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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-10 · Heft 32 (10.8.1894) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
Seite 380 (sequence 8)
Language
German
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T'T 380 und Kolonisationen jener merkwürdigen Zeit gehabt haben. Aber so reichhaltig ist Kayserling's Werk, daß es uns neben allen diesen Ereignissen auch noch von den hervorragendsten marranischen Familien! neue und wichtige Kunde bringt, gleich bedeutsam für den Politischen wie für den Kulturhistoriker. Zahlreiche Aktenstücke, die der Anhang wörtlich bringt, erhärten seine Darlegung. Möge es dem fleißigen und geistvollen Forscher vergönnt sein, seinen Plan einer neuen Studienreise in Spanien behufs Darstellung einer Geschichte der, Marranen in vollem Matze zu verwirklichen! Einstweilen bildet das, vorliegende Buch einen überaus interessanten Beitrag zur Geschichte. nicht nur der Juden, sondern auch des großen Zeitalters der Entdeckungen. n. n. Englisch-jüdische Fesesrüchte. Von Rabbiner Dr. Strauß. Introduction to the Talmud by Professor Dr. M. Mi elzine r, Cincinnati. Gems from the Talmud by J. Myers, London. The threefold Cord by B. S p i e r s, London. The Ideal in Judaism and other sermons by Rev. M. Joseph, London. Records and Reflections by Lady Simon, London. (CT^V^on den fünf aufgeführlen Büchern beschäftigen sich die drei ersten mit dem Talmud, und sie sind alle, wie schon aus deren Titel hervorgeht, in englischer Sprache verfaßt, wes-, halb das erstangeführte, obwohl nicht in England erschienen, auch unter diese Rubrik fällt. Der Ausspruch drin “Qtfö „Sie ' (die Thora) ist nicht jenseits des Meeres", kann nicht länger mehr auf Nord-Amerika und England angewandt werden. Es giebt jetzt in beiden Ländern Vertreter der Talmudwissenschaft, die dem europäischen Festlande zur Ehre gereichen würden. In de» „Vereinigten Staaten", in Oxford, Cambridge und anderen akademischen Anstalten .. Englands sind Vertreter der Talmudlitteratur angestellt, die dazu bei- ■ tragen, den bislang und leider noch jetzt viel verleumdeten Talmud \ zum besseren Verständniß und dadurch zu Ehren zu bringen. j Das erstgenannte Buch ist eine wissenschaftliche Einleitung in. den Talmud und die dazu gehörige Litteratur, und da ein solches Werk zum ersten Mal in englischer Sprache erscheint, so muß es allen englisch redenden Studenten des Talmuds höchst willkommen sein. Dr. Mielziner hat zwar Vorgänger in diesem einleitenden Fache, ( er zählt sie auch gewissenhaft auf, aber sein Buch ist praktisch und hat durch seinen übersichtlichen Charakter besondere Verdienste. Cs , hat vier Haupttheile. 1. Der erste enthält eine geschichtliche und, litterarische Einleitung in die Entstehungsgeschichte der Mischna und des Talmuds; kurze interessante Lebensabriffe der Tanaiten und Amoräer, sowie Hilfsmittel zum Studium des Talmuds. 2. Die zweite Abtheilung behandelt die verschiedenen hermeneutischen Regeln, , nach denen die Talmudlehrer in ihren Gesetzesanslegungen verfuhren.; 3. In der dritten Abtheilnng wird eine Terminologie und Methodo- , logie gegeben. Hier wie in Abtheilung 2 werden dem Leser durch j praktische Beispiele aus dem Talmud Regeln und Ausdrücke klar gemacht. 