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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-09-21 · Heft 38 (21.9.1894) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 38 (21.9.1894)
Date
1894-09-21
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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WWWMMWWMWWWWMWWMWWWWWMW8WWVWW 461 Gin Besuch im indischen Kurhospital in Soden. Von Dr. med. L. Maretzki. in Juni war ich genöthigt, eine Reise nach Eins zu machen, nahm den Rückweg über Frankfurt und benutzte die mir noch gebliebene Zeit, um Soden zu besuchen, das ich noch nicht kannte, und gleichzeitig das jüdische Kurhospital zu besichtigen. In Soden an gekommen, mußte ich mich viel herumfragen, denn das Hospital liegt abseits von der Heerstraße. Ich freute mich doch, daß es Jeder kannte, den ich darnach fragte. Bald war ich au Ort und Stelle. Ich trat in den Garten; er hat einen ziemlichen Umsang mit schönem Baumbestand und Gemüsegarten; gute mit gelbem Kies bestreute Wege schlängeln sich um den Springbrunnen zum Hintergebäride. Im Schweizer Styl gebaut, hat es eine große gedeckte Veranda der ganzen Längsseite des Hauses entlang. Es wird ein Oberstock aufgesetzt mit einzelnen Zimniern und gleich großer Veranda wie unten; das Vorderhaus mit seinen 9 Zimmern reicht nicht mehr aus. Der Bau ist nothwendig geworden, und dank der reichen Spenden wird es diesen Sommer fertig. Eine weite Glasthür führt von der Veranda ins Parterre-Geschoß, ein mächtiger Eßsaal, zu beiden Seiten breite Fenster. Sie aßen gerade, als ich eintrat. An zwei laugen Tischen saßen die Männlein und Weiblein gesondert. Nur wenige zeigten ein schlechtes, krankhaftes Aussehen (sie waren wohl nicht längst angekommen), die Meisten hatten schon Farbe bekommen. Mit welchem Appetit sie da aßen! Und wie reichlich wurden ihnen die Speisen und Getränke gebracht. Wein und Bier wiyd ihnen in ziemlich großer Menge gegeben. Sie brauchen nicht zu fordern, die Diener füllen schnell die leeren Glaser. Ich konnte cs mir nicht versagen, an der Mahlzeit theilzunehmen. Gute, kräftige Brühsuppe, kräftig gekochtes Gemüse mit Beilage, geschmortes Rindfleisch, saftig und schmackhaft zubereitet mit Kartoffeln lind Kompot; ich konnte einen Unterschied zwischen der Zubereitung in meinem Hanse und hier nicht herausfinden. Es war niir eine Freude, dies Alles zu konstatiren, zumal ich unangemeldet und linerwartet angekommen war. Und das ist auch nöthig, daß die Kranken mit kräftiger und reichlicher Kost genährt werden, soll ein guter Erfolg erzielt werden. Und das ist auch der Zweck der Anstalt. Kein' Wunder, daß Mancher bis zu 20 Pfund zunimmt. Die hygienische Fürsorge ist. vortrefflich. Stete Lüftung im Speisesaal, Näpfe mit gefärbtem Wasser an verschiedenen Stellen im Saal, Garten, den Schlafzimmern nehinen die Absonderungen der Kranken auf. Im Vorderhause befinden sich außer einigen Zimmern für Vcrwallungszwecke, dem Ordinationszimmer des Arztes, ausgestattet mit reichem Material zur Untersuchung und Krankenpflege, 6 Schlafzimmer für die Frauen, ansehnliche Zimmer mit zwei Fenster», mit je zwei Betten. Es werden dort nur weibliche Kranke aufgenonunen, für die Männer verschafft die Verwaltung Obdach in der Stadt, Alle erhalten Verpflegung und ärztliche Behandlung in der Anstalt. Das Leben im Hause spielt sich gleichmäßig ab. Morgens um 6 Uhr müssen Alle ausstehcn, trinken einen halten Liter Milch, die Männer haben sich dazu cingesunden; um 7 Uhr ist der Arzt, Dr. Hughes, da, dem müssen sich Alle vorflellen, der Kollege giebt Jedem die uöthige Verordnung. Nachdem sie Brunnen getrunken und den nöihigen Spaziergang gemacht, erhält Jeder Kakao, Milch oder