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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-09-14 · Heft 37 (14.9.1894) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 37 (14.9.1894)
Date
1894-09-14
Page
Seite 438 (sequence 6)
Language
German
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- 438 - Anderem die Wacht, welche er a» der Hochschule für jüdische Wissenschaft in Berlin hält. Mvtftot xttl ufivijTot, Philosophen und Laien haben somit allen Grund, sich an de», morgigen Tage in feierlicher Stimmung mit dem Jubilar, bei welchem die Güte immer auch groß, die Größe immer auch gut ist, in dem Segensspruche zu vereinigen: „Gebenedeit seiest du, Ewiger, unser Gott, König des Weltalls, der du uns am Leben und bei Gesundheit erhalten hast und uns diese Zeit erreichen ließest." Nie Juden in Montreal. Von Dr. M. Kayserling. Sm letzten Jahrzehnt, besonders in den jüngsten Jahren, haben unsere amerikanischen Glaubensgenossen mit großem Eifer und anerkennenswerthem Fleiß die frühesten Ansiedelungen ihrex Ahnen in der neuen Welt erforscht, die ihnen zugänglichen archivalischen Dokumente benützt und viel neues Material zur Geschichte der jüdischen Gemeinden Amerikas berbeigeschafft. Als schöne Resultate dieser historischen Forschungen sind vor Allem zu nennen die im vorigen Jahre erschienenen Publikationen der „Amerikanisch- Jüdisch-Historischen Gesellschaft", deren Fortsetzung demnächst erfolgen wird, sowie die von dem jungen Gelehrten Max I. Köhler besorgte, mit zahlreichen Noten und Zusätzen versehene neue vermehrte Auslage des trefflichen Buches „Tlie Settlement of the Jews in North-America“ von Charles P. Daly, dem Präsidenten der amerikanischen geographischen Gesellschaft (New-Iork 1893). A. G. Daniels Geschichte der Juden in Boston und Neu-England (New- Zork 1892) ist mir nicht zu Gesicht gekommen, und die vor einem Jahre angekündigte „Geschichte der Juden in Philadelphia" von S. Morais ist bedauerlicher Weise noch nicht erschienen. Die spanisch-portugiesische Gemeinde in Montreal (Canada) hat anläßlich der jüngst begangenen Feier ihres hundertundfünfundzwanzigjährigen Bestehens ihren Historiographen, wie wir vermuthen, in Dr. Meldolg de Sola gefunden. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Montreal ist nicht ohne allgemeines Interesse. Als die Engländer im Jahre 1758 ein Heer nach Canada schickten, um diese Besitzung den Franzosen zu entreißen, befand sich unter den Stabsosfiziren des Generals Amherst ein Jude aus London; Namens Aron Hart, der an der Spitze einer in Trois Rivieres stationirten Division stand und den Engländern gute Dienste leistete^ Nach Beendigung des Krieges gelangte er durch glückliche Unternehmungen zu ansehnlichem Vermögen und wurde Herr von Becom? conr; ihm wurde die hohe Ehre zu Theil, den Herzog von Kent, den Vater der Königin Viktoria, als er in späteren Jahren Trois Rivieres besuchte, in seinem Hause zu bewirthen. Mit Aron Hart ließ sich ein anderer Jude, Lazarus David aus Wales, in Montreal nieder und nahm dort bald eine einflußreiche Stellung ein. Nach der Einnahme Junbecs siedelten sich noch mehrere Juden, größtentheils spanisch-portugiesische Flüchtlinge, dort au; bis auf drei oder vier, welche militärische Chargen bekleideten, waren sieAlle begüterteKaufleute, Diese ersten Ansiedler, gering an Zahl, faßten im Jahre 1768 den Beschluß, eine Gemeinde mit sephardischem Ritus zu bilden; sie legten ihr den Namen „Scheerith Israel" hei. Sieben Jahre später erwarben sie ein Stück Land zu einem Begräbnißplatz; der Erste, der dort seine Ruhestätte fand, war der eben erwähnte Lazarus David, der am 22. Oktober 1776 starb und dessen Grabstein noch vorhanden ist. Ihre gottesdienstlichen Versammlungen hielten sie niehrere Jahre in der Wohnung eines ihrer Mitglieder ab, bis sie im Jahre 1777 auf einem von David David ihnen überlassenen Grundstück eine kleine Synagoge, die erste in Canada, erbauten. In den Grundstein des einfachen Gebäudes legten sie einige aus Spanien rmd Portugal mitgebrachte Münzen und mehrere kupferne Platten, in welchen die Namen der Gründer eingeprägt waren; dieselben wurden vor einigen Jahren 7 in gutem Zustand vorgefunden und in den Grundstein der neuerbauten Synagoge gelegt. Von der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London erhielt die kleine Gemeinde in Montreal zwei kostbare alte Thorarollen, welche von portugiesischen Exulanten aus der Heimath mitgenommen waren und welche noch gegenwärtig benutzt werden, zum Geschenk. Bald »ach der Einweihung der Synagoge stellten sie auch einen Rabbiner an in der Person des I. Raphael Cohen aus London, der aber schon nach weuigen Jahren einer Berufung der Gemeinde „Mikwe Israel" in Philadelphia folgte. Die Juden in Montreal gewannen alsbald Ansehen und Einfluß; mehrere zeichneten sich durch ihren Patriotismus und durch ihre dem Staatswohl geleisteten Dienste vortheilhaft aus. Es sind hier in vorderster Reihe mehrere Glieder der Familie Franks zu nennen. David Solebury Franks, ein junger Kaufmann, dessen Vater sich in Quebec niedergelasten halte, war ein glühender Patriot. Nach Ausbruch der Revolution trat er in die Armee; er wurde bald zum Major befördert und war unter General Arnold als dessen Sekretär mit der militärischen Korrespondenz betraut. Nach der Flucht Arnolds zum Obersten ernannt, diente er unter Washington und that sich mehrfach hervor. Im Jahre 1781 verwandte ihn der Kongreß zu diplomatischen Missionen. Er unternahm eine Reise nach Europa, folgte Benjamin Franklin nach Paris, lebte einige Zeit als amerikanischer Konsul in Marseille und begleitete Thomas Barclay, der mit dem Kaiser von Marokko wegen eines Friedens¬ und Handelsvertrags unterhandeln sollte, nach Spanien und Marokko. Der Vertrag wurde 1787 abgeschlossen und von Franks nach den Vereinigten Staaten gebracht. Für seine in der Revolution geleisteten beträchtlichen Dienste erhielt David Franks, der später Präsident der Montrealer Gemeinde war, eine Belohnung, bestehend in vierhundert Acker Land. Sein Vetter, Oberst Isaak Franks, diente gleich ihm unter Washington und war Besitzer des Hauses, in welchem dieser im Jahre 1793 in Germantown wohnte. Aber nicht alle Glieder der Familie Franks standen auf Seiten der Freistaaten. David Franks, der Oheim der beiden Genannten, zählte zu den treuesten Anhängern Englands. Er war vor Ausbruch des Krieges einer der reichsten Männer Philadelphias, büßte aber wegen seiner Anhänglichkeit an das Mutterland sein ganzes Vermögen ein, er wurde des Landes verwiesen und mußte sich verpflichten, nie wieder dahin zurückzukehren. Seine Tochter Rebekka war in Philadelphia eine gefeierte Schönheit; durch ihre Eleganz und ihren Geist erregte sie auf dem großen Offiziersball, der zu Ehren des britischen Generals Howe vor besten Abreise 1778 gegeben wurde, allgemeine Bewunderung. Interessant ist ihr Bericht über die gesellschaftlichen Verhältnisse Philadelphias gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, welche ge als Gattin des Generals Henry Johnson genau kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Henry Joseph, ein Neffe des früher erwähnten Aron Hart, der als junger Mann aus England nach Canada kain, gründete in Berthier, wo er sich ansiedelte, eins der bedeutsamsten Handlungshäuser des Landes. Er war der Erste, der in Canada Schiffe direkt zum Transport nach England befrachtete und wurde somit der Gründer der Handelsmarine Canadas. Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1812 trat er in die englische Armee.

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