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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-10 · Heft 32 (10.8.1894) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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•nrtfs 3 der hier versammelten Corona von Männern der Wissenschaft vertreten war, regen Antheil an dem Festakt der Universität, die Wilhelm Gesenius einst zu ihren besten Lehrern zählte, und die unter der Zahl ihrer Rektorm einen Juden, Professor Dr. Bernstein, und außerdem eine stattliche Reihe jüdischer Professoren und Dozenten von jeher aufzuweisen hatte A Hamburg, 4. August. Der „Gen.-Anz. für Hamburg-Altona" schreibt: Im Stadthause ist eine Tafel angebracht, auf welcher die Steckbriefe affichirt sind, die das Publikum besonders beachten soll und die mit dem Namen des Polizeiraths und Kriminal-Abtheilungs-Chefs Herrn Dr. Roscher versehen sind. An dieser Tafel zieht gegenwärtig die den vielfach besprochenen Mord von kanten betreffende Ausschreibung die Blicke des Publikums auf sich. Die Aufforderung lautet folgendermaßen: „Es wird hiermit Veranlassung genommen, auf die unterm 11. August 1891 erfolgte Ausschreibung von 1000 Mark für die Entdeckung der Thäterschast des an dem Knaben Hegmann aus Xanten am 29. Juni 1891 verübten Mordes als noch in voller Geltung wiederholt hinzuweisen. Unter Bezugnahme auf diese Auslassung ersuche ich daher dringend, jegliche zur Sache irgendwie dienliche Auskunft mir umgehend wittheilen zu wollen. Mord: Am Montag, den 29. Juni 1891, dem Festtage Peter und Paul, ist zu Xanten der fünfjährige Knabe Hegmann, der noch bis neuneinhalb Uhr Vormittags in der Nähe seiner elterlichen Wohnung inmitten der Stadt mit anderen gleichalterlichen Knaben gespielt hat, gegen Mittag vermißt und am Abend 6*4 Uhr in einer nahe gelegenen Scheune aufgefunden worden. Bisher hat über Ausführung der That und der Thäterschast nichts ermittelt werden können. Mit Zustimmung des Regierungspräsidenten zu Düsseldorf ist nunmehr für die Entdeckung der Thäterschast obige Belohnung aüsgesetzt worden. Cleve, den 1. April 1894. Der I. Staatsanwalt." fit Nienburg a. d. W«, 2. August. Am 20. v. M. beging Herr Eck mann, Lehrer der israelitischen Gemeinde, mit seiner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Die Liebe und Achtung, deren sich der Jubilar nicht nur bei seinen Gemeindemitgliedern, sondern auch sonst in weiten Kreisen der Einwohnerschaft ohne Unterschied der Konfession erfreut, gelangte durch zahlreiche Beglückwünschungen, mündliche wie schriftliche, von nah und fern, durch Geschenke und andere mannigfache Beweise der Theilnahme zu beredtem Ausdruck. Die Liedertafel brachte schon Abends ihrem Sangesbruder ein Ständchen. Gestern Morgen gratulirten der Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Begleitung der Repräsentanten dem Jubilar und überreichten ihm ein werthvolles Geschenk. Auch die Schüler brachten ihrem Lehrer als Zeichen ihrer Liebe und Anhänglichkeit eine von Herzen kommende Festgabe. Möge das Jubelpaar nach 25 Jahren das goldene Fest feiern können! Grstrrrrich Ungarn. □ Wien, 6. August. Großes Aufsehen erregt hier das Verschwinden des als antisemitischer Agitator bekannten Geistlichen P. Leopold Scherzer aus seinem Pfarrorte Schrick. Der ehemalige Wiener Kooperator und jetzige Pfarrer von Schrick soll, wie behauptet wird, nach Unterschlagung von Waisen- und Stiftungsgeldern flüchtig geworden sein. Der von ihm angerichtete Schaden soll an 5000 Gulden betragen. Außerdem soll Pfarrer Scherzer auch zahlreiche Schulden bei den Geschäftsleuten der Umgegend kontrahirt haben. Besonders hart betroffen sind einige Wirthe und ein Möbelhändler. Schließlich soll auch die Wirthschafterin des Pfarrers um mehr als 2000 Gulden geschädigt sein. Scherzer brachte die Wirthschafterin, das „Fräulein Marie", schon aus Wien mit, als er nach Schrick versetzt wurde, und soll sie veranlaßt haben, ihm in Theilbeträgen ihr ganzes Vermögen im obenerwähnten Betrage zu geben. Der Skandal ruft in der ganzen Umgebung das peinlichste Aufsehen hervor. Momentan dürfte Herr Pfarrer Scherzer im Minoritenkloster in Wien internirt sein, allein mit Bestimmtheit kann dies nicht behauptet werden. Zweifellos aber wird binnen kürzester Zeit der Aufenthalt des Herrn Pfarrers genau festgestellt sein, denn die zuständige Staatsanwaltschaft von Korneuburg, der die Strafanzeige erstattet worden ist, interessirt sich bereits lebhaft für seine Person. — Dem Beispiele der Sankt Pöltner Antisemiten folgend, haben auch zahlreiche Landgemeinden Proteste aus Anlaß der dortselbst durchgeführten