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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-09-28 · Heft 39 (28.9.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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; iW*** *'"'" ' ' ' 'V ' " .- ' ’ ' . '' ' ' ♦ V '* 2 zu verlassen. Möge ihn in seiner neuen Gemeinde, wie hier, stets die Liebe und das Vertrauen umgeben. Kp. Aus der Provinz Posen, im September. Bei der in voriger Woche stattgefundenen Wahl der Vorsteher und Repräsentanten für die jüdische Schulgemeinde in Pudewitz wurden die Kaufleute Licht, Michel und Loewy als Vorsteher wieder-, und die Kaufleute Lewinsohn, Leopold Wreschinski und Philipp Flatow als Repräsentanten neugewählt. — Am 16. d. M. starb in Kolmar i. P. der älteste Mann daselbst, Herr Gerson Machol, im Alter von 96 Jahren. — Dem Kaufmann Koppel (Karl) Katz in Gnesen, geb. daselbst am 8. Juni 1860, ist die Genehmigung ertheilt worden, fortan den Familiennamen „Cohn" zu führen. — Aus dem Repräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde zu Kulm scheiden aus die Herren Kaufmann Simon, Schuhfabrikant Sänger, Kaufmann Kirchstein, Bankier Hirschberg und Kaufmann Segall und deren Stellvertreter, die Herren Kürschnermeister Schnapp, Kaufmann Jacobsohn und Kaufmann Zeimann. Der Termin zur Neuwahl ist bereits auf den 4. Oktober er. festgesetzt. — Die Wahl des Kaufmanns Simon Spiro in Ostrom o zum Magistratsmitglied daselbst ist vom Regierungspräsidenten zu Posen bestätigt worden. — In Schildberg sind die Herren Rentier Feibelsohn und Kaufmann Moritz Unger jr. als Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde wiedergewählt worden. — In Kroto sch in soll die mit einer Orgel versehene und sehr renovirte Synagoge noch vor den Festtagen eingeweiht werden. 8. Parchim, 21. September. Am 28. Septbr. findet das fünfzigjährige Lehrerjubiläum eines verdienten jüdischen Schulveteranen, des hiesigen Lehrers und Predigers M. Schlesinger, statt. Derselbe ist aus der Dessauer Franzschule unter Direktion des sel. Dr Fränkel hervorgegangen und hat nun fünfzig Jahre als Lehrer thätig gewirkt — überall die Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinden sich erworben. Herr Schlesinger ist nunmehr bereits über 37 Jahre als Lehrer und Prediger in Mecklenburg. 22ya Jahre hier in Parchim; früher war er in Plau bei Arnstadt, dann im Kreise Ottenstein, dann in Mackensen-Dassel — in Pr. Oldendorf und hierauf Lehrer an der Religionsschule in Dessau, bis er nach Mecklenburg ging und nun im hiesigen Lande in den zwei Stellen Ribnitz und hier 37 Jahre amtirt hat und mit Gottes Hilfe noch weiter amtiren wird. g. Genthin, 18. September. Der Ehrenbürger unserer Stadt, Kaufmann Moritz Birnbaum, erster Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde in 'Burg, wurde heute unter großer Theilnahme bestattet. Die Mitglieder des Magistrats, der Bürgermeister und die Stadtverordneten, sowie der größte Theil unserer Gemeindemitglieder folgten dem Sarge. Ueber 25 Jahre hatte Birnbaum der Stadtverordnetenversammlung angehört, und seit 14 Jahren bekleidete er das Amt eines Stadtverordnetenvorstehers. Nicht nur den Wohlthätigkeitsanstalten unserer Glaubensgemeinschaft war seine Theilnahme zugewandt, er war allem Elend gegenüber ein thunlichst hilfsbereiter Helfer. f$ Seesen a. H., 19. September. An der hiesigen Jacobsonschule (berechtigte Realschule) fand heute unter dem Vorsitz des herzoglichen Regierungskommissars, Herrn Oberbürgermeisters Pockels aus Braunschweig, die Reifeprüfung statt. Sechs Primaner bestanden dieselbe. X. Aus Westfalen, 25. September. Zu der Nachricht von der Umfrage der Königlichen Regierung zu Arnsberg wegen der Ferien an jüdischen Schulen wird uns geschrieben: Diese Enquete dürfte wohl auf Beschwerde des jüdischen Schulvorstandes zu Essen zurückzuführen fein. Der bei dem Ministerium wegen der Ferienkürzung an jüdischen Schulen vorstellig geworden ist. Diese Kürzung schließt nämlich eine sehr ungleiche Behandlung der verschiedenen Bekenntnisse in sich. Während den katholischen Schulen die Feiertage nicht in Abrechnung gebracht werden, müssen die jüdischen Schulen im Regierungsbezirk Düsseldorf auf Anordnung der Bezirksregierung sämmtliche Feiertage an den Ferien kürzen, sodaß denselben nicht einmal die gesetzliche Mindestdauer der Ferien verbleibt. Dieser sehr fühlbare Mißstand, wie die ungleiche Behandlung der Konfessionen, hat den jüdischen Schulvorstand in Essen bewogen, den Herrn Minister um Abhilfe zu bitten, und das Ergebniß dieser Bitte dürfte vorerst die erwähnte Umfrage sein. o. Iserlohn, 12. September. Gestern Äbend hielt hierselbst Ahlwardt im Dreesschen Saale einen Vortrag. In der darauffolgenden Diskussion traten ein Sozialdemokrat sowie der Prediger und Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde, Salomon, dem Redner in scharfen, aber sachlichen Ausführungen entgegen. Leider fehlt es uns an Raum, um die vortreffliche Rede des Letzteren ausführlich zu bringen, die hier bei Christen und Juden mächtig gewirkt hat und noch immer in allen Kreisen der Bevölkerung lebhaft und sehr beifällig besprochen wird A Crefelv, 22 September. In dem Familienleben unseres verehrten Oberrabbiners Dr. H o r o w i tz ist in der letzten Woche in trauriges Ereigniß eingetreten. Vor wenigen Tagen meldete ich Ihnen, daß am 19 September das Jubiläum seiner 25jährigen Amtsthätigkeit begangen werden sollte Umfassende Vorbereitungen waren seit Monaten im Gange. Bei der großen Werthschätzung, welche dem Herrn Jubilar aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung entgegengebracht wird, würde sich die geplante Feier zu einem lokalen Ereignisse ausgestaltet haben; da wurde am Mittag des 17. Frau Dr. Horowitz von einem Gehirnschlage betroffen, dem sie in der Nacht zum 18. erlag. Die Theilnahme war eine allgemeine und tiefgehende. Eine imposanteres Leichenbegängniß ist hier wohl selten gesehen worden, und die Theilnehmer an demselben setzten sich aus allen Gesellschaftsklassen der hier lebenden Bekenntnisse zusammen, deren Geistlichkeit ebenfalls vertreten war. Auch von auswärts waren viele Verehrer, Freunde und Kollegen des Herrn Dr. H. herbeigeströmt. Am Grabe sprachen zunächst Rabb. Fr. Auerbach aus Elberfeld, und dann nahm der gebeugte Gatte in herzergreifenden Worten Abschied von der sterblichen Hülle seiner Gemahlin. Als er dann ausführte, was sie ihm im Leben gewesen, wie sie ihn mit tiefem Verständnisse, klugem Sinn und feinem Takte in seinem Berufe gestützt und gespornt, da wurde die Rührung eine allgemeine und überwältigende. Und nicht der Gatte allein verliert unendlich viel an der im rüstigen Alter von 45 Jahren, wenige Wochen vor ihrer silbernen Hochzeit, dahingegangenen gemüthvoüen, feinsinnigen, künstlerisch veranlagten Frau, sie wird auch von den verschiedensten Wohlthätigkeitsvereinigungen und deren Schützlingen in Stadt- und Religionsgemeinde schmerzlich vermißt werden. Frau Dr. Horowitz zählte zu den Vorstandsdamen der hiesigen Abtheilung des vaterländischen Frauenvereins wie verschiedener Wohlthätigkeitseinrichtungen innerhalb der jüdischen Gemeinde. In besonders aufopferungsvoller Weise hat sie sich der armen Wöchnerinnen angenommen; unermüdlich war sie in der Sammlung von Liebesgaben zur Bekleidung armer jüdischer Kinder, und in ebenso herzgewinnender, wie umsichtiger Weise wußte sie ihre Spenden zu vertheilen. Wer so viel Liebe gesäet, mußte Liebe ernten, und sie wurde ihr im reichsten Maße zu Theil im Leben — und im Tode. Möge diese Wahrnehmung, möge die geradezu rührende allgemeine Theilnahme dem tieftrauernden Gatten, den fast zur selben Stunde ein zweiter herber Schlag, der Heimgang seines betagten Vaters, betroffen, den gebeugten Anverwandten einigen Trost gewähren. G Kronach, 24. September. Der „Fränk. Wald" zeigt wieder einmal deutlich, wie die Märchen von dem Ritualmord entstehen. Er schreibt: „Welche Wirkung Verleumdung, Dummheit und Aberglaube erzielen können, hat sich in Burg kund stad t gezeigt. Ein siebenjähriger Knabe, Hans Pütterich, kam im vorigen Jahre eines Abends spät nach Hause und brachte zur Entschuldigung vor, der Kaufmann Bernhard Markus in Burgkundstadt habe ihn in seinen Laden gelockt, ihn eingesperrt, und erst der Kommis des Markus habe ihn auf sein Schreien befreit und ihn herausgelassen. Die Erzählung des Knaben ward weiter verbreitet, und in der ganzen Gegend von Burgkundstadt ist weit und breit jetzt das Gerücht, der Jude Markus in Burgkundstadt habe einen Christenknaben umbringen wollen. Erst hieß es nur, Markus habe den Jungen mit dem Messer bedroht, jetzt wird schon erzählt, er habe ihn an der Decke aufgehängt und ihm den Mund zugestopft, der Bader Ritz in Burgkundstadt sei dazu gekommen, habe den Buben schreien hören und ihm geholfen, als Markus demselben schon das Blut unter den Nägeln ausdrücken wollte. Man bezeichnet den Markus als zweiten Schächter zu Burgkundstadt, und ein Reisender fragte jüngst im Bahnhofe daselbst: „Brauchen die Juden keinen Buben zum Schächten?" Die Gendarmerie sah sich in Folge des allgemeinen Geredes veranlaßt, Nachforschungen zu pflegen; der Knabe blieb auch zuerst auf seinen Behauptungen stehen; in das Haus des Markus geführt, konnte er aber den Keller oder ein solches Gelaß, wo er eingesperrt gewesen sein sollte, nicht zeigen, gestand dann auch zu, daß er diese Geschichte nur erzählt habe, um sein verspätetes Nachhausekommen zu entschuldigen, behauptete

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