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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-13 · Heft 28 (13.7.1894) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
Seite 334 (sequence 10)
Language
German
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334 Schwefelsäure. Natron. Salzsäure rc. Metalle in Goldstaub> verwandeln kann. — Indessen ist diese Annahme gar nicht erforderlich. Der Wechsel von V (v) und Li in den semitischen Sprachen ist ja bekannt, und erst jüngst hat Professor Dr. I. B a r t h, in seiner hochinteressanten Schrift: „Etymologische Studien zum semitischen, insbesondere zum hebräischen Lexikon", Leipzig 1893 (Hinrichs), 8 29, S. 58 ff. das wissenschaftliche Material für den Wechsel der Zischlaute zusammengestellt. Auf Grund dieses sprachlichen Gesetzes nun liegt es durchaus nahe, an* zunehmen, daß das Wort sptm Fpjpl ist. Darnach bedeutet die Stelle einfach: „Und er »ahm die Scheibe, die sie gemacht hatten, und zerschmolz sie und schlug sie fein . . ." Es ist nun für uns kaum von Belang, festzustellen, ob auch Jerobeam nur Scheiben oder Kälber zu Anbetung gegoffen habe. Ersteres ist jedoch schon aus politischen Rücksichten wahrscheinlich, da sich Jerobeam gehütet haben dürfte, Thierbilder den Israeliten zur Anbetung aufzustellen. Uebrigens brachte er ja nach 1. Könige 11, 40 diesen Bilderdienst aus Aegypten mit. Noch Eins: Wird, woran ich nicht zweifle, meine Auseinandersetzung gebilligt, so niüffen zwei besonders geläufige Volksworte ausgemerzt werden: „Kalb Mosis" und „Anbeter des goldenen Kalbes" (d. i. des Mammon). e.. w —— --II—1 ..mjiWiuniiiiiuuMNllm»ii>o,wnioai«tt»llia«in»m»i>u»n»„u«»v«^,I. 1 -- IIUUllMlItlUllMai iiWMMIMl * 1 FEUILLETON 1 i: ü 1--A---II-II nfül * Der Iudenjunge. » Eine Erzählung aus Ostgalizien von Wilhelm Feld mann. (Fortsetzung.) Hl. fas Cheder, eine große niedrige Stlibe mit grauen Wänden und schmutzigen Dielen, birgt neben dem ganzen beweglichen Besitze: des Melameds und seiner ehrbaren Sippe noch einen riesigeil Ose», welcher Sommer und Winter beharrlich raucht, und vier große' Tische, um welche sich die gottgefällige Schaar der lernenden Kinder sammelt. Au den Wänden sitzen auf demlBoden Häuflein kleiner Jungen- und spielen im Sande; in einer Ecke entzückt sich eine andere Gesellschaft an einem Fladen, den sie von der Gattin des Melamed, welche zugleich Bäckerin ist, erstanden hat, hinter dem Ofen aber kauern mehrere Kinder, meist halbwüchsige Mädchen, welche mit großem Eifer die Pfannen der gestrengen Frau putzen. Zn dieser Beschäftigung drängt sich Alles, um die Protektion der Gefürchteten zil erlangen und vom Unterricht befreit zu werden. Das eigentliche Eintrichter» der Weisheit geht an den Tischen vor sich. Dort führen nragere, vertrocknete Belfer unumschränktes Regiment, uild schwingen als Szepter die — Ruthe. In der Stnbö herrscht eine erdrückende Schwüle, ein Gedränge und eine Luft, die dem Herbstnebel gleicht, und welche zu verschlechtern sich der Dunst des Backofens und der Geruch des Schnupftabaks mit all' den Ausdünstungen vereinigt, welche von hlindert, in solch' einem Raume zusammeirgepferchten Kindern erzeugt werden. Ein buntes Gewirr der in Form und Farbe verschiedenartigsten Kleidungsstitcke, ein Gewimmel kleiner Häuflein und einzelner bleicher, hohlwangiger Gestalten, halbunterdrücktes Gelächter, lautes Weinen, heisere Mahnrufe der Belfer nud der trockene Baß des Melamed nebst dem schneidenden Sopran seiner ehrbaren Ehehälfte; hie und da das Pfeifen des Riemens, welcher auf irgend eine Schulter sich senkte, und der darauf ertönende