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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-31 · Heft 35 (31.8.1894) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 35 (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
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420 „Weil ich lerne." „Und Ihr wollt trotzdem weiter arbeiten?" „Natürlich." Jetzt erschien Jizchak dem Andern nicht mehr lächerlich, seine Sprache klang ihm nicht so widerlich wie zuvor. „Kommt mit mir." sprach er, und zog den erstaunten, beinahe erschrockenen Jüngling mit sich ins Zimmer. (Forts, folgt.) Litterarische Mittheilungen. .== Jüdischer Volks- und Haus-Kalender für das Jahr 189 5. Herausgegeben von Dr. M. Brann. 42. Jahrgang. Breslau 1894. Preis 1,25 Mark. Zum 42. Male ist in Diesen Tagen der Liebermannsche Kalender, den seit einigen Jahren der Docent am Breslauer Rabbinerseminar, Dr M. Brann, herausgiebt, erschienen. In großer Ausführlichkeit und mit gewohnter Genauigkeit ist das Kalendarium abgefaßt, das bis zürn Ende des Jahres 1895 sich erstreckt und alle nur wünschenswerthen Angaben über Feste, Jahreszeiten, Mondphasen, Himmelserscheinungen, Thora- und Prophetenabschnitte, Wochen- und Jahrmärkte u s. w enthält. — Aus durchwegs werthvollen Gaben setzt sich das an das Kalendarium gefügte „Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung" zusammen, das mit dem vorzüglich gelungenen Lichtbilde des sel. David Cassel geschmückt ist. Die Gedenkrede auf den verstorbenen Meister der Wissenschaft des Judenthums, die Herr Dr. Hochfeld im „Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Lnteratur" anläßlich der Wiederkehr von Cassels Todestag gehalten hat, ist hier an erstet Stelle abgedruckt; sie zeigt uns den unvergeßlichen Gelehrten in seinem gesammten Schaffen und Streben und gewährt zugleich einen erfreulichen Einblick in die pietätvolle Gesinnung, die ihm seine Schüler bis über das Grab hinaus bewahrt haben. — Als Ergebniß eines erstaunlichen Fleißes und einer nicht gewöhnlichen Belesenheit führt uns Herr Dr. N. Samtcr in seinem Artikel „Reuige Apostaten" aus allen Zeiten und Ländern Proselyten vor, die theils bald nach ihrem Abfall, theils in der Todesstunde zu ihrem väterlichen Glauben zurückgekehrt sind. — Der dritte Artikel „Ein kurzer Gang durch die jüdische Geschichte", von dem sachkundigen Herausgeber selbst bearbeitet, eignet sich vortrefflich als Grundlage des Unterrichts in einfacheren Schulverhältnissen und zur Wiederholung in höheren Schulen; ein Separatabvruck des vierzig Seiten umfassenden „Kurzen Gangs" wird einer weiteren Verbreitung sicher sein. — Auf gründliche Quellenstudien gestützt, die der Verfasser im herzoglichen Hauptarchiv zu Wolfenbüttel gemacht hat, entwirft Herr Landesrabbiner Dr. Rülf-Braunschweig ein Lebensbild des Stammvaters der Familie Samson, Gumpel Moses Fulda, und seiner Nachkommen. Mit besonderer Liebe ist das Leben von Gumpel's Enkel, Herz Samson, behandelt, der ein Freund Moses Mendelssohns war und kurz vor seinem 1794 erfolgten Tode den Plan der Gründung einer deutschen Erziehungs¬ und Unterrichtsanstalt in Wolfenbüttel neben dem schon bestehenden Beth-ha-Midrasch seines Bruders gefaßt hat; zur Verwirklichung ist der Plan freilich erst 10 Jahr später gelangt. - Den Schluß des Jahrbuchs bildet der Neudruck einer Erzählung des bekannten Herausgebers des „Spinnstuben-Kalenders", des Pfarrers Oertel (W O. von Horn), die vor 41 Jahren in dem „Volkskalender und Jahrbuch für Israeliten auf das Jahr 5614" erschieneu ist. Aus der Zeit der härtesten Reaktion, in der man — gerade so wie heut — gegen die kurz zuvor gewonnene bürgerliche Gleichstellung der Juden von allen Seiten anstürmte, hebt sich das Lichtbild eines vorurtheilsfreien Geistlichen und vortrefflichen Schriftstellers wohlthuend ab; in seiner Sympathie für die bedrängter; jüdischen Mitbürger stöbert der würdige Pfarrer in alten Folianten die Leidensgeschichte der Juden auf und läßt aus dem „Erinnerungsbuch" des Ephraim bar Jakob, das der Verfasser zweifellos gekannt hat, eine ergreifende Retlungs- und Liebesgeschichte: „Die schöne Jüdin? entstehen. Die Gestalt des „heiligen" Rabbi Jsaac, Sohnes des R. Eljakim, „des bescheidenen,) sanftmüthigen und ausgezeichnet edlen Mannes", wie ihn Ephraim (Quellen z. Gesch. der Juden 2, 193) nennt, steigt in der warmtönigen Darstellung Oertel's in seiner ganzen Ehrwürdigkeit und Hoheit vor uns auf, und die Gebilde der Phantasie des Dichters, das holdselige ^Töchterlein des Rabbi, Dina sowie ihr Reiter Beit Ristelmeier, des ehrenwerthen Rathsherrn zu Würzburg nachgelassener Sohn, sind zwei so prächtig gelungene Gestalten, daß der Leser gern in trüben Stunden zu ihnen sich wenden wird, wenn das wüste Toben von Leuten, die an den fanatischen Mönch Radulf und den bösen Gesell Hans Runkel erinnern, an sein Ohr schlägt. Vergebens suchen wir heut einen Pfarrer Oertel, der zu feinem jüdischen Mitbürger spricht: „Ist meine Jugend besser als deine? Lasset Gott seine Sonne dir weniger scheinen als mir? Nein, es ist heilloser Wahn, der da verdammt. ... Was du erlebt, ist die Ausgeburt blinden, rohen Hasses, ungezügelter Habsucht verworfener Rotten, die leider unwürdige Priester mißleitet haben. Wer fluchet, statt zu segnen, verdient den Namen des Christen nicht, weil die Liebe nicht in ihm lebet, die Liebe zu dem Gotte, der auch Dein Gott ist, und zu den Brüdern, Deinen Glaubensgenossen!" Berlin. Dr. S. Adler. Sprechsaat. An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums"! (M.n Nr. 27 Ihres geschätzten Blattes, vom 6. Juli curr. finden wir <35 in der Beilage „Der Gemeindebote" unter „Altenburg, 1. Juli" eine Notiz, unfern Bruder, den verstorbenen Bankier Moritz Liebeschütz betreffend. Wir ersuchen Sie ergebenst, unter Hinweis auf 8 11 des Preßgesehes, um folgende, wörtlich wiederzugebende Berichtigung. 1. Unser Bruder hat nicht in Leipzig, sondern in Altenburg seinen Tod gefunden. 2. Hat derselbe auf der Prima nach einem Typhus längere Zeit lediglich an Nervosität gelitten. 3. Hat derselbe das Bankgeschäft bei Schraidt & Hoffmann in Koburg erlernt. 4. Ist unser Großvater im Jahre 1878 nach Leipzig nicht gekommen, „um seinen Enkel zu sehen", sondern hat sich daselbst aus heute noch nicht aufgeklärten Motiven scheinbar selbst den Tod gegeben. 5. Hat kein Mitglied unserer Familie je an irgend einer Psychose gelitten. Wir müssen daher die Bemerkung in jener Notiz: „wir verzichten darauf, den Schleier von den zum Theil auf hereditärer Psychose, wie sie in heutiger Zeit so häufig ist, beruhenden Ereignissen in der beklagenswerthen Familie aufzuziehen", als eine geradezu frivole bezeichnen. Es sind, abgesehen von der einfachen THatsache des Todes unseres Großvaters, alle in jener Notiz wiedergegebenen Behauptungen und Folgerungen falsch und scheinen aus einer Quelle geflossen zu sein, der es nicht angenehm sein kann, daß „der Schleier von dem so sehr tieftraurigen Ereigniß aufgezogen wird". Wir als die einzigen Geschwister (resp. Zwillingsbruder) des Verstorbenen, die wir ihn nicht nur in dieser Eigenschaft, sondern auch als Aerzte kompetent zu beurtheilen in der Lage waren, protestiren mit aller Entschiedenheit dagegen, daß unser unglücklicher Bruder in „frühzeitiger Umnachtung" den Tod gesucht zu haben hingestellt wird. Es ist hier nicht der Ort, auf die Verhältnisse, welche jenes schreckliche Ende herbeigeführt haben, einzugehen. Dessau, 19. August. Hochachtungsvoll ergebenst Dr. Julius Liebeschütz, prakt. Arzt-Dessau. Dr. John Liebeschütz, prakt. Arzt -Hamburg. * <3*d) ersuche die geehrten Fachmänner um gütigen Aufschluß über <3^z Folgendes: Mir scheint der Schlußsatz im zweiten „w'hu l'wadau elauhenu hojo, hauwe w'jih'jeh“ als nicht hierher gehörend, da diesen Glaubenssatz —der vierte enthält. — Im ist auch keine analoge Stelle dafür, ja, Maimonides selbst spricht im nur von der absoluten Einheit, nicht aber von der Ewigkeit Gottes. Wien, im August. L. Buxbaum, Religionslehrer. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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