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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-10 · Heft 32 (10.8.1894) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 32 (10.8.1894)
Date
1894-08-10
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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375 Wanderungsinspektoren der Vereinigten Staaten, die sich in den Auswanderungshäfen befinden, erhalten. Anarchisten und andere unliebsame Personen sollen auf Kosten der Vereinigten Staaten zurückbefördert werden. Die Bill wird jedoch kaum in der jetzigen Tagung des Kongreffes zum Gesetz erhoben und hoffentlich noch so abgeändert werden, daß sie keine andere Auslegung als gegen die Anarchisten finden können wird. r Me jüdischen Volksschulen in Preußen. Aus der amtlichen Statistik von 1881. Bon M. Mark oß. Ä«n ganz Preußen waren am 25. Mai 1891 30,386 jüdische, schulpflichtige Kinder. Es waren staatlich angestellt 336 jüdische Lehrer und 58 jüdische Lehrerinnen. Es waren vorhanden 244 öffentliche jüdische Schulen mit 307 Klaffen, 305 Lehrern und 9519 Schulkindern. Es entfielen hiervon auf Ostpreußen . . . 0 Schulen Sachsen . . . 0 Schulen Westpreußen. . . . 21 „ Schleswig-Holst. . 6 Berlin. . . . . 4 „ Hannover . . . 52 ., Brandenburg . . 0 „ Westfalen . . . 23 ., Pommern . . . 0 „ Hessen-Nassau . . 82 Posen.... . 87 „ Rheinprovinz . . 32 „ Schlesien. . . . 26 „ Hohenzollern . . 3 ., (Bei der letzten amtlichen Statistik im Jahre 1886 waren vorhanden 318 öffentliche jüdische Schulen mit 421 Klassen, 407 Lehrern und 13,270 Schulkindern). 10,853 Schnlkinder besuchten evangelische Schulen, 4327 jüdische Schulkinder besuchten katholische Schulen und 5704 jüdische Schulkinder besrichten paritätische Schulen; an den letzteren waren 31 jüdische Lehrer angestellt. 3491 jüdische Schulkinder wurden in Privatschulen von 125 jüdischen Lehrern und 15 Lehrerinnen unterrichtet, und zwar in Ostpreußen .... 83 Kinder . . . 1 Lehrer Westpreußen . . . 130 „ ... 3 „ Berlin. 1035 „ ... 21 „ Brandenburg . . . 15 „ ... 0 „ Pommern .... 5 „ ... 0 „ Posen. 88 „ ... 1 „ Schlesien. 345 „ ... 10 „ Sachsen. 2 „ ... 0 „ Schleswig-Holstein . 39 „ ... 1* „ Hannover .... 27 „ ... 1 „ Westfalen .... 871 „ ... 56 „ Hessen-Nassau . . . 334 „ ... 7 „ Rheinprovinz . . . 517 „ ... 24 „ Hohenzollern . . . 0 . 0 " Briefe nom Rhein. Köln, im Juli 1894. igentlich müßte ich Ihnen jetzt aus der Sommerfrische schreiben; leben wir doch in der Zeit, in welcher es so zu sagen zuni guten Ton gehört, zur schönen Sommerzeit irgend ein kühles Plätzchen im Gebirge oder an der See aufzusuchen. Aber da es sogar Leute giebt, und ihre Zahl ist gar nicht so klein, die ihren Sommeraufenthalt an den Ufern des Rheines suchen und finden, so ist es für den dortigen Eingeborenen am Ende so unpraktisch nicht, wenn er gleich am Rheine bleibt. Und mit diesen praktischen Menschen habe ich es denn gehalten und bin hübsch am Rheine geblieben. Damit will ich aber nicht gesagt haben, daß Sie nun auch an der Spree bleiben müssen, denn wenn Zwei dasielbe thun, ist es doch nicht immer dasselbe. Die Sommerzeit ist so recht geeignet, die politischen und sonstigen Gegensätze im Leben verschwinden zu lasten. Wenn die Strahlen der lieben Sonne es gar zu gut mit uns meinen und bei Alt und Jung, Hoch