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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-24 · Heft 34 (24.8.1894) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 34 (24.8.1894)
Date
1894-08-24
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
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—- 408 - alten vergilbten Blätter: „Jsr. Lehrer", „Synodalblatt" und „Jsr. Volkszeitung" des sel. Klingenstein, — worin Protokolle und Abhand- , langen über Lehrerkonferenzen rc. in reicher Fülle enthalten sind, — als Beweismaterial anzuführen, und muß ich mich auf meine Erinnerungen , aus früheren Zeiten beschränken. - Wenn Herr S. Andorn-Crefeld den Beweis führt, daß der sel. Klingenstein 1884 schriftlich erklärt habe: er wäre früher selbst für einen deutsch-jüdischen Lehrerbund gewesen, so ist das ja eine Bestätigung meiner Angabe. Anderseits aber ist anzunehmen, daß ihn außer den dort angegebenen Gründen spätere Erfahrungen — gesammelt in persönlichem, wie schriftlichem Verkehr mit seinen Kollegen — dazu brachten, seine ursprüngliche Ansicht aufzugebcn und ihn zur Befürwortung provinzieller Verbände bestimmt haben. Er, dessen Herz warm schlug für die Sache der Lehrer, suchte eben das Praktische und Erreichbare auf, vielleicht auch im Laufe der Jahre einsehend, daß das „Bessere ein Feind des Guten ist". Hauptsächlich war es mir darum zu thun, die Wichtigkeit seiner Schöpfung, — der Achawa — hervorzuheben, und wenn diese auch kein „Allheilmittel" ist, — wie Herr Dr. Louis Neustadt-Breslau meint, so tonnte dieselbe doch bei größerer Unterstützung von Rabbinern und Lehrern, einwirkend auf ihre Gemeinden, einen Kristallisationspunkt abgeben und die Sorge des Lehrerstandes um die Zukunft wesentlich mildern. — Einhundert und vierzig Mark für einen invaliden Lehrer, ebensoviel für eine Wittwe, die doppelte oder dreifache Summe für eine Familie, sind doch Leistungen, welche sehr anzuerkennen sind und zu größerer Thätigkeit anspornen sollten Das ist aber freilich nicht durch relativ kleine Beiträge der Lehrer, sondern durch die wohlthütige Mithilfe großer und reicher Gemeinden zu erzielen Aus der Erinnerung aber kann ich noch bemerken, daß zuerst das 50., dann das 45. und schließlich das 40. Lebensjahr, — letzteres unter Widerspruch auch seitens des Unterzeichneten — als Grenze festgesetzt, aber einige Jahre noch für den nachträglichen Beitritt zugegeben wurden, und darüber ein Aufruf erschien. — Die Frage der Zulassung von Religionslehrern wurde bei Gründung der Achawa lebhaft besprochen, weil die meisten anwesenden seminaristisch gebildeten Lehrer den Beitritt der damals noch vielfach vorhandenen Kollegen (ehemalige Kaufleute, Hausirer, Thoraschreiber, Schächter rc.) verhindern wollten. — In der diesjährigen General-Versammlung werde ich s. G. w. versuchen, diese Frage aufs Neue diskutiren zu lassen. Hoffentlich wird diese Versammlung zahlreich besucht werden. Gilt es doch, erst einen Nachfolger zu wählen für den seitherigen, kürzlich verstorbenen Präsidenten der Achawa, Herrn Adolf Teblöe s. A., welcher so begeistert für dieselbe war, daß er seine Freunde und Bekannten scherzweise in „Achawisten" und „Nichtachawisten" einzuiheilen pflegte. — Daß es aber unter den jüdischen Lehrern noch so viel „ungeprüfte" gäbe, davon. hatte ich als Laie keine Ahnung. Sind doch seit 30 Jahren soviel neue Lehrerbildungsstätten vorhanden. Das ist kein erfreulicher Zustand und mahnt aufs Neue alle Freunde des Judenthums, dahin zu wirken, daß nach verschiedenen Richtungen hin Besserung und Heil eintrete. Homburg v. d. Höhe, Ende Juli. Louis Lehmann. * Sehr geehrter Herr Redakteur! m letzten Freitag erinnerte Herr A. im Sprechsaal dieser Zeitung an eine Verfügung des orthodoxen Rabbiners Wetzlar in Gudensberg aus dem Jahve 1839 betreffs „Tischebeaf", worin unter Anderem angeordnet wird, die Haftora und ganz Echa in deutscher Sprache vorzutragen. Nun war der letzte Freitag, der 10. August, bekanntlich der 100. Geburtstag des Altmeisters Leopold Zunz, und ich blätterte da zufällig in dessen