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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-24 · Heft 34 (24.8.1894) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 machte einen so starken Eindruck auf alle Zuhörer, daß Lei der schließlichen Abstimmung die große Mehrheit der Versammlung sich in seinem und des Präsidiums Sinne aussprach und stch für die Förstersche Ansicht nur 5 Stimmen erhoben. Die Bedeutung der Verhandlung liegt darin, daß die antisemitischen Thierschützer einmal deutlich gesehen haben, daß mit Ausnahme der Vereine aus der Schweiz und Sachsen nur sehr wenige Vereine noch den Standpunkt des Schächtverbots theilen. Besonders die Mehrzahl der deutschen Vereine steht auf dem Standpunkt, daß diese Frage in erster Linie von der Wissenschaft entschieden werden mußte, und von dieser in dem Sinne entschieden wurde, daß das Schächten keine Thierquälerei ist. Folglich halten sie ein Vorgehen dagegen für ungerechtfertigt. Diese Thatsache festgestellt zu haben, dürfen wir als einen großen Erfolg der heutigen Sitzung des Internationalen Thierschutz- Kongresses ansehen. Großbritannien. Frg. London, 17. August. Der 23. Jahresbericht der Anglo- Jewish-Association für 1893/94 beginnt mit dem Ausdruck des Bedauerns darüber, daß die Lage der Juden in Rußland noch keine Besserung aufweist und daß die Einsperrung der jüdischen Bewohner in bestimmte Gebiete in Folge der daraus folgenden Uebervölkerung zu einer Verschlechterung in physischer und sozialer Hinsicht führen muß. — Erfreulicheres enthält der Bericht über die Juden in Bulgarien; das neue Schulgesetz muß als ein für jene Gegend liberales bezeichnet werden, die jüdischen Schüler besuchen die nationalen Schulen und erhalten nach den gewöhnlichen Schulstunden noch besonderen Unterricht im Hebräischen und in der jüdischen Religion. — Das Komitee der Anglo-Jewish-Assoeiation hebt bezüglich der mohammedanischen Länder hervor, daß die Regierung des Sultans an ihrem hochherzigen Verhalten gegenüber ihren jüdischen Unterthanen festhält. Ein Hauptaugenmerk hat das Komitee, welches gute Beziehungen zum Auswärtigen Amt und zu den Konsulaten der britischen Regierung unterhält, stets auf die Lage der Juden in Marokko gerichtet. Der Regierungswechsel in Marokko ist indeß noch so jungen Datums, daß es unmöglich erschien, schon jetzt seine Folgen für die dortigen Juden zu überblicken. Die intimen Beziehungen zwischen der Association und der Alliance ifxaelitc universelle haben sich weiter gekräftigt. Die von der Association unterhaltenen Schulen im Orient und in den großbritannischen Kolonien sind in stetigem Aufschwung begriffen, neuerdings haben Baron Alfred von Rothschild und Leopold von Rothschild diesem Humanitätswerk ihre besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Das Komitee hat jetzt die vollständige und ausschließliche Verwaltung der Eveline von Rothschild- Schule in Jerusalem übernommen. Unter Aufsicht eines besonderen Damen-Komitees will die Association noch mehr als bisher den Mädchenschulen des Ostens ihre Aufmerksamkeit zuwenden und die jungen Mädchen, nachdem sie die von der Association eingerichteten Elementarkurse durchgemacht haben, zur Hausindustrie erziehen und so ihre Erwerbsfähigkeit und ihren Bildungsgrad heben. Mit großem Erfolg hat das Frauen-Komitee bereits in Adrianopel, der zweitgrößten Stadt der europäischen Türkei, gewirkt. Die Zahl der Knaben, welche ihre Erziehung in den dem Komitee unterstellten Schulen erhalten, beziffert sich auf 4691, die der Mädchen 2333. Die Zweigvereine der Association erstrecken sich über ganz Großbritannien und alle englischen Kolonien. Während die Zahl der Beiträge in London, dem Hauptsitze der Gesellschaft, so ziemlich konstant geblieben ist, fließen die Mittel aus Australien, in Folge des dortigen rvirthschaftlichen Niedergangs, spärlicher. Die Gesellschaft hat zur Zeit 36 Zweigvereine, 24 in den Bereinigten Staaten, 11 in den Kolonien und fremden Ländern und einen in Indien. Das Komitee fühlt sich dem Chief Rabbi, dem Oberst Goldsmid und den Rabbinern Dr. Löwy und S. Singer zu besonderem Dank verpflichtet für die Ansprachen, welche dieselben zur Förderung der Interessen der Gesellschaft gehalten haben Präsident der Gesellschaft ist Baron Julian Goldsmid, Mitglied des Parlaments, zu den Vize-Präsidenten gehören der Oberrabbiner Dr. Adler, F. F. Mocatta, Lord Rothschild, Baron Albert Sassoon; unter den 24 für die nächsten zwei Jahre gewählten Komiteemitgliedern befinden sich Rabbiner Dr. Ga st er, Rabbiner A. Löwy, Lieut-Col. Montefiore, Edward Montefiore Micholls, Arthur Sebag- Montefiore und der um die Hebung der weiblichen Arbeitsschulen im Orient verdiente Hermann Landau. Griechenland. £ Korfu, 17. August. Ueber die bereits gemeldete Explosion einer Bombe im Judenviertel schreibt man uns aus Athen: Ueber dieses mysteriöse Unglück liegen bisher folgende Nachrichten vor. Vergangenen Mittwoch brachte ein jüdischer Lastträger eine Blechbüchse, in welcher ein Cylinder aus Messing stak, und die er von einem gewissen Dellaportas gekauft hatte, zu einem Glaubensgenossen, der Kupferschmied war. Während dieser sich bemühte, die Büchse zu öffnen, explodirte dieselbe, tödtete sechs Personen, die sich in der Werkstätte befanden, und verwundete weitere sechs schwer; unter den Verwundeten sind zwei Christen. Die Explosion erfolgte unter starkem Knall, die Mauern und die Decke wurde durchschlagen, und die Holztheile des Gebäudes fingen an zu brennen. Nur der schnell herbeigeeilten Hilfe gelang es, die erstehende Feuersbrunst zu ersticken. Nach dem ursprünglichen Verkäufer Dellaportas wird gesucht; bis jetzt ist er noch nicht aufgefunden worden, ebensowenig kann man sich über die Natur des Sprengstoffes oder der Bombe klar werden. Die bisherige Annahme, daß es sich um einen Torpedozünder handle, der von irgend einem Kriegsschiff verloren und nach der Wiederauffindung als altes Eisen verkauft worden sei, scheint stch daher ohne Weiteres nicht zu bestätigen. Marokko. M. F. Tetuan (Marokko), im Juli. Die Anglo Jewish-Association und ihr Marokko-Hilfsfonds gewähren der hiesigen jüdischen Mädchenschule eine jährliche Unterstützung, die Knabenschule wird von der Alliance israelite unterhalten. Herr Elkan N. Adler hat kürzlich im Auftrag der Anglo Jewish Association diese Schulen besucht und einen im Hinblick auf die gegenwärtigen Verhältnisse in Marokko besonders interessanten Bericht erstattet. Das Schulgebäude ist aus Frankreich in natura mit einem Kostenaufwand von 80,000 Franken hierher geschafft worden, obwohl ein Drittel dieser Summe genügt hätte, um einen hiesigen maurischen Palast zu einem modernen Schulhause einzurichten. Daß ein solcher Umbau keineswegs unzweckmäßig ist, hat man bei der englischen Schule in Tanger erprobt, welche mit ihren offenen Galerien auf den unteren Stockwerken und einem breiten Mittelraum (Atrium), bei dem die Schulräume offen find, den hiesigen klimatischen Verhältnissen angemessen ist. Indeß wenn auch kostspielige ist die israelitische Schule in Tetuan doch ohne Frage sehr praktisch gebaut. Sie hat nur ein Stockwerk, acht Klassenräume gehen um einen mit Lindenbäumen bepflanzten Hof und nehmen zwei Seiten desselben ein, die Waschräumlichkeiten liegen auf der dritten Seite, während das Amtsgebäude des Direktors und eine Buchhandlung die vierte Seite in Anspruch nehmen. Der Direktor heißt Nissim Levy und verwaltet sein Amt seit zwei Jahren und hat 6 Lehrer unter sich, welche 356 Knaben, von denen 176 Schulgeld bezahlen, unterrichten. Unter den Zöglingen befinden sich 2 Katholiken und ein Araber. Nur in der untersten Klasse wird der spanische Jargon, der die Landessprache der meisten maurischen Juden ist, gesprochen, sonst wird französisch und hebräisch gesprochen. Der englische Reisende findet in der obenerwähnten Buchhandlung kein englisches Buch, wohl aber französische Uebersetzungen von Kompert's Ghettogeschichten und Grätz's jüdischer Geschichte. Er ist der Ansicht, daß die Schule auch einen englischen Lehrer erhalten rnuß. Heute sind angesichts der marokkanischen Wirren die einzigen Abzngspforten für jüdische Emigranten von Tetuan, Algier und die spanischen Theile von Südamerika Herr Elkan Adler spricht die Ueberzeugung aus, daß, wenn die Zöglinge der Schulen etwas Englisch lernten, Aegypten ihrer Energie ein weites Feld bieten würde. Mit ihren Kenntnissen, Raschi und „Dinim" mit einbegriffen, war er außerordentlich zufrieden. Das ist weniger überraschend, da Tetuan der Sitz des maurischen Oberrabbiners ist, bei dem die Juden von ganz Marokko und auch von Gibraltar sich in rituellen Fragen Raths erholen. — Die Mädchenschule hat 280 Schülerinnen, von denen nur 95 Schulgeld zahlen. Drei Katholikinnen sind darunter, aber es nimmt kein mohammedanisches Mädchen am Unterricht Theil. Mit der Schule ist eine Klasse für Schneiderei verbunden, in der vor den Augen des Berichterstatters ein chikes Kostüm in Grundfarben nach Pariser Mode für eine jüdische Braut angefertigt wurde; er mußte aufseufzen bei dem Anblick der künstlerischen Gewandungen, welche einst unsere Vertriebenen von Kastilien hierher gebracht, und er bewunderte den Eifer, mit dem unsere dunkelfarbigen jungen Glaubensgenosfinnen sich jetzt die moderne

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