Gemeindewahlen bei der Statthalterei eingebracht. Aus diesem Grunde kann in mehr als 50 Gemeinden die Bürgermeisterwahl nicht durchgeführt werden und müssen die alten Gemeindevertretungen bis zur Entscheidung über diese Proteste fortfunktioniren. In den Gemeinden Atzgersdorf, Mistelbach, Radaun wurden sämmtliche liberale Kandidaten zum Bürgermeister und in den Gemeinderath gewählt — überall blieben die Bemühungen der antisemitischen Reformpartei trotz der heftigsten Agitation gänzlich erfolglos. — In einer Nummer des „Dr ak", eines Czechenblattes, dessen Tendenz gegen Deutsche und gegen Juden gerichtet, ist in gesperrter Schrift folgender Passus zu lesen: „Der von jüdischen Ahnen abstammende Caserio Santo hat den ehrenwerthen Präsidenten Carnot deshalb ermordet, damit an dessen Stelle der ebenfalls von jüdischen Ahnen abstammende Casimir Perier gewählt werde." Und dies läßt unsere Behörde ungestraft passiren! — Unter den jüngst ernannten Landesgerichtsräthen befindet sich auch Dr. Berthold Feigl aus Olmütz, der zum Landesgerichtsrath in Brünn ernannt wurde. — Der Kaiser hat dem Schriftsteller und Redakteur des „Fremdenblatt", Herrn Wilhelm Neumann, und dem Vizekonsul Richard Oppenheimer das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. — In Brünn starb am 2. d. M. Kammerrath Samuel Morgenstern, einer der bedeutendsten Malz- und Bierfabrikanten Oesterreichs. — Der bekannte Hof-Kalligraph Professor Füchsel ist am letzten Freitag gestorben. — Die „Deutsche Zeitung", lange Jahre hindurch ein liberales Blatt, ist seit Kurzem ein Organ der deutschnationalen Antisemiten Steinwenderscher Kouleur geworden. Als liberales Blatt vertrat die „Deutsche Zeitung" vornehmlich die Interessen der Großindustrie und war auch unter dem terminus technicus „Fabrikanten-Zeitung" bekannt. Frankreich. . E. H. Paris, 3. August. Gegenüber dem Treiben der klerikalantisemitischen Richtung dürfte der folgende Briefwechsel zwischen einem katholischen Erzbischof und einem jüdischen Präfekten von charakteristischem Interesse sein: Der neue Erzbischof von Rouen, M. Sourrieu, hat den nachfolgenden Brief an den Präfekten von Seine-Jnförieure gerichtet: „Chälons, 5. Juli 1894. Herr Präfekt! Die Mitglieder der geistlichen Administration von Rouen sagten mir, daß es zu den Vorrechten meines neuen Amtes gehören würde, an der Spitze des Departements Seine-Jnförreure einen Chef zu finden, der gewöhnt ist, die verschiedensten Angelegenheiten in einem entgegenkommenden und versöhnlichen Geiste zu behandeln. Dasselbe Gefühl hatte mich ergriffen in einer neuerlichen Audienz bei Herrn Carnot, dem Präsidenten der Republik, der durch den Tod, der alle für das öffentliche Wohl gefallenen Opfer vergrößert, noch an Größe gewonnen hat. Darum, Herr Präfekt, empfinde ich den Wunsch, unsere Beziehungen, die mich durch schöne Proben, welche ich von denselben empfangen habe, beglücken, damit einzuleiten, daß ich Sie versichere. Ihnen die gleichen Sympathien entgegen zu bringen. In Chalons haben die Präfektur und das Bisthum es zwölf Jahre hindurch vermocht, mit Hilfe eines gegenseitigen guten Willens in Uebereinstimmung alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Wir haben alle Knoten gelöst, ohne sie zu zerreißen. Ich erwarte die Erfüllung der letzten Formalitäten, die Abfertigung der Urkunden, welche im Staatsrathe sind, und werde dann die Ehre haben, Ihnen den Tag meiner Ankunft anzuzeigen. Genehmigen Sie, Herr Präfekt, die Versicherung meiner besonderen Hochachtung. Marie-Romain, Erzbischof von Rouen." — Herr Hendlö, der Präfekt von Seine-Jnferieure, erwiederte hierauf: „Rouen, 7. Juli 1894. Euer Hochwürden! Ich bin durch Ihr so wohlwollendes und sympathisches Schreiben derart beschämt und gerührt, daß ich von Ihrer Größe mich weit übertroffen fühle. Man hat Sie nicht getäuscht, hochwürdigster Herr, wenn man Ihnen sagte, daß Sie im Departement Seine-Jnförieure eine Umgebung und Atmosphäre finden würden, die einer Politik der Mäßigung günstig ist, und daß wir immer bestrebt find, alle Schwierigkeiten zu vermeiden oder sie möglichst aufzulösen im gegenseitigen Wunsche nach Frieden und Einigkeit. Die gesammte Sympathie und die Hochachtung Aller erwarten Ew. Hochwürden auf dem erzbischöflichen Stuhle von Rouen. Ich bitte Ew. Hochwürden, die Versicherung meiner besonderen Hochachtung zu genehmigen. Der Präfekt des Departements Seine-Jnftrieure." Dänemark. a. Kopenhagen, 2. August. Anläßlich der silbernen Hochzeit unseres allbeliebten Kronprinzenpaares brachte auch eine Deputation der

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