Buche „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" und fand auf Seite 9 der 2. Auflage Folgendes: „Der Tr Soferim, der später als die Gemara geschrieben ist, berichtet (C. 18 § 4), daß am 9. Ab, dem Tage der Zerstörung Jerusalems, die „Klagelieder Jeremia" von einem Kundigen in der Synagoge übersetzt wurden, damit Volk, Weiber und Kinder sie verstehen." Rabbiner Wetzlar hat also offenbar seine Vorgänger gehabt; ob aber auch Nachfolger? Vielleicht weiß ein Leser dieser Zeitung darüber zu berichten. Frankfurt a. M. Hochachtungsvoll Dr. Kuttner. Geehrte Redaktion! ie Nummer 32 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" brachte einen Aufsatz von Herrn Rabbiner Dr. Stößel in Stuttgart „Die Feuerbestattung", in welchem folgender Passus sich findet: „Von Leichenverbrennung ist wohl in der Bibel die Rede, doch ist sie nie bei den Juden zur Sitte geworden; sie findet stch, abgesehen von jenen Fällen, in welchen das Verbrennen als Todesstrafe erscheint ..." Der Herr Verfasser scheint irrthümlicherweise das Verbrennen als Todesstrafe wörtlich aufgefaßt zu haben, während eine fettgedruckte Mischna (Synhedr. 52 a.) stch ausdrücklich gegen diese Auffassung verwahrt und das Verbrennen nur auf die inneren Organe durch geschmolzenes Blei beschränkt wissen will. Hochachtungsvoll Coethen-Anhalt. Rabbiner Dr. B. Seligkowitz. * (Mn meinem Aufsatz über „die Feuerbestattung" in Nr. 32 d. Bl, Cg Seite 376, Spalte rechts, Zeilen 16—24 von oben, sind . anstatt; zu setzen. Seite 377, Spalte rechts, Zeile 19 von oben, muß es „Leichensteine" anstatt „Leichname" heißen. Auf derselben Spalte, Zeile 29 von oben ist zu lesen: „wie sich ein Garbenhaufen thürmt"; Seite 378, Spalte links, Zeile 32 von oben, soll es heißen: „Höhenpriester" anstatt „Hohenpriester" und auf der rechten Spalte derselben Seite, Zeile 4 von oben, „von" anstatt „vor". Stuttgart, 13. August. Dr. Stößel. Sehr geehrter Herr Redakteur! (Mch habe in einem Aufsatz z. Z. angeregt, daß es nothwendig wäre, (52) die jüdischen Zeitschriften sollten in keinem jüdischen Hause fehlen. In der Thal findet man höchst selten namentlich in kleineren Gemeinden — einige Zeitschriften. Der jüdische Geist stumpft denn mit der Zeit ab; die meisten in den kleineren Gemeinden wissen und können auch nicht wissen, was im Judenthum vorgeht. Deshalb auch gar kein. Wunder, daß die Liebe zum Judenthum mit der Zeit — und die ist nicht zu fern — erkaltet. Sehen wir uns die jüngere Generation, die die Träger und Stützen des Judenthums später sein soll, etwas genauer an, da müssen wir unbedingt sagen: „Mit der Jüdischkeit ist es faul." Belehrung haben die kleinen Gemeinden fast gar nicht, eine.Zeitschrift, aus der die Gemeindemitglieder Belehrung schöpfen sollten, haben sie nicht oder wollen sie nicht haben, der Beamte selbst ist auch nicht oft in der Lage, mehrere Zeitschriften zu halten, um den Mitgliedern so manches Wissenswerthe aus ihnen mitzutheilen. Unter solchen Umständen, wenn nicht auf irgend eine Weise dem „bösen Uebel" geholfen wird, muß sich der jüdische Geist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr verdunkeln, bis er denn schließlich ganz verschwindet und dann — Warum werden von christlicher Seite Predigten und Zeitschriften, also Nahrung für den christlichen Geist, christlichen Familien frei ins Haus geschickt, damit auch die Unbemittelten sich daran laben? Die Wohlthätigkeit im Judenthum ist ja sonst groß! In den kleinen Gemeinden sieht es sehr „schofel" aus — und deshalb wäre es nicht mehr wie Pflicht, diesem abzuhelfen. Polzin, 9. August. Mit Hochachtung Finkelstein. Sehr geehrter Herr Redakteur! n meine Notiz in Nr. 31 der „Allg. Ztg. des Judenthums", S. 371, Zeile 6 v. o, schlich sich ein sinnentstellender Druckfehler ein. Das Citat zum Gebote: „Hasset nicht eure Feinde" sollte nicht (vgl. Sprechsaal . . .) sondern (vgl. Spr. Sal. ---- Sprüche Salomonis . . .) heißen. Berlin 9 August. Hochachtungsvoll Winckler. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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