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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-22 · Heft 25 (22.6.1894) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 25 (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 „Hoch — hoch das Brautpaar! tönte es jubelnd von allen Seiten. Nur Kantor Bartenstein stimmte nicht freudig ein. Er fürchtete für seine Vermittlerprovision. Aber man hat sie ihm doch nicht vorenthalten, obwohl die Liebe es war, die dieses Paar zusammenführte. ... Längst ist aus dem Brautpaar ein glückliches Ehepaar geworden. Der Streit um die Orgel aber dauert immer noch fort. <^sä Bcr Salon 1894. Eine Nachlese von M. Friedeberg. ie haben Recht, wenn Sie es nicht richtig finden, daß ich in meiner Uebersicht (siehe Nr. 21) hierhergehörige Werke wie Th. Eifert, Berlin: „Moses und Aron fordern von Pharao den Auszug der Juden aus Aegypten", A. Küster: „Die Synagoge in Nürnberg" (Nr. 931) und ähnliche übersehe» habe. Andererseits freut es mich, daß Sie mir Gelegenheit geben wollen, auch über mehr als ein Dutzend jüdische Maler und Bildhauer, sowie Meister im Kuustgewerbe, die mit anerkenneswerthen Arbeiten vor dem kritischen Auge der Aufnahme-Kommission Gnade gesunden haben, hier nachträglich zu berichten, umsomehr als der Antisemitismus auch das neutrale Gebiet der Kunst längst nicht mehr schont. Zunächst sei hier eines gedacht, der nicht ausgestellt hat, nämlich des Meisters Max Liebermann, er gilt im Pariser Salon, wo er bereits die goldene Medaille errungen, mehr als in Berliner „höheren" kunstakademischen Regionen. Das ist auch ein Stück Zeitgeschichte. Die meisten jüngeren Künstler und das unbefangene kunstverständige Publikum wissen, daß Max Liebermann der Maler der Zukunft ist, daß seine Bilder auf der Höhe des sozialen Zritbewußtseins stehen und daß er es nicht nöthig hat, beispielsweise sein letztes in Berlin privatim ausgestelltes Bild, das einen Pariser Brasserie-Garten darstellt, hier unter dem Mittelgut der Mode zu verstecken. Mode ist nämlich augenblicklich in Berlin nicht mehr der Realismus eines Menzel und der Naturalismus seiner zum Theil übereifrigen Nacheiferer, sondern dessen Extrem, derMystizismus oder, wie ihn die Maler und die Tagespresse nennen, der S y m b o l i s m u s. Ein Extrem schlägt häufig in das andere um, und so ist aus dem ausgearteten Naturalismus, der Tagesstimmung vorspukend, dieses jedem klaren Sinn unangenehme Nachtgespenst entstanden, dem augenblicklich so viel Weihrauch gestreut wird. Wir als Juden haben leider noch ein besonderes Interesse zur Sache. Wenn Jemand auf der Pfaueninsel oder sonstwo die Erlaubniß erhalten hat, eine Aktstudie in paradiesischer Hüllenlosigkeit im Freien zu malen, so beliebt er, sich des alten Testaments zu erinnern, nennt das Bild „Adam und Eva" oder im „Garten Eden" und schickt die technisch oft sehr hervorragende Arbeit auf die große Kunstausstellung. Einer der Symbolisten gehört sogar der jetzigen Jury an. Was da nun Alles von Berufenen und Unberufenen in die 5—6 hier sichtbaren, derartigen Bilder, die ihre „Symbole" aus dem 1. Kapitel des 1. Buches Mose entnommen haben, hineingeheimnißt wird, das ist einfach — „mystisch". Augenblicklich ist in Berlin eine ganze Partei au der Arbeit, die Bibel aus dem modernen Zeitbewußtsein hinauszuschaffen, und so könnte sich das „Volk der Bibel" eigentlich mit den Symbolisten freuen, umsomehr als es keine Pfuscher, sondern hochbegabte Künstler sind, die uns in Müller-Schönfeld, „Paradies" (Nr. 1179) und „Adam und Eva" (Nr. 1180), sowie in dem von dem Verein der Berliner Künstler in die Jury gewühlten H. Looschen („Im Garten Eden") gegenübertreten. Jndeß die „Botschaft hör' ich wohl, doch leider fehlt der