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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-09-07 · Heft 36 (7.9.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 36 (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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neu zu Repräsentanten, die KaufleuLe Zobel, Fränkel und Salinger zn Repräsentanten-Stellvertreter gewählt — Der Tempel der israelitischen Synagogengemeinde in Kempen ist in prachtvoller Weise renovirt worden, ein Breslauer Maler wurde mit der Arbeit betraut. — Der kürzlich verstorbene Stadtrath Kronthal in Posen hat der Stadt ein Legat von 1000 M. für Arme der Stadt Posen hinterlassen. — Die Antisemiten in Unruhsladt gaben sich große Mühe, den Rektor Ahlwardt einmal reden zu hören. Doch scheiterte der Plan an den enormen Forderungen des „Rektors aller Deutschen", der nicht weniger als 100 M. für einen Vortrag verlangt. Das Reden bringt Ahlwardt auf diese Weise jetzt wohl mehr ein, als früher das Schulehallen in Berlin. — Ein außergewöhnlich hohes Alter hat der in Mrotschen lebende Glaubensgenosse Herr Salomon Lewin erreicht. Derselbe ist schon 110 Jahre alt und erfreut sich noch einer ziemlich guten Gesundheit. — Bei der kürzlich in Kempen stattgesundenen Repräsentantenwahl sind die Herren Meyer Baruch, Moritz Rosenthal, Emil Pulvermann, Albr. Rosenberg, Moritz Grabowski, Bernhard Ritter, Gastwirth Borower und Moritz Sternberg zu Repräsentanten und von diesen die Herren Jsaac Bloch und Moritz Gottheimer zu Vorstehern wieder¬ und Herr M. L. Schaps als stellvertretender Vorsteher der dortigen Synagogengemeiude neugewählt worden. — Am 14. August er. drangen bei einer in Bromberg in der Kujawierstraße abgehaltenen jüdischen Hochzeitseier Tumultuanten in den Hausflur und in die festlichen Wohnzimmer, störten in gröblicher Weise die Feier und mußten durch polizeiliche Hilfe gewaltsam entfernt werden. Einzelne Ruhestörer sind zur Anzeige gelangt. — Jn Rogasen feierte der dortige jüdische Jungfrauenverein in diesem Monate sein Jahresfest im Etablissement Alexanderpark. Die jungen Damen amüstrten sich bei verschiedenen Gesellschaftsspielen und Tanz bis spät in die Nacht. — Bei der Ergänzungswahl des Repräsentantenkolleginms der jüdischen Gemeinde Briefen wurden folgende Herren gewählt: in der ersten Abtheilung Stadtverordnetenvorsteher Simon Ascher, Kaufmann Sally Moses und Kaufmann Jacob Meyer, in der zweiten Abtheilung Kaufmann Alex Harris und Kaufmann H. Wessolowski, in der dritten Abtheilung Gasthofsbesitzer Gustav Gotz. Die Wahlbetheiligung war eine sehr rege. — Am 13. August er. wurden unter großer Betheiligung aller Konfessionen die sterblichen Ueberreste der in La bisch in bei einer Feuersbrunst verunglückten jüdischen Familie Ma ch ol (Mutter mit drei Kindern im Alter von 18, 16 und 14 Jahren) zur letzten Ruhe geleitet. Die jüdische Gemeinde hatte den Rabbiner Dr. Kohn aus Jnowrazlaw zur Trauerrede hinkommen lassen. — Bei der kürzlich stattgehabten Ersatzwahl eines Magistratsmitgliedes in Ostrowo ist Herr Kaufmann Spiro als solcher mit Stimmenmehrheit gewählt worden. Derselbe gehörte bis dahin dem Stadtverordnetenkollegium an. 0a. Aus Schlesien, 3. September. Das Fest des silbernen Meister- und Ehejubiläums ihres 'stellvertretenden Obermeisters, Herrn Fleischhauer aus Tarnowitz, beging die Malerinnung des Jndustriebezirks gelegentlich der letzten Generalversammlung im Hotel „Deutsches Haus" in Beuthen (Oberschl.). Der allgemein beliebte und verehrte Jubilar hatte zwar seine Ehrentage vor seinen Jnnungskollegen ebenso wie vor der größeren Oeffentlichkeit in seiner anspruchslosen Bescheidenheit verheimlicht, war aber dafür umsomehr und vollkommen von der kleinen Festesfeier überrascht, die im Kreise der Innung für ihn trotz aller seiner Heimlichkeit veranstaltet wurde. Die Feier lieferte einen trefflichen Beweis für die freundschaftliche Kollegialität, die in der Innung herrscht. —- Die Badeanstalt des jüdischen Gemeindehauses in Beuthen (Oberschl.) wird durch den Civilingenieur Grünwald von dort eingerichtet und soll nach Berliner Muster angelegt werden. Der Kostenaufwand für alle technischen Installationen kann 10,000 Mark betragen. Die Anstalt umfaßt 7 Zellen und eine Doppelzelle mit Porzellanwannen, ferner ein Tauchbassin, Brause- und Douchebäder. Zwei weitere Zellen sollen für unentg eltliche Benutzung, insbesondere für die vielen Ausländer ausgestattet und gehörig besorgt werden. Das Gebäude erhält Centralheizung mit Dampfdruck. — Der Synagogengemeinde zu Woischnik ist die Genehmigung zur Annahme des ihr vom Kaufmann Marck aus Labischau letztwillig vermachten Hausgrundstücks in Woischnik ertheilt worden. — In der Nacht zum jüngsten Sonnabend wurde in die Leichenhalle des jüdischen Friedhofs in Myslowitz eingebrochen. Nachdem