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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-08-03 · Heft 31 (3.8.1894) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 31 (3.8.1894)
Date
1894-08-03
Page
Seite 371 (sequence 11)
Language
German
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371 '4 sVW.-^- - \ *U.-aWf«y v Lrtterarrsche Mittherlungen. ----- L. K. Amitai, Romains et juifs. Paris 1894. Das Buch fuhrt sich ein als eine Schrift, die geschrieben wurde, um an dem Brüsseler Preisbewerb theilzunehmen. Die Akademie in Brüssel hat einen Preis ausgeschrieben für die beste Arbeit über die öffentlichen und privaten Beziehungen zwischen den Römern und Juden bis zu Titus. Ob der Autor den Preis erhalten hat, wissen wir nicht, aber wahrscheinlich ist es nicht, denn jeder mit der Sache einigermaßen vertraute Leser findet sofort, daß das neue Buch durchgehend auf Grätz' Geschichte der Juden basirt, in keiner Weise weiter gegangen ist und in seinem größten Theile eine fast wörtliche Uebersetzung vorstellt, nur daß mit Rücksicht ans den geringeren Umfang sehr viel ausgelassen werden mußte. Sehr angenehm ist der französische Styl zu lesen, der sich vortheilhaft in seiner Lebhaftigkeit vor den meisten deutschen Schriften auszeichnet. Dem französischen Leser wird das Buch angenehme Unterhaltung, aber nicht viel Belehrung bieten, der deutsche Leser thut besser, gleich Grätz selbst aufzuschlagen. ----- Unser Bruder bist du! Achenu Attah! Von Hermann Lesczynski. Gnesen 1693. Die Schrift haben wir nicht gelesen, nur eine Rezension der Vossischen Zeitung, welche folgendermaßen lautet: „Der Verfasser schlägt seinen Glaubensgenossen vor, für ihre Verschmelzung mit dem deutschen Volke mehr als bisher zu thun, den hergebrachten Brauch beim Eintritte in das Judenthum aufzugeben, den Sabbath auf den Sonntag zu verlegen und gar erst mit den nicht einmal biblischen Religionsvorschriften aufzuräumen." Danach verging uns . auch die Lust, das Buch zu lesen. Nicht an uns ist es zu sagen: „Unser Bruder bist du", sondern an unseren Mitbürgern — wir wollen ja gewiß gern Brüder sein. — Der Verfasser hält sich bei seinem Anschluß an Egidy gewiß für einen Mann von weitherziger religiöser Auffassung. Er ist aber doch nur ein Religions- Philister, wenn er die hehre Frage der Brüderlichkeit aller Menschen mit Fragen verschiedenen Rituals in Verbindung bringt. Die Brüderlichkeit, die nicht vertragen kann, daß der Eine am Sonnabend und der Andere am Sonntag seinem Gotte dient, die ist nicht weit her. Wer auf diesem engherzigen Standpunkt steht, der ist der beste Bruder auch nicht. Jedenfalls hat er das Wort Achenu Attah! nicht verstanden. Vor 15 bis 20 Jahren stand man etwa auf dem Standpunkt des Verfassers. Seither hat man gelernt, daß wahre Aufklärung nicht in einer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen die Orthodoxie, nicht in einem antikirchlichen Credo besteht, sondern treffend von Friedrich II. dahin bezeichnet ist: „Jeden nach seiner Fa^on selig werden zu lassen". Das heißt, wenn der Verfasser nicht genug Mark in den Knochen hat, um gegen Vorurtheile seinen Mann zu stehen, soll er seine Glaubensgenossen wenigstens nicht darin stören. .. .n. --- Das Juniheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" von M. Brann und D. Kaufmann (Breslau 1894), Verlag der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst-und Verlagsanstalt, enthält folgende Artikel: D. Feuchtwang, Noch einmal die erste halachische Controverse. — Alexander Kohut, Die im Midrasch ha-gadol enthaltenen Perikopen-Gedichte. — P. Buchholz, Die Tossaststen als Methodologen (Fortsetzung). — H. Hirschfeld, Die Handschriften Dr. L. Loewe's (Schluß). — M. Popper, Beiträge zur Geschichte der Juden in Prag (Fortsetzung). — D. Rosin, Berichtigungen und Zusätze zu meiner Schrift: Reime und Gedichte des Abraham ibn Esra. — D. Kaufmann, Die Märtyrer des Pösinger Autodase's von 1529. — Bibliographische Ueberstcht. — M. Steinschneider: Bitte. Sprerhfaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! eit mehreren Wochen gehen durch Ihre werthe Zeitschrift Notizen, die das Gebot der Nächstenliebe im mosaischen Gesetze zum Gegenstand haben Die Grenzlinie der Frage, um die es sich hier handelt, scheint jedoch, wie ich aus der in der letzten Nummer Ihrer Zeitschrift enthaltenen Notiz des Herrn Dr. Caspary