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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-13 · Heft 28 (13.7.1894) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
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331 Für uns knüpfen sich an diese Anstalt besonders hohe Erwartungen; sie hat unter nicht allzu leichten Verhältnissen einen bisher unter uns noch gütlich unbebauten Acker sich zur Bestellung auserkoren und bearbeitet ihn mit treuem Fleiße und unermüdlicher Hingebung, sie hat diese Bahn zuerst betreten und strebt nach Hinwegräumung aller Hindernisse unaufhaltsam weiter auf derselben. Und dafür gebührt ihr unsere Anerkennung und thätige Unterstützung. PrstsKoll der am 13. und 14. Mai;tt Hannover stattgefundenen 30. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. Erste Sitzung, Sonntag den 13. Mai, Nachmittags 31/2 Uhr. f er Vorsitzende des Vereins, Herr Lehrer Blumenfeld-Adelebsen eröffnete die Sitzung. In herzlichen Worten hieß er die Erschienenen willkommen, deutete auf den Eintritt des Vereins in das 4. Jahrzehnt seines Bestehens hin und konstatirte mit Freuden, daß wahrend dieser langen Zeit ideales Streben die Glieder des Vereins beseelt und um Alle ein festes, unzerreißbares Band der Liebe und des Friedens geschlungen habe. Darauf richteten Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky-Hildesheim, sowie der später erschienene Herr Landrabbiner Dr. Gronemann und der zum ersten Male an der Konferenz Theil nehmende Landrabbiner Herr Dr. Löb-Emden Ansprachen an die Versammlung. Der Vorsitzende ging nunmehr zum ersten Gegenstände der Tagesordnung, der Berichterstattung, über. Ten Vorsitzenden des D. I. G. B., Herrn Geheimrath Dr. Kristeller in Berlin, hat der Vorstand zu dessen 50jährigem Doktorjubiläum den II. Vorsitzenden des Vereins, Kollegen Stern-Hilde'sheim, zu seinem 25 jährigen Dienstjubiläum und den. Schriftsteller Herrn Hause-Eisenach zu dessen 80. Geburtstag Namens des Vereins beglückwünscht, ebenso den Herrn Seminar-Direktor Dr. Kroner- Hannover zu seiner Berufung als Kirchenrath nach Stuttgart. In einer Erwiederung hierauf hat Herr Dr. Kroner den Verein auch seiner ferneren Sympathie versichert und den Wunsch geäußert, demselben in irgend einer Form weiterhin angehören zu dürfen. Inzwischen ist von genanntem Herrn ein Begrüßungstelegramm eingelaufen, das sehr beifällig ausgenommen und auf Vorschlag des Herrn Vorsitzenden erwiedert wird. Weiterhin theilt der Vorsitzende mit, daß der D. I. G. B. auch diesmal wieder eine Beihilfe zu den Kosten der Konferenz im Betrage von 170 M. bewilligt habe. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, von dieser Summe nur 140 M. zu gedachtem Zwecke zu verwenden, mit dem Rest aber die durch die geplante Gründung eines D. I. L. B. dem Verein entstandenen Kosten zu decken. Ihrem Danke für das vom D. I G. B. wiederholt gezeigte Wohlwollen giebt die Versammlung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. Nachdem hiermit die geschäftlichen Mittheilungen erledigt waren, erfolgte die Vorstandswahl. Der seitherige Vorstand wurde für das laufende Geschäftsjahr durch Akklamation wiedergewählt. Zu Schriftführern wurden Goldschmidt-Geestemünde und Roßkamm-Diepholz ernannt. Herr Dr. Gronemann beantragte, daß das Konferenzprotokoll vor seiner Drucklegung denjenigen Herren zugeschickt werde, die sich an der Debatte betheiligt haben. Antragsteller sieht sich zu diesem Anträge angesichts der Thatsache veranlaßt, daß eine von ihm auf der vorjährigen Konferenz über den Musikunterricht gethane Aeußerung in gänzlich falsch aufgefaßter Weise in die Presse gelangt sei. Nachdem Herr Stern-Hildesheim diesen Antrag wegen der sich daraus ergebenden Schwierigkeiten dahin abgeändert, daß das Protokoll am Schlüsse der Konferenz vorgelesen werde und Herr Dr. Gronemann sich mit dieser Abänderung einverstanden erklärt hat, wird der Antrag nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Hierauf ertheilte der Vorsitzende Herrn Me y er-Hannover das Wort Zu seinem Vortrage: „Das Bibellesen in der jüdischen Volks- und Religionsschule". Referent betonte Eingangs seines Vortrages, daß es in dieser Versammlung wohl erübrige, auch nur ein Wort über die Bedeutung der Bibel zu sagen; er habe vielmehr die Ueberzeugung, daß