Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-07-06 · Heft 27 (6.7.1894) · p. Seite 319

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 27 (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228040-3228068--50941-3273777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

319 hiesigen Meistern ausbilden läßt, hat der Vorstand dieses Vereins ein zweckentsprechendes Haus gemiethet und in eigene Verwaltung genommen. Die zeitgemäße und erfolgreiche Thätigkeit dieses Vereins, und namentlich des sehr rührigen Vorstandes des Lokal-Komitees Köln, finden in immer weiteren Kreisen unserer Stadt und darüber hinaus dankbare Anerkennung. Möchten die Freunde dieses Vereins an Zahl und freudiger Opferwilligkeit immer mehr zunehmen! 8. M. Beitrage zur vergleichenden Gnomologie. Von Dr. W. Klemperer, Prediger der Reformgemeinde. X. (A^xaule Fische und Schläge dazu". Wander hat diese Redensart in seinem Sprichwörterlexikon (Bd. 4 S. 211) Tendlaus „Sprich- Wörter und Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit" (S. 195) entnommen, ohne jedoch den ersten Fundort, um T. dies thut, genau anzugeben. In der Mechilta zn Exod. 14,5 wird von den Aegyptern gesagt «bi i2nbivi i2'pb «b i« '«in na unb» «bi i2'pb ib« ibtD2i i2nbDi 12'pb «b« 12b «in no i2'2iaa pbtou nn M2'3iaa Wenn, sprachen die Aegypter, uns nur die Plagen getroffen, wir aber die Israeliten im Lande behalten hätten, wäre uns genug geschehen; wenn wir, ohne die Plagen zu erleiden, die Israeliten hätten ziehen laffen, unsere Habe aber uns geblieben wäre, ebenfalls; wir aber wurden geschlagen, mußten sie entlassen und büßten unser Hab und Mut ein". Dazu wird nun ein Gleichniß gebracht von einem Herr», der seinem Diener befiehlt, auf den Markt zu gehen und Fische zu kaufen. ■6 «am «2t inai'b -a«w nn«b man nann nab bttra mrua ib na« tr'«aa piwh p jn ib «'am «2t' piarr p 31 na« nia n«a 'b pn i« maa n«a npbn i« jnn b:«n i« '2nn na«V ny maab p’aan «b bia«b b'nnn bai« '2nn ib “[a N2a n«a abtrai npibi :nn n« bai« «2ta3 n2a n«a pu ♦D'n2tab mw2 Ein Herr befahl seinem Diener auf den Markt zu gehen und Fische zu kaufen. Der Diener ging und kaufte todte Fische, die schon übel rochen. Darüber erzürnte sich der Herr und sagte zum Diener „Du hast die Wahl: entweder issest Du selbst die Fische, oder erhältst hundert Schläge, oder Du zahlst hundert Gulden." Der Diener wählte, die Fische zu essen. Aber als er schon einen Theil gegeffen hatte, widerstand es ihm weiter zu essen und er bat, man sollte ihm das Essen erlassen und lieber die Schläge geben. Doch auch diese konnte er nicht bis zu Ende aushalten, und nun rief er, man möchte aufhören, er wolle lieber hundert Gulden, Strafgeld geben. So hat er alle drei Strafen erlitten, hat faule Fische gegessen, Schläge erhalten und hundert Gulden gezahlt. In der Pesikt. R- Kah. (Ed. Buber S. 81b) ist diese Erzählung im Namen R. Jsmael's. mit geringen Aenderungen wiedergegeben — ♦npib nn« pbnma n«a i« bai« nn« nvn'D Im Jalkut z. St. heißt es Q'mbma Dies Wort ist nicht in xoQövkri — Keule (pbnna) zu ändern, auch nicht mit Bordell zusammen zu stellen (Buxtorf 352, 360), sondern, wie schon Musafia erklärt hat, das spät-griechische (p' bü '21ttn ptt?b) ßoveöovtJ&iv geißeln (s. Sachs, Beiträge 2,78 und Perles, etymologische Studien S. 90). Für autochton halte ich die Erzählung