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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-24 · Heft 34 (24.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang, «r. 84. CÖ^ttt^ttt frdtllt#* «erlin. 24. AugustN89L Weikcrge zur „MLgemeinen JerLung öes DuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. fg. Berlin, 20. August. Zu einer erhebenden Feierlichkeit gestaltete sich die gestern Nachmittag 3^ Uhr programmmäßig verlaufene Einweihungsfeierlichkeit der neuerbauten Synagoge des Vereins Aha was Scholaum in der Linienstraße 197. Das Rabbinat dieser Gemeinde, das vor Kurzem durch den Abschied des Rabbiners Ellenbogen, welcher bekanntlich in der Alten Schönhauserstraße 42 in der Synagoge Adaß Jeschurun nunmehr als Prediger und Rabbiner fungirt, vakant geworden, ist inzwischen durch Herrn Dr. Ackermann besetzt worden. — Um 3l/2 Uhr wurde von dem Chor der Lindensynagoge unter Leitung des Kantors Stabinski das Gebet „Wie schön sind deine Zelte, Israel!" gesungen. Alsdann folgte das Gebet des Rabbiners, der den Segen Gottes auf die Gemeinde erflehte. Unter den Klängen des üblichen „Wajhi binsoa“ folgte alsdann das Ausheben der Thorarollen und der sich anschließende dreimalige Umzug um den Almemor, während Chor und Gemeinde das Gebet „Ono haschem!" sangen Nach Absingung des Psalm 122 „Ich freue mich mit denen, die da sprechen: Ins Gotteshaus wollen wir gehen!" und des ceremoniellen „Jehallelu", wobei die Thorarollen wieder in die heilige Bundeslade eingehoben wurden, folgte das Gebet „Uw’nucho jomar“. Hierauf folgte die Festpredigt und das Weihegebet, gehalten von Rabbiner Dr. Ackermann Dann wurde das Minchagebet verrichtet, worauf die Feier mit dem Psalm 150: „Lobet Gott in seinem Heiligthum" ihren würdigen Abschluß erhielt. Die Synagoge ist nach den Plänen des Architekten Schmidtmann errichtet. Sowohl das Aeußere wie das Innere des neuen Baues bietet sich würdig und ansprechend dar. Ein doppeltes Oberlicht erhellt das Innere in ausreichender Weise. Auf drei Seiten des Saalbaus ziehen sich die von farbigen Säulen getragenen Emporen hin; auf der vierten, dem Eingang gegenüber liegenden Seite hat der in Farben und Gold dekorirte Hochaltar seinen Platz erhalten. Der Gesammteindruck des Innern ist ein feierlicher, wiewohl vom Schmuck der Farbe reichlicher Gebrauch gemacht ist. Ventilation und Beleuchtung lassen nichts zu wünschen übrig. Die von der Familie Landsberger der neuerbauten Synagoge gespendeten Synagogen-Stickereien, wie Tempel-Vorhang, Altar- und Kanzel-Dccken aus blauem Seidenplüsch mit echter Goldstickerei, sind in dem renommirten Atelier von Jenny Bleichrode, hier, hergestellt worden. Berlin, 19. August Die Verlustliste dieser Woche zeigt den Tod der Frau Philippine Treitel an Frau Philippine Treitel war eine bekannte wohlthätige Dame unserer Gemeinde; sie wurde geboren zu Märkisch-Friedland im Jahre 1819 und war die Frau eines Freiheitskämpfers von 1812/14, David Treitel; seit 1868 gehörte sie als Ehrendame der Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde an; nur in den letzten beiden Jahren mußte sie ihrer Thätigkeit, bei „ihren lieben Alten", wegen des fortschreitenden Leidens, dem sie auch erlegen, entsagen. Ihr Name wird im gesegneten Andenken fortleben. L2 Berlin, 20. August. Im jugendlichen Alter von 28 Jahren ist am 15. d. Mts. nach längerem Leiden einer unserer begabtesten jüngeren Litteraturhistoriker, Dr. Siegfried Szarnatölski, hier gestorben. Er war Mitherausgeber der „Jahresberichte für neuere Deutsche Literaturgeschichte"; ferner verdankt man ihm eine werthvolle Studie über Ulrich von Hutten, sowie einen mit einer fördernden Einleitung versehenen Neudruck vom Faustbuch; außerdem batte er in Gemeinschaft mit Max Herrmann die „Lateinischen Litteraturdenkmäler des 15. und 16. Jahrhunderts" begründet, von deren Leitung er erst kürzlich, in Folge seiner Krankheit, zurückgetreten war. Die Beerdigung fand am 19. d. Mts. auf dem Friedhof in Weißensee statt. Die Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr Weiße, in der er in beredten und ergreifenden