Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 318 satze gern gezahlt werden wird. Bei einer Betheiligung der gesummten Juden Deutschlands würden in einem Jahre trotz der kaum nennenswerthen Opfer für den Einzelnen etwa 100,000 Mark beschafft werden, die durch fortgesetzte Sammlungen in weiteren Jahren so oft vervielfacht werden können, bis das Kapital ausreicht, zunächst ein großes Reichswaisenhaus für jüdische Kinder zu errichten und zu unterhalten. Es darf wohl angenommen werden,- daß dann, wenn erst die Begeisterung für diese segensvolle Arbeit in den Herzen unserer Glaubensgenossen Platz gegriffen hat, wohl manche Gelegenheit Anlaß geben wird, durch Sammlungen die Summe zu bereichern, daß Legate auch dieser Anstalt zufließen werden, und es ist sicher, daß dann, wenn für einen großen Theil unserer Waisen durch Unterbringung in der ersten Anstalt gesorgt sein wird, auch an die Gründung einer zweiten gedacht werden kann. Auf diese Weise ist es zu erreichen, daß in absehbarer Zeit auf diesem Gebiete durchgreifende Abhilfe geschafft werde; es ist nur die ernste Unterstützung von einigen Männern in jeder Gemeinde zur Förderung dieses wohlgemeinten Planes nöthig. Allerdings soll in diesen wenigen Worten nur die Anregung gegeben werden für die weitere Anbahnung dieses Werkes. . Diese dürfte vielleicht dadurch erreicht werden, daß der deutsch-israelitische Gemeindebund einen Delegirtentag von geeigneten praktisch denkenden Männern nach Berlin einberufen würde, um über die Wege und Mittel zu beschließen, durch welche diesem Ziele näher gekommen werden könne, daß ferner ein Komitee von Männern aus allen Theilen Deutschlands erwählt würde, welches Central-Sammelstellen einrichtct, Aufrufe, Äeröffentlichungen aller Art besorgt, die gesammelten Gelder verwaltet rc. Hoffentlich gelingt es, diese Idee auf die vorgedachte oder ähnliche Art zu verwirklichen zum Heile und Wohle unserer hilfsbedürftigen Waisen. Briefe vom Rhein. Köln, 27. Juni. ine Frage, welche lange Zeit die Mitglieder unserer Gemeinde beschäftigte, welche de» Gegenstand unzähliger Debatten in öffentlichen Versammlungen, bei Gelegenheit von Wahlbesprechungen rc. bildete, geht nunmehr glücklich ihrer Lösung entgegen: Die Frage des Neubaues einer zweiten Synagoge in Köln. Bekanntlich ist die Synagoge in Köln ein Geschenk des seligen Freiherrn Abraham von Oppenheim, und zwar ein fürstliches Geschenk. Dieser Prachtbau des verstorbenen Dombaumeisters Zwirner gilt heute noch als eine Zierde der Stadt, als eines der schönsten und prächtigsten Gotteshäuser Deutschlands. Aber der immer mehr wachsenden Größe und Ausdehnung der Kölner Gemeinde gegenüber erwies sich der Zwirnersche Prachtbau schon längst nicht mehr gewachsen, so daß die Klagen über Mangel an Platz in der Kölner Synagoge immer lauter wurden. Namentlich an den hohen Festtagen machte sich dieser Uebelstand in einer Weise geltend, daß die Ueberfüllung des Gotteshauses oft geradezu bedenkliche Dimensionen annahm und zu vielfachen berechtigten Klagen Veranlasiung gab. Dazu kam, daß die verfügbaren Synagogensitze alljährlich in öffentlicher Versteigerung vergeben wurden und selbst ungünstig gelegene, minderwerthige Plätze zu Preisen angesteigert wurden, die es wenig bemittelten Eemejudeangehörigen geradezu unmöglich machten, feste Plätze zu miethen. Der Energie und^Thatkraft dreier Männer, des leider allzu früh dahingeschiedeuen Vorstandsmitgliedes Moritz Rosenthal, des Mitgliedes des Repräsentanten-Kollegiums Herrn David Klein und des Herrn Leonh. Emanuel ist es hauptsächlich zu verdanken, daß im Repräseulanten-Kollegium der Neubau einer zweiten Synagoge deschloffen und zu diesem Zwecke eine Bansumme von Mark . 