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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-29 · Heft 26 (29.6.1894) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 26 (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
Seite 309 (sequence 9)
Language
German
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309 rr‘rJV’-*~'i •> - *M,Nf *■£:?* 'i’.xy?TT-',: Die damaligen jüdischen Gymnasiasten zeichneten sich vor vielen der Jetztzeit dadurch wesentlich ans, daß sie auch jüdisches Wissen besaßen und sich nicht scheuten, in ihren selbst ausgearbeiteten, öffentlich vorgetragenen Arbeiten jüdische bezw. biblische Themata zu behandeln. So entwickelte bei der Schulfeier im Jahre 1816 Heymann Goldschmidt in einer deutschen Rede „Die Schönheiten des Propheten Habakuk"; im folgenden Jahre hielt er als Primaner die erste Rede, und zwar „Ueber den Muth des Glaubens', und nach ihm trug der Sekundaner Meyer Haas in einer Parodie des Liedes der Deborah im Buche der Richter „Den Sieg bei Leipzig" vor. Wie haben sich doch die Zeiten geändert! Zur Geschichte der Juden in Fürth. Von Dr. A. Eckstein. s ist eine den Detailforschern bekannte und erklärliche Thatsache, daß die jüdische Gemeinde in Fürth, die man in den Kreisen der Nichtkundigen als eine altehrwürdige anzusehcn und zu bezeichnen pflegt, verhältnißmäßig weit jünger ist als ihre Nachbarschwestern Würzburg und Bamberg und ihre spätere Tochtergemeinde Nürnberg. Benjamin von Tudela erwähnt am Ende seines Reiseberichtes aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Süd-Deutschland die Gemeinden Freising, Bamberg und Regensburg, von einer jüdischen Gemeinde in Fürth ist ihm nichts bekannt?) Ein Klagegesang über die Leiden des Jahres 1298 nennt die Gemeinden Würzburg, Nürnberg und Bamberg, das dazwischen liegende Fürth aber nicht?) Der unansehnliche Marktflecken bildete keinen Anziehungspunkt für die Juden, und erst nachdem die freie Reichsstadt Nürnberg ihre ungastlichen Thore hinter den erbarniungslos in die Fremde gestoßenen Juden im Jahre 1499 geschloffen hatte, siedelten sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter dem Schutze des Markgrafen von Ansbach einzelne Juden in Fürth an, welche den Kern der nachmals so berühmten Gemeinde von Schriftgelehrten und Weisen bildeten. Die Geschichte der Juden in Fürth stellt sonach eigentlich dar eine Fortsetzung der Geschichte der Inden in Nürnberg. Nachdem nun der Markgraf von Ansbach sich durch die Aufnahme der Juden in Fürth eine ergiebige Einnahmequelle verschafft hatte, entschloß sich auch die Domprob st ei von Bamberg, auf Grund von ihr durch Kaiser Heinrich II. in der Stiftungsurkunde des Bisthums vom Jahre 1007 eingeräumten Hoheitsrechten unter ihrem obrigkeitlichen Schutze Juden in Fürth zu halten, welche in Folge ihrer Besonderheit eine Gemeinde in der Gemeinde bildeten und alsbald in die Lage eines Objekts kamen, das zwischen zwei Puffer geräth: auf der einen Seite der fürsichtige und hochedle Rath zu Nürnberg, der, nachdem er die eigenen Juden aus seineil Thoren gewiesen, den Feind „ante portas“ in dem nahen Fürth nicht dulden wollte und mit allen Mitteln kleinlicher Ranküne und politischer Jntriguen von da zu verdrängen suchte; der andere Puffer war die markgräfliche Regierung von Ansbach, welcher die unter fürstbischöflichen Fittigen angesiedelte Konkurrenz-Judenschaft in Fürth ein Dorn im Auge war und die nun ihrem Konkurrenzneid einen für den unbetheiligten Zuschauer mitunter ergötzlichen u»d 1) S. Aronius: Reg. Nr. 307. 