Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1894)
- Date
- 1894-08-10
- Page
- Seite 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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378 gemeine Sitte der Leichenbestattung war, geht daraus hervor, daß seine Gebeine beerdigt wurde», ferner aus dem Berichte von dem Begräbniffe des Asahel (2. Sam. 2, 31) lind des Abner (ibiä. 2, 32). Die Leichname der Könige wurden nicht verbrannt, zur Erhöhung der Leichenfeier war jedoch bei Königen der Gebrauch, aromatische Stoffe anznzünden oder nach dem Talmud ihre Kleider und Waffen zu verbrennen ^21 fN'71122 - - - 2'2^2!N bv slv'QVN (Aboda sarah 11a). „Gleich den Bränden deiner Väter, der früheren Könige, die vor dir waren, also wird man einen Brand für dich 1212?') machen" (Jerem. 34, 5). Will man dem natürlichen Wortsinn keinen Zwang anthun, so muß man gestehen, daß hier nicht die Rede vom Verbrennen des Leichnams und daß die Auslegung des Thosaphot Jomtow (Pesachim 4, 9) N2'1VNV '121 JlVljn bü 2212 gezwungen ist. Nicht anders verhält es sich mit dem Bericht (2. Chron. 16, 14) über die Bestattung des Königs Assa: „Sie legten ihn auf ein Lager, das man mit Gewürzen allerlei Art angefüllt, gemischt mit Spezereien nach Apothekerkunst, und brannten ihm einen sehr großen Brand"; ebenso mit dem Bericht in Betreff der Bestattung des Jehoahas: „Sein Volk machte ihm keinen Brand gleich dem Brande seiner Väter" (2. Chron. 21, 19). Es giebt demnach keine einzige Stelle in der heiligen Schrift, ans der man auf die Leichenverbrennung in ruhigen Zeiten mit Sicherheit schließen könnte; dagegen rügt es Amos (2, 1) an dem Köilige von Moab, daß er die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt, und diese That des unversöhnlichen Haffes, der dem todten Feinde die Ruhe des Grabes entzog und seine Gebeine mit Feuer peinigte, verdiene nach dem Propheten schwere Ahndung (vergl. Hitzig). Die gleiche Anschauung von der Störung der Grabesruhe und der Peinigung der Gebeine mit Feuer liegt dem Berichte (2. Kön. 23, 16) zu Grunde. „Jofiahu ließ die Gebeine (der Hohenpriester) aus den Gräbern holen und verbrannte sie auf dem Altar"; dagegen befahl er in Betreff des Gottesmannes aus Jehuda, dessen Grabhügel er erblickte, aus Schonung für ihn und um ihm die Peinigung zu ersparen- „Lasset ihn, Niemand rege seine Gebeine an!" (ibiä. 18 1'N2L2 ttPK). 3. Gründe dogmatischer Art lassen sich gegen die Leichenverbrennung nicht wohl geltend machen. Die Fortdauer der Seele im Jenseits ist nach biblischem Lehrbegriff und nach den maßgebendsten Lehrern der Synagoge nicht an die Auferstehung des Leibes gebunden, vielmehr wird sie, losgelöst von den Feffeln des Leibes, ohne diesen in neuer Daseinsform fortleben. „Auch ohne Fleisch werde ich Gott schauen" (Job 19, 26). „Im Jenseits giebt es Seelen ohne Leib, weil aber der Tod nur den Leib trifft, nicht aber auch die Seele, darum heißt jenes Leben, das frei vom Tode ist, Lebensbund" (Maimonid., von der Buße 8, 2. 3). Diejenigen Lehrer, welche nach dem Vorgänge des Abraham ben David und des Nachmanides die Auferstehung des Leibes gleichfalls zum Glaubenssatz erheben, werden kräftig von Albo widerlegt (Jkkarim 4, 30), übrigens dürfte die Wiedererweckung des verwesten Leibes kein geringeres Wunder sein, als die des verbrannten Leichnams, weshalb ich meine, die dogmatischen Auseinandersetzungen seien in dieser Frage völlig ohne Belang. 