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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-10 · Heft 32 (10.8.1894) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
Seite 383 (sequence 11)
Language
German
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388 Jionsklü$t. Uebersetzt von Adolf Pick. Zion, schönste Krön' und Zier all' deiner Völkerschaaren, ^tr Nimm hin den Friedensgruß der Treu'n, die deine Herrn einst waren! Des Himmels Diener grüßen dich, die hütend dich umschweben Und innig stehn, daß du dich bald mögst aus dem Staub erheben. Und die in alle Winde sind zerstreut, verjagt, verstoßen. Sie bringen ihre Grüße dar dem Mutterherz, dem großen. Auch die im Erdenschooße ruhn, dem Tode preisgegeben, Sie harren der Erlösung dein — erweckt zu neuem Leben. O könnte ich, dem Vogel gleich, auf hoher Berge Gipfel, Dir senden meinen Liebesgruß von deiner Palmen Wipfel: Dir, Wohnsitz der Gerechtigkeit, dess' Mauern fest gegründet. Sich wandeln einst in Edelstein, wie's der Prophet verkündet. Sei mir gegrüßt. Du herrlich' Land, bis zu den fernsten Grenzen, Bis hin nach Schomron, Gilead, dess' Berge dich umkränzen! Wie warst du in der Vorzeit doch der Menschen Augenweide, Und wie verdüstert bist du jetzt, gebeugt von tiefstem Leide! Gleich Königskindern warst du einst von Pracht und Glanz umgeben. Jetzt trauerst du, in Sack gehüllt, um dein zerstörtes Leben! — Aus schmerzbeklommner Brust ringt sich empor mein bittres Klagen, Geh' ich dich Asche auf dem Haupt statt einer Krone tragen. Wohlan! Stimmt Trauerlieder an und laßt die Thränen fließen. Auf daß sie wie ein Strom sich wild ins weite Meer ergießen: Weil dich dein Herr verlassen, hat und es dem Feind gewährte. Daß deinen Tempel er zerstört, dein köstlich Land verheerte! Als du im Glück, ertönten dir begeistert Jubelklänge, Jetzt stimmen deine Dichter an wehmüth'ge Klaggesänge. Weh', daß sich Edom's, Arab's Sohn in deine Herrschaft theilen! Weit besser wär's, wenn Ottern nur in deinen Trümmern weilen. — Von David und von Salomo zum Königssitz erkoren. Hat Freude und Glückseligkeit geherrscht in deinen Thoren. Du warst der Gottheit Heiligthum, der Schöpfung Schmuck und Krone, Zum Garten Gottes auserwählt, wo seine Allmacht throne. Dort stand der gold'ne Weihetisch, die heil'ge Bundeslade, Und die Menorah, deren Licht dir wies des Ew'geri Pfade. Dort sah man Priester am Altar die Opferflamm' entzünden. Zu sühnen und zu ^einigen dein Volk von seinen Sünden. In unschuldsweißem Prachtgewand mit Glöckchen an dem Saume Durst' einmal nur in jedem Jahr in deines Tempels Raume Der Hohepriester sündenrein dein Heiligstes betreten. Um dort vor Gottes Angesicht für Israel zu beten Und das geweihte Räucherwerk zur Sühne darzubringen. Daß Wohlgeruch bis weithin zu der Palmenstadt mußt' dringen. Auch die Leviten, die bewacht des heil'gen Tempels Thore, Und deine Sänger, die zum Dienst des Herrn im Hymnenchore Erschallen ließen Dank und Preis in des Gebetes Stunden — Sie haben nur bei dir allein ein traulich Heim gefunden. Auf deinem Boden weilten einst Propheten, Wahrheit kündend. Und weise Forscher, Gottes All' mit scharfem Geist ergründend. Zu Richtern waren auserwählt die siebzig würd'gen Greise. Auf daß dein Volk stets wandelte in des Gesetzes Gleise. Gesegnet war dein heil'ges Land mit zehnfachem Ertrage, Dess' Hebe Gott gespendet ward an jedem Erntetage. — Jetzt liegst du wüst und öde da, die Kinder sind vertrieben! Wo ist dein König, wo dein Volk, dein Heiligthum geblieben? Wohin sind die Leviten all', die Priester und Propheten? Wann kehrt dein Volk zu dir zurück, dort vor dem Herrn zu beten? Wär's mir vergönnt, daß ich voll Schmerz an deinen Trümmern weine. Daß ich mit glüh'nden Küssen könnt bedecken deine Steine! Wie sehnt mein Herz sich, dich zu schau'n in neuer Pracht erstanden. Die strahlend breitet ihren Glanz weithin nach allen Landen!