Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1894)
- Date
- 1894-06-22
- Page
- Seite 300 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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«MW-WHC'«UV*^■- - ,; ) »• -t^^ir^r,.if^-IM fc-£-r- - 300 - Derartige spontane Anträge, aus denen möglicher Weise große Verbindlichkeiten entstehen, sind oft gefährlich, und gerade der vorliegende Antrag zeigte, wie jeder Jnitiativ-Antrag der Vorbereitung bedarf und mit wie großem Rechte von den Antragstellern erwartet werden muß, daß sie sich vorher mit dem Inhalt der Akten vertraut machen Nach meiner Ueberzeugung ist der Vorstand diesen Ueberraschungen, welche leicht zum Nachtheil der Verwaltung gereichen können, in durchaus angemessener und keineswegs in animoser Weise entgegengetreten. Er hat stch, wie der Vertreter sagte, seine Entschließung über die materielle Frage Vorbehalten, da sich noch nicht übersehen läßt, ob die Verwaltung, nicht in späterer Zeit bei ausgedehnteren Räumlichkeiten und reichlicheren Zuwendungen auf diese Angelegenheit zurückkommen wird. In der mündlichen Begründung hat der Vorstand, soweit ich mich erinnere, noch geltend gemacht, daß er sich für jetzt mit dem Inhalt der Resolution nicht einverstanden erklären könne, „weil der Zuschuß für das Krankenhaus aus Gemeindemitteln bereits ein so bedeutender sei, daß die Verwaltung auf Ersparnisse, nicht auf Vermehrung der Ausgaben bedacht sein müsse, daß sie alles Interesse habe, zunächst Sorge dafür zu tragen; daß durch die Gewährung größeren Raums für Kranke die Ansteckungsgefahr für dieselben vermindert werde, daß dem Dienstpersonal angemessenere. Räume als die jetzigen angewiesen würden und daß endlich eine religiöse Gemeinschaft nicht die Verpflichtung habe, ein Krankenhaus für alle Arten von Krankheiten zu unterhalten." Der Vorsitzende des Krankenhauses Herr L. Sachs machte auch noch darauf aufmerksam, daß sowohl in den inneren wie äußeren Stationen vielfach Frauen ausgenommen würden, auch bei sogenannten Frauenkrankheiten, daß aber die Errichtung einer gynäkologischen Station bei^ der Beschränktheit der Räume mit Rücksicht auf die Gefahr der Ansteckung nach dem Gutachten der Aerzte „nicht ohne Bedenken" sei, und daß schließlich eine Entbindungsanstalt dazu gehöre Herr Dr. B. wünscht die Ausschließung der syphilitischen Kranken, um Raum für die gynäkologische Station zu gewinnen. Auf diese Spezialfrage ist man, so viel mir bekannt, bisher nicht eingegangen. Ob durch die Aufnahme solcher Kranken nicht der Gesammtheit ein großer Gewinn in sanitärer Beziehung entsteht, muß sachverständigem Gutachten überlassen bleiben. Die Heranziehung der Unterstützung von; 600 Mark dürfte aber als eine glückliche kaum angesehen werden. Die Ersparniß, welche die Gemeinde auf der einen Seite gehabt hätte, würde durch die dauernden Kosten einer besonderen Station vielfach ausgewogen sein. Mit .gleichem Rechte könnte die Errichtung einer Station für Augenkranke und andere Kranke, welche keine Aufnahme finden können, gefordert werden. Herr Dr. B. kommt auch auf das Stück Land hinter dem Grundstücke Oranienburgerstr. 31 zurück. Denn die Sachlage ist, wie mir von Kollegen des Herrn Dr. B. mitgetheilt wird, einfach folgende: Ein Wohlthäter S. hatte für das Krankenhaus zum Bau einer Baracke 100,000 Mark geschenkt. Die Gemeinde hatte sich bereit erklärt, zu diesem Zwecke die bezeichnete Baracke herzugeben, unter der Bedingung, daß ihr keinerlei Kosten durch die Neu-Einrichtung entständen. Inzwischen hatte ein anderer Wohlthäter, Herr Moritz Manheimer, eine halbe Million Mark der Gemeinde unter der Bedingung geschenkt, daß das jetzige Siechenhaus von den Siechen geräumt werde und den Zwecken des .Krankenhauses dienen solle; ferner, daß die Gemeinde das ganze Grundstück Oranienburgerstr. 