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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-24 · Heft 34 (24.8.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 in diesem Verein sehr gepflegt während des Winters finden immer einige Unterhaltungsabende statt, bei denen die Wohlthätigkeit auch ihre Berücksichtigung findet. Den Vorsitz führt Fräulein Schall, die noch von einigen Damen unterstützt wird; Schriftführer ist Herr Rechtsanwalt Berger und Rendant Herr M. Hecht. II. Dessau, 18. August. Die Herzogliche Regierung, Abtheilung, für das Schulwesen, hat in einer Verfügung im Interesse einer gleichmäßigen Behandlung israelitischer Schüler, welche an den Festtagen ihrer Kultusgemeinde vom Schulunterrichte befreit werden wollen, bestimmt, daß auf mündlichen oder schriftlichen Antrag des Vaterch oder des Vormundes israelitische Schüler an folgenden israMffchen Festtagen vom Unterrichte zu dispenstren sind: 1. arn Pekffahfest, und zwar an dem ersten und siebenten Tage ganz, am zweiten während des Gottesdienstes, 2. am Neujahrsfest, am ersten und zweiten Tage ganz, 3. am Versöhnungsfest, 4. am Hüttenfest, am ersten und achten Tage ganz, am zweiten während des Gottesdienstes. Israelitische Schüler, welche an diesen Tagen die Schule besuchen, sind auf Wunsch vom Schreiben und von Handarbeiten zu befreien, ebenso soll dieses auch am achten Tage des Paffahfestes und am neunten des Hüttenfestes geschehen. Auch im inneren Schulleben dürfte bald eine wesentliche Besserung bemerkt werden. Wie bestimmt verlautet, liegt der obersten Schulbehörde ein vom Herrn Landesrabbiner Dr. Freudenthal ausgearbeiteter Normaltzchrplan für alle Schulen des Landes vor. Nach Bestätigung des Lehrplans wird wohl derselbe in einer Konferenz allen Lehrern des Herzogthums unterbreitet werden. 0 Lindheim, 20. August. Der oberhessische Verein für Volksbildung hat, seit seiner Begründung im Januar 1893, in den Kreisen Büdingen und Friedberg an 28 Orten Zweigvereine errichtet, 16 Volksbibliotheken und 4 Volksbühnen aufgestellt, einen Musikvereip) von 16 Mitgliedern begründet und mit Instrumenten betheilt, Stipendien für die Landesbaugewerbeschule zu Idstein (zu 100 M.), Haushaltungsschule zu Lindheim (zu 100 M.), die Gewerbeschulen zu Büdingen und Nidda (zu 50 M.), die Ackerbauschule zu Büdingen (zu 50 M.), im Gesammtbetrage von 400 Mark ausgetheilt und für die Volksschule das Mang'sche leiurim lunarium (55 M.) und ein Stereoskop (45 M.) an-, geschafft. Es fanden in diesem Zeitraum eine Vorlesung. 3 Konzerte und 6 Theatervorstellungen statt, wobei wiederholt rühmlichst bekannte Kräfte von auswärts, mitwirkten. Schon in nächster Zeit werden fünf wertere Volksbibliotheken aufgestellt werden. Der oberhessische Verein für Volksbildung, welcher in seinen Statuten jede politische Thätigkeit und Agitation ausschließt und die Aufklärung. Bildung und Veredelung des Volkes Hand in Hand mit Religion und Vaterlandsliebe zu seinem alleinigen Ziel macht, wurde von allen politischen Parteien mit warmen Sympathien begrüßt. Derselbe hat in allen Schichten der Bevölkerung» treue Freunde, energische Unterstützung in unserem trefflichen Lehrerstande und hochherzige Gönner gefunden, welche denselben durch bedeutende Spenden unterstützt haben. Nur der „Reichsherold" hat gegen denselben Stellung genommen. Soll dies vielleicht beweisen, daß Aufklärung und Volksbildung, Vaterlandsliebe, Religion und gute Sitte mit dem Antisemitismus unvereinbar sind? Da in den Provinzen Oberhessen und- Hessen-Nassau der eigentliche Herd der antisemitischen Bewegung ist, so. verdient dieser unter der Leitung des berühmten Schriftstellers Dr. L. v Sacher-Masoch stehende Verein, durch den der Antisemitismus, auf das Wirksamste bekämpft wird, jede Förderung und Unterstützung seitens unserer wohlhabenden Glaubensgenossen, denen wir denselben hierdurch angelegentlichst empfehlen. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 20. August. Aus Anlaß des Geburtstags des" Kaisers fand Samstag den 18. d. Mts. in beiden Tempeln der israelitischen Kultusgemeinde ein solenner Festgoktesdienst statt? Der Mangel eines Predigers, wie er für Wien sich geziemt, wird bei solchen Anlässen wahrhaft drückend fühlbar! — Die durch den Vertrieb' antisemitischer Schandlitteratur bekannt gewordene Buchhandlungsfirma' Lesk und Schwidernoch ist kürzlich in Konkurs gerathen. Nunmehr haben die Buchsachverständigen das Krida-Inventar der falliten Firma? ausgenommen; nach demselben beziffern sich die richtiggestellten Aktiven^ mit 35,635 fl. 77 kr. und die Passiven mit 60,042 fl. 14 kr., so daßr ein unbedecktes Defizit von 24,406 fl. 37 kr. verbleibt, eine Summe, die' für