Schmerzensschrei, dabei eine Art undeutlichen Brausens und Stimmengewirr, welche von der Straße hereindringen, dies Alles bildet das kaleidoskopische Chaos der Unterrichtsstube. Aber der Zweck heiligt die Mittel. Und das Cheder ist doch die Vorhalle des Paradieses, das Thor, durch welches man zum ewigen Heile schreitet. Die Funktionen des Cheder sind keineswegs eng begrenzt, namentlich, wenn der Leiter deffelben sich der Tragweite seiner Sendung wohl bewußt ist. So hatte z. B. der Melamed der hier erwähnten, in des Wortes ganzer Bedeutung geistigen Hochschule die Sorge nicht blos für die würdige Vorbereitnnq der Schüler, sondern auch für deren rascheste Beförderung zum himmlischen Leben auf sich genommen. Dafür zeugen wenigstens einige Vorfälle etwas verfänglicher Natur, die in seinem Institute und nicht ohne sein Hinzuthun stattgehabt hatten. Oder war es z. B. des rothen Chaim eigenes Verschulden, daß er vermöge seiner Begriffsstutzigkeit den Fuß des Lehrers zu einer Bewegung nach seinem Bauche veranlaßte, und daß dieser Fußtritt seinen Tod herbeiführte? Hatte doch der Melamed keine blutdürstigen Gedanken, als er seinen Riemen auf den lahmen Schlome herabsausen ließ, und nur ein böser Geist traf ihn ins Auge» daß es gänzlich ausrinnen mußte. Es gab zwar daraufhin ein Halloh in der Stadt, man lud den ehrlichen Melamed vor den Rabbiner, welcher ihm erklärte, wie der Himmel zwar mit Sehnsucht der Kinder Israels harre, daß diese aber noch ans Erden zu gebrauchen sind, und daß der übertriebene Eifer, sie ins Jenseits zu befördern, nicht ganz lobenswerth sei, wenigstens nicht den Begriffen der Polizeiorgane angemessen, die ihn im Falle einer Denunzirung seiner Freiheit berauben könnten. Durch ein gütiges Einsehen der Vorsehung ging Alles ruhig vorüber. Der Melamed wußte sich von diesen Beschuldigungen reinznwaschen; er führte den Beweis, daß er sich seit vierzig Jahren der Erziehung Israels widmete; mar er da zu verdammen, wenn in diesen langen Jahren sich eine gewisse Reizbarkeit seiner bemächtigt habe, die ihn so oft den Riemen handhaben ließe? Man müsse doch berücksichtigen, daß sein Institut das erste in der Stadt sei, und daß solch eine Leuchte wie Reb £., der gegenwärtige Rabbiner der Nachbargemcinde, bei ihm seine Weisheit geschöpft habe. Die Beweiskraft dieser Argumente war überzeugend; es blieb denn auch dabei, daß die Anstalt unseres Melamed die beste in der Stadt sei, und daß die Rücksicht auf das Seelenheil der Sorge uin das leibliche Gedeihen vorangehen müffe. In dieses Cheder sandte nun Mendel Graf seinen Sohn. „Ich bringe Euch meinen Jizchak" sprach er, ihm sein Söhnchen vorstellend, zum Melamed. Dieser begrüßte den Kleinen, indem er ihm gönnerhaft in die Wange kniff; als er ihn der moralischen Obhut des Unterbelfers anvertraut hatte, würdigte er ihn nie eines Blickes mehr. Nun begann für Jizchak ein neues Leben. Tagsüber nahm ihn der Belfer zweimal an seine Seite, zeigte ihm gewisse schwarze Zeichen in einem abgegriffenen, vom mehrjährigen Gebrauche ganz fettigen Buche, ihm dabei die Worte gleich Nägeln ins Gedächtniß schlagend. „Kik, das ist alef." „Das ist alef," sprach sich krümmend Jizchak dem Belser nach. „Gedenke, daß man nach Fleischigem keine Milchspeisen essen darf," sagte ihm der Belfer anderthalb Jahre später. Auch dies wiederholte Jizchak treulich. Er glaubte ihm unbedingt, warum sollte er es auch nicht? Vielleicht um einige blaue Flecken zu erwischen? Dazu war er schon viel zu klug. Er verstand wohl nicht, was zu ihm gesprochen wurde, begriff seine Umgebung nicht, aber

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