die Versammlung ohne Weiteres mit ihm die Pflicht der jüdischen Schule anerkenne das Kind mit der Bibel bekannt zu machen. Die Bibelkenntniß aber, welche dem Kinde durch den Unterricht in der biblischen Geschichte, der systematischen Religionslehre und durch das Bibelübersetzen vermittelt werde, sei nicht ausreichend; daher wäre es wünschenswerth, wenn die ganze Bibel von Anfang bis zu Ende unter Auslassung der nicht geeigneten Stellen übersetzt werden könnte. Da solches aber nicht möglich wäre, müsse durch das Bibellesen ein Ersatz geschaffen werden. Den Einwurf, als sei die Schule mit anderen Dingen schon zu sehr belastet, so daß das Bibellesen nur auf Kosten anderer Unterrichtsgegenstände betrieben werden könne, weist Referent zurück Das Bibellesen solle nicht etwa als gesonderter Unterrichtsgegenstand auftreten, soüdern nur als Ergänzung der übrigen Fächer des Religionsunterrichts dienen, dergestalt, daß nur das gelesen werde, was zu einer jeweiligen Unterrichtseinheit gehört. So sollen z. B. bei Durchnahme des Sabbaths diejenigen Stellen in der Bibel aufgesucht und gelesen werden, welche sich auf den Sabbath beziehen rc. Daneben sei ganz besonders Schulandachten das Wort zu reden, in denen aus einer vollständigen Bibel gelesen werde. Beim Bibellesen sollen dieselben Vorschriften wie beim übrigen Lesen beachtet werden; der Lehrer soll ein einleitendes, erklärendes und anregendes Wort hinzufügen, ohne sich auf breites Katechisiren einzulassen, dabei aber doch darauf bedacht sein, die Bibelstunde zu einer wahren Erbauungsstunde zu gestalten, damit die Schönheit der Bibel veredelnd auf das Kindergemüth wirke und ihr selbst der Weg ins Haus wieder geebnet werde. Der Vorsitzende spricht dem Herrn Referenten den Dank der Versammlung aus Auf seine Frage, ob von der Versammlung eine Diskussion gewünscht werde, entscheidet sich dieselbe für eine solche. Das Wort erhält: r Stern-Hildesheim. Redner erklärt sich aus verschiedenen Gründen gegen den vom Referenten vorgeschlagenen Gebrauch der „ganzen Bibel", wünscht vielmehr, da seiner Ansicht nach der seitherige Unterricht genügt habe, das Bibellesen möge ganz unterbleiben. Solle demselben dennoch das Wort geredet werden, so könne solches im Anschluß an den biblischen Geschichtsunterricht aus einem hierzu geeigneten Bibelauszug geschehen. Levy-Norden hebt dem gegenüber die Wichtigkeit und Nothwendigkeit des Bibellesens hervor, bekämpft aber die Ansicht, dem Kinde die „ganze Bibel" in die Hand zu geben und empfiehlt als zum Bibellesen sehr geeignet die bei Brockhaus-Leipzig erschienene Auerbachsche Schul- und Hausbibel. Des Weiteren giebt derselbe beachtenswerthe Winke über die methodische Behandlung, darauf hinweisend, daß dieselbe ähnlich der eines deutschen Lesestückes sein müsse, die Bibelstunde dabei aber immer in erster Linie Erbauungsstunde bleiben möge. Bach-Hildesheim und Selig-Emden wünschen für die Schule einen Bibelauszug, fürs Haus indessen eine vollständige Bibel, da dieselbe sonst durch den Auszug verdrängt würde. Blumenfeld-Adelebsen theilt mit, daß der Spezialverein jüdischer Lehrer Südhannovers unter materieller Beihilfe einiger Gemeinden die Auerbachsche Schul- und Hausbibel in etwa 120 Exemplaren mit erfreulichem Erfolge eingesührt habe und daß diese Bibel auch von den Eltern und sonstigen Hausgenossen gern gelesen werde. Dr Löb-Emden, den Segen der Bibelkenntniß hervorhebend, wünscht für den Unterricht in der biblischen Geschichte an Stelle der großen biblischen Geschichtsbücher, die seiner Meinung nach ihren Zweck keineswegs erfüllen, einen kleinen, methodisch geordneten Leitfaden und neben demselben den II. Theil der Auerbachschen Schul- und Hausbrbel. Des Weiteren wünscht Redner fürs Haus eine „ganze Bibel", dabei vor einer allzu großen Aengstlichkeit in Bezug auf erotische Stellen warnend. Das Bibellesen soll im Anschluß an das Pentateuch-Uebersetzen oder den biblischen Geschichtsunterricht vorgenommen werden. Da, wo das Haestersche Lesebuch in der Blumenfeldschen Bearbeitung für jüdische Schulen eingeführt sei, könne statt des seiner Ansicht nach werthlosen Anhanges der jüdischen Geschichte, in der deutschen Lesestunde zuweilen auch aus der Bibel gelesen werden. ‘

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