Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1894)
- Date
- 1894-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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58. Jahrgang. Ar. 33, DkV ©fWtfiUbfllötl?* firtto, 17, Angn* 1894 Weikage zur „JUfgemeinen Zeitung öes IuöentHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 16. August. Die Zunz-Feier hat in Berlin in würdigster Weise stattgefunden. Am 10 August legte das Kuratorium der Zunz-Stiftung auf dem Friedhof in der Schönhauser-Allee einen Kranz auf das Grab des Altmeisters der jüdischen Wissenschaft. Bei diesem Anlaß hielt der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Sanitätsrath Dr. Neumann, eine Ansprache, die wir an anderer Stelle veröffentlichen. Vielbemerkt wurde besonders die Anwesenheit des Herrn Geh Justizraths Prof. Dr. Berner, der an demselben Tage das 50jährige Jubiläum seiner Lehrthätigkeit an der Berliner Universität feierte und sich den zahlreichen Ovationen, die man dem greisen Gelehrten zugedacht hatte, dadurch entzog, daß er auf den jüdischen Friedhof zur Zunz-Feier eilte. Ebenso wurde die Abwesenheit Vieler vielbemerkt, die hier sind und doch nicht da waren.... Am darauffolgenden Sabbath wurde der hundertste Geburtstag von Leopold Zunz in den drei Gemeinde-Synagogen durch Lied und Predigt gefeiert. In der Synagoge der Oranienburgerstraße sprach Herr Dr. Rosenzweig, in der alten Synagoge Dr Stier, in der Synagoge der Lindenstraße Dr. Weisse. Alle drei Redner würdigten das Andenken des großen Mannes durch eine Charakteristik seines Lebens und Wirkens. Im Gotteshause der Reformgemeinde feierte Herr Dr. Levin am Sonntag den 12. d. Mts. das Andenken an Leopold Zunz in einer darauf bezüglichen Rede. Den Abschluß bildete die Zunz-Feier des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur", welche heute in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymnasiums vor einem zahlreich erschienenen Publikum stattfand und durch Gesänge des Chors der Lindenstraßen-Synagoge unter Leitung des Herrn Musikdirektors William Wolff in würdigster Weise eingeleitet und abgeschlossen wurde. Die Gedächtnißrede des Vorsitzenden des Vereins finden die Leser an anderer Stelle. Zu erwähnen bleibt noch, daß am 100jährigen Geburtstag von Zunz Herr Fabrikbesitzer Julius Jj.aac dem „Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur" die Summe von 500 Mark überreicht hat, „damit noch kräftiger damit vorgegangen werden kann, das Interesse für das Judenthum und seine Wissenschaft zu wecken und zu beleben", wie es in der betr. Zuschrift heißt — ein Beispiel, das gewiß Nachahmung verdient und hoffentlich auch finden wird. Sicher ist die Zunz-Feier auch in allen jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches in entsprechender Weise begangen worden und hat so das Andenken an den großen Todten von Neuem erweckt und befestigt. L2 Berlin, 12. August. Nach der Publikation des Vorstandes der jüdischen Gemeinde ist in diesem Jahre auch der Stadttheil Moabit bei der Auswahl der Säle besonders berücksichtigt worden, in denen an den hohen Festtagen Gottesdienst abgehalten werden wird, und zwar in den Hohenzollernsülen, Bandelstraße 35. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Schritt seitens der vielen in Moabit wohnenden Glaubensgenossen, denen bisher ein synagogaler Mittelpunkt gefehlt hat, mit aufrichtiger Freude begrüßt und durch zahlreiche Theilnahme unterstützt werden wird Die Auswahl der Säle und speziell der Stadttheile ist nach dem Urtheile gewiegter Kenner der hiesigen Verhältnisse überhaupt eine vortreffliche in jeder Beziehung; es soll nicht unerwähnt bleiben, daß sich um diese gottesdienstlichen Veranstaltungen im Besonderen Herr Leonhard Sachs, der eines der pflichteifrigsten Mitglieder unserer Reprästntantenversammlung, verdient gemacht hat. Berlin^ 14. August. Prof. Dr Lazarus wird am 15 September d. I. seinen 70. Geburtstag begehen. Aus diesem Anlasse ist, wie bereits mitgetheilt, dem bekannten Philosophen und Begründer der Völkerpsychologie von der juristischen Fakultät der Universität Bern der Ehrendoktor einstimmig verliehen worden. Wie verlautet, werden