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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-06 · Heft 27 (6.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 27. Berlin, 6. Juli 1894. Weikage zurr „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §£S Berlin, 2. Juli. Die Sitzung der Repräsentanten- Versammlung am 1. Juli wird um 11 Uhr durch Herrn Landsberger eröffnet. Zu Punkt 1: „Umbau der Mädchenschule" referirt Namens der Baukommission Herr Maurermeister I. Frankel Nach dem Vorschläge des Referenten wird beschlossen: 1. Zur Erweiterung der Mädchenschule die bisher von der Armenkommission benutzten Räumlichkeiten, Rosenstraße 2 belegen, hinzuzuziehen und demgemäß umzubauen. 2. Eine Turnhalle für Mädchen zu errichten auf dem bisherigen Schulgärtchen in 1>er Gr. Hamburger Straße und hierzu einen besonderen Eingang durch', das Gebäude der Altersversorgungs-Anstalt zu schaffen. 3. Ein neues Schulgärtchen herzustellen auf dem Terrain des Friedhofs in der Gr. Hamburger Straße, jedoch möglichst an der Grenze belegen und an einer Stelle, an der sich weder Grabhügel noch Grabsteine befinden. Außerdem soll dieser Platz durch einen Bretterzaun abgetrennt werden. Herr Mosse erstattet Bericht über verschiedene Rechnungsabschlüsse. Für die Neue Synagogen-Verwaltung ergiebt sich eine Minderausgabe von 2445 M., für die Armenkommission von 593.65 M., für die Quellbad-Verwaltung von 930.66 M. Einem dringlichen Anträge zufolge wird beschlossen, auf Grund einer Eingabe von Bewohnern des Nordwestens den Vorstand zu ersuchen, in dem bezeichneten Stadttheile an den hohen Feiertagen einen Festgottesdienst einzurichten, und werden die hierfür erforderlichen Kosten bis zur Höhe von 6000 M. bewilligt. 2. Berlin, 1. Juli. In Vertretung des Herrn Hofrath Dr Demdo aus Petersburg, der sich zur Zeit in Paris befindet, hielt am 29. v. M. in der deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege Herr Dr. Krüger vom hiesigen physiologischen Institut einen hochinteressanten Bortrag über die hygienische Bedeutung der verschiedenen Schlachtmethoden. Der Vortragende verwies zunächst auf den Bortrag, den Hofrath Dembo 1889 auf dem hygienischen Kongreß über die verschiedenen Schlachtmethoden gehalten, in Folge dessen vom Kongreß eine Kommission eingesetzt wurde, welche die jüdische Schächtmethode einer eingehenden Prüfung zu unterziehen hatte. Nach viermonatlicher Thätigkeit erstattete diese Kommission ihren Bericht dahin, daß sie keine Ursache gefunden, die jüdische Schächtmethode für schlecht zu halten. Hofrath Dembo hielt die Aufgabe, die beste Schlachtmethode zu erforschen, für so wichtig, daß er ganz Europa durchreiste, die verschiedenen Schlachtmethoden studirte, Gutachten von praktischen und wissentlichen Sachverständigen entgegennahm und selbst Schlachtversuche mit nachfolgender Obduktion an Kaninchen nach den verschiedenen Schlachtmethoden vornahm. Die Versuche uud Resultate Dembos haben auch zu Versuchen und Untersuchungen auf dem hiesigen städtischen Schlachthof und im hygienischen Institut geführt, und unternahm es der Vortragende, die gewonnenen Resultate wissenschaftlich zu begründen. Dr. Krüger kam zu dem Resultat, daß das Schächten den Vorzug vor den übrigen Methoden verdiene, weil es die schnellste Bewußlosigkeit herbeiführe, nämlich nach drei bis fünf Sekunden, während dieselbe bei der sogenannten Betäubung durch den Schlag erst nach fünfzehn Sekunden eintrete, ferner, daß das Fleisch geschächteter Thiere gesundheitlich am zuträglichsten sei. Der Vortragende verlas ein Schreiben des hiesigen Großschlächtermeisters Hoffmann, welcher mittheilt, daß er, wiewohl Christ, seit Jahren die Schächtmethode anwende, weil er die Erfahrung gemacht, daß es die leichteste Todesart für die Thiere sei. Die Staatsbehörden, bemerkte Dr. Krüger, hätten alle Veranlassung, diese Methode nicht zu verbieten, sondern vielmehr deren allgemeine Einführung zu bewirken. Auf eine Anfrage des Geheimraths Spinola bemerkte Dr. Krüger, daß das geschächtete Fleisch auch eine größere Schmackhaftigkeit und leichtere Verdaulichkeit besitze. Mit Zustimmung der Versammlung erklärte Geheimrath Spinola das volle Einverständniß