Glaube", will sagen - das klare Verständniß der Bibel, uiid wenn sich auch gegen die Keuschheit der hier ausgestellten mythischen Umdeutnngen der Genesis nichts sagen läßt, so fürchten wir wenigstens noch mehr als die Ausschreitungen des Naturalismus Exzesse seitens des Mode gewordenen Synibolismus, der die Bibel als Krücke benutzt. Wir kehren gemeinsam zur Natur zurück, wenn wir das Bild von Carl Ludwig-Berlin „Judenkirchhof im schwäbischen Jura" betrachten. Die Majestät des Todes steht über allem irdischen Schein. — In der 4. Abtheilung des Salons, welche die Baukunst einschließt, finden wir den von Crem er und Wolfenstein-Berlin ausgestellten Entwurf zu einer neuen Synagoge in Königsberg i. Pr. Unter Nr. 2119 des Katalogs begegnet uns hier auch eine Ansicht des Allerheiligsten der Synagoge in der Lindenstraße zu Berlin, ebenfalls von den genannten Baumeister». — In der 5. Abtheilung „Kunstgewerbe" befindet sich die Kollektion der Hofjuweliere Gebrüder Friedländer, darunter ein Wandschild mit einer in Silber getriebenen Arbeit, den Herbst darstellend, ferner eine Reiterstatne des Kaisers in Silber nach einem Modell von Bildhauer Fuchs; auch die Hossilberschmiede in Firma Lazarus Posen's Wwe. haben eine interessante Kollektion von Silberarbeiten angestellt. — In der Skulptnren-Galerie erfreut uns Peter Breuer's „Adam und Eva" in seiner keuschen Klarheit. F. Hausmann- Frankfurt a. M. giebt die Büste des Herrn Leopold Sonneniann, H. Hausniann-Berlin hat eine „Judith", Hans Latt eine Statuette „Bath-Seba" ausgestellt. Carl Pracht-Berlin modellirte einen Sim son. Rudolf Schweinitz schuf eine E v a in Marmor. Besonders interessant war uns in dieser Abtheilung das Gypsmodell „Am Wege" von Hugo Rheinhold iu Berlin, das auch die Auszeichnung erfahren hat, von der königlichen Nationalgalerie angekauft zu werden. H. Rheinhold war bis vor wenigen Jahren Rendant des „deutsch-israelitischen Gemeindebundes" und ist noch heute eines der eifrigsten Ausschuß-Mitglieder. Der Bildhauerkunst hat er sich erst seit einigen Jahren gewidmet, aber mit Eifer und Begabung — wie dieser wohlverdiente Erfolg zeigt! Wir erlvähnen noch die Psyche von ArthurLevin-Berlin und kehren dann in die Gemäldegalerie zurück, um zunächst dem bisher übersehenen hunioristischen Genre noch einen Blick zu schenken. Ich zweifle fast, ob Sie diesen Dingen Aufnahme gewähren wollen, denn ein Freund bemerkte nicht ohne Anerkennung Ihrer Objektivität erst neulich, daß der Herausgeber der großen kritischen Heine-Ausgabe und der Redakteur dieser Blätter eigentlich zwei verschiedene Personen darstellen. Und doch ist es nicht gleichgiltig in heutiger Zeit, daß ein einziges Lied Heinrich Heine's hier ztvei Meister zu bemerkenswerthen Arbeiten inspirirt hat. Ein Gemälde von Anton v. Werner trägt die Bezeichnung „Das Meer erglänzte weit hinaus. . desgleichen eine Landschaft von PH. Franck. Sie finden beide Bilder auch im illustrirten Katalog in guten Nachbildungen. Das erstgenannte ist ein Kabinetsstück des Humors. Die beiden Bilder sind in ihrer Art auch ein Heine-Denkmal. Doch eilen wir zum Schluß unserer Skizze. David Be er-Berlin malte „Die Diva" (Nr. 89), Camilla Friedländer-Wien „Orientalische Gegenstände" (Nr. 476), in Nr. 490 stellte uns der gefeierte Orientmaler Jsmael Gentz eine Freitag-Abendandacht in Tripolis vor, Martha Jacobi-Berlin hat „Nelken aus dem Engadin" ausgestellt. Dem Genre gehören die Werke von Max Kahn-Paris „Beim Kaffeemahlen" und das hübsche Bild „Die kleineHossängerin" von Otto Marcus an, welches ein armes Kind darstellt, das auf dem Hofe einer Miethskaserne aus Noth „singt". Porträts wären zu erwählten von E. Edel in Charlotteuburg,

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