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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-20 · Heft 29 (20.7.1894) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 29 (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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347 „Jugend-Gedanken" von einer so hochstehenden, über eitle Interessen erhabenen Dame wäre ein — Erziehungs-Resultat. Der Geist dieser „Jugend-Gedanken" ist der Geist des „erziehenden Unterrichtes." Wie „erziehlich" man im Besondern den deutschen Unterricht gestalten kann, das zeigen uns diese — „Hefte eines jungen Mädchens." Das sind keine Aufsätze über Fragen der Litteratur, der Geschichte und dgl., sondern ausschließlich über Fragen des — Lebens, u. z. nicht „herausgegriffen", sondern „hineingreifend ins volle Menschenleben". Das ist der geniale, pädagogische Blick, der sich in diesen Mädchen-Heften kundgiebt; der Blick dafür, daß das Leben auf diesen hohen Stufen der Gesellschaft an interessantem, bedeutendem Inhalt reich gering ist, um dem Unterricht im deutschen Aufsatz werthvollen Denkstoff zu liefern. Da ist z. B. das Thema: „Die Würdigung des Geldes" S. 71. — Wie wichtig für die Kreise, denen das Geld das Instrument ihrer Virtuosität ist! Wer wird aber einer jungen Dame der Aristokratie ein ernstes Nachdenken über dieses prosaische Thema zumuthen? Frau Baronin von Rothschild kennt „ihre Pappenheimer" und stellt die Aufgabe so: Bertha Edelsheim hat von ihrem Onkel in New-Iork, den der Tod seiner Braut zum Philanthrophen gemacht hat, als Neujahrsgruß zweihundert Dollars bekommen und theilt nun ihrer Freundin ihren Plan mit, wie sie diese Summe zu verwenden gedenkt. Ist das nicht pädagogisch genial? Wie interessant! Wie mädchenhaft! Und doch: wie menschlich bedeutend! Und die Verwendung? 1. Gin Medaillon für das Bild der armen Louise — der verstorbenen Braut des Onkels; 2. Litteratur; 3. Reisen; 4. eine Nähmaschine für eine arme Familie; 5 50 fl. als Sparpfennig. — Man braucht dem nichts hinzuzufügen, das spricht für sich. Ein zweites Thema: „Eine Nacht auf dem Mittelmeere!" Welch ein prachtvoller Erziehungsstoff, der zugleich im Stande. ist, die Anschauung zu schärfen, den Geist anzuregen und das Gemüth zu erheben, vorausgesetzt, daß der Zögling in Wirklichkeit „eine Nacht auf dem Mittelmeere" genossen hat! Das wirkt dann mit der frischen Macht des Lebens; da wird der „Unterricht" zur „Erziehung". Denn Erziehung ist ja nichts als ein Erleben des Unterrichts, ein Lehren im Leben und aus dem Leben. Das Erlebte durch die Zücket des Unterrichts zu einem Licht fürs folgende Leben anzuzünden, das ist Einheit der Erziehung und des Unterrichts. Und auch in der Ausarbeitung ist das Erziehliche festgehalten; nicht die objektive Natur, sondern die Eindrücke des Gemüthes sollen festgehalten und beleuchtet werden. Der Mensch ist die Hauptsache, nicht die ihn umgebende Welt; der König, nicht die Krone — und Gott über dem Menschen und der Natur. Auch für die patriotische Seite der Erziehung wird die Richtung gezeigt im Letzten Stück: „Ein Brief". Ein Soldat erfüllt die übernommene Pflicht, den Tod eines bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen als Held gefallenen Kameraden der Mutter des Gefallenen mitzutheilen — so ins Große gefaßt, müßten alle schriftlichen Aufgaben des Unterrichts sein, wenn sie erziehlich wirken sollen. Doch nicht blos von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, ist dies Buch eine werthvolle Gabe für die Jugend, es bietet nach vielen Richtungen manches So sinnig, wie die Brücke zwischen dem großen Leben und der Erziehung geschlagen wird, so sinnig ist die Behandlung, die das Verschiedenartigste erfährt. Selbst für die Lektüre der heiligen Schrift — bekanntlich eines der schwierigsten Probleme — findet man da werthvolle Winke. Ganz besonders ist das der Fall in dem Stücke: „Steige hinab zu deinen Brüdern", anknüpfend an die Bibelstelle 2. Buch Moses 2, 11: „Und als Moses groß geworden war, da ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah mit an ihre schweren Arbeiten." Man wird da staunen, mit wie viel Gefühl und Geist die Frau Baronin die Heilige Schrift erfaßt und behandelt. Man kann nur wünschen, daß diese „Jugend-Gedanken" recht viele Leser finden mögen, im Interesse der Leser natürlich und nicht in dem der Verfasserin, die ja, wenn sie schriftstellert, nur ihre Forderung erfüllt: „Steige hinab zu deinen Brüdern!" vr. J. G. Sprechfaul. Geehrter Herr Redakteur! Äjn der jüngsten Nummer Ihres Blattes schreibt Herr Louis Lehmann £§5 aus Hamburg dem verewigten Herrn Klingenstein die Absicht der Begründung eines deutsch-israelitischen Lehrerbundes zu. Ich muß annehmen, daß Herr Lehmann die Intentionen seines verstorbenen Freundes Nicht genau gekannt, oder daß sich in dessen Anschauungen in den letzten Jahren seines Lebens eine bemerkenswerthe Wandlung vollzogen hatte. Als im Jahre 1884 der D. I G. V. die Schulmännerversammlung berief, forderte ich die Herren in einer „zeitgemäßen Anregung" (siehe Beilage zu Nr. 40—41 der Israelitischen Wochenschrift Jahrg. 