Worten den großen Verlust schilderte, den die Wissenschaft, die Glaubensgemeinde und die Familie des in der Blüthe der Jahre Dahingeschiedenen erlitten haben. Lp. Aus der Provinz Posen, im August. Die jüdische Schule zu Kosten soll, wie man hört, nun doch bestehen bleiben. Bekanntlich hat vor Kurzem der Kultusminister dieAuflösung derselben wegen allzugeringer Frequenz verfügt. Die dortige jüdische Gemeinde hatte sich aber aus verschiedenen Gründen hiergegen gewehrt. —- Die vom „Berliner Verein für häusliche Gesundheitspflege" im Juli in verschiedene Gemeinden der Provinz gesandten Ferienkolonisten sind zum Theil schon in ihre Heimath zurückgekehrt. Ueberall fast haben sich die Kinder, die bei ihrer Ankunft blaß und kränklich aussahen, in Folge der guten Pflege, sowie durch die täglichen Spaziergänge, wohl auch durch die kalten Bäder, die sie, wie beispielsweise in Pleschen, nahmen, sichtlich erholt. Die 18 Ferienkolonisten, die in dieser Gemeinde untergebracht waren, begnügten sich damit nicht, diesen 4 Wochen hindurch nicht nur freie Wohnung und Verpflegung gewährt zu haben, sondern alle fast beschenkten die Kinder bei deren Abreise mit Kleidungsstücken, Büchern und anderen nützlichen Dingen. — Bei der kürzlich im Rathshaussaale zu Schildberg stattgefundenen Ersatzwahl von 5 Repräsentanten der dortigen Synagogengemeinde wurden die Herren Simon Altmann, Louis Bensch und Carl Schwarz wieder- und die Herren Wilhelm Grünberg und M. L. Altmann neugewählt. Frg. Breslau, 19. August. Der auf dem konstituirenden Verbandstage in Breslau begründete Deutsche Reichsverband jüdischer Religionslehrer" hat seine Statuten und ein Cirkular versandt, das seine Wirksamkeit in geeigneter Weise einleitet. Die jüdischen Kurhospitäler in den Bädern Ems, Soden, Teplih, Warmbrunn und Karlsbad haben den Mitgliedern gegen einen von der Verbandskasse zu zahlenden Beitrag die freie Aufnahme derselben bewilligt. Der Präsident des Verbandes ersucht diejenigen Kollegen, welche eine Kur im Sommer 1895 brauchen, sich bei dem derzeitigen Präsidenten, Herrn Dr. Louis Neustadt in Breslau, zu melden. Auch beabsichtigt der Verband, die Begründung eines Lehrerheims in Angriff zu nehmen. Seinen Zweck, den Religionsunterricht und die geistige und materielle Wohlfahrt der jüdischen Religionslehre zu pflegen, will der Verband ferner zu erreichen suchen auf Grund seines Statuts, durch 1. Veranstaltung statistischer Enqueten zur Ermittelung des religiösen Bildungsstandes, 2. Anstellung von Wanderlehrern, 3. Anregung von Fortbildungskursen, 4 Aufklärung über die rechtliche Stellung der Religionslehrer, 5. Errichtung eines Stellennachweises, 6. Versicherung gegen Stellenlosigkeit re. Ordentliches Mitglied kann jeder jüdische Religionslehrer werden. Der Beitrag beträgt jährlich 6 M., hei einem Einkommen unter 1200 M. beträgt der jährliche Beitrag nur 3 M. Außerordentliches Mitglied kann jeder Israelit werden durch Zahlung eines jährlichen Beitrages von beliebiger Höhe. Vierteljährliche Bezirkstage und der einmal jährliche ordentliche Verbandstag sollen die Entwickelung des Verbandes, seiner Bezirke und Einrichtungen fördern. Das derzeitige Präsidium besteht aus den Herren Dr. L. Neustadt-Breslau, Dr. L. Wreschner-Samter, M. Graf-Glogau als Rendant, und den Herren Dr. S. Baeck-Liffa, I. Bauer-Köslin, I. Bähr - Reichenbach, Dr. O. Bähr-Prenzlau, Dr. PH. Bloch-Posen, Dr. I. Cohn-Kattowitz, Dr. V. Nordheimer-Schwetz, Dr. G. Perlitz-Nakel und Dr. L. A. Rosenthal-Rogasen. a, Königshütte, 19. August Der in seinem zweiten Jahrgang, unter Leitung des Herrn Dr. Goldschmidt stehende israeliti'sche Jungfrauenverein erfreut sich einer großen Mitgliederzahl. Beinahe 100 Mädchen gehören dem Verein an, die opferfreudig die edlen Zwecke und Ziele desselben unterstützen helfen Jedes Jahr werden eine Anzahl bedürftiger Kinder mit Kleidungsstücken beschenkt; namentlich läßt es sich der Verein angelegen sein, armen Mädchen, nach dem Verlassen der Schule, zu einem Erwerbszweig zu verhelfen Auch die Geselligkeit wi

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