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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-09-14 · Heft 37 (14.9.1894) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 37 (14.9.1894)
Date
1894-09-14
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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- 444 - wird. Die Ewigkeit ist aber im Worte nicht enthalten, deyn auch der fnnK kann, wenn auch später, doch endlich zu Grunde gehen. Meiner Ansicht nach ist der zweite Glaubensartikel direkt gegen die „Trinität" gemünzt. Es giebt nur eine Einzig-Einige und nicht eine dreieinige Gottheit, und wenn es eine „Trinität" giebt, so ist es die von JTm mn ITH — Er war, er ist, und er wird sein, der Einzig — Einige! Inowrazlaw, September Rabbiner Dr. Kohn. Religionslehrer L. Buxbaum-Wien hat in voriger Nummer d. Bl. auf eine Schwierigkeit im ij# hingewiesen. Er meint, daß der Satz w’hu l’wadau elauhenu hojo, hauwe w’.jih’je nicht zum zweiten gehöre, da die Ewigkeit Gottes im vierten Glaubensartikel niedergelegt sei. Ich glaube indeß, daß besagter Satz gar nicht lJYinSÜ hervorheben, sondern die absolute Einigkeit und Einzigkeit Gottes ass ewig darstellen will und damit jede Entwickelung in Gott, jedes Hervorbrechen einer Dualiät (Böhme und nach ihm später Schelling) oder Trinität (Christenthum) in der göttlichen Einheit ausschließen. Es wäre demnach so zu übertragen: „Und dieser unser Gott war, ist und wird alleinig bleiben." Der Hauptgedanke liegt in l'wadau. Dasselbe scheint wir auch im zweiten des durch w’en soauf l’achdussau angedeutet zu sein. Reichenbach i. Schl. Jakob Bähr- * Verehrliche Redaktion! err Rabbiner Dr. Selig ko w itz hatte in Nr. 34 d. Bl. die Liebenswürdigkeit, mich darüber zu belehren, daß die Mischnah San, hedrin 52 a das Verbrennen als Todesstrafe „nur auf die inneren Organe durch geschmolzenes Blei beschränkt wissen will", aber er mag versichert sein, daß er für mich diese Mischnah nicht erst entdeckt hat. Hätte sich Herr Dr. Seligkowitz vor Veröffentlichung seiner Notiz die Mühe genommen, jene Mischnah bis zu Ende zu lesen und die darauf bezügliche Diskussion in der Gemara durchzugehen, so wäre es ihm sicherlich nicht entgangen, daß durch das Verbrennen der inneren Organe die rniCft nicht umgangen werden wollte, daß dieser Modus auf Grund des Analogieschlusses ni© JTTM und mit Rücksicht auf das Gebot der Nächstenliebe gewählt wurde nrpft )b Kurz, Verbrennen bleibt Verbrennen, und auf die verschiedenen Arten der Verbrennung hatte ich in meinem Aufsatze lediglich keinen Grund einzugehen, also auch keine Veranlassung, die in Rede stehende Mischnah zu erwähnen, es müßte denn gerade die sein, um den geehrten Lesern dieses Blattes zu zeigen, daß sie mir nicht unbekannt sei. Was sich übrigens Herr Dr. Seligkowitz unter einer „fettgedruckten" Mischnah denkt, kann ich zu meinem Bedauern nicht ermitteln, obgleich ich mich mit dem Studium der Mischnah in meinem Leben viel beschäftigt habe. Hochachtungsvoll Stuttgart, 3. September. Dr. Stößel. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Jßj ls Pendant zur „Nachbemerkung des Einsenders" in Betreff des Rischus in Borkum in Nr. 36 der „Allgem. Ztg. d. Judenthums" (S. 432) kann ich Ihnen folgendes,' in einem andern Seebade, in Zinnowitz, Selbsterlebte mittheilen. In den ersten Tagen des August besuchte ich dort einen mir befreundeten, akademischen Lehrer von hier, der zwar jüdischer Abstammung ist, aber eine Christin zur Frau hat und selbst schon seit Jahren getauft ist, bei dem auch eine Nichte, die Tochter eines bekannten akademischen Lehrers im Auslande, der dem Glauben seiner Väter mit seiner Familie treu geblieben ist, zu Besuch war. Eines Sonntags Vormittags saßen wir, der erwähnte akademische Lehrer, seine Frau und Kinder, die, nebenbei bemerkt, alle katholisch sind, sowie seine Nichte und ich in der ihm gehörenden Strandhütte und unterhielten uns, so ruhig wie möglich. Als wir aber Nachmittags zur Hütte zurückkamen, da fanden wir zu unserm großen Erstaunen auf dem Tische derselben die Worte, mit schönen lateinischen Buchstaben geschrieben: „Juden raus!" Und