eine so kleine Buchhandlung, wie bieder Firma Lesk und Schwidernoch war, nicht unbedeutend ist. — Gegen ein Mitglied des Währing er Armenrathes, welches gleichzeitig in der Sektion Währing der „Christlichen Familie" ein Amt bekleidet, wurde die AuMge daß die von demselben abgeführten SammelgeLder «m nahezu 100 fl weniger betragen, als sie nach dew Asszeichnungen der betreffenden Hausbesorger betragen müßten Was magistratische Armendepartement hat die Untersuchung,^Angelegenheit eingeleitet. — Der Kaiser hat die Wahl des ordeEchM Professors der Chemie an der deutschen Universttät in Prag Dr. Guido Golds chm iedt zum korrespondirenden Mitglieds der Akademie der Wissenschaften bestätigt. — In der abgelaufenen Woche fand die Promotion eines jüdischen und eines christlichen Studierenden sub auspiciis imperatoris statt, und bei diesem Anlässe hat der Statthalter, Graf Kielmannsegg die sattsam bekannten Szenen, die sich vor Kurzem an unserer Universität abgespielt haben, einer ebenso vornehmen als scharfen Kritik unterzogen. Ueber die Universitätsskandale noch ein Wort zu verlieren, erscheint unpassend. Desto nothwendiger und zeitgemäßer ist es, bei jeder Gelegenheit unserer akademischen Jugend eindringlichst die Gefahren zu weisen, denen sie ausgesetzt ist, wenn sie den häßlichen Lockungen von Nicht-Akademikern folgt. — Im Hause des katholischen Gesellenvereins hielt Fürst Alois Liechtenstein eine höchst komische Rede: nachdem er bewiesen, daß nur der schnell angehäufte Reichthum Hassenswerth — und nicht der angestammte, durch Jahrhunderte aufgehäufte — verflieg er sich zu der kühnen Behauptung, daß wohlthätige Stiftungen, welcher Art sie auch seien — ausschließlich blos von Christen gemacht werden — und vergaß in seinem „heiligen" Eifer ganz der zahllosen Wohlthätigkeitsakte der Juden — selbst an die Millionen- Stiftung schien er sich nicht zu erinnern, die Baron Rothschild erst in jüngster Zeit für invalide Offiziere und Offiziers-Wittwen ins Leben gerufen. Schweiz. 6. Bern, 14. August. Der 11. Internationale Thierschutz-Kongreß hat in der dritten Sitzung, wie Sie bereits mitgetheilt, den Bericht über den Stand der Schächtfrage in der Schweiz und einen weiteren in Sachsen auf die Tagesordnung gestellt, aber in dem bis dahin so ruhigen und akademisch verhandelnden Senat ist eine Aufregung, als handle es sich um die ganze Judenfrage, und sicher ist von allen Programmpunkten des Kongresses keiner in den Privatgesprächen so viel besprochen worden, als die Schächtfrage. Offenbar dadurch sind auch die leitenden Persönlichkeiten des Kongresses zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine Debatte über die erwähnten Berichte sich nicht empfehle, denn wenn auch die Schweizer der Kopfzahl nach sehr zahlreich vertreten sind und mit Ausnahme der Vertreter von Genf und St. Gallen gegen das Schächten gestimmt hätten, so sind doch die Deutschen, die die zahlreichsten Vereine vertreten, in ihrer Mehrzahl Freunde des Schächtens, und auch unter den Franzosen und Italienern zählt diese Methode viele Anhänger, die Holländer, Russen und Dänen sind vollends durch Vereinsbeschlüsse gebunden, nicht gegen das Schächten zu stimmen. Andererseits sind die Gegner der Schächtverbote in der peinlichen Lage, nicht energisch gegen die Schweizer, die Gastgeber voxgehen zu können, und sie würden sich nur ungern entschlossen haben, diesen zu erklären, daß sie entweder wider besseres Wissen oder aus Unwissenheit einen so groben Verstoß gegen die! Humanität, wie das Sch ächtverbot, begangen Huben. Man kam daher auf beiden Seiten überein, eine Debatte zu vermeiden, nur sollte der Oeffentlichkeit gegenüber festgestellt werden, daß der Kongreß weder für das Schächten, noch gegen das Schächten Partei nehme. Es gab aber noch eine dritte Partei hier, das waren die Herren Antisemiten, den Steglitzer Professor Paul Förster und den Schweizer Keller Hägli an der Spitze, und diese dachten, den Kongreß zu einer Parteinahme gegen die jüdische Schächtmethode fortzureißen. Als die Sitzung begann, waren außer den Delegirten noch ea. 40 Gäste aus Bern anwesend, und diese klatschten allen Kraststellen der beiden Herren rasend Beifall. Dagegen nahm der Pfarrer Frank, der bekannte bayerische Landtagsabgeordnete, das Wort zu einer kurzen, aber sehr eindrucksvollen Erklärung. Zwar versuchten die Försterianer, ihn mehrmals zu unterbrechen, einmal hatte der Vorsitzende sogar Mühe, Ruhe zu schaffen, aber Frank ist ein urwüchsiger Bayer, der sich nicht leicht aus dem Sattel heben läßt. Er hielt Stand trotz der Unruhe, erzwang sich die Aufmerksamkeit der Versammlung und

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