4. Der letzte Theil des Buches bietet eine Anzahl ethischer . Aussprüche, an denen der Talmud so reich ist, ebenso drei alphabetische ' Register, zwei, um sich im Buche selbst sofort zurecht zufinden, und ein drittes, das die vielen Abkürzungen in den talmudischen Schriften ] erklärt. Das Buch ist eine vortreffliche Hodegetik auf dem „Meere des , Talmllds", ein praktischer Wegweiser in diesem labyrinthischen Baue einer fast tausend Jahre umfaffenden Litteratur. Einige wenige. Druckfehler, besonders ein sinnstörender auf S. 70, sollten in einer zweiten Auslage,die, wiewirhoffen, dasBuch sicher erleben wird, verbessert werden. „ Das zweite Werk, dessen Titel Geins from the Talmud „Juwelen aus dem Talmud", uns lebhaft an „Die Lichtstrahlen aus dem Talmud", das vor einigen Jahren im Reklamschen Verlage erschienene Büchlein des vormaligen Rabbiners Stern, erinnert, ist jedoch verschieden von letzterem, da es zum ersten Mal in englischen gereimten Versen — es sind in der That gute und schöne Verse — jene wunderbar sinnigen Sprüche wiedergiebt. Ein alphabetisches Namen- und Sachregister erhöht de» Werth des leider nicht in alphabetischer Ordnung verfaßten Buches. Das dritte Werk, „Der dreifache Faden", von dem bereits eine zweite Auflage vorliegt, zählt den Inhalt der drei talmudischen Traktate Synhedrin, Baba-Mezia und -Bathra — also jüdisches Kriminal- und Civilrecht — auf. Herr Spiers, der Dajan an dem noch nach althergebrachter Weise bestehenden jüdischen fN n'2 in London ist, giebt uns zwar keine wiffenschaftliche, aber doch eine klare Darstellung in diesen Skizzen, wie er sie nennt. Auch er fügt einige Sprichwörter mit englischer Erklärung ails den drei Traktaten an und giebt in einem Anhang einen kurzen Umriß von Maimonides acht Kapiteln der Ethik. Das „Ideal im Judenthum" und andere (19) Predigten von M. Joseph, dem von Dr. Adler aus dem orthodoxen Lager verdrängten Prediger der Reformgemeinde in London, enthalten kurze, zeitgemäße Reden, die, alle in klarer Sprache gehalten, uns die besten Seiteir eines geistigen fortschrittlichen Judenthums zeigen. Da es hier zu Lande nur wenige gedruckte jüdische Pcedigtsammlungen giebt, so ist diesen zwanzig Predigten besonders weite Verbreitung zu wünschen. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil wir uns was Gutes bis zuletzt aufsparen wollte», besprechen wir erst jetzt „Records and Reflections“ „Aufzeichnungen und Gedanken" von Lady Simon. Die Dame ist die geistreiche Gemahlin des Sir John Simon, des durch seine parlamentarische Wirksamkeit bekannten Nestors der jüdischen Juristen in England. Zwar keine Predigten im eigentlichen Sinne, aber prächtige Aufsätze religiös-moralischen Inhalts sind diese aus eigener Erfahrung, von Herzen kommenden Aufzeichnungen und Gedanken. Das uns vorliegende Bändchen enthält nur einen Bruchtheil (wie sie in der Vorrede sagt) der Aufzeichnungen der seit 54 Jahren klar beobachtenden und tief denkenden Dame, aber was sie uns gegeben, ist vorzüglich und regt den Wunsch nach mehr, besonders, da Lady Simon zeigt, wie man im Reform-Judenthum Geist mit Gefühl, Verstand mit Herz und Seeleninnigkeit verbinden kann. e_ m IPTtBlfw -^-1 WUiMWMlMllMMMMiElMtMtMUMWMMUMWiWlAMllilMMMUMl MMMMtzlkMUMtzlMMMuMnMMIMlWMiMiMWilMWMillMMMiM W nimjmrniix wwnumim M 1 I FEUILLETON ffij I m imimn vii IWmUmTi! 1--SB--II M illHIIIMlUMl iMMM! li Der Iudenjunge. Eine Erzählung aus Ostgalizien von Wilhelm Feldmann. (Fortsetzung.) - VII. Hanse erlebte Jizchak eine neue Kränkung. Die Mutter lag krank zu Bette. Mirjam war in der letzten Zeit oft leidend gewesen; die armen, durch das ewige Umherlaufen erschöpften Füße versagten den Dienst; die ermattete Brust war oft von stechendem Schmerz zusammengepreßt, daß sie kaum athmen konnte. Aber heute ging es ihr sehr schlimm. Nachdem sie sich am Nachmittage hingelegt hatte, war sie jetzt

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