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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-06 · Heft 27 (6.7.1894) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
Seite 324 (sequence 12)
Language
German
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324 Zur Information des Herrn 8. M. diene auch, daß in den bisher erschienenen drei Bänden der gesammelten Schriften von Leopold LoenG (der letzte Band vom Jahre 1893) eine Arbeit über Strafrecht nicht vorkommt. Das Buch von Goiteni: „Das Vergeltungsprinzip iw biblischer und talmudischen Strafrecht", sowie das nachträglich zu erwähnende von Maurice Flügel in Baltimore: „Aspirit of the biblical Legislation, in Parallel with Talmud, Moralists, Gasuists, New-Testament, Ancien and Modern Lawu (Der Geist der biblischen Gesetzgebung, in vergleichender Darstellung mit dem Talmud, den Moralisten, Casuisten, dem Neuen Testament, den alten und neuen Gesetzen) ist bereits nach Abschluß meiner Arbeit im Buchhandel erschienen; ich will auf dieselben nächstens ausführlicher zurückkommen. Mit vorzüglicher Hochachtung Wien, im Juni. Dr. Saul R. Landau * Sehr geehrter Herr Redakteur! Kollege Becker-Wollstein versucht, meine Darlegungen, die der Co Gründung eines „Deutsch-israelitischen Lehrerbundes" gegenüber ablehnende Haltung empfehlen, ad absurdum zu führen Daß die Erwiderung mit ihren erschöpfenden Belehrungen und zurechtweisenden Vorwürfen im Stande gewesen, eine im Vereinsleben gereifte Ansicht zu erschüttern, will ich nicht erst ausdrücklich verneinen. Die Gaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit des Herrn B. in Zweifel zu ziehen, hat mir fern gelegen; ich fühlte nur das Bedürfniß, vor einem Optimismus, der eine allgemeine Zustimmung vermuthete. warnen zu müssen. Die Protokolle, auf welche der Herr Kollege B. sich bezieht, verlieren insofern an Beweiskraft, als dieselben nur das Votum der „zählbar" Anwesenden enthalten, zugleich aber in der Angabe einer Frequenzliste das Interesse bekunden, welches die durch „Abwesenheit Glänzenden" für die Idee einer „Vereinigung jüdischer Lehrer" an den Tag legen. Ich verweise dabei auf die Versammlungen der jüdischen Lehrer Nassaus und Mitteldeutschlands. Daß auch die jüdischen Lehrer Schlesiens über die Zweckmäßigkeit eines besonderen „Zusammenschlusses" mindestens getheilter Meinung sind, erhellt, trotz der vorjährigen Zustimmungserklärung, aus den protokollarisch festgelegten Aeußerungen des Kollegen Bernhard-Tarnowitz. u Da Herr B. sich einer langjährigen, ernsten Mitarbeit an den Bestrebungen unseres Provinzial Lehrervereins rühmen kann, ist es mit unbegreiflich, daß dem Herrn Kollegen die scheinbar geringfügigen Entstehungsgründe, die eine theilweise tiefinnerliche Spaltung des Schlesischen Provinzial-Lehrervereins nach Konfessionen herbeiführten, entgangen sein sollten! Wollen wir in derselben Weise — ich betone: absichtslos — der „Uneinigkeit" neuen Stoff zuführen? So anerkennenswerth auch die Bemühungen des Herrn B., namentlich bezüglich einer einheitlichen Gestaltung unserer Religions- und Lesebücher, sind, in eben dem Maße wollen wir Alles vermeiden, was auch nur durch eine scheinbare „Absonderung" unser freundliches Einvernehmen mit unseren andersgläubigen Berufsgenossen gefährden könnte. Hat aber eine thatsächliche Mehrheit den Wunsch nach einer engeren, noch besonderen Vereinigung, so möge sie derselben ein Schild anheften, dessen bündige Inschrift die Nothwendigkeit ihrer Sonderbestrebungen deutlich erkennen läßt. Hochachtend Kattowitz, 17. Juni. Max Willner. Sehr geehrter Herr Doktor! ie inhaltlich so reichen letzten Nummern Ihrer geschätzten Zeitung veranlassen mich. Ihnen, nach langer Pause, wieder einmal zu schreiben. Zuerst meine große Befriedigung über die Ausführungen des Herrn Dr. Heinrich Meyer Cohn, der in kluger Weise den Vorwurf jüdischer Engherzigkeit abweist, indem er an den schönen talmudischen Sah: „Die Frommen der Völker haben Theil an der ewigen Seligkeit" erinnert und dann vorsichtig und ruhig den Spieß gegen die Angreifer umdreht. Man gönnt uns nicht, daß unsere Heilige Schrift zuerst den Grundsatz der Nächstenliebe (III. Mos. 19, 18 und 34), welchen auch Jesus, aber 50 Jahre nach Hillel, als das Wichtigste anführt, ausgesprochen, und dieser