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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-06 · Heft 27 (6.7.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Das Wetter war vom frühen Morgen an derartig schlecht, daß das Festkomitee stch schweren Herzens entschließen mußte, die Feier zu verlegen. Aber auch am 26. Juni, dem Tage, dem man nach allen Wetterprophezeiungen solche Tücken nicht hätte Zutrauen sollen, stellte sich mehrfacher Regen ein und störte die Stimmung des Publikums. Der Ungunst des Wetters zum Trotz hatten stch doch mehr als tausend Personen zusammengefunden, die sich an dem reichhaltigen Programm ergötzten. Besonders der Zauberkunst des Herrn Plewsner, eines ausgewiesenen russischen Juden, der sich zur Zeit in Berlin aufhält, und das glänzende Feuerwerk fanden den regsten Beifall der Teilnehmer. Da auch der Ueberschnß ein recht namhafter war, so konnte schließlich das Festkomitee des Vereins Esra mit dem erzielten Erfolge ganz zufrieden sein. Die viele Tausend verkauften Billets beweisen aber in erfreulichster Weise die große und wohlverdiente Popularität, die sich der Esra-Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien bei den Berliner Juden erworben hat. r. Danzig, 2. Juli. Die Staatsanwaltschaft Hierselbst hat die Berufung gegen das den Kultusbeamten in Carthaus wegen Uebertretung des nunmehr aufgehobenen Schächtverbotes freisprechende Urtheil zurückgenommen. Somit ist dieses rechtskräftig geworden. Osterode, 29 Juni. Am 24. d. Mts. feierte ein in Ehren ergrautes Ehepaar ein Fest, das wohl in unserem Orte und weit darüber hinaus noch nie stattgefunden hat. Es war dies ein 65jähriges Ehejubiläum, welck)es vor vielen Jahren in einem ähnlichen Falle in Viez (Provinz Brandenburg) von dem hochseligen Kaiser Wilhelm I. mit dem Namen „Eiserne Hochzeit" belegt wurde. Es ist dieses das noch geistig frische wohlbekannte, seit 48 Jahren hier wohnende L o ren z Kr ause' sche Ehepaar, welches 1879 unter großer Betheiligung der Behörden und der Bevölkerung die goldene und 1889 die Diamant-Hochzeit gefeiert hat. Auch am verflossenen Sonntag hatten sich um 9% Uhr Morgens alle Familienmitglieder, Kinder, Enkel und Urenkel zur Gratulation bei dem greisen Paare — der Jubilar ist 1806, die Jubilarin 1809 geboren — eingefundeu und überreichten einen mit Diamanten und Perlen besetzten „Eisernen Kranz" und einen ebensolchen Strauß, ferner ein künstlich gearbeitetes Album, enthaltend die Bilder aller Familienglieder bis auf den 3 Wochen alten Urenkel herab. Die beiden Widmungsgedichte, wurden von zwei Enkelinnen vorgetrageu. Etwas später erschien Herr Bürgermeister Elwenspoek, der im Namen der hiesigen Sradt gratulirte, dann der. Vorstand, der Prediger und der Vorsitzende der Repräsentanten der Synagogengemeinde, die ihre Wünsche dem Jubelpaar in beredten Worten darbrachten. Herr Prediger Sturmann hielt hierauf eine feierliche Ansprache an das Jubelpaar, unter Zugrundelegung der Bibelstelle Psalm 97, 11, segnete es mit besonderem Danke gegen Gott, daß es ihm vor vielleicht Tausenden seiner Kollegen vergönnt sei, für ein biederes, gortesfürchtiges Ehepaar, welches einst den Ernst des Lebens erkannt und heute in Freuden erntet, was es unter Thräuen gesäet, nun schon zum dritten Male .im Gold-, Diamant- und Eisenkranz) Gottes Segen herabzuflehen. Er überreichte alsdann ein Gratulationsschreiben des Ausschusses des ostpreußischen Synagogen-Gemeinde-Verbandes. Wie vor 5 Jahren wurden auch diesmal die Wohlthätigkeitsanstalten unserer Stadt und die der jüdischen Gemeinde mit reichen Gaben bedacht, und der aus Pernambuco in Brasilien hier weilende Sohn des Jubelpaares, Herr Josef Krause, spendete zwei werthvolle „eiserne" Kandelaber, zu Gas eingerichtet, die ihren Platz vor dem Hauptportal der neuen Synagoge, zur ewigen Erinnerung an die „eiserne Hochzeit", finden werden. K. Hannover, im Juni. Der Verein für Altersversorgung und Krankenpflege in der Synagogengemeinde Hannover hielt unter Vorsitz des Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann am 15. d. Mts. seine Generalversammlung ab. Nach dem von dem Vorsitzenden erstatteten Jahresberichte für die Jahre 1892 und 1893 war der Krankenbestand am 1. Januar 1892 3 Personen, ausgenommen wurden im Laufe des Jahres 1692 48 Personen und im Jahre 1893 39 Personen, von denen 76 als geheilt entlassen wurden und 12 verstarben, so daß am Anfang dieses Jahres noch 2 Personen in der Anstalt verblieben Vereinnahmt wurden in den beiden Jahren 14,228 55 M. und 31,242 38 M., verausgabt 30,141.02 M., so daß ein Kassen-Ueberschuß von 1.101.36 M. verbleibt. Erfreulicher Weise sind dem Vereine im Laufe der letzten Jahre mehrere sehr bedeutende Legate vermacht und der Vermögens-Bestand j belief sich am 31. Dezember 