dabei ist Zinnowitz, soviel ich weiß, schon seit Jahren, antisemitisch gesprochen, „judenrein". Da aber anzunehmen ist, daß in jenes Seebad kein gewöhnlicher Pöbel geht, so wird es wohl der vornehme gewesen sein, dem wir jenen Ausdruck der gar nicht genug zu rühmenden „christlichen Liebe" zu verdanken hatten. Ich war natürlich als Jude, dem sein Glaube nicht feil ist, über diese Pöbelhaftigkeit nur empört, wie dem Konvertiten darob zu Muthe war, weiß ich nicht und habe mich auch gehütet, ihn zu fragen Ich habe nur soviel aus diesem Vorgänge ersehen, daß ein Jude geradezu Mangel an Selbstachtung verräth, von allem Andern ganz abgesehen, wenn er ohne innere Ueberzeugung zum Christenthum Übertritt. Ihr ganz ergebener Greifswald, im September. Dr. Babad, Bibliothekar. Miscetlcn. Ergötzliche Anzeigen. Im „Buchhändler-Börsenbl." lesen wir Folgendes: 15, August 1894: „Die sich mehrende Verunstaltung meines Namens, die auch Unzuträglichkeiten in der Briefrc. Beförderung zur Folge hat, zwingt mich zu der Erklärung, daß ich als geborener Schleswig- Holsteiner und einer alten lutherischen Pastorenfamilie entstammend, nicht Jacobsohn oder Jacobson, sondern Jacobsen heiße, was ich bei Zuschriften rc. zu beachten bitte. Leipzig, August 1894. Carl Jacobsen." 18. Augnst. „Die Verunstaltung von Namen und Firmen, die im Buchhändlerverkehr leider häufig vorkommt und mir schon öfters Grund zu privaten Auseinanderfetzungen verschiedener Art geben mußte, veranlaßt mich (Hrn. C. Jacobsen iu Leipzig folgend) mitzutheilen, daß ich weder Conitzer noch Konitzer heiße, sondern daß ich einer altthüringer evangelisch-lutherischen Familie entstamme und Koenitzer heiße Frankfurt a. M. Carl W. Koenitzer." 1 September: „Auch eine Erklärung' Die sich mehrende Verunstaltung meines Namens, die auch Unzuträglichkeiten in der Briefrc. Beförderung zur Folge hat, zwingt mich zu der Erklärung, daß ich nicht Kronbach, Crohnbach, Krombach oder Cronberg, sondern Cronbach heiße und meine Vorfahre Juden waren, die in D.-Crone domizilirten, daß aber mein Vater, nachdem er in den Freiheitskriegen 1813—15 das eiserne Kreuz und den russischen St. Gcorgsorden vor der Front erhalten hatte, trotz seiner jüdischen Abstammung kgl. pr. Beamter wurde und als solcher starb. Berlin. Siegfr. Cronbach." — Die Befestigung des alten Jerusalem. Mr. James Glaishar, der Vorsitzende des „Palestine Exploration Fund", berichtet der „Academie" zufolge, daß an einer im Süden Jerusalems außerhalb der Mauern gelegenen Stelle Untersuchungen vorgenommen wurden, in der Hoffnung, Reste der alten Stadtumwallung aufzufinden. Südöstlich vom englischen Kirchhof wurde ein Schacht gegraben und von hier aus in nordöstlicher Richtung ein Gang vorgetrieben. In einer Entfernung von 48 Fuß stieß man dabei nach Mittheilung des Herrn Bliß auf eine schön gearbeitete Steinböschung. Dieser ging man, indem man ihren verschiedenen Winkeln folgte und zugleich nach rechts und nach links hin vordrang, bis auf etwa 140 Fuß nach. Herr Bliß glaubt in ihr die thatsächliche äußere Befestigungslinie des alten Jerusalems gefunden zu haben. Weitere Nachrichten, die bald erwartet werden dürfen, müssen zeigen, ob diese Annahme richtig ist. Im Norden der Stadt, nicht weit von der Stefanskirche, wurde bei der Grundlegung eines Hauses ein schönes Mosaikpflaster aufgefunden. Herr Blitz beschreibt es als' ein prächtiges Stück Arbeit von 21 Fuß Länge und 13 Fuß Breite. Innerhalb einer schönen Randverzierung ist ein Weinstock mit Trauben dargestellt, unter dessen Zweigen sich zahlreiche Vögel: Pfauen, Tauben, Störche, ein Adler, ein Rebhuhn, ein Papagei in einem Käfig u. a. m. befinden. Die Mosaik ist fast vollständig erhalten Nahe an ihrem östlichen Ende befindet sich eine armenische Inschrift, welche besagt, daß der Ort der Erinnerung aller derjenigen Armenier gewidmet sei, deren Namen der Herr kennt. Unter dem Pflaster wurde eine Gruft entdeckt, in der sich Knochen, Lampen und Glasgefäße vorfanden. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin/ Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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