Punkt muß von Zeit zu Zeit den Gegnern ins Gedächtniß gerufen werden, wie es vorher Herr Professor Cohen und dann Dr. Kobak in Innsbruck dargethan. Sehr schön ist das „Wörtchen" des Herrn Dr. I. Pagel in Berlin, auf „Kamochu". daß Gott, der Alle ernährt, die Liebe des Nächsten auch seinem, des Menschen Geschäfts-Konkurrenten gegenüber fordert. Herrn Lehrer Becker gegenüber möchte ich betonen, ohne ihn aber damit verletzen zu wollen, daß dem edlen Klingenstein s. A. die Priorität des Gedankens eines Deutsch-israelitischen Lehrerbundes gebührt, und daß die Ausführung nur deshalb, weil der Verewigte seinem Stande zu früh durch den Tod entrissen ward, damals unterblieb. Was ihm am wichtigsten schien, einen Verein zur Unterstützung israelitischer Lehrer Lehrerwittwen und -Waisen in Deutschland zu schaffen, das hat er mit aller Kraft, unerhörter Anstrengung und Selbstverleugnung erreicht Die „Achawa" (Brüderlichkeit), die in Frankfurt a. M. ihren Sitz hat — zuerst in Alzey, und der Unterzeichnete, der diesem 1865 gegründeten Vereine vier Jahre lang als Vorstandsmitglied angehörte, darf sich Gott sei Dank des Verdienstes rühmen, für die Wahl eines anderen Vorstandes mit Berücksichtigung Frankfurts und für die Niederlassung in dieser reichen und großartig wohlthätigen Stadt sehr viel beigetragen zu haben — ist das Werk Klingensteins. Die „Achawa" hat heute ein Kapitalvermögen von 200,000 M. (Zinsenertrag rund 7800 M.). Außerdem gingen ein im Jahre 1893 an freiwilligen Jahresbeiträgen 450 M., an Beiträgen von 346 aktiven Mitgliedern (ä M. 6.—) und 942 Ehrenmitgliedern 7962 M., an Einkaufsgeldern von 9 neuen Mitgliedern 405 M., an Geschenken 11,400 M. Die Unterstützungsausgaben betrugen 14,900 M. Würden die Gemeinden Deutschlands, wie nur einige wenige es thun, es als ihre Schuldigkeit betrachten, dem Vereine alljährlich einen festen Beitrag zuzuwenden, dann könnte in deren Interesse eine noch nachhaltigere Unterstützung nothleidender Lehrer und ihrer Hinterlassenen stattfinden. Unbegreiflich aber ist es, daß die jüdische Lehrecwelt sich diesem Vereine gegenüber so wenig dankbar erweist und daß bei den verschiedenen provinziellen Versammlungen immer davon gesprochen wird, neue Unterstützungskassen zu gründen, statt daß mit aller Kraft Lehrer und Rabbiner — denn auch diese werden als Mitglieder gern ausgenommen — Alles aufbieten, um dem Vereine zu noch größerer Blüthe zu verhelfen. Wenn ich hier Manches wiederhole, was Herr Dr. A Löhren in Frankfurt a. M. so schön und prägnant gesagt, so ist es, weil ich den Lehrerstand so sehr liebe und mir daher die Sache am Herzen liegt. Als früherer Kaufmann, der ziemliche Erfahrung mit solchen Kassen besitzt, möchte ich die Lehrerwelt, ebenso die Herren Rabbiner davor warnen, neue Kaffen zu gründen. Es ist das gar nicht so leicht, und bis sie lebensfähig würden, könnten Geschlechter vergehen, namentlich wenn ihnen nicht die Wohlthätigkeit einer reichen Stadt zur Seite steht, denn von den kleinen Jahresbeiträgen der Mitglieder könnten nur schwache Leistungen ersprießen. Und hiermit Gott befohlen! Ihr Sie hochschätzender Homburg v. d. Höhe, Ende Juni. Louis Lehmann. * An die Redaktion! er Unterzeichnete Vorstand gestattet sich zur Richtigstellung des von Ihnen kürzlich gebrachten Berichtes über unsere Gemeinde Folgendes mitzutheilen. Die Synagogen-Gemeinde „Adath-Jeschurun“ wird nicht aufgelöst, sondern nur nach einer anderen Stadtgegend verlegt. Es ist dadurch Aussicht vorhanden, wieder von der Haupt-Gemeinde eine Subvention (die bis jetzt versagt wurde) und außerdem mehr Anhang zu erlangen, um so mehr, da sich der größte Theil der früheren Mitglieder der neuen Richtung mehr zugewendet haben. Die rituelle Leitung ist dem Herrn Rabbiner Dr. Ellenbogen übertragen worden, schon deshalb, weil derselbe in dortiger Gegend sehr bekannt ist und viel Anhang hat. Es sollen bis jetzt schon ea. 100 Mitglieder von Seiten des Herrn Dr. Ellenbogen gesichert sein und außerdem hat derselbe die Absicht eine Religionsschule, welche schon längst allerseits gewünscht wurde, einzurichten. Berlin, 27. Juni. Hochachtungsvoll Friedrichu. Louisenst. Synag.-Gemeinde „Adath Jeschurun“. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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