550,000 ausgeworfen wurde. In Gemäßheit dieses Beschluffes erwarb man alsbald im südlichen Theile der Neustadt, an dem großartig angelegten Königsplatz ein Grundstück im Preise von etwa 200,000 Mark und schrieb eine Konkurrenz aus für Entwürfe zum Neubau der Synagoge, mit namhaften Preisen für die drei, von dem Preisrichter-Kollegium als die besten bezeichneten Pläne. Mit dem ersten Preise wurde der Entwurf der Herren Architekten Schreiterer und Below, Köln, ausgezeichnet, den zweiten Preis erhielten die Herren Zaar und Vahl, Berlin, und den dritten Preis Herr L. Schreiber, Köln. Die eingegangenen Pläne waren drei Wochen hindurch in einem Saale des Gürzenichs öffentlich ausgestellt, etwa 20 au Zahl, dabei, abgesehen von den preisgekrönten, recht schöne Entwürfe. Die meisten dieser Pläne rührten von Kölner Architekten her, von bekannten auswärtigen Baukünstlern war kaum Jemand vertreten. Wohl mit Rücksicht auf das im maurischen Styl erbaute Zwirnersche Meisterwerk, die Synagoge in der Glockengasse, hatten die an der Konkurrenz betheiligten Architekten meist vorgezogen, andere Stylarten zu wählen, und so zeigen viele der eingesandten Entwürfe einen modernisirten gothischen Styl. Der mit dem ersten Preise ausgezeichnete Plan macht mit seiner reichen Architektur, den gefälligen Formen und der zweckentsprechenden Eintheilung der Plätze und prachtvollen Ausstattung des Innern einen sehr günstigen Eindruck. Der Kostenanschlag dieses Planes übersteigt etwas die für den Bau in Aussicht genommene Summe. — Die Synagogen-Baukommission hat die Einsender der preisgekrönten Entwürfe beauftragt, detaillirte Pläne einzureichen, und aus diesen soll daun die endgiltige Wahl des dem Bau zu Grunde zu legendes Planes getroffen werden.- Man gedenkt, im kommenden Frühjahre mit dem Bau der Synagoge zu beginnen. Inzwischen hatte der Vorstand unserer Gemeinde an die städtische Verwaltung ein Gesuch gerichtet, ihr zum Ban der neuen Synagoge einen entsprechenden Zuschuß zu bewilligen. Dieses Gesuch war der StadtverordneteN-Versammlung vom 23. Mai d. Js. unterbreitet, zufälligerweise am selben Tage, au welchem der sattsam bekannte „Volksbeglücker" Ahlwardt seinen hiesigen Freunden und mehr noch einigen Neugierigen, die den ehemaligen Rektor ans der Nähe einmal sehen wollten, einen seiner abgestandenen Wandervorträge für 50 Pf. Eintrittsgeld hielt. Und eine herrliche Antwort erhielt der berufsmäßige Verläumder durch die Erwählten der Kölner Bürgerschaft! Der Beschluß der Stadtverordneten lautete, mit großer Mehrheit gefaßt: für den Bau einer neuen Synagoge iu Köln am Königsplatz werden aus städtischen Mitteln 40,000 Mk. bewilligt. Der Vorschlag der städtischen Verwaltung sah einen Zuschuß von Mt. 30,000 vor, aber, infolge dankenswerthen Eintretens zweier Mitglieder der Centrumspartei, der Herren Abgeordneten Rechtsanwalt Trimborn und Bankdirektor Zilkens, - welchen sich der liberale Präsident der Handelskammer, Herr Michels, sowie Herr Stadtverordneter Liebmann angeschloffen, ging man über den Vorschlag der städtischen Verwaltung hinaus und bewilligte 40,000 Mk. Dieser Beschluß ist gleich ehrend für die Kölner Bürgerschaft wie für unsere Gemeinde und darf als ein vollwerthiges, schönes Zeugniß der Parität und des konfessionellen Friedens, wie er Gott sei Dank seit Jahren in unserer Stadt besteht, gelten. Für die Unterbringung und Verpflegung von etwa 18 jungen Leuten, welche der „Verein zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden, Lokal-Komitee Köln", zu tüchtigen Handwerkern bei