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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-13 · Heft 28 (13.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 28. ♦ Gerlin, 13. Juli 1894. Leiter ge zur „Akfgemsrnen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 9. Juli. Die wissenschaftliche Welt beklagt in dieser Woche den Heimgang zweier großen Gelehrten, die, obwohl Nichtjuden, doch den besten Theil ihrer Lebenszeit der Erforschung unserer alten Geistesschätze gewidmet haben. Am 8. d. M. ist hier Prof. Dr. August Dillmann, der berühmte Orientalist und Wiederbegründer der äthiopischen Studien, im 71. Lebensjahre nach kurzen Leiden gestorben Seine erste Arbeit war dem apokryphischen Buche Henoch gewidmet. Von hier aus begannen seine äthiopischen Studien. Daneben aber war er auch ein ebenso geistvoller als besonnener Bibelkritiker. Seine Ausgaben der Genesis, von Jesaja, Hiob und anderen biblischen Werken sind mustergiltig. Dillmann war ein ausgezeichneter Forscher und ein Mann von erprobter freimüthiger Gesinnung. Die antisemitische Hetzbewegung hat er von Anfang auf das Schärfste gemißbilligt. Sein plötzlich eingetretener Tod wird als ein sehr schmerzlicher und schwer ersetzlicher Verlust empfunden werden — Nicht weniger schmerzlich ist der Verlust eines ausgezeichneten englischen Forschers, Sir Henry Layard, der am 7. d. M. im Alter von 77 Jahren in London gestorben ist. Layard hat sich namentlich um die assyriologischen Studien große Verdienste erworben. Mit 22 Jahren unternahm er seine erste längere Orientfahrt, die ihn durch Kleinasten, Syrien und Mesopotamien führte. In der Gegend des heutigen Nimrud hörte er von der Legende, daß unter den Hügeln von Nimrud die Paläste der alten assyrischen Könige geborgen seren. Bei dem Studium der Gegend konnte sich Layard nicht des Gedankens entschlagen, daß die Sage vielleicht einen berechtigten Kern enthalte. Es entstand in ihm das brennende Verlangen, in den Hügelgruppen von Nimrud Ausgrabungen anzustellen. Erst 1845 konnte er den lange gehegten Plan Dank der Unterstützung des britischen Gesandten in Konstantinopel verwirklichen. Layard hatte dabei einen über alles Erwarten großen Erfolg. In zweijähriger Arbeit legte er an der Stelle des neuen Nimrud den größten Theil der alten assyrischen Königspaläste im Süden des alten Ninive frei. Er wandte sich nunmehr der Gegend von Mosul, dem Centrum des alten Ninive, zu. Die Ausgrabungen währten drei Jahre lang. Sie förderten einen reichen Schatz von Basreliefs, Skulpturen und Inschriften zu Tage. Ein Glanzstück darunter stellt die aus zahlreichen Thontafeln bestehende Bibliothek des Königs Sardanapal dar. Die erste Bearbeitung der von ihm gehobenen Schätze besorgte Layard selbst. Sie ist in den für die Assyriologie Epoche machenden Werken „Niniveh and its remains“ (1849), „The monuments of Niniveh“ (1849), „Discoveries in the ruins of Niniveh and Babylon“ (1853), „A second series of the monuments of Niniveh“ (1853), „Niniveh and Babylon“ ,1853), „Inscriptions in the cuneiform character from Assyrian monuments“ (1851) niedergelegt, die ein sehr umfangreiches neues Material zur Kenntniß der altassyrischen und biblischen Geschichte und Kultur in sich bergen. * Berlin, 2. Juli. Am 28. v. M. .starb hier vr pbil. et med. Moritz Traube, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der fast ein halbes Jahrhundert lang rüstig an der chemischen Arbeit in Deutschland theilgenommen hat. Er hat auf mehreren Gebieten weithin wirksame Anregungen gegeben. 1826 zu Ratibor geboren, erhielt Traube seine Schulbildung in seiner Heimathstadt. Seine Universitätsstudien machte er in Breslau und Berlin. Von Bedeutung wurde für ihn die Einwirkung, die sein berühmter Bruder Ludwig Traube auf ihn ausübte. Dieser, der nachmalige bekannte Kliniker, acht Jahre älter als Moritz Traube, lebte, mit medizinischen Forschungen beschäftigt, in Berlin, während Moritz Traube hier Student war. Er war einer der Führer der damals jungen Berliner Pathologen-Schule, die nachmals eine Reform der wissenschaftlichen Medizin in Deutschland herbeiführtk In diese Kreise wurde Moritz Traube mit hineingezogen. In der