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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-09-14 · Heft 37 (14.9.1894) · p. Seite 443

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 37 (14.9.1894)
Date
1894-09-14
Page
Seite 443 (sequence 11)
Language
German
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WWWWW WWW 443 §txxn Professor Dr. W. Lororus;um 70. Geburtstage. (15. September 1894.) „Das ew'ge Volk, das unsrem Tempel — L>el!l Riesenfnndament gelegt, Und seines Geistes scharfen Stempel — Der halben Menschheit ausgeprägt!" (W. Jordan, Demiurgos.) infarbig, eines ist das ew'ge Licht, Das sich auf Erden in drei Farben bricht. Drei Farben, sie, die aller Farben Grund, Hier bilden allen Lebens blühend Bunt. In dreien Farben auch das ew'ge Licht, Als Wahrheit, Schönheit, Güte, zu uns spricht. Und allen Erdengeistes leuchtend Bunt Sich aufbaut nur auf jener Dreie Grund. — Scheint einzeln diese Farbe gar zu hell; Mißfarbig jene, augverletzend grell: Es fließt der Einzelgeist in Volkesgeist, Der sich als Vollklang reich und klar erweist. Und aller Erdengeist in einem Strom, Als einer steigt empor zum Himmelsdom Der Kund'ge, scharfen Blickes er erschaut Des ganzen Volkes Färb' und giebt ihr Laut. Daß ungeübtes Aug' auch lerne sehn Im Sichtbaren des Unsichtbaren Wehn. Der deutschen Volkesseele Farbenton Verkündet ward er uns von Andren schon. Das deutsche Volk, das, wer es recht erkennt, Das Volk der Dichter und der Denker nennt: Doch du, als deines Volkes echter Sproß, Dem sich der Farben Zahl' in ein' erschloß; Daß in den Tönen all' man einen hör'. Uns schufest du die Völkerseelenlehr'! - Nicht nur der Denker und der Dichter spricht. Wenn du erspähst das Völkerangesicht. Das Schön' und Wahre ist nicht reich genug Um zu erfassen Völkergeisteszug. Es fehlt des Lichtes dritte Erdenfarb', So Dichter nicht und Denker nicht erwarb: Das Wahr' und Schöne ist noch Höchstes nicht, Erst mit dem Guten eins, ist's ganzes Licht! | Und was dem Menschenherz als Bestes frommt,! Die Gotteslie b', das Heil, von Juda kommt.! Daß Gotteslieb' als Menschenliebe spricht. Lehrt Moses unser Lehrer uns als Pflicht. „Und ihr sollt sein ein heilig Volk" verkündet er, „Denn heilig bin ich, euer Gott, der Herr!" Sohn Juda! du, des Guten Erb' und Sohn, Bringst zu den zweien nun den dritten Ton: Wie Deutschland deines Geistes Mutter ist. So Zions Vaterkuß die Stirn dir küßt; Und ob schon Abendroth dein Haupt umglüht. Im Lebensherbst dir Geisteslenz noch blüht; Du, deutscher Jude, der auf höchster Warte steht: Ein Denker und ein Dichter und Prophet! Henriette Hirschberg. Sprerhsaal. Erklärung der Nummer 69 des in Mainz erscheinenden „Israelit" vom <35 30 August d. I. sind sowohl in dem leitenden Artikel, als auch in der besonderen Beilage: „An unsere Glaubensgenossen in Westfalen" maßlose Angriffe gegen den Unterzeichneten Vorstand enthalten. Wir haben keine Veranlassung, auf die gehässigen und verhetzenden Auslassungen des genannterr Blattes, die jeder sachlichen Begründung entbehren, näher einzugehen, können vielmehr getrost das Urtheil der einsichtigen Leser darüber erwarten. Wir wollen nur berichtigend hervorheben, daß nicht „einige zwanzig", sondern sechsundreißig Gemeinden unserm Verbände angehören, darunter die sämmtlichen großen und die meisten mittleren Gemeinden unserer Provinz. Auch beläuft sich die Gesammt-Seelenzahl unserer Verbandsgemeinden nicht auf 8500, sondern auf über 9000. Diese Zahl ist, da in ganz Westfalen gegen 15,000 Juden wohnen, nicht, wie der „Israelit" behauptet, eine „starke Minorität", sondern im Gegentheil eine absolute Majorität. Der Ausschuß des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens. M. Katzen st ein, Vorsitzender. * Geehrter Herr Redakteur! (Mn Nr. 35 der „Allg. Zeitung des Judenthums" äußert sich Herr <35 Moritz Scherbel über einen in Nr. 8 der „DibreEmeth“ von 1894 veröffentlichten Aufsatz. Herr Sch. stellt mich hier als einen Gesinnungsgenossen der Anarchisten dar. Gestatten Sie, daß ich mich gegen diesen Angriff vertheidige! Der Satz: „Wenn das von Seiten eines Pfarrers . . . menschlich gedacht ist" u. s. w. — wäre am Platz, wenn ich in jenem Artikel meine Glaubensgenossen aufgefordert hätte, an den Unternehmungen der Antisemiten theilzunehmen Nun wird es aber Niemand gelingen, einen solchen Aufruf in meinen Worten zu finden. Thatsächlich habe ich immer die milde Flamme der Liebe zu Israel, nicht das wilde Feuer des Judenhasses geschürt. Hierfür darf ich mich sowohl auf zahlreiche Aufsätze der „Dibre Emeth“, als auch auf eine Reihe von Broschüren (z. B. Jmanuel Tremellius, 2. Aufl 1890; Heilige Wahrheiten, 1891) berufen. Meine Geschichtsbetrachtung, die Herrn Sch. zu seinem unüberlegten Urtheil veranlaßt hat, ruht auf Aussagen des Neuen Testaments. Ich verweise einerseits auf Apostelgeschichte 2, 23; 3, 15; 4, 10; 5, 30; 7, 52; andererseits auf Matthäus 21.39-41; 22, 7; 23, 37 - 39; Lukas 19, 41-44. Uebrigens betrachtet auch Josephus den Untergang Jerusalems im Jahre 70 der christlichen Zeitrechnung unter dem Gesichtspunkt eines von Gott verhängten Strafgerichts. Seine bekannten Worte sind in meine von Herrn Sch. beanstandeten Ausführungen verflochten: „Keine Stadt hat je so viel erlitten. Es war aber auch kein lasterj hafteres Geschlecht auf Erden als dieses." I Mit der Bitte, die vorstehende Berichtigung in der nächsten Nummer I Ihrer Zeitung gefälligst abdrucken zu lassen, zeichne ich | Friedenau-Berlin, 6. September. Hochachtungsvoll Prediger W. Becker, Herausgeber der „Dibre Emeth“. * ^L err Buxbaum, Religionslehrer in Wien, möge gefälligst nachschlagen 0g) Maimonides Jad Hachezakah « p-)S minn 'N1O' 1 dort findet er, wie innig Einheit und Ewigkeit Gottes mit einander verknüpft, wie die Einheit erst aus der Ewigkeit abgeleitet und bewiesen wird. . . Maimonides schreibt dort nämlich: „Die Einheit Gottes ist eine absolute und mit keiner anderen Einheit irgendwie vergleichbar. Es ist keine Einheit wie die irgend eines Körpers, der ja wieder theilbar, begrenzt, beschränkt. Wäre Gott ein Körper, dann wäre er endlich und nicht ewig, dann wäre ja seine Kraft endlich; seine Kraft ist aber ewig und unendlich, denn er wirkt und schafft ja immer ununterbrochen fort, also ist er kein Körper. Dann ist er auch nicht behaftet mit den Eigenschaften eines Körpers der theilbar und in viele Theilchen aufgelöst, zersetzt werden kann, also ist er Eins und Einig. Die Einheit wird also bewiesen durch die Ewigkeit — pp IN2 "* und deshalb müssen beide — Einigkeit und Ewigkeit zugleich genannt werden. Gott ist — einig weil er ist nVTH N1N 7M ewig. Herr Buxbaum ist im Irrt hum, wenn er glaubt, der 4. enthält den Glauben an die Ewigkeit Gottes nein! er enthält nur, wie Maimonides im '»JJ'O'irT HD ausdrücklich sagt, den Glauben an den Glauben, daß Gott, bevor noch irgend etwas gewesen, als Erster schon lebte und existirte, und ebenso, wenn Alles wieder untergegangen und in Nichts zurückgesunken sein wird, Gott unabhängig von allem Wechsel und Wandel der Natur als „Letzter" sein und bleiben

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