dem verdienten Gelehrten aus den Kreisen seiner zahlreichen Freunde mannigfache Ovationen vorbereitet Professor Lazarus befindet sich gegenwärtig in Schönefeld bei Leipzig. Berlin, 14. August. Die Berliner Universität stellt für 1894/95 die folgenden Preisaufgaben, welche für jüdische Kreise ein besonderes Interesse haben; für den Königlichen Preis die Aufgabe: „Recht und Schranken der Behauptung, daß als das betenbe Je!) in den Psalmen nicht erst im gottesdienstlichen Gebrauch derselben, sondern schon nach der Absicht der Dichter die israelitische Gemeinde anzusehen sei, sind am exegetischen Thatbestande darzuthun." Die Aufgabe für den städtischen Preis der theologischen Faknltät lautet: „Es ist die Bedeutung Hos a's innerhalb der alttestamentlichen Propheten darzulegen " L2 Berlin, 13. August. Die Besetzung der Professur für alttestamentliche Exegese an der Berliner Universität hat für uns aus naheliegenden Gründen immer ein besonderes Interesse. Freilich, ein zweiter Dillmann dürfte nicht so leicht gefunden werden, einfach aus dem Grunde, weil er gegenwärtig wohl überhaupt nicht vorhanden ist. Nachdem nunmehr Prof. Kautzsch in Halle abgelehnt, soll die Berufung des Pros. Dr. W. Graf von Baudissin, bisher zu Marburg, auf den durch den Tod des Prof. D. Dillmann erledigten Lehrstuhl für alttestamentliche Theologie an der Universiät Berlin bereits erfolgt sein. Unter seinen Publikationen sind am bekanntesten die zweibändigen „Studien zur semitischen Religionsgeschichte" und die „Geschichte des alttestamentlichen Priesterthums." L. Berlin, im August. Die Ferienkolonisten sind nun wieder heimgekehrt. Wie bei allen Werken der Menschenliebe haben sich auch hierbei unsere Glaubensgenossen ganz besonders hervorgethan. Nicht nur daß sie in den Spendenlisten des großen Komitees mit namhaften Summen figuriren, haben sie auch dafür gesorgt, daß die jüdischen Kinder, deren Eltern darauf Werth legten, in jüdischen Gemeinden und mit ritueller Verpflegung untergebracht wurden. So sehr wir auch sonst gegen jede itio in partes sind, so müssen wir doch zugestehen, daß es höchst dankeswerth ist, wenn den erholungsbedürftigen mittellosen jüdischen Kindern jeder Gewissenszwang erspart wird. Es ist dies keine tadelnswerthe Absonderung, sondern eine rühmenswerthe Rücksichtnahme. Aber eine Besonderheit hätte das geehrte jüdische Komitee unterlassen können. Während nämlich die christlichen Ferienkolonisten alle rechtzeitig vor Beginn der Schule hier eingetroffen sind, haben die vom jüdischen Komitee weggeschickten den ersten Schultag, manche auch die ersten Schultage versäumt. Wenn die verehrten Herren und Damen des Komitees bedächten, daß ein großer Theil der von ihnen auswärts untergebrachten jüdischen Kinder nicht die jüdischen Gemeindeschulen, welche eine Woche länger Ferien haben, besuchen, sondern die Kommunalschulen, wenn sie ferner bedächten, welch einen häßlichen Eindruck es auf Lehrer und Mitschüler macht, wenn beim Wiederbeginn des Unterrichts in jeder Klasse gerade so und so viele jüdische Schüler oder Schülerinnen fehlen, würden sie gewiß diesen Uebelstand vermieden haben. Wir glauben auch, daß es nur dieser Anregung bedarf, um in folgenden Jahren das rechtzeitige Eintreffen der jüdischen in Ferienkolonien geschickten Kinder zu veranlassen. In jetziger Zeit müssen wir noch mehr als sonst uns hüten, irgend welchen Grund zu Beschwerden, oder gar, wie es hier der Fall ist, zu berechtigten Beschwerden zu geben. ftB- Kolberg, 2. August. Am letzten Sonntag wurde das zwanzigste Stiftungsfest des jüdischen Kurhospitals durch einen feierlichen Gottesdienst im Betsal der Anstalt begangen. Nach der einleitenden Liturgie und der Absingung des 16. Psalms bestieg der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Dr. Goldschmidt, die Kanzel und hielt die Festpredigt, der er das Prophetenwort Jerem. 1, l7zu Grunde legte. Der Redner warf zunächst einen kurzen Rückblick auf die Schöpfung und zwanzigjährige Entwickelung des Hauses und führte alsdann aus, daß die Lehre Israels zunächst und zuerst die Liebe zu Gott sowohl als freies Gefühl als auch als Gesinnungs- und lebensvolle That, dann aber