von den Dieben vergeblich der Versuch gemacht worden war, die Mauer von der Seite mit einer Keilhaue, welch' letztere daselbst zurückgelassen wurde, zu durchbrechen, erbrachen die Diebe das an der Straße gelegene Hauptthor. Sie müssen jedoch bei der „Arbeit" gestört worden sein, da von den daselbst aufbewahrten Gegenständen nichts gestohlen worden ist. - Nachdem sich der bisherige israelitische Friedhof in Leobschütz (am Viehmarkt in der Obervorstadt) als nicht mehr belegungsfähig erwiesen hat, ist die israelitische Gemeinde daran gegangen, einen neuen Friedhof zu errichten. Derselbe ist nunmehr fertiggestellt und ist, an den Simultansriedhof in der Richtung auf Kittelwitz anschließend, bereits mit einer Mauer umfriedigt. Ebenso ist das stattliche Begräbnißhaus bereits unter Dach gebracht und nur noch abzuputzen und im Innern auszubauen. — Wie aus Oesterreichisch-Schlesien berichtet wird, wurden jüngst in der Freistädter Vorstadt in Teschen zwei polnische Israeliten mit einem Gewehr angeschossen, wodurch einer derselben an der Hand verletzt wurde. Nach den Thätern wird gefahndet. M. Hamburg, 1. September. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Ferien-Kolonien) entsendet auch in diesem Jahre wie in den vorhergehenden eine Anzahl von Kindern in die Sommerfrische. Es ist dem Komitee gelungen, auch diesmal 77 Kindern, nämlich 37 Knaben und 40 Mädchen die Wohlthal eines vierwöchentlichen Ferienaufenthalts in Oldesloe zu ermöglichen. Der Verein hat für seine Zwecke die Räume der ehemaligen Rubenschen Papierfabrik gemiethet, welche große luftige Speise-, Schlaf- und Spielsäle bieten. Das Aufsichtspersonal besteht aus 1 Lehrer, 2 Lehrerinnen und einer barmherzigen Schwester. Die Kinder unternehmen von Oldesloe aus in Gemeinschaft mit dem Aufsichtspersonal weitere Spaziergänge. Auch für Spiel und Unterhaltung ist im weitgehendsten Maße gesorgt. Außerdem nehmen diejenigen Kinder, welchen es ärztlich verordnet ist, für Rechnung des Vereins die nöthigen Soolbäder. Außer diesen sind noch drei Kinder, deren Krankheit es erforderlich macht, daß sie von den übrigen isolirt bleiben, in Wandsbeck untergebracht und eins in Travemünde. Es sei noch besonders hervorgehoben, daß die Kinder in einer geschlossenen Kolonie und nicht einzeln untergebracht find und der Aufenthalt vollständig unentgeltlich ist. — Interessant ist es, zu erfahren, daß den ersten Anstoß zur Gründung des Vereins ein von einem unbekannten Wohlthäter bei der Deutsch-israelitischen Gemeinde deponirtes Kapital von 30,000 M. gegeben hat. Die Zinsen dieses Kapitals kommen dem Verein, so lange er besteht, zu Gute. Zu dieser Einnahme von 1125 M. kamen 1893 noch 3600 M. an Mitgliederbeiträgen und 3000 M. an einmaligen Beiträgen hinzu. Der Verein besitzt einen Reservefonds von 4000 M. und einen Kinder-Asylfonds für ein später zu erbauendes Kinder-Asyl von 9000 M. Die Ferien-Kolonien verursachten im vorigen Jahre eine Ausgabe von 6000 M. Die Thätigkeit des Vereins erstreckt sich auch auf Gewährung von Bandagen und Brillen nach ärztlicher Vorschrift. Aus diesem Verein hat sich ein anderer gebildet, nämlich der „Verein zur Speisung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder", welcher es sich zur Aufgabe gestellt hat, den die hiesige Talmud-Thora-Schule besuchenden Kindern unbemittelter Eltern die Wohlthat eines warmen Mittagessens zu Theil werden zu lassen. k Hannover, int September. Herr Rabbiner Dr. Kn oll er aus Breslau, der zum Nachfolger des nach Stuttgart als Kirchenrath berufenen Herr Dr. Kroner gewählt wurde, ist am Sonntag, den 19. d. M., in sein Amt eingeführt worden und hat die Leitung der ihm unterstellten Anstalten, der Religionsschule und der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer, übernommen. — Der Vorstand des Vereins zur Unterstützung der Schüler der hiesigen Bildungsanstalt für jüdische Lehrer hat das vor einigen Jahren angekaufte große Grundstück wieder verkauft, und es wird nun ein neues Gebäude in unmittelbarer Nähe des Seminars aufgeführt. Die Gründe, die zu diesem Wechsel veranlaßten, werden hoffentlich im nächsten Jahresberichte angegeben werden. - Das „Hannov. Tageblatt" bringt eine prinzipiell sehr wichtige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, die bezüglich der Heranziehung der Synagogengemeinde zur Einkommensteuer erfolgt ist. Im Gegensatz zu der vom Staate ausdrücklich aufgenommenen evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sind demnach die Synagogengemeinden in Preußen hinsichtlich ihrer zum Gottesdienst benutzten Synagogen nach einem Urtheil des Oberverwaltungsgericht zweiter Senat einkommensteuerpflichtig, und es ist das Einkommen nach dem Miethswerth zu bemessen. Diese Einscheidung wurde durch eine Klage

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