und Niedrig ein gewisses Gefühl gleichartiger Empfindungen hervorbringen, welches sich in dem Allen gemeinsamen Ausruf zu äußern pflegt: „O, diese Hitze", dann verlieren die sonst die Menschen trennenden Gegensätze viel von ihrer Schärfe. Man ist müde, abgespannt, und sucht irgend ein lauschiges Plätzchen zur Erholung und Erfrischung. Es werden gemeinsame Spaziergänge in Gottes schöne Natur verabredet, gemeinschaftliche Ausflüge nach den herrlichsten Punkten unseres gesegneten Rheinlandes unternommen und finden ein dankbares Publikum. Diese Wahrnehmung wollten sich auch die wenigen Antisemiten zu Nutze machen, die hier in unserer freigestnnten Rheinmetropole ein kümmerliches, unbeachtetes Dasein fristen. Eines schönen Morgens sahen sich die guten Bürger unserer lieben Stadt, ohne Unterschied der Konfession und des Standes, durch große, fettgedruckte Plakate an allen Straßenecken zu einem gemeinschaftlichen Ausfluge nach dem Niederwald-Denkmal eingeladen. Und von wem ging diese freundliche Einladung aus, welcher Wohlthäter wollte unserem Publikum ein billiges Sonntagsvergnügen und dazu noch ein Festmahl, Trinkgelage, Feuerwerk in Rüdesheim und sonstige „Genüffe" um ein geringes Entgeld verschaffen? Der so inenschenfreundlich gesinnte „Deutsch-nationale, antisemitische Verein," herausgeputzt durch seine Koryphäen, wie Ahlwardt, Dr. Förster, Breitwisch und sonstige mehr oder weniger berühmte Persönlichkeiten. „Mehrere Bürger Kölns" hielten es nun für nöthig, die in der hinreichend bekannten schwülstigen Weise abgefaßte Einladung, die gewisse versteckte Angriffe gegen die Juden enthielt und namentlich das Niederwald-Denkmal für die biedern Antisemiten als ausschließlichen Besitz in Anspruch nehmen wollte, etwas niedriger zu hängen. Schade um den guten Willen, um die gute Absicht der Verfasser jener Erwiederung, die Sache selbst wäre einer solchen gar nicht werth gewesen. Sie verlief einfach im Sande, wie alle antisemitischen Anstrengungen imd Veranstaltungen in unserer Stadt. Man überläßt die eingewanderten Herren einfach ihrem Schicksal, die gesammte hiesige Presse hat kein Wort für ihre Heldenthaten — und dieses so beredte Schweigen ist die Antwort auf deren lichtscheues Thun. Doch genug hiervon, wenden wir uns lieber zu freundlicheren Bildern. Und ein freundliches Bild gewährt immer eine Predigt unseres Rabbiners Herrn Dr. Frank. Wenn er die Kanzel besteigt, darf er sicher sei», zahlreiche und andächtige Zuhörer — und nicht zum geringsten Theile begeisterte Zuhörerinnen die herrlichen Räume unserer Synagoge einnehmen zu sehen. Aus Dankbarkeit gegen die holden Vertreterinnen der „befferen", wenn auch schwächeren Hälfte der Menschheit, liebt es der gefeierte Redner, altjüdische Frauengestalten, etwas modern gekleidet, uns vorzuführen. Dies geschah auch in seiner jüngsten Predigt. Dieses Mal war es, anknüpfend an die Thora-Vorlesung, die herrliche Gestalt der Mirjam, der Schwester Moses' und Aarons, welche der Redner zum Gegenstände seiner Predigt genommen hatte. Er sprach von der großen Bedeutung der Frau im jüdischen Familienleben, von ihren heiligen Pflichten unserer Religion gegenüber, wie sie sich namentlich in der religiösen Erziehung der Kinder äußern sollen, wie die Frau

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