31 dem Siechenhaus überlasse. Diese Manheimer'sche Schenkung ist unter den angegebenen Bedingungen vom Krankenhaus-Vorstande, dem Siechenhaus-Vorstande und den beiden Gemeindebehörden genehmigt, das Krankenhaus hat auf die betreffende Parzelle verzichtet, der Bau einer Baracke unterbleibt, das hierfür bestimmte Geld ist von dem Geschenkgeber S. für andere Zwecke des Krankenhauses bewilligt. Dies ist so ziemlich Alles, was ich zur Beantwortung der obigen Ausführungen mitzutheilen habe. Berlin, 16. Juni. Ergebenst H. Blankenburg. * Sehr geehrter Herr Redakteur! <^X^er Hinweis des Herrn Rabbiner Dr. Kodak in Nr. 24 d. Bl., daß <32 der Ausdruck £3 alle Menschen ohne Ausnahme umfaßt, ist nicht neu. Schon I. B. Levinsohn in seinem Efeß Damim verweist auf diese Stelle in Exodus 11, 2, wie auf die in Richter 14, 11, wo dreißig Jünglinge der Pelischtim als fiiJPnö bezeichnet werden. Als Ergänzung erlaube ich mir noch Folgendes zu bemerken: An das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" knüpft bekanntlich der Talmud die Bemerkung: „Was du nicht willst, daß man dir thut, füge auch deinem Nächsten nicht zu." Unter 32N aber ist ebenso gut ein Heide wie ein Jude zu verstehen. (Siehe Hilchoth Derech Erez Abschnitt 3; Beth Jehuda von I. B. Levinsohn, Abschnitt 60.) Ebenso ist unter der Benennung Bruder, wie z. B.: „Du sollst deinen Bruder in deinem Herzen nicht hassen", jeder Mensch zu verstehen. Wir finden (Könige 1, Kap. 20, 32), daß Achab, der König von Israel, den Beu Hadad Bruder nennt. Mit vorzüglicher Hochachtung Pankow bei Berlin, 17. Juni. Albert Katz. Sehr geehrter Herr Doktor! ^ln Nr. 24 der „Allg. Ztg. d. Judenthums" sagt Herr Dr. Löhren, Schriftführer der Achawa: „B. scheint nichts davon zu wissen, daß schon seit dreißig Jahren ein Verein besteht, der der von ihm gewünschten Centralkasse entspricht. Die Bemerkungen Becker's sind leider wieder ein Beweis dafür, daß die Bestrebungen unserer Achawa, besonders im Osten, nicht bekannt genug sind." Wollen Sie gefl. mit dieser Behauptung des Herrn Dr. L. das vergleichen, was ich bereits in Nr. 3 des „Jeschurun" von 1890, N. 46, in welcher ich zum ersten Male von dem D.-J. L.-B. gesprochen habe, geschrieben habe: „Es ist also nothwendig, daß eine allgemeine Unterstützungs- und Darlehnskaffe für alle jüdischen öffentlichen Volksschullehrer und Kultusbeamte des Deutschen Reiches mit dem Deutsch-Israelitischen Lehrerbund vereinigt werde. Diese Kasse könnte allerdings auch im Anschluß an eine bereits bestehende Kasse, z. B. die Achawa in Frankfurt a. M., oder an eine Versicherungsgesellschaft, z. B. die „Viktoria", geschehen" (soll heißen „gegründet werden", war a. a. O. ein Druckfehler). Wollstein, 15. Mai. Ergebenst Hermann Becker * Geehrter Herr Redakteur! u dem angeblichen Ausschluß jüdischer Badegäste aus einzelnen Bädern erlaube ich mir Ihnen Folgendes mitzutheilen: In verschiedenen antisemitischen Blättern war folgende Notiz enthalten: „Das Beispiel des Ostseebades Zinnowitz und des Nordseebades Borkum, in denen man stch bisher von jüdischen Gästen freizuhalten verstand, findet zu unserer Freude Nachahmung." Hierauf richtete ein jüdischer Kaufmann, der sonst alljährlich das Bad Zinnowitz besucht hat. eine Anfrage an die Ladedirektion. Die eingegangene Antwort lautet wörtlich: „Badedirektion Zinnowitz, den 15. Mai 1894. Herrn P. P. Die mir übersandte Zeitungsnotiz giebt die Eindrücke wieder, die ein seit etwa zehn Jahren unser Bad besuchender Kurgast hier erhalten. Ergebenst Dr. Friedel." Charakteristisch ist der Inhalt des Briefes, den ein Eigenthümer aus Zinnowitz dem beregten jüdischen Kaufmann auf dessen Mittheilung, daß er unter den bewandten Umständen von dem Besuch von Zinnowitz absehen müsse, geschrieben hat. Es heißt in diesem Briefe: „Ich bin nach Empfang Ihres Schreibens sofort zur Gemeinde gegangen. Keiner weiß davon ein Wort und wollen vor Schreck aus den Wolken fallen über solche bodenlose. Deshalb bin ich beauftragt. Sie höflichst zu bitten, mir die Bestätigung, die Sie von der Direktion erhalten haben, zu senden, denn das kann auf diese Art nicht so weiter gehen .... Sie werden uns stets willkommene Kurgäste sein. pp. Unterschrift." Ergebenst Dr. S. Krön. * ch ersuche Sie, in nächster Nummer folgende Berichtigung zu bringen: Der Name des Künstlers, von dem Sie in vorletzter Nummer mittheilten, daß er den ersten Preis an der Königlichen Akademie der Künste errungen habe, ist nicht Henrik Glückenstein, sondern Henrik Gl i een st ein. Hochachtungsvoll München. F. Pele. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.