Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1894)
- Date
- 1894-08-10
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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WMstWWWWW»W>WW«xWP!WWMMWMMWWWWWWWWWWM 379 englischer Spruche erschiene» ist'), liegen uns die Ergebnisse seiner mühevollen Thätigkeit vor. Schon früh betheiligten sich jüdische Seeleute an den Entdeckungen und Eroberungen der Portugiesen, wie bei der Einnahme Ceutas, der wichtigsten Festung des nordwestlichen Afrika, im Jahre 1415. Die glänzendsten Verdienste um die Kenntniß der westafrikanischen Küste erwarb sich bekanntlich der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer, der sich hierbei hauptsächlich des geographischniathematischen Wissens und "der Rathschläge des Jehuda Cresques bediente, eines gelehrten Juden aus Mallorca; das Volk nannte ihn „Meister Jakob, den Kartenjuden" oder „Kompaßjuden", und seine Arbeiten bildeten die wichtigste Grundlage für alle weiteren Entdeckungen. Dieselben wurden wesentlich erleichtert, wenn nicht überhaupt ermöglicht, durch die Verbesserung des Astrolabiums und durch die Erfindung, am Bord die Mittagshöhe der Sonne über dem Horizont zu beobachten, die beide potugiesischen Juden zu danken sind: dem Mathematiker Moses und dem Meister Joseph Vecinho, Mitgliedern der Junta, die König Joseph II. von Portugal zrir Leitung der Seefahrten einsetzte. Joseph Vecinho war auch der hauptsächliche Rathgeber Christoph Columbus', während dessen langjährigem Aufenthalts in Lissabon. Die Schriften anderer Juden, wie des berühmten Abraham Jbn Esra, des Renegaten Samuel Jbn Abbas und besonders des hervorragenden Astronomen und Mathematikers Zacuto, studirte der große Entdecker mit Vorliebe und schöpfte aus ihnen zum Theil die geographischen Ueberzeugnngen, die ihn zu seinem genialen Plane veranlaßten. Die astronomischen Tabellen jenes Abraham Zacuto verliehen ihm auch die Kenntniß von den Mondfinsternissen, die es ihm später ermöglichte, durch Vorhersagung eines solchen Ereignisses die wilden Indianer, die nach seinem Schiffbruche an der Küste Veragua im Jahre 1504 sein und der Seinen Leben bedrohten, derart einzuschüchtern, daß sie ihn nicht allein verschonten, sondern auch mit Vorräthen und Beihilfe zur Erbauung eines neuen Schiffes unterstützten. Während seines Verweilens in Spanien, als Columbus, lange vergeblich, von dem Köliige Ferdinand und deffen Gemahlin Jsabella die Ausrüstung seiner ersten Expedition erflehte, lernte er Zacuto persönlich kennen, der ihn über die maritimen Zustände in den Aequatorial- Gegendeir unterrichtete. Unähnlich den meisten spanischen Gelehrten seiner Zeit, begeisterte sich Zacuto für die Entwürfe des Genuesen, den er mit seinem Ansehen und seinem Wissen nach Kräften unterstützte. Noch bedeutsamer für diesen wurde der Marrane Luis de Santangel, der hochangesehene Schatzmeister des Königs Ferdinand. Mit jenem Enthusiasmus für große und ideale Zwecke, der ein Erbtheil des jüdischen Stammes ist, stellte sich Santangel dem vernachlässigten Fremden gänzlich zu Verfügung. Nur seinem ebenso dringenden wie einflußreichen Rathe ist es zu danken, daß Königin Jsabella sich endlich zur Gewährung von Columbus' Bitten entschloß. Nun fehlten aber die Mittel zur Herstellung der Expedition. Es ist nicht wahr, daß, wie die Legende erzählt, Jsabella hierfür ihre Juwelen verpfändet hätte; vielmehr hat Santangel die nöthige Summe, 17 000 Dukaten, nach heutigem Gelde mindestens 1 Million Mark, aus eigenen Mitteln vorgeschossen. Man kann sagen, daß, nach Columbus, Luis de Santangel das Hauptverdienst um die Entdeckung Amerikas besitzt. In dankbarer Anerkennung seiner hoch- ') Der Titel der deutschen Ausgabe lautet: Christoph Columbus und der Antheil der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen. Nach zum Theil ungedruckten Quellen bearbeitet von Dr. M. Kayserling. Berlin 1894. Siegfried Cronbach. herzigen Leistung hat Columbus ihm zuerst die frohe Kunde von bem gewonnenen Erfolg mitgetheilt. Auch auf den Schiffen, die der Entdecker auf seiner ersten abenteuerlichen Fahrt leitete, befanden sich mehrere Männer jüdischen Stammes. Der hervorragendste unter ihnen war der erst kurz zuvor zur Taufe gezwungene Luis de Torres, der sich nicht minder durch Sprachkenntniß wie dnrch Muth auszeichnete. Er war es, den Columbus am 2. Noveiuber 1492 mit der Erkundung des soeben entdeckten Cuba betraute, und der dabei zum ersten Male den Gebrauch des Rauchtabaks kennen lernte. Sein Verdienst bei dieser Fahrt war so groß, daß Ferdinand und Jsabella ihm eine Pension aussetzten. Er war der erste Jude, der sich in Amerika niederließ; auf Cuba hat er sein Leben beschlossen. Unmittelbar nachher haben sich zahlreiche spanische und portugiesische Juden, um den Nachstellungen der Inquisition zu entgehen, in den neu entdeckten Ländern angesiedelt, die sie durch ihren Gewerbefleiß und Handel bereicherte». Sie wagten es, sich hier offen zu ihrem Glauben zu bekenne», sielen aber bald dem blutigen Tribunale zum Opfer. An Mitteln zur Ausrüstung der weiteren Expeditionen nach Amerika fehlte es Ferdinand nicht. Er fand sie in den gewaltigen Summen, die er den „zur Ehre und Glorie Gottes" aus Spanien vertriebenen Inden abgenommen hatte! Freiwillig hatte der Jude Santangel die Kosten von Columbus' erster Fahrt bestritten; ausschließlich aus dem konsiszirten Vermögen der Juden wurden sie bei den folgenden Expeditionen gedeckt. Noch höher als die Entdeckung Amerika's, deren Bedeutung zu jener Zeit bei Vielen nicht erkannt wurde, schätzte man damals die Auffindung des direkten Seeweges nach Ostindien mit Umschiffung des Caps der guten Hoffnung. Auch bei dieser wichtigen Thatsache, die auf Jahrhunderte hinaus die Bahnen des Welthandels veränderte, spielten Juden eine hervorragende Rolle. Mit seinen Glaubensgenossen hatte Abraham Zacuto im August 1492 Spanien verlasien müffen. Er fand bei Johann II. von Portugal die freundlichste Aufnahme, und auf dessen Veranlaffung hat er schriftlich und mündlich Vasco de Gama zu seiner gefährlichen Fahrr nach Ostindien ausführlich instruirt. Auf seinem Rückwege fand Vasco auf einer Insel einen vertriebenen Israeliten aus Posen, der Schiffshauptmann eines mnhamedanischen Snltans in Indien geworden war, und den er nöthigte, sich taufen zu lassen und ihn zu begleiten. Dieser „jüdische Pilot" Gaspar leistete sowohl Vasco de Gama wie mehreren nachfolgenden Befehlshabern der portugiesischen Flotte die wesentlichsten Dienste durch seine Erfahrung, Sprachkunde und Vertrautheit mit den indischen Verhältnissen. Er war es auch, der den Portugiesen Cabral 1500 nach Brasilien führte; hätte Columbus nie gelebt, so würde Cabral unter eines jüdischen Piloten Leitung Amerika dennoch entdeckt haben. Die damaligen Schriftsteller sprechen von Gaspar mit vieler Anerkennung, und König Johann verlieh ihm zum Dank für seine Verdienste den Rang eines königlichen Kammerherrn. Ein Lebenslauf von märchenhafter Seltsamkeit! Der bedeutendste unter den portugiesischen Gouverneuren Ostindiens war der „große" Alfonso d'Albuquerque. In ähnlichem Verhältnisse, wie Gaspar zu Vasco de Gama, stand zu ihm ein vertriebener kastilischer Jude Hucefe, der sein vertrautester Rathgeber wurde. Von dem Könige selbst in jeder Weise ausgezeichnet, wollte er dennoch nicht in Portugal bleiben, als auch aus diesem Reiche die Juden vertrieben wurden; er zog es vor, sich nach Kairo zu begeben, um dort dem , Glauben seiner Väter leben zu können. Von dem Zauberstabe historischer Forschung berührt, steigen aus ihrem Grabe alle diese israelitischen Männer wieder auf, die einen so überraschend großen Antheil an den wunderbaren Entdeckungen