4. Die Stellung des Talmuds und des rabbinischen Schriftthums zu derFrage der Leichenverbrennung und der Beerdigung. Die Mischnah (Aboda sarah 8a) verpönt das Verbrennen der Leiche als heidnische Sitte: N2 N71'2 b. X"S m V' ns,'1tr» „Eine Leichenfeier (bei Königen) mit Verbrennen hat etwas von Götzendienst an sich"; zur Erhöhung der Leichenfeier dürfen jedoch bei Königen oder Fürsten ihre Kleider u. A. verbrannt werden, bei gewöhnlichen Leuten ist auch das untersagt (Joreh Deah 348, 1). Auf diese Weise ist der Widerspruch zwischen dem Wortlaute der Mischnah und dem der Thoflphta 2'2^>2N by von selbst gelöst, indem jene vor dem Verbrennen des Leichnams selbst oder solcher Gegenstände, die nicht zu ihrem Gebrauche gehörten, als von einer heidnischen Sitte spricht, diese dagegen dem Verbrennen ihrer Gebrauchsgegenstände slN'LVN '^21 sl122 zur Erhöhung der Leichenfeier. Die Nachahmung heidnischer Sitten ist nämlich nur dann untersagt, wenn sie sinnlos sind und mit Götzendienst irgend welche Bewandtniß haben; das Verbrennen der Kleider verstorbener Könige aber hat den vernünftigen Grund, daß nicht ein Anderer nach ihm sich mit seinen königlichen Gewändern kleide und mit königlichem Schmuck umgebe (R. Nissim). Auf die Anfrage des Königs David, warum in seinen Tagen eine drei Jahre dauernde Hungersnoth entstanden sei, ward ihm erwiedert: „Wegen Sauls!" was im Talmud (Jebamot 78k) also ausgelegt wird: N2^>N2 "1222 kSü „wegen der Versündigung an Saul, der verbrannt, also nicht vorschriftsmäßig betrauert wurde" (vergl. Raschi zu 2. Sam. 21, 1). (Schluß folgt.) Der AntheU der Juden an der Entdeckung Amerikas und Ostindiens. fie große Republik jenseits des Atlantischen Ozeans hat seit ihrem Entstehen den Israeliten freundliche Aufnahme gewährt und eine neue Heimath geboten. Die Freiheit, die ihre stolzen Schwingen über die Vereinigten Staaten gebreitet, hat hier auch den Söhnen Judas eine Stätte eröffnet, wo sie ohne beengende Schranken und hinderndes Vorurtheil ihre Kräfte ungehemmt entfalten und im öffentlichen wie im privaten Leben in den Wettbewerb mit ihren andersgläubigen Mitbürgern eintreten können. Ohne irgeildwie eine leitende oder gar herrschende Stellung einzunehmen, haben sie doch eine ehrenvolle Position errungen, und wiederholt sahen wir amerikanische Juden als Gesandte ihres Landes bei fremden Monarchen. Eine Schaar ausgezeichneter Glaubensgenoffen Amerikas meinte nun, bei Gelegenheit der vierten Säkularfeier der Entdeckung dieses Erdtheiles ihre Dankbarkeit für den großmüthigen Schutz, den ihre Heimath ihnen gewährt, nicht beffer beweisen zu können, als indem sie den Antheil darlegten, den die Juden an jenem denkwürdigsten Ereigniffe der Weltgeschichte genommen, und indem sie so feststeüten, daß die Israeliten auch ihrerseits sich um die Ausschließung der neuen Welt für die europäische Kultur wohl verdient gemacht hatten. Es ward beschloffen, hierfür eine streng aktenmäßige und authentische Begründung beizubringen; eine solche zu geben, schien aber Niemand geeigneter, als der Gelehrte, deffen Arbeiten über die Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden eines wohlverdienten Weltrufes genießen: Rabbiner Dr. M. Kayserling in Budapest. Er erhielt also den ehrenvollen Auftrag, zu dem genannten Zwecke Forschungen in den spanischen Archiven und Bibliotheken anzustellen, und trotz der großen Entbehrungen, die ein längerer Aufenthalt auf der Pyrenäen-Halbinsel einem den äußeren Gebräuchen seiner Religion treu anhängenden Israeliten auferlegt, entschloß sich der an der Schwelle des Alters stehende Rabbi sofort, eine Aufgabe zu übernehmen, die nicht nur der Wiffenschaft dienlich sein, sondern auch seiner Glaubensgemeinschaft eine hohe moralische Genugthuung gewähren mußte. Seine Mühewaltung wurde glänzend belohnt, und in einem Werke, das vor Kurzem in deutscher und