nicht. Die hundert Stockschläge, die sich der Sklave appliciren lassen muß, widerstreben zu sehr der Behandlung, die auch der heidnische Sklave bei den Israeliten erfuhr, und entsprechen andererseits zu sehr den Berichten, die uns über die Behandlung der Sklaven bei Griechen und Römern von den Alten gegeben werden, als daß wir nicht an ein Geschichtchen denken dürften, das im Alterthum wohl aus Anlaß eines solchen Vorkommnisses irgendwo aufgekommen, bald um seiner im praktische» Leben so oft verwerthbareu Pointe willen, wie anderwärts, so auch in Palästina die Runde machte. x) Solche ans historische Begebenheiten zurückgehende Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten haben auch die Griechen und Römer. Das ursprüngliche Ereigniß gerieth auch bei ihnen in Vergessenheit,^ das treffende Wort aber, zu dem es. einst Veranlassung gegeben, erhielt sich und erfuhr später oft die wunderlichsten Deutungen in Bezug auf seine Entstehung. Darum sind wir nicht in der Lage, die eigentliche Ursprungsstätte solcher Redewendungen ausfindig zu machen; nur eins ist außer Zweifel, daß wie der Talmud die verschiedensten griechischen Sagen, ja, wie er wahrscheinlich auch das indische Märchenbuch »kauschatantra“ kennt, ^) so auch interessante Erzählungen von wirklichen Vorgängen, die damals imtliefeit, ihm nicht fremd geblieben und bei geeignetem Anlaß von den Volksrednern benutzt wurden. e_ W MULM IIWTU41I“ « 1 FEUILLETON | 1 Bi mim viii WlUlülmil -1 1- 1—- - -— -1 35352 niMMn m Are Blonde und die Brünette. Eine wahre Geschichte aus der Sommerfrische. Von Julius Stettenheim. f ie Brünette ist jung, liebenswürdig, intelligent und trotzdem bescheiden und zurückhaltend. Eine seltene Frau. Ich würde auch sagen, daß sie angebetet wird, wenn sie von dergleichen etwas wissen wollte. Aber sie will nicht außer dem Hause angebetet sein, und so bleiben ihr die Anbeter fern. Sie wird von vielen Männern, welche keine anderen Götter neben ihren Frauen dulden wollen, wegen dieses Selbstboykotts als Muster ausgestellt. Sie ist auch eine vortreffliche Mutter, die mit ihren Kindern in die Sommerfrische geht, und zwar weniger zu eigener als zur Erholung der 1) Man braucht nur das römische Sprichwort: totiäem bostes 6886 quot servos Maerob. Saturn. 1, 11 (soviel Sklaven, soviel Feinde) mit dem talmudischen Spruche ^73 D’HDP rD*"^ (Wer viel Diener hat, wird viel bestohlen) zusammenzuhalten, um die Kluft zu erkennen, die auch auf diesem Gebiete das Judenthum vom Heidenthum trennte. Man vergleiche die 47. Epistel von Seneca (non habemus illos liostes, sed facimus) und was Maerob. an das oben genannte Sprichwort anknüpft, wie auch die bekannten Aussprüche des Aristoteles über die Sklaverei, mit den Bestimmungen des talmudischen Rechtes über die heidnischen Sklaven (Maimon. H. Roz. 2, 10-14 und H. Chob. wemasik 3, 4) und dem, was der Talmud von dem Verhalten der Weisen gegen ihre Sklaven erzählt. Ber. 16 b. 2) Siehe, um ein Beispiel anzuführen, die verschiedenen Erklärungen des römischen Sprichwortes „sexagenarios de ponte dejici oportet“ Alte Leute muß man nicht zu wichtigen Geschäften zulassen bei Ovid Fast. 5, 621 bei Festus s. v. sexagenarius und bei Varro de vita pop. Rom. ap. Nonium. 3) Vgl Perles in der Monatsschrift Jahrg. 22, S. 16.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.