Dicke mit entsprechender Inschrift. — In Ostrowo ist in der Nacht zum zweiten Neujahrstage ein Mann durch den Kastellan der Synagoge abgefaßt worden, als er im Begriff stand, in das Gotteshaus einzubrechen und einen Diebstahl auszuführen. Der Thäter wurde von der Polizei verhaftet, die seine gerichtliche Bestrafung inzwischen in die Wege geleitet hat. — Die Synagoge in Schildberg ist einer großen Renovirung unterzogen worden, und bietet dieselbe nunmehr ein würdiges Aussehen, insbesondere durch die stattlich ausgeführten Malereien. Am Freitag Abend vor dem Neujahrsfeste wurde nach der Renovirung der erste Gottesdienst abgehalten, wobei Herr Rabbiner Dr. B am berger die Einweihungsrede hielt. 0a. Aus Schlesien, 7. Oktober. Am 2. v. M starb in Breslau nach langem Leiden Herr Franz Sachs, Chef des ältesten Breslauer Modewaarenhauses Adolf Sachs. Sein frühes Hinscheiden hat in den weitesten Kreisen Theilnahme hervorgerufen, wie die zahlreichen Nachrufe beweisen, die dem Verstorbenen gewidmet wurden. Diese gab sich auch durch eine außerordentlich große Betheiligung an dem Leichenbegängnisse kund. Das Geschäft soll unverändert fortgeführt werden. — Nicht uninteressant für jüdische und nichtjüdische Kreise dürfte folgender Vorfall

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