- Ich harre treu der Botschaft, die den Heilsruf läßt erschallen: „Der Herr zieht wieder huldvoll ein in seines Tempels Hallen. Auf, auf, mein Freund, wirf ab den Staub von deinem Trauerkleide, Denn Zion ist befreit, erlöst von allem Harm und Leide!" Fitterarische Mittheilungen. — Unter dem Titel „Mimisrachu Mimaarabh“ ist soeben das erste Heft der litterarisch-wissenschaftlichen Monatsschrift in hebräischer Sprache erschienen, welche der bekannte Schriftsteller R. Brainin in Wien herausgiebt. Wir haben schon im Voraus auf die bedeutsame Publikation aufmerksam gemacht. Das erste Heft erfüllt auch alle Erwartungen, die daran geknüpft wurden. Es enthält werthvolle Beiträge von I. H. Weiß, Dr. I. S. Bloch, S. Mandelkern, Prof. Dr. D. H. Müller, E. Baumgarten, Prof. Dr. D. Kaufmann, I. Halevy, Dr. A. Nossig, Prof. Dr. H. Schapiro und vielen Anderen. Auf die bedeutungsvolle Arbeit des letzteren Mitarbeiters kommen wir vielleicht gelegentlich zurück. Es bleibt nur zu wünschen, vaß die Zeitschrift sich immer auf gleicher Höhe erhalten und daß sie vor Allem einen reichen Leserkreis finden möge. ----- The Jewish Question and the Mission of the Jews. London 1894. Unter obigem Titel ist ein interessantes englisches Buch erschienen, das sich als Seitenstück zu dem bekannten Werk von Leroy Beaulieu „Israel chez les Nations“ charakterisirt und nach den Auseinandersetzungen des Verfassers selbst dies ergänzen und verbessern soll. Der Verfasser stellt als hauptsächlichen Unterschied zwischen ihm und Leroy Beaulieu fest, daß dieser an die Judenfrage als Franzose und Christ herangeht, und die Juden, so gerecht er sich auch bemüht, im Einzelnen zu urtheilen, immer als Ganzes auffaßt. Der englische Autor dagegen leugnet die Gemeinsamkeit völlig, verwirft die Rassentheorie und behauptet, daß der Jude des Westens nichts mehr vom Judenthum, sei es als Rasse, sei es als Religion, wissen wolle. Er sei nur Theist oder Deist „wie Locke und Andere", und habe eine völlig deutsche, englische, französische Erziehung, sei also Deutscher, Engländer oder Franzose ebenso wie der gebildete Christ dieser Völker, der ja auch nur Theist oder Deist, nicht mehr eigentlich Christ sei. Die antisemitische Frage ist ihm ganz nebensächlich, da sie nach ihm nur eine rasch vorübergehende Erscheinung sei. Dagegen sei ein Hauptaugenmerk auf die Erschließung der großen wissenschaftlichen Leistungen der Juden des Mittelalters zu legen, die noch durch die hebräische oder jüdisch-deutsche Sprache dem großen Publikum verschlossen seien. Die Rabbiner sollten sich, statt Priester zu sein, lieber daran machen, diese Schütze durch Uebersetzung in eine moderne Sprache zu retten. In zwei langen Kapiteln giebt der Verfasser eine Uebersicht über diese Leistungen, sowie über die Einwirkung der Juden auf die allgemeine Kultur des Mittelalters. Das Buch bietet, trotz seines seltsamen Ausgangspunktes, den glücklicherweise noch nicht viele Juden theilen werden, des Interessanten sehr viel und verdient mit Aufmerksamkeit gelesen zu werden. W. B. %. Seit einiger Zeit erscheint in Leipzig eine neue Missionszeitschrist. „Berith Am“, so heißt dieses neue in hebräischen Schriftzeichen und im Jargon von Dr. Gustav Dalman im Selbstverläge herausgegebene Monatsblättchen. Die Mission glaubt nunmehr, sich den Seelenfang durch ein in der Umgangssprache ihrer Opfer erscheinendes Organ und die gleichzeitig entfaltete Verbreitung und Agitation bedeutend zu erleichtern. Vor uns liegt eine Nummer dieses Blättchens, welches auf der Titelseite ein Gedicht trägt, das sich „Mit Glück!" benamset. Wir entnehmen dieser Perle von Dichtung, als dessen Autor ein gewisser Mark Loew genannt wird, nur zwei Strophen als „Muster ohne Werth": Du weinst nur und klagst. Und denkst dir und sagst: „Gott hat dich gestraft umsist" (umsonst). Nein, Jüdele, nein. Bist schuldig allein Mit dem, was du bist nit kein Christ. „Jsrolik" (Israelit), es ist klor (klar). Hast nur ein Mixtur: „Jesu macht dich bald gesund!" Steh auf von dein Bett, . Sei moide dein Cheth (gestehe deine Sünde ein) Und kehr' dich zu ihm nun geschwind! Eines Kommentars aber werden wohl die beiden Strophen nicht bedürfen.

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