Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1894)
- Date
- 1894-09-07
- Page
- Seite 430 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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r i' 430 Amen ..." Und in dem letzten Amen, mit einem verklärten Glanz auf dem erstarrten Antlitz, athmete das arme Christenweib sein frendeleeres Leben aus, die Hand in der des Juden. Eine heilige Stille herrschte in dem kleinen Raum. Die drei Männer aber, so verschieden durch Stellung, Erziehung und Ueberzeugung, standen tief ergriffen da, im gleichen Gefühl der Ehrfurcht vor der düstern Majestät des Todes. Der bessere Glaube. Von G abriel Bach. sÄüngst hört' ich, wie ein Christ und ein Semit Um ihres Glaubens Vorzug stritten. „Wie," sprach der Christ und zeigt' auf einen Proselyten, „Kann ich für meine Sach' ein bester' Beispiel bieten? Hier dieser Man» ist deinem Glauben stracks entlaufen, Ihm bangte für sein Seelenheil, er ließ sich taufen." „Des Mannes Flucht," darauf der Jude, „überzeugt mich kaum, Mein Glaube ist ein viele tausend Jahre alter Baum. Stets, wenn ein heft'ger Sturm durch seine Zweige fährt, Dann fällt das morsche Blattwerk ab zur Erd'; Ein welkes Herz kann Dir genügen?" Da hat der Christ beredt geschwiegen. Fitterarische Mittheilungen. ----- Rathgeber für Eltern und Lehrer in praktischen Erziehungsfragen von H. Kleimenhagen, ehemal. Inspektor der Jacobson-Schule in Seesen, später Vorstand eines eigenen Erziehungs- Instituts zu Schwerin i. M. und Hamburg. 2. vermehrte Auflage. Braunschweig bei Fried. Vieweg & Sohn. VI. 125. gr. 8° geh. Es gereicht mir zur besonderen Freude, Ellern und Lehrer auf ein Werk aufmerksam zu machen, worin der mir als wahrheitsgetreu und glaubensstark wohlbekannte Verfasser seine mehr als 50jährigen, reichen Erfahrungen als Lehrer und Erzieher in überaus anziehender und eindringlicher Weise niedergelegt. Wenn zu allen Zeiten die Erziehung der Jugend Hauptaufgabe für Eltern und Lehrer gewesen, so vornehmlich in unserer nach innen und nach außen bedrohlichen Zeit. Eine gute sittliche und religiöse Erziehung giebt erfahrungsgemäß der unerfahrenen Jugend im oft sturmbewegten Leben erst den rechten Halt, die sicherste Waffe gegen Gefahren und Versuchungen. Aus voller Ueberzeugung kann ich daher dieses treffliche Buch jüdischen Lehrern, Vätern und Müttern angelegentlichst empfehlen; es sollte ein Hausschatz in jeder jüdischen Familie sein, wird ihnen ein bewährter Rathgeber in allen mannigfachen Verhältnissen des Lebens werden. Der sichtlich gute Erfolg wird der schönste Dank für den ehrenwerthen Verfasser sein. Hdm. Sprechsaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! Q&ti Ihren Gedächtnißreden auf Zunz führen Sie sowie Herr Sanitäts- C53 rath Dr. Neumann an, Zunz sei der erste jüdische Gymnasiast Deutschlands gewesen. Gestatten Sie mir, diesen viel verbreiteten Jrrthum zu berichtigen. In der „Geschichte der im Jahre 1724 aus Durlach nach Karlsruhe verpflanzten Mittelschule" von K. Fr. Vierordt (Karlsruhe 1859) heißt es S 143: „Bemerkenswerth scheint, daß diese (vom Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach im Jahre 1774 gegründete) Realschule unter den Bildungsanstalten des Landes diejenige war, welche am frühesten und gleich in ihren anfänglichen Statuten auch israelitische Schüler ausdrücklich zuließ. Das Gymnasium selbst hatte zwar schon 5 Jahre früher angefangen, einzelne Israeliten aufzunehmen, bedurfte aber dazu in jener Zeit noch der speziellen Erlaubniß von Seiten des Konsistoriums. (Im Jahre 1769 wurden Ephraim Ben Hirschel aus Gießen und Maier Hirsch Saland aus Karlsruhe, beide, um sich zum Studium der Medizin vorzubereiten, in das Gymnasium ausgenommen.) Damit will ich aber nicht sagen, daß vor 1769 ein Israelit sich vergebens um Aufnahme in das Gymnasium beworben habe, auch nicht, daß bald nachher die Zahl der dort Aufgenommenen bemerkenswerth geworden sei. Mosaische Gymnasiasten blieben im ganzen 18. Jahrhundert noch immer eine Seltenheit, und selbst in die Realschule meldeten sich so wenige, daß die Regierung es in einer öffentlichen Bekanntmachung 1783 mißfällig bemerkte. Zwei Jahre später erst traten 10 ein." Im Jahre 1811, also ein Jahr, nachdem Zunz als der erste jüdische Gymnasiast in die Prima des Wolfenbüttler, Jost als der dritte in diejenige des Braunschweigischen Gymnasiums ausgenommen worden war, befanden sich in Karlsruhe bereits 11 jüdische Gymnasiasten. Es ist nicht anzunehmen, daß das kleine Baden-Durlachsche Ländchen, das kaum 30 Quadratmeilen hatte, mit der Eröffnung seiner Bildungsanstalten für die Juden von 1770 -1810 allein gestanden habe. Vielmehr dürfte eine Prüfung der Geschichte anderer Schulen ergeben, daß auch in andern Ländern zu gleicher und vielleicht schon früherer Zeit jüdische Schüler zur Theilnahme am höheren Unterrichte zugelassen wurden. Das Auftreten und die Wirksamkeit Mendelssohns war zwar von bahnbrechender Bedeutung für die Zulassung und die Betheiligung der Juden an der allgemeinen Bildung, aber die Vorbedingungen dazu waren bereits in den Zeitverhältnissen, in den Neigungen einzelner jüdischer Kreise, wie in dem freundlicheren Verhalten einer Anzahl Regierungen in diesem Jahrhundert der Aufklärung vorhanden. Hochachtungsvoll Bruchsal, 19. August. Rabbiner Dr. Eschelbacher. * err Lehmann-Homburg bestätigt, daß die Altersgrenze (40 Jahre) ein Hinderniß zum Eintritt für eine große Anzahl von Lehrern ist, und Herr Dr. Löhren giebt die Berechtigung einer Kasse für ungeprüfte Lehrer zu, die zugleich Kultusbeamte sind. Den Beweis für meine Behauptung, daß von 2000 jüdischen Lehrern keine 500 geprüft sind, daß also thatsächlich 1500 von der Achawa ausgeschlossen sind, kann ich wohl erbringen, da ich dieser Frage seit Jahren nachgegangen bin und in letzter Zeit in Sachen des „Deutschen Reichsverbandes jüdischer Religionslehrer" neues, überreiches Material gesammelt habe. In eine Zeitung gehört das nicht. Unter jenen Leuten befindet sich eine sehr große Anzahl von Lehrern, die das Recht zur Ertheilung des Religionsunterrichts von einer Behörde oder einer autoritativen Persönlichkeit erlangt haben, ohne staatlich geprüft zu sein. Wer will diesen Männern verbieten, für sich und ihre Familien zu sorgen? Herr Dr. L. giebt zu, daß alleinstehende Personen, nach ihm die Hälfte aller Pensionäre der A., nur 140 M. Jahrespenflon erhalten. Allerdings kann eine Pensionskasse nur Ersatz für ausgefallenes Einkommen bieten, aber leider liegen die Penstons- und Anstellungsverhältnisse in den kleinen Gemeinden so im Argen, daß unsere Lehrer, wenn sie alt und schwach sind, überhaupt kein Einkommen besitzen. Die Herren sehen immer durch ihre süddeutsche Brille und wissen nicht, daß die Verhältnisse der jüdischen Lehrer in Deutschland noch immer die alte armselige Kleinstaaterei wiederspiegeln. Dazu kommen doch noch andere Sorgen, die einem großen Verbände neben der Achawa die Existenzberechtigung verschaffen. Ich nenne: Stellennachweis und Vermittelung, Versicherung gegen Stellenlosigkeit, Rath in Rechtssachen, Unterstützung von Kranken und die Hauptforderung unseres Verbandes — ein Lehrerheim für unsere Invaliden, was andere Konfessionen längst besitzen. Ich bleibe dabei, ein Allheilmittel ist die Achawa nicht. Man soll niemals übertreiben. Uebrigens sind die Verhältnisse in Süddeutschland nicht viel anders wie mir in zahlreichen Zuschriften unsere Mitglieder aus Baiern, Württemberg und Baden erklären. Noch in den letzten Jahren sind dort aller Orten Religionslehrer von den Regierungen angestellt worden, die keine staatliche Prüfung abgelegt haben. Ich sehe auch gar nicht ein, warum man bei Ausübung einer Humanitätspflicht den Menschen