entnehme, eine Verschiebung erhalten zu haben, so daß dadurch nur Unklarheit geschaffen wird. Es handelt sich hier keineswegs, wie aus dessen Bemerkungen hervorgeht, darum, zu beweisen, daß uns das mosaische Gesetz auch unsere Feinde zu lieben gebietet. Die jüdische Religion muthet die Befolgung eines solches Gebotes, weil es unnatürlich ist. Niemandem zu. Es wäre daher unnütze Mühe, den Nachweis für eine derartige Satzung in der Thora zu suchen. Nicht: „Liebet eure Feinde", sondern: „Hasset nicht eure Feinde" gebietet uns die heilige Schrift (vgl. Sprechsaal 24, 17, 29; 25, 21). Was wir aus der Thora zu beweisen haben, ist lediglich, daß das Gebot der Nächstenliebe in ihr sich nicht allein auf Angehörige des israelitischen Volkes, sondern sich auf alle Menschen erstreckt, ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung. Zu diesem Zweck führte man immer, so oft unsere Widersacher gegentheilige Behauptungen aufstellten, das mehrfach erwähnte Gebot 'iV'lb DDMKl Lev 19, 18, ins Treffen, denn, wie jeder Bibelkundige es weiß, sind unter auch Nichtisraeliten mit einbegriffen. Allein unsere Gegner wenden ein, daß in der ersten Hälfte desselben Verses von die Rede ist, und mithin auch die Bezeichnung an dieser Stelle in gleichem Sinne wie also Stammesgenosse, aufzufassen sei — Wie wäre aber der Fall, wenn wir ihnen eine pentateuchische Stelle entgegenhielten, in welcher uns klar und deutlich eingeschärft wird, auch den Genossen heidnischer Völker, wie uns selbst, zu lieben; hätten wir es noch nöthig, uns in eine Polemik über die Bedeutung des Wortes $n einzulassen, und müßte dann nicht jeder ehrliche Gegner sein Unrecht eingestehen? Ein solches Gebot aber hat thatsächlich dasselbe Kapitel, in welchem jenes "■pED vorkommt, aufzuweisen. Lev. 19, V. 34 nämlich heißt es ausdrücklich: „Du sollst den fremden Heiden lieben, wie dich selbst!" — Diesen eklatanten Beweis für den allgemeinen Sinn des Gebotes der Nächstenliebe im mosaischen Gesetz wird doch kein Mensch anfechten. Es ist daher nicht recht einzusehen, wieso man bisher in nöthigen Fällen es hat unterlassen können, auf diese Stelle nachdrücklichst hinzuweisen Hochachtungsvoll Berlin NW., 25. Juli. Dr. S. Winckler. * Sehr geehrter Herr Redakteur! A, ine Würdigung des italienischen Dichters D. Levi und ein interessantes Schreiben des verewigten Jellinek bringen die Arch. Jsr. in Nr. 20 vom 17. Mai d. I. Der italienisch geschriebene Brief Jellinek's wurde im Jahre 1866 nach der Veröffentlichung der Dichtung „Jl Profeta", die Viktor Hugo „das große Heldengedicht Israels" nannte, an den Dichter gerichtet, und er bezeugt, daß Jellinek in ihm einen Geistesgenossen erkannt und dessen Bedeutung voll anerkannt und gewiirdigt hatte. Er schreibt: „Alle Dichter, welche seit dem Mittelalter Israel verherrlicht haben, verschwinden vor Ihnen, besonders vor dem grandiosen Drama Jl Profeta, und es überrascht mich, daß Ihr Name nicht auch außerhalb Italiens gefeiert wird. Ich werde einen großen Artikel über Jl Profeta schreiben, um ihn in Deutschland bekannt zu machen, und werde mit allen meinen Kräften dahin streben, daß er ins Deutsche übersetzt wird. Hoffentlich wird es mir gelingen, den berühmten Dichter Paul Heyse, der die Dichtungen Giusti's ins Deutsche übertragen hat, zu bestimmen, sich zum Interpreten Ihres Profeta bei dem deutschen Volk zu machen. Ich bin beglückt, in Ihren Werken dieselben Ideen über das Geschick und die erhabenen Gedanken des Judenthums zu finden, welche ich vertheidige und in meinen Reden und Werken seit einer Reihe von Jahren verbreite." Die Uebersetzung ist nicht erfolgt; ist der in diesem Briefe in Aussicht gestellte Artikel Jellinek's erschienen? Hochachtungsvoll Hannover, 29. Juli. Dr. S. Kayserling. * Sehr geehrter Herr Redakteur! Ätt und für sich sind diejenigen unserer Glaubensgenossen, die in der Lage sind, in Seebädern Erholung zu suchen, gegenüber der Fülle von Elend, die andere jüdische Kreise bedrückt, nicht besonders interessant. Da die Reisefrage aber von Neuem berührt worden ist, erlauben Sie mir folgende Bemerkungen: Das Seebad Zinnowitz hat gegen den Ruhm, ein judenreines Seebad zu sein, Protest eingelegt, von Borkum ist ein ähnlicher Protest nicht erfolgt. Herr Dux hat wohl Recht, daß wir es in Borkum nicht schlechter haben als in vielen anderen Orten,

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