1693 auf 154,806 87 M Es ist nun die feste Absicht vorhanden, demnächst sowohl zur Gründung eines Altersversorgungshauses zu schreiten, als auch an Stelle des jetzigen nicht mehr genügenden Krankenhauses ein neues, den hygienischen Anforderungen im vollsten Maße entsprechendes Haus zu bauen. — In der am 23. d. Mts. hier abgehaltenen 52. lutherischen Konferenz hielt Missionär Meißner aus Leipzig einen längeren Vortrag über die Mission unter Israel, der im Gegensatz zu den gewöhnlichen, von Liebe überströmenden Vorträgen dieser Art ein mehr antisemitisches Gepräge trug. Wenn auch der Antisemitismus, nach des Redners Ansicht, stch mit der Mission unter Israel, das nur durch Geduld und Liebe zu überwinden sei, nicht verträgt, seinen Bestrebungen vielmehr entgegenarbeitet, da der Haß der übrigen Völker das Judenthum zusammenhält, so findet er ihn dennoch erklärlich. Das genügt. Von großen Erfolgen weiß er nicht zu berichten, denn „Sehnsucht nach dem Christenthum" hat er nicht bemerken können, da „die vielleicht sehnsüchtig harrenden Einzelnen sich vorsichtig zurückhalten." Das glauben wir nicht; die Juden, die denr Judenthum den Rücken kehren, brauchen keinen Missionär, sie werden von ganz anderen Gewalten und Leidenschaften getrieben, und die Religion hat jetzt mit den meisten Uebertritten zum Christenthum nichts zu thun! 4k Altenburg, 1. Juli. In heutiger Zeit gelangt jedes unsere Glaubensgenossen betreffende Ereigniß mit Kommentaren in die Tages- Preffe, die oft böswillig und oberflächlich sind. Der hier ansässige Banquier Moritz Liebeschütz hat stch in Leipzig in der Pleiße ertränkt. Keine einzige unter den zahlreichen Betrachtungen über dieses Ereigniß, selbst in den großen Blättern der Reichshauptstadt, bringt das richtige Jnformationsmaterial. Der Großvater des erst 38 Jahre alten Liebeschütz, der Holzmakler Meyer Liebeschütz aus Memel, hat sich im Jahre 1878 ebenfalls in der Pleiße ertränkt, welcher direkt von Memel nach Leipzig gekommen war, um seinen dort anwesenden Enkel noch einmal zu sehen. Wir verzichten darauf, den Schleier von den zum Theil auf hereditärer Psychose, wie sie in heutiger Zeit so häufig ist, beruhenden Ereignissen in der beklagenswerthen Familie aufzuziehen. Zur Ehrenrettung des Verstorbenen, der bereits auf der Schule über ein Jahr seines Seelenzüstandes wegen beurlaubt war und der .dann im Hause Schwarzschild in Frankfurt a. M. und später hier das Bankfach erlernte und mit eigenen nicht unbeträchtlichen Mitteln ein Bankgeschäft eröffnete, seien hierdurch die gehässigen an diesen Fall geknüpften Kommentare in das richtige Licht gerückt. Ein edel angelegtes Leben endete in frühzeitiger Umnachtung nach schweren Schicksalsschlägen. OO Soest, 25. Juni. Am gestrigen Tage fand in den Räumen des Schützenhofes dahier die vierte Generalversammlung des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens statt Die Verhandlungen wurden von dem ersten Vorsitzenden Herrn M. Katzen - stein- Bielefeld eröffnet. Vertreten waren 22 Verbandsgemeinden mit annähernd 70 Delegirten. Ueber die dreijährige Verbandsthätigkeit lag ein Rechenschaftsbericht vor. > Von den Verhandlungen heben wir hervor; Die Erörterungen über Antrag des Ausschusses auf Gründung eines Pensionsfonds für Lehrer und Kultusbeamte und deren Hinterbliebene. Die Versammlung faßte einstimmig folgenden Beschluß: „Der Gemeindetag begrüßt den Antrag des Ausschusses auf Gründung eines Penstonsfonds für Lehrer und Kultusbeamte beziehungsweise deren Hinterbliebene mit Freuden und beauftragt den Ausschuß mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Vorlage und eventuell der Berufung eines außerordentlichen Gemeindetages zur Beschlußfassung über die Vorlage. Einstimmige Annahme fand ferner der Antrag der Synagogengemeinde Dortmund, wonach der Ausschuß beauftragt wird, nach denselben Reformgründsätzen, welche bei der Ausarbeitung des Gebetbuches für Wochentage, Sabbath und die drei Feste durch Herrn Dr. Vogelstein maßgebend waren, den Entwurf eines Gebetbuches für die Hochfeste (Neujahr und Versöhnungstag) ausarbeiten zu lassen und denselben dem nächstjährigen Gemeindetag zur Genehmigung vorzulcgen. Eine lebhafte Debatte ries der Antrag der Gemeinde Neuenkircheu hervor, welcher stch mit dem jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen Westfalens befaßte. Die über die Angelegenheit, angestellte Umfrage ergab das für Westfalen immerhin erfreuliche Resultat, daß hier der jüdische Religionsunterricht an höheren Schulen besser organisirt sei, als in den übrigen preußischen Provinzen. Für diejenigen Orte, in denen der jüdische Religionsunterricht an den höheren Schulen noch nicht eingeführt ist, lehnte die Versammlung die flÜ iüüiü

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