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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-15 · Heft 24 (15.6.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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auf den Freitag Nachmittag eine kurze Ansprache, worauf Herr Rabbiner Dr. Frank aus Köln, ein Verwandter des Verblichenen, in ausgezeichnete? Rede ein abgerundetes Lebensbild des Heimgegangenen entwarf. Als Bürger, Mensch, Israelit und Familienhaupt wirkte und schaffte der unermüdliche Verklärte zum Segen seiner Vaterstadt und des ganzen Kreises, seiner Gemeinde und seines Familienhauses. Sein gemeinnütziges Wirken fand auch an Allerhöchster Stelle Anerkennung, da der Kaiser ihm vor drei Jahren, als er aus Gesundheitsrücksichten einen Theil seiner Ehrenämter niederlegen mußte, den Kronenorden verlieh Treu gegen das Judenthum und seine strengen Anforderungen, treu gegen die Seinen, treu gegen seine Nebenmenschen, schloß er sein Leben, das frei von jedem Makel, beispielgebend und anspornend im Andenken der Mit- und Nachwelt festgehalten werden wird. ▲ Lüneburg, 7. Juni. Der gestrige Tag war für die hiesige israelitische Gemeinde ein bedeutungsvoller, ein hoher Festtag. An ihm wurde die nach den Entwürfen des Stadtbaumeisters Rich. Kampf in schönstem gothischen Style erbaute Synagoge, zu welcher am 1. September 1892 der Grundstein in feierlicher Weise gelegt worden war, eingeweiht. Zu der Feier, welche Nachmittags 4 Uhr stattfand, waren Einladungen an die Spitzen der königlichen und städtischen Behörden, die Bürgervorsteher, die beim Bau betheiligten Handwerksmeister und die Vertreter der Presse ergangen, die alle der Einladung gefolgt waren und sich zur festgesetzten Zeit in dem von zahlreichem Publikum umstandenen Garten des neuen israelitischen Gotteshauses eingefunden hatten. Herr Reg.-Präsident von Colmar, Herr Geh. Regierungsrath Meier, Hr. Geh Negierungsrath Lauenstein, Hr. Oberbürgermeister Kefer-- stein, der gesammte Magistrat und das Bürgervorsteher-Kollegium u. A. waren erschienen. Nachdem um 4 Uhr Gemeindemitglieder mit dem aus dem früheren Gotteshause abgeholten Thorarolleu eiugetroffen und am Garteneiugang von Herrn Landrabbiner Dr. Grone mann, aus Hannover mit Segensspruch begrüßt waren, fand die Eröffnung der Synagoge in der Weise statt, daß Herr Stadtbaumeister Kampf mit einer kurzen Ansprache den Schlüssel zum neuen Gotteshause Herrn Markus Heinemann, dem Vorsteher der Gemeinde, übergab, der ihn seinerseits wiederum Herrn Oberbürgermeister Keferstein überreichte und das zur Ehre des allmächtigen Gottes errichtete Haus dem Schutze der Stadt und der Bürgerschaft anvertraute. Herr Oberbürgermeister Keserstein erwiederte in kurzer Rede und händigte den Schlüssel Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann ein, der die Synagoge aufschloß und gefolgt vom Vorbeter, .Herrn Philipp, und den Trägern der Thorarollen, den Einzug in dieselbe hielt. Die Gäste, sowie die Gemeindemitglieder folgten, und während in dem prächtigen Raume die Männer Platz nahmen, thaten ein Gleiches die zahlreich erschienenen Damen auf den' beiden Frauenemporen Eröffnet wurde die Feier mit dem Chorgesang Mah towu, „Wie lieblich sind Deine Zelte, Jakob, Deine Wohnungen, Israel." Dann erfolgte der Rundgang mit den Thorarollen. Hierauf betrat Herr Landrabbiner Dr. Gronemann die Kanzel, ein schlichtes Betpult vor dem Allerheiligsten, und hielt die Festpredigt, welche einen tiefen Eindruck hcrvorbrachte. deren Inhalt von der Erhebung zu Gott handelte und sich an die Stelle der heiligen Schrift: 2. Mose 19, die Begegnung Mosis mit Gott auf dem Berge Sinai, