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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-10-05 · Heft 40 (5.10.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ragenden Anwesenden nennen wir nur die Herren Rabbiner Dr. I. Hildesheimer, Dr. Cohn und Dr. Rosenzweig, sowie Herrn Justizrath Makowev. Glückwunschschreiben und Telegramme waren eingegangen von den Herren Rabbinern Dr. Ungerleider und Dr. Maybaum, von den Vorstehern Herren Justizrath Meyer und Jsaac, sowie von dem Repräsentanten Herrn Gustav Löwenberg. Es war ein weihevoller Augenblick, als nach dem Mah tauv/u-Gesange die sechs Thorarollen in die Synagoge gebracht wurden und der Willkommengruß BorueK habu ertönte. Hieran schloß sich der Psalm Uj8maur lethodu, das Ausheben der Thorarollen und, unter Absingung des Hausehiuh nu, ein siebenmaliger Umgang. Die Thorarollen wurden wieder in die Lade gesetzt und Herr Dr. Stein, der Prediger des Religions-Vereins „Westen" hielt die von Begeisterung erfüllte Festpredigt, deren Eindruck ein erhebender war. Es folgte das Narjn-Gebet und als Schlußgesang der Adaun olam. Sowohl die Predigt des Herrn Dr. Stein, als auch der Gesang des Mitglieds Herrn Robinson^ welche in uneigennützigster Weise ihre Kraft in den Dienst des Vereins gestellt haben, fanden uneingeschränkte Anerkennung. Die Synagoge macht einen vornehmen Eindruck durch die Farbenharmonie und gediegene Einrichtung, und es ist zweifellos, daß diese Andachtsstätte, welche für den Westen Bedürfniß ist, sich eines immer wachsenden Zuspruches erfreuen wird. Die Leitung des Religions-Vereins „Westen" darf in dem Erfolge dieser Einweihung die verdiente Anerkennung erblicken und sich zu weiterem Streben ermuthigt fühlen. B. Tg. Berlin, 30. September. Am 27. d. Mts. fand in dem Mädchenstift, Münzstraße 23, vor einem geladenen, aus den besten Kreisen zusammengesetzten Publikum eine interessante Prüfung in den hauswirthschaftlichen Fächern statt Die Prüfung endete mit einer erhebenden Entlassungsfeier. Zwei Zöglinge, die in der Anstalt ihre Ausbildung als Hauswirthinnen erhalten, treten nun in die berufliche Praxis über, und es ist gewiß gerechtfertigt, daß der Zeitpunkt, der einen so wichtigen Markstein im Leben der Zöglinge bedeutet, durch einen weihevollen Akt im Gedächtniß derselben festgehalten werden soll. Das Programm war ein reichhaltiges, die Prüfung dauerte an die zwei Stunden und erstreckte sich über das hauswirthschaftliche Gebiet hinaus auch auf das religiöse und andere Fächer, die formal bildende Zwecke verfolgen. Der Vortrag von Goethes Schatzgräber, von einem Mädchen gesprochen, leitete die Prüfung ein, woran sich entwickelnd in passender Verwerthung der Schlußverse eine Betrachtung über Werth und Würde der Arbeit schloß. Die theoretische Auseinandersetzung ging alsbald in den praktischen Theil über. Die Chemie des Kochherdes, der Heizungs- und Beleuchtungsmaterialien bildete den Gegenstand eingehender Besprechung mit den Zöglingen, und der unbefangene Beobachter gewann die Ueberzeugung, daß die Mädchen eine deutliche Vorstellung von den Vorgängen hatten, über die sie in korrekt gefaßten Antworten Rechenschaft ablegten. Die Rechenfertigkeit, zu der es die Anstalt bringt, reicht für die Bedürfnisse des Einkaufs vollständig aus, wie zahlreiche Proben bewiesen. Die religiöse Seite der Erziehung wird keineswegs hintangesetzt. Adon olam und andere Stücke wurden gelesen und übersetzt, und in der biblischen Geschichte und Festtagskunde wußten die Mädchen gut Bescheid. In eindringlichen Worten ermahnte sie dann der Vorsitzende, Herr Dr. Strelitz, die Grundsätze, nach denen die Anstalt geleitet wird, die Grundsätze der Arbeitsamkeit, bescheidener Pflichterfüllung und tugendhafter Gesittung, auch im Leben draußen hochzuhalten und treu zu bewahren. Ein Abschiedslied beschloß die erhebende Feier. X Rosenberg O.-S., 1. Oktober. In unserer Gemeinde haben wir in den letzten vier Wochen zwei goldene Hochzeiten gefeiert. Zunächst die des Herrn Mendel Süßmann und seiner Ehefrau geborenen Fränkel. Die noch rüstigen Jubilare sind 80 und 74 Jahre alt und haben bisher ihren Unterhalt von einer kleinen Ackerbesttzung bestritten. Die Einsegnung ist im Tempel von dem Kantor Herrn Lewin feierlich begangen worden. Von der Königlichen Regierung ist dem Jubelpaar ein Gnadengeschenk von 30 Mark nebst schönem Begleitschreiben überwiesen worden. Die zweiten Jubilare sind der Riemermeister Moses Schönfeld und seine Ehefrau geborene Myslowitz, im Alter von 81 und 73 Jahren. Der ehrwürdige Meister steht noch heute seinem Handwerk rüstig vor und erfreut sich allgemeiner Achtung von Seiten aller Bürger. Derselbe ist aber auch ein recht frommer Mann, der keinen Gottesdienst versäumt. Da er