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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-20 · Heft 29 (20.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 2t). «erlitt, 20. 3uli 1894 Weitage zur „Akkgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 17. Juli. Die Rednerliste des Verbandes jüdischer Litteraturvereine in Deutschland ist soeben ausgegeben worden. Dieselbe enthält 36 Namen von bestem Klang, darunter Professoren, Rabbiner, Rechtsanwälte, Aerzte, Schriftsteller, Kaufleute re. mit einer großen Anzahl interessanter Themata, die uns eine interessante und lehrreiche Wintersaison versprechen Selbstverständlich steht diese erste jüdische Rednerliste, zu der übrigens demnächst noch ein Nachtrag erscheint, allen Vortragsvereinen, Logen und Gesellschaften gratis zur Verfügung, und es bedarf nur einer diesbezüglichen Mittheilung an den Sekretär des Verbandes, Herrn Albert Katz in Pankow bei Berlin, Berlinerstraße 120. An die Adresse des Verbandes können sich auch alle Vereine, nicht blos die jüdischen Litteraturvereine, wenden, die für den nächsten Winter Vortragende aus dieser Rednerliste zu hören wünschen. L2 Berlin, 18. Juli. Wie wir hören, hat die Regierung der vielbesprochenen Stiftung des Medizinalraths Dr. Cohn für jüdische Handwerkslehrlinge, die die seltsame Bedingung enthielt, daß die Stipendiaten nur am jüdischen Neujahrs- und Versöhnungstage nicht arbeiten dürften, die Bestätigung versagt. Als Grund hierfür werden Formfehler in der Stiftungsurkunde angegeben. # Berlin, 17. Juli. Die Einweihung der Synagoge Adaß Jeschurun fand am Sonntag Nachmitttag 4 Uhr unter reger Betheiligung der dortigen Umgebung statt. Lange schon vor Beginn der Feier war das Gotteshaus von einer andächtigen Schaar überfüllt, so daß zahlreiche Anwesende den Hofraum füllten. Herr Kantor Goldmann intonirte den Gesang, Herr Kantor Stabinski leitete den Chor, worauf Herr Rabbiner Ellenbogen die Festrede hielt; die Feier war eine sehr erhebende. Ein Festessen im Hotel Cölner Hof beschloß das schöne Fest, das noch lange in Erinnerung der Theilnehmer bleiben wird. A Berlin, 17. Juli. Am 10. d. Mts. ist hier nach langem Leiden Frau Dr. Sarah Cassel, die vortreffliche Gattin des vor Jahresfrist Heimgegangenen Dr. David Cassel s. A., gestorben. Die Verblichene war als Gattin das Glück und der Segen ihres patriarchalischen Hauses. Sie war ein echtjüdisches Weib von inniger Herzensfrömmigkeit, großem Wohlthätigkeitssinn und nicht gewöhnlicher Bildung. Nach dem Tode Cassels war es ihr eifrigstes Bemühen, die Publikation seines litterarischen Nachlasses zu ermöglichen. Noch ehe ihr die Verwirklichung dieses Herzenswunsches beschieden war, ist sie dahingegangen — ihr Andenken wird in dem Kreise, den sie durch ihr Schaffen aüsgefüllt, in dankbarer Erinnerung fortleben. Lx. Aus der Provinz Posen, im Juli. Das polnisch - antisemitische Blatt „Post ep" animirt beim stattgefundenen Quartalswechsel zum Abonnement mit dem Hinweis, daß die polnische Gesellschaft desto früher vom jüdischen Joch befreit werde, je mehr das Blatt Leser zählen würde. Diese Ausdrucksweise ist für einen reinen Antisemiten noch sehr schwach; wir empfehlen dem „Postep" das Studium des Ahlwardtschen „Bundschuh"; bei einigem Eifer wird sein Stil schon kräftiger werden. — Die jüdische Gemeinde in Rawitsch hat den Gemeinderabbiner Dr. Cohn in Wreschen einstimmig zu ihrem Rabbiner gewählt. Derselbe wird zum 1. September er. sein neues Amt äntreten. Seit elf Jahren hat er in Wreschen zur allgemeinen Zufriedenheit gewirkt. Dr. Cohn wurde im Hildesheimerschen Rabbinerseminar zu Berlin vorgebildet. — Anfangs Juli starb im blühenden Alter von 49 Jahren nach kurzem Krankenlager am Herzschlag der langjährige Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Kolmar i. P., Herr Kaufmann Albert Friedländer. Der Verstorbene hat sich mancherlei Verdienste um seine Gemeinde erworben. — In der jüdischen Gemeinde zu Sam 1er werden im laufenden Jahre 120 Prozent der Einkommensteuer als Korporationsbeiträge erhoben, während die Beiträge in den letzten drei Jahren nur 75 resp. 90 und 100 Prozent betrugen. Die fortwährende Erhöhung hat darin ihren Grund, daß die von der jüdischen Gemeinde aufzubringende Gesammteinkommensteuer sich in Folge Verzuges einzelner Wohlhabenden Familien vermindert hat. Auch in den meisten anderen Gemeinden erhöhen sich alljährlich die Prozentsätze der Korporations- Beiträge; fast überall ist diese Erscheinung auf die stete Abnahme der Mitgliederzahl und Kapitalkraft zurückzuführen. — Herr Lehrer Löwenthal, der nahezu 30 Jahre als Lehrer an der öffentlichen jüdischen Volksschule zu Schildberg amtirt hat, ist nunmehr auf seinen eigenen Antrag wegen seines vorgerückten Alters von der königlichen Regierung zu Posen in den Ruhestand versetzt worden. Die dadurch vakant gewordene Stelle soll, dem Vernehmen nach, mit dem Lehrer Herrn Singermann aus Kosten, woselbst die jüdische Schule wegen allzu geringer Frequenz vom Kultusminister kürzlich aufgelöst wurde, besetzt werden. — Die vom Centralkomitee für Ferienkolonien in Berlin in die Provinz geschickten Ferienkolonisten sind am 9. Juli in die Bestimmungsortschaften gefahren, woselbst sie auf den Bahnhöfen empfangen und den vorübergehenden Pflegeeltern zugeführt worden. Leider mußte die für Ostrowo bestimmte Kolonie noch in letzter Stunde abbestellt werden, weil dort die Masern- und Scharlachepidemie einen nicht unbedenklichen Charakter angenommen hat In Ostrowo sollten, dank des lebhaften Interesses des Herrn Hauptlehrers Haym daselbst für diese Sache, zum ersten Male gleich 30 Kolonisten Unterkunft finden. 3g Gnesen, 13. Juli. In der vorgestern stattgehabten Sitzung der Stadtverordneten stand die Wahl des Magistrats-Beigeordneten als erster Gegenstand auf der Tagesordnung. Bei der hierauf erfolgten Wahl ergab sich, daß sämmtliche Stimmen auf den bisherigen Beigeordneten, Stadtrath E. Wollenberg gefallen waren, sodaß derselbe aufs Neue für die Dauer von sechs Jahren als unbesoldeter Beigeordneter gewählt worden ist. 0 Leipzig, 16 Juli. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, so der Herren: Kreishauptmann von Ehrenstein, Bürgermeister Justizrath Dr. Tröndlin, Stadtverordnelenvorsteher Dr. Schill, Landesgerichtsrath Bielitz, Polizeidirektor Bretschneider und anderer mehr, überreichte dieser Tage laut Vorstandsbeschluß der erste Vorsitzende des Samaritervereins Herr Dr. Aßmus, bei Gelegenheit der Eröffnung einer dritten Sanitätswache, dem Vorsteher der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde, Herrn Banquier Alexander Werlhauer, als langjährigem Mitgliede und früherem Oberrendanten des Samaritervereins, in dankbarer Anerkennung seiner vielen Verdienste und Bemühungen ein Ehrendiplom. Indem wir von ganzem Herzen der Freude Ausdruck geben, daß die ehrende Auszeichnung gerade Herrn Banquier Werthauer zu Theil wurde, einem edlen Menschenfreunde, welcher sich stets unter den Urhebern und eifrigsten Beförderern befindet, wo etwas Gutes, Heilsames und Gemeinnütziges im Werke ist, der, stets bereit. Jeden anzuhören und eines Jeden Angelegenheit momentan zu der seinigen zu machen, sich noch keiner Pflicht entzogen hat, die der Mensch vom Menschen und der Nothleidende von dem Hilfefähigen erwarten zu dürfen glaubt, geben wir gleichzeitig der begründeten Hoffnung Raum, daß die Lichtpunkte, jetzt schon sichtlich immer wachsend und sich mehrend, den trüben Nebel, mit dem fanatischer Haß und Ungerechtigkeit vor unreifen Köpfen die Wahrheit zu umhüllen bemüht ist, endlich siegreich durchbrechen dürften. Das walte Gott! K. Braunschweig, 15. Juli. Die evangelisch-lutherische Kirchenzeitung berichtete in einer ihrer letzten Nummern, daß nach einer statistischen Veröffentlichung des preußischen Kultusministeriums im Braunschweigischen schon auf sechs jüdische Einwohner ein jüdischer Schüler komme; Braunschweig stehe in dieser Hinsicht an der Spitze der deutschen Staaten, das wurde nun in der antisemitischen Presse weiter erzählt und in böswilliger Weise verwerthet. Die Braunschweigischen Anzeigen geben jetzt eine Erklärung dieser Angabe, wodurch alle hieraus gezogenen Schlüsse sich als irrig erweiftn: Auf den der

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