nächsten Zeit beschäftigte sich Traube, sicherlich von seinem Bruder angeregt, mit medizinisch-chemischen Forschungen, die damals erst durch Scherer und Hoppe-Seyler etwas in Ausnahme gebracht worden waren. Er studirte die Gesetze der Zuckerausscheidung und der Fettverdauung bei der Zuckerharnruhr. Dem nämlichen Wissenszweige blieb Traube auch später treu. Zum größten Theile aber verwandte er seine Arbeit auf das Studium der Fermentwirkung und der Gährungs- und Verwesungserscheinungen. Auf diesem Gebiete hat Traube Hervorragendes geleistet. Voll anerkannt wurde dieses erst während der letzten fünfzehn Jahre, erst, nachdem durch die Reform der bakteriologischen Forschungsmethoden Arbeiten über Gährung und Fäulniß eine allgemeinere Bedeutung gewonnen haben. Er wird mit Ehren in der Geschichte der Bakterienkunde erwähnt. Auch unter den veränderten Umständen setzte Traube seine Forschungen über die Fermenterscheinungen fort. Die bedeutsamste wissenschaftliche That seines Lebens besteht in der Entdeckung der anorganischen Zellen und in den Untersuchungen über die Bildung der Zellhaut, ihres Wachsthums durch Jntussusception und des Aufwärtswachsens der Pflanzen. Der wissenschaftlichen Forschung konnte Traube Jahrzehnte hindurch nur einen Theil seiner Arbeit widmen. Er hatte die Leitung der von seinem Vater in Ratibor begründeten Weinhandlung zu führen. In Poggendorffs Lexikon von 1863 wird Traube noch als „Doktor der Philosophie und Weinhändler" vermerkt. Während der letzten Jahre lebte Traube in Berlin. Seine letzte Arbeit erschien vor Kurzem in der „Zeitschrift für Hygiene". Sie handelt über eine von Traube erdachte einfache Methode, Wasser keimfrei zu machen. Mitglied der Berliner Akademie war Traube seit 1880. * Berlin, 7. Juli. Am 2. d. Mts. ist hier Herr Wolfs Herrmann gestorben, durch dessen Tod die Berliner Kaufmannschaft und die Holzhandelsbranche insbesondere den Verlust eines ihrer hervorragendsten Vertreter erlitten hat. Daß der Heimgegangene, der ein Alter von 60 Jahren erreicht hat, als eine erste Autorität auf seinem Berufsgebiete galt, beweist eine Reihe verantwortungsvoller Aemter, die ihm durch das Vertrauen der maßgebenden Körperschaften übertragen waren und die er viele Jahre hindurch bis zu seinem Ende mit Eifer und Erfolg ausübte. Wolfs Herrmann war unter Anderem Handelsrichter bei der 7. Kammer des Amtsgerichts Berlin I. Mitglied der von den Aeltesten der Kaufmannschaft eingesetzten „Ständigen Deputation Berliner Holzhändler", gehörte der Sachverständigen-Kommission Berliner Holzhändler an und waltete als Schiedsrichter bei Streitigkeiten innerhalb der Holzbrauche. Als Herrmanns eigentliche Schöpfung ist auch die Aktiengesellschaft „Berliner Holzkomptoir" anzusehen, deren langjähriger Direktor er war. Seine persönliche Liebenswürdigkeit und sein mit den angenehmsten Umgangsformen gepaarter, streng rechtlicher Charakter machten ihn zu einer allbeliebten Persönlichkeit, eine Thatsache, die bei der Bestattung in dem überaus zahlreichen Erscheinen trauernder Freunde und Kollegen sowie in einer Ueberfülle herrlicher Blumenspenden beredten Ausdruck fand. M. F. Berlin, 9. Juli. Die Begründung der Lieb ermann - Stiftung zum Andenken an den verstorbenen Stadtverordneten und Vorsitzenden des Repräsentanten - Kollegiums der Berliner Gemeinde Louis Lieber mann, ruft die Erinnerung an diesen um die Humanitären Einrichtungen der Gemeinde verdienten Mann und an seinen Vater, den alten Kommerzienrath Liebermann wach, dessen aus kleinen Anfängen erwachsene Kattunfabrik, welche L. Liebermann fortführt, zuerst in Berlin die Konkurrenz mit den englischen Industriellen aufzunehmen im Stande war. Durch die Erfindung des mechanischen Webstuhls und besonders durch die Walzendruckmaschine des Schotten Bell hatten zu Anfang dieses Jahrhunderts die englischen Kuttundrucker die deutsche Manufaktur, gegen die sie durch zwei Jahrhunderte hindurch nicht hatten aufkommen können, überflügelt. 40 deutsche Kattundruckereien waren untergegangen, sehr langsam begannen die Fabriken auf dem Kontinent den Kampf wieder aufzunehmen, und mehr als 30 Jahre

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