der Versammlung mit den Ausführungen des Vortragenden und den wissenschaftlichen Forschungen des Hofraths Dembo. tz. Berlin, 2. Juli. Die Anregung, die in letzter Zeit von so mannigfacher Seite gegeben worden ist, behufs Gründung von Religionsschulen, ist nicht leer in der Luft verhallt. War schon vor längerer Zeit eine Religionsschule von der Lippmann - Tauß - Synagoge ins Leben gerufen worden, in welcher Knaben und Mädchen unentgeltlichen Unterricht in der Religion ihrer Väter erhielten, so schloß sich jetzt die Wölfische Synagogen-Gemeinde durch die Gründung einer unentgeltlichen Religionsschule der erstgenannten Gemeinde, die unter dem Rabbiner Dr. Lipschütz steht, an. Die Schulkommission der Wölfischen Synagogen- Gemeinde, unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Krolik versendet soeben Circulare an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, in welchen sie die Eltern auffordert, ihre Kinder in die unter der Direktion des Rabbiners Dr. Rüben stehende Religionsschule zu senden. M. F. Berlin, 3. Juli. Eine soeben erschienene Chronik des Vororts Pankow von L. May berichtet über die Entstehung des ersten jüdischen Erziehungshauses in Pankow Folgendes auf aktenmäßiger Grundlage: Aus Südrußland hatten sich bekanntlich 1882 ungefähr 15,000 Flüchtlinge in der Gegend von Brody angesammelt. Eine Anzahl angesehener Männer trat als Unterstühungskomitee zusammen und brachte ca. 800,000 M. auf, welche Summe zum größten Theile verwendet wurde, um die Obdachlosen weiter zu befördern. Der Justizrath Makower in Berlin, als Mitglied dieses Komitees, kam auf den Gedanken, im Einverständniß mit den Angehörigen eine Anzahl der obdachlosen Knaben in Berlin unterzubringen, sie erziehen und ein Handwerk erlernen zu lassen. Zu diesem Zwecke wurden von dem Fonds 15,000 M. reservirt, das Grundstück Berliner Straße 121 in Pankow erworben und für 50 Knaben eingerichtet. 1882 wurden 39 Zöglinge ausgenommen, welche von Direktor Lewinski in allen Unterrichtsgegenständen deutsch unterrichtet wurden und dabei allerlei häusliche und Gartenarbeiten verrichteten. Da die Knaben bei ihrer Herkunft über ihre Heimathsberechtigung in Rußland keinen Nachweis führen konnten, so ist ihnen durch ministerielle Verfügung der Aufenthalt in der Anstalt nur bis dahin gestattet, bis sie einen Beruf erlernt haben. Schon 1886 konnten 4 Zöglinge (2 Tischler, 1 Schlosser und 1 Klempner) ihren Eltern nach Amerika folgen. Sämmtliche Lehrlinge werden von der Anstalt verpflegt, gekleidet und mit Handwerkszeug versorgt. Jetzt steht das Institut in Verwaltung der Berliner jüdischen Gemeinde, und es werden nur noch einheimische jüdische Waisenknaben ausgenommen. Herr Direktor Grunwald und ein angestellter Lehrer liefern den Beweis, daß sie ihre Pflicht erfüllen: Die Knaben sehen frisch und wohlgepflegt aus, geben präzise Antworten, schreiben musterhaft; Kleidung, Klassen, Küche und Schlafsäle sind sauber und ordentlich gehalten. Seit 1892 ist das Institut der Schulaufsichtsbehörde unterstellt. Die Prüfung in den Unterrichtsgegenständen und der gesammten Einrichtung durch den Provinzial-Schulrath Eisenmann ist außerordentlich günstig ausgefallen. Die Lehrlinge haben jetzt bis zur Vollendung der Lehrzeit ihr Heim in der Anstalt. Pankow besitzt jetzt neben dem interkonfessionellen Pestalozzistift für Lehrerwaisen drei jüdische Erziehungshäuser. ygx Berlin, 25. Juni. Der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" theilt uns mit, daß im Herbst des Jahres noch einige jüdische Mädchen oder Frauen, welche unserem Verein beitreten und sich als Krankenpflegerinnen ausbilden wollen, Aufnahme finden können. Bei schriftlichen Gesuchen ist die Mitsendung des Geburtszeugnisses erwünscht. B. Berlin, 1. Juli. Unter der ungünstigen Witterung dieses Jahres hatten besonders stark die wohlthätigen Vereine zu leiden, die ihre Sommerfeste verregnen sahen und mit Mühe und Kosten durch vielfache Verschiebung wenigstens einen Theil ihres Ueberschusses retten mußten. So ist es auch dem Verein Esra gegangen, der am 21. Juni sein diesjähriges Sommerfest in Meimanns Volksgarten feiern wollte.

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