Kaffee mit Zubrod. Um 10 Uhr giebt es Frühstück, Eier meistentHeils oder belegtes Brod mit Wein. Um 1 Uhr wird Mittag gegessen in der geschilderten Weise. Nachdem das Tischgebet gesprochen, zerstreuen sich die Kranken; viele legen sich in der Veranda auf Korbsophas. Um 4 Uhr giebt es Kaffee oder Milch. Um 7 Uhr finden sie sich zum Abendeffen ein: es giebt wieder Fleisch, warm oder kalt, mit Bier nach Bedarf. ■ - Das Ganze macht einen höchst woylthuenden Eindruck, sauber freundlich, heiter, man hat nicht das Gefühl, mit Schwerkranken zu thun zu haben. Es sind dort auch nicht lauter Lungenkranke da Nervöse, Blutarme, Ueberarbeitete suchen und finden dort Erholung und Heilung. Und drinnen waltet eine außerordentlich tüchtige Haushälterin, Frl. Beith, mit einer Umsicht, Gelaffenheit, Entschiedenheit und Wohlwollen, die ich nicht genug bewundern konnte. Ich wünsche der Anstalt Glück zu dieser Dame. Jeden kennt sie bei Namen, weiß Jedes Geschmack und Bedarf, weiß jede Verordnung des Arztes; man sieht es ihr an, daß sie mit Herz und Hand bei der Sache ist. das; die Leitung des Hauses ihr ganzes Denken ausfüllt. Sie führte mich überall herum in Küche und Keller. Alles ist wohl geordnet, peinliche Sauberkeit in der Küche; hurtig und geräuschlos wird gearbeitet, zngerichtet und bedient, kein Lärm bei Tisch trotz der 40 Personen an der Speisetasel. Geradezu Staunen erregend war . für mich der Anblick des Weinkellers. Viele tausend Flaschen Rothwein und Weißwein, 100 Flaschen Cognac liegen in Fächern aufgespeichert Und dies Alles spendet ein einziger Herr aus Frankfurt a. M., Herr Wolfs. Daraus kann man sehen, mit welcher Liebe die Frankfurter Damen und Herren die Kuranstalt behandeln. Möchte es doch aller Orten Nachahmung finden! Es wird viel gebraucht in der Anstalt. 250 Liter Milch wöchentlich, täglich ein Pfund Fleisch pro Person. Das ist mehr als ausreichend. Aber nicht blos um das leibliche Wohl kümmert sich Fräulein Beith; sie hat für die Frauen und Mädchen ein wachsames Auge, nicht minder für die Männer; Alle müssen ein bescheidenes Benehmen haben, von jeder Aufdringlichkeit, namentlich ^im Kurpark, sich fern halten. Und wo sie eine Ungehörigkeit sieht gleich wird es gerügt mit wohlwollender Entschiedenheit. Das war mir recht erfreulich zu hören, es kann der Anstalt nur frommen und ..sie in der Achtung der Nichtjuden heben. Urber zwei Stunden habe ich mich dort aufgehalten; mit den beste«; Wünschen für die Anstalt verabschiedete ich mich. Zwei junge Mädchen führten mich in Soden herum, zeigten mir die Quellen, Kuranlagen und Denkmäler. Sie waren voll von Dankbarkeit für die Anstalt und voll Lobes über Fräulein Beith. Erfreut, in tiefster -Seele befriedigt und gehoben, schied ich von dem lieblichen Soden. Air Geschichte des Infanterieregiments n. Mittich (3. Hess. Mr. 83) und die Inden. Von S. Andorn in Crefeld. fie Theilnahme der Juden an den vaterländischen Kämpfen ist für unsere Gegner eine höchst fatale Thatsache, und können sie dieselbe schon nicht ans der Welt schaffen, so soll sie wenigstens zur Bedeutungslosigkeit hcrabgedrückt werden. Einer der ehrenwerthen Herren hat sich gar zu dem Aussprache verstiegen, cs seien überhaupt keine Juden gefallen. Den Beweis für diese echt antisemitische Behauptung hat Herr Liebcrmann von Sonnenberg — um diesen genialen Denker und großen Patrioten handelt es sich hiermit unverfälscht antisemitischer Logik geführt. Er hat sich einige Kriegerdenkmäler angesehen und konnte oder wollte in den Verzeichniffen der Gefallenen keine jüdischen Namen finden; das Manöverchen macht einem antisemitischen Kopfe alle Ehre. Vernünftige I I

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