des Hebräischen vollkommen mächtig ist, vertritt er sehr oft bei Gelegenheiten unfern Beamten. Die Einsegnung dieses Paares ist auch wie oben bemerkt erfolgt. Umringt und beglückwünscht von Kindern, Enkeln, Verwandten und Freunden sind beide. Paare in ihren Wohnungen durch viele Beweise von Zuneigung geehrt worden. Möge den beiden Jubelpaaren ein noch recht banger und schöner Lebensabend beschieden sein. Lp. Aus der Provinz Posen, 2. Oktober. Die jüdische Gemeinde in Sold au feierte am 16. September das Fest der Einweihung einer Gesetzesrolle Dieselbe kostete 1200 Mark, die Lheils vom Beerdigungsverein, theils aus freiwilligen Spenden aufgebracht wurden. Zu dieser Feier hatte die Gemeinde Herrn Rabbiner Dr. Rosenstein aus Graudenz zu einer Festpredigt kommen lassen. Nach der Synagogenfeier begann ein längeres gemüthliches Beisammensein der Festbetheiligten im Kraufeschen Lokale. — An demselben Tage, dem 19. September, an welchem vor fünf Jahren die Einweihung der neuen Synagoge zu Ra witsch begangen wurde, fand die feierliche Einführung des von der dortigen israelitischen Gemeinde gewählten Rabbiners Dr. Kohn aus Wreschen in sein neues Amtstatt. Auf dem Bahnhofe, woselbst er von Wreschen kommend an demselben Tage anlangte, wurde er durch eine Deputation des Vorstandes empfangen und nach der hellerleuchteten, im festlichen Schmuck prangenden Synagoge geleitet, woselbst der Vorstand Aufstellung genommen hatte. Nach Eintritt in das bis auf das letzte Plätzchen dicht besetzte Gotteshaus wurde der Herr Rabbiner nach voraufgegangenem Chorgesang durch eine herzliche Ansprache des Herrn Gemeindevorstehers Rechtsanwalt Breslauer begrüßt und durch Handschlag in sein neues 'Amt eingeführt. Alsdann betrat Dr. Kohn die Kanzel, dankte mit bewegter Stimme und gelobte, seiner Gemeinde allezeit ein treuer Führer sein zu wollen. — Am 22. v. Mts. starb in Pudewitz der Kaufmann Adolf Salomon im Alter von 58 Jahren. Die Gemeinde verliert in ihm eines ihrer geachtetsten Mitglieder und das Repräsentantenkollegium seinen langjährigen Vorsitzenden. Lx. Aus der Provinz Posen, im September. Am 4. d. M. ist der praktische Arzt Dr. Cohn aus Unruhstadt weggezogen, um sich in Wollstein niederzulassen. Die Nachricht kam für die dortigen Einwohner, bei deren größtem Theil Herr Dr. Cohn recht beliebt war, sehr überraschend; der Grund des plötzlichen Verzugs ist eine Folge der immer ärger und rücksichtsloser sich daselbst bemerkbar machenden Treibereien einiger antisemitischer Heißsporne. — Zur Förderung der Sabbathheiligung in den Kreisen israelitischer Lehrlinge und Gehllfen sind eine Anzahl derselben in Posen zu einer Vereinigung zusammengetreten, welche bezweckt, den Lehrlingen und Gehilfen die Sabbathheiligung zu ermöglichen. Stellen in solchen Geschäften, die am Sabbath geschlossen sind, werden Seitens der Vereinigung kostenfrei in dem Lokale, Alter Markt 51, wo die Geschäftsinhaber ihre Vakanzen anzumelden haben, vermittelt. — Am 8. d. M. verschied im Krankenhause zu Berlin Herr Samuel Goldbarth aus Samter im 52. Lebensjahre. Derselbe hat über 25 Jahre dem Vorstande des dortigen jüdischen Beerdigungsvereins angehört und sich stets durch humanes Wesen, aufopfernde und thatkräftige Dienstfertigkeit ausgezeichnet. — In der Nacht vom 7. zum 8. ist in S am t e r dadurch grober Unfug verübt worden, daß zahlreiche Exemplare der vom 31. August datirten Beilage zu Nr. 196 der in Posen erscheinenden antisemitischen und polnischen Zeitung „Postep" an den Straßenecken angeklebt wurden. Auf jedem als Plakat dienenden Blatte war der Wucher durch ein Bild veranschaulicht und darüber stand in großen Lettern: „Nie kupujcie od Zydöw!“ (Kauft nicht bei Juden!) Der polnische Text, .ausschließlich für das niedere polnische und katholische Volk berechnet, strotzte von, Anschuldigungen gegen die Juden. Die Personen, welche das Ankleben der Zettel besorgten, sind leider ungesehen entkommen. Die am Hellen Morgen noch nicht beseitigten Plakate wurden auf polizeiliche Anordnung sofort entfernt, zumal anläßlich des katholischen Feiertags (Mariä Geburt) eine größere Volksmenge zu erwarten war. 8. 8. Fürth, 30. September. Am 23. September, d. M. verschied nach längerem Leiden der Religionslehrer und Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr A b r a h a m E b e r t. Am 24. Dezember 1823 in Neuhaus bei Neustadt a. Saale geboren, fungirte er im Alter von 15 Jahren bereits in Waltershausen und Thundorf, bezog 1840 das Schullehrerseminar in Würzburg, machte 1841 das Examen als Religionslehrer, bestand 1645 die staatliche Anstellungsprüfung in Würzburg mit Note 1 in Musik und Lehrfach und fungirte dann in Brückenau und Bayreuth.

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