2) Kobez al jad v. I. >887: Kinnoth us’lichoth Nr. 3; vgl. auch Nr. 5 und 6. belustigenden Ausdruck zu geben verstand?) Das Nachfolgende sei ein kleiner Beitrag zur Geschichte der Leiden und Bexationen, denen die Bamberger Jndenschaft in Fürth ausgesetzt war. Zuerst hatte Bamberg der Aufnahme von Juden in Fürth voll Seiten des Markgrafen Georg von Brandenburg geheimen und offenen Widerstand entgegengesetzt und gerne die Hand ergriffen, welche der Rath von Nürnberg entgegenstreckte, um mit vereinten Kräften auf deiit Bundestage Protest einzulegen gegen das judenfreundliche Ansbach?) Erst nachdem alle Schritte in der Richtung sich als vergeblich und erfolglos erwiesen hatten, zog man es vor, das abscheuliche Beispiel, das man bekämpft hatte, nachzuahmen und sich zu Nutze zu machen. Der 17. April 1528, an welchem Tage der Markgraf Georg von Ansbach den ersten Juden als Schutzverwandten nach Fürth aufnahm?) kann als der eine Stistnngstag der jüdischen Gemeinde in Fürth angesehen werden; der 1. Januar 1556, an welchem Tage der Fürstbischof von Bamberg den ersten Juden Haim von Auerbach, nachdem derselbe „ein stattlich Fürlehen gethan", auf ein domprödstisches Gut nach Fürth in „Berspruch, Schutz und Schirm" ausgenommen, kann als der zweite Gründuugskag der Gemeinde angesehen werden?) Der Geleitsbrief des Haim hat sich erhalten und lautet folgendermaßen: Wir Weigand'') rc. bekennen für uns und unsere Nachkommen, daß wir mit Bewilligung von Domprobst, Dechant und Kapitel den Juden Haim von Auerbach mit Weib und Kind und Brodgesinde, mit Hab und Gut, auf die nächsten 5 Jahre in den Flecken unserer Domprobstei Fürth als Unterthan aufgeuomme». Sie können genau wie andere unserer Unterthanen und Eintvohner daselbst Wohnung nehmen „in einem bestanden Haus" oder sich ein Haus kaufen; sie können Handel und Gewerbe treiben in unserem ganzen Atift, wie andere unserer Unterthanen. Bon unseren Unterthanen dürfen sie pro Gulden und Woche einen Heller Zins nehmen, Ausländern gegenüber wollen wir keine Bestimmung treffen. Wir «vollen sie wie andere Unterthanen, Einwohner und Zugehörige nach Recht und Billigkeit schützen und schirmen und keinerlei Gewalt und Bedrängniß gegen sie dulden; zur Eintreibung ihrer rechtmäßigen Schulden wollen wir auf ihr Ansuchen ihnen verhelfen. Dafür soll Haim jährlich anderthalb hundert Gulden in unsere Kammer entrichten. — Sollte er aus irgend einem Grunde innerhalb der bestimniten Jahre in Fürth nicht bleiben wollen oder können, dann soll es ihm freistehen. nach Herzogenaurach oder einem anderen Ort des Stiftes zu ziehen und die bewilligten Jahre zu handeln und Zins zu nehmen, aber nicht mehr als einen halben Pfennig vom Gulden pro Woche. — Sollte ihm die Entrichtung der 150 Gulden zu schwer fallen, so kann er jederzeit mit Hab und Gut fortziehen. Er mag sich auch päpstlicher und kaiserlicher Privilegien, wie andere Juden im heiligen Reich, erfreuen und behelfen. — Sollte sich Georg Friedrich Markgraf von Brandenburg oder der Rath von Nürnberg, die mit uns wegen der Obrigkeit zu Fürth Irrungen 1) S. Hae nie: Geschichte der Juden in Ansbach S. 149 ff. 2) Würfel: Historische Nachricht von der Judengemeinve Fürth S. 4 und 87. s) Haenle: a. a. O. S. 83 und 217. ■ * 2 * 4 5) Haim von Auerbach ist ohne Zweifel identisch mit dem von Haenle a. a. O. S. 84 genannten Heimann von Regensburg. Da die letztere Ortsangabe auf einem sehr dürftigen Extrakt im Nürnberger Kreisarchiv: „Judenhandlung v. I. 1822 -1593" (angeführt bei Haenle S. 83 Anmerk. 3), das auch mir Vorgelegen, beruht, möchte ich dieselbe auf Grund wiederholter Angaben in den Kopialbüchern (Nr. 15III bis Nr. 171) des Bamberger Kreisarchivs hierdurch berichtigen. 5) Fürstbischof Weigand v. Redwitz regierte 1522—1556.

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