1884) auf, die vorbereitenden Schritte zur Vereinigung sämmtlicher deutschisraelitischen Lehrer zu thun. Der Gedanke einer Vereinigung aller deutsch-israelitischen Lehrervereine war übrigens, wie ich in einer Fußnote ausdrücklich feststellte, schon im Jahre zuvor von Herrn Dr. Rothschild-Alzey s. A. auf der hessischen Lehrerversammlung zu Borkenheim (Juli 1883) ausgesprochen worden. Seine Anregung und mein jugendlich ungestümes Werben fanden aber nicht die gehoffte Gegenliebe Grade Herr Klingenstein war es, der das letztere in einer langen Korrespondenz an die Wochenschrift energisch bekämpfte (s. Nr. 45, Jahrg. 1884). Er sagte darin: „Schreiber dieses war einst selbst für einen deutsch-jüdischen Lehrerbund; er hat aber die Ueberzeugung gewonnen, daß die Verhältnisse der Lehrer überall so verschiedenartig sind, daß eine Vereinigung aller oder auch mehrerer Länder oder preußischer Provinzen zur Umgestaltung dieser Verhältnisse erfolglos bleiben müßte." Der Vollständigkeit halber will ich noch anführen, daß gerade der hessischen Lehrerkonferenz in dieser Hinficht eine zweite Anregung gegeben wurde, und diesmal (Juli 1890 zu Kassel) von Herrn Geheimrath Krifieller. Der Vorsitzende der Konferenz, Herr Dr. Stein, versprach damals, dieser dankenswerthen Anregung Folge geben zu wollen. Vorstehende Angaben sind nur im Interesse der Wahrheit erfolgt Einen Streit über nichtige Prioritäten möchte ich damit ebensowenig Hervorrufen, wie Herr Lehmann, sonst würde ich meine Daten schon früher bekannt gegeben haben. Crefeld, 6. Juli. Ganz ergebenst S. Andorn. * Geehrte Redaktion! ßßberr Louis Lehmann-Homburg fragt, warum die Lehrer noch immer besondere Kassen gründen, da doch die Achawa besieht. Ich kenne zwar Herrn L. als einen sehr prächtigen Wohlthäter, aber vor seiner Kenntniß der Verwaltung, der er selbst angehört, habe ich doch nicht die schuldige Achtung. Nach §§ 4 und 5 der Achawa ist zur Erwerbung der aktiven Mitgliedschaft jeder in einer Gemeinde oder an einer öffentlichen Schule angestellte Lehrer, der das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten hat, berechtigt. Ferner ist dem Aufnahmegesuch ein von der betreffenden Staatsbehörde ausgestellter Nachweis über das bestandene Lehrerexamen und über Anstellung beizufügen Nun bitte ich Herrn L., mir von den etwa 2000 jüdischen Lehrern in Deutschland 500 zu nennen, die diesen Anforderungen genügen. Die große Masse der Kultusbeamten, die doch den Stamm der Religionslehrer bilden, sind ausgeschlossen. Ein Lehrerexamen hat nur ein kleiner Theil bestanden, ein noch kleinerer unterrichtet an einer öffentlichen Schule, und trifft dies Alles zu, dann kann noch das Alter ein Hinderniß sein. Herr L. will doch gewiß nicht diese braven Leute hindern, für sich und ihre Familie zu sorgen. Nach dem mir vorliegenden Bericht pro 1890 betrug die Unterstützungsquote der Achawa 140 M. Davon kann doch Keiner leben! Ich empfehle Jedem, der Achawa beizutreten und werde in unserem Verbände nach Kräften dafür wirken. Aber ein Allheilmittel ist auch die Achawa nicht. Es ist daneben noch recht viel des Guten zu üben Breslau, 10. Juli. Dr. Louis Neustadt. * Sehr geehrter Herr Redakteur! ^km Sprechsaal der Nr. 27 der „Allg. Ztg. des Judenthums" Seite 323, (3$ Spalte rechts, Zeile 11 von oben, heißt es: „nach meiner Erfahrung kann er das schon mit dem vierten Schuljahre, um dann mit dem sechsten Jahre abzuschließen." Es muß natürlich heißen: „um dann nach sechs Jahren" (also mit dem neunten Schuljahre) abzuschließen. Ich bitte Sie ergebenst, diese Berichtigung in der nächsten Nummer zu veröffentlichen und zeichne Hochachtungsvoll Schmitten i. Taunus, 9. Juli. Dr. Kuttner. Nr. 27 der „Allg. Ztg des Judenthums" vom 6. Juli d. I. kommt Dr. B. Kuttner aus Frankfurt am Main auf ein Referat zurück, welches Nr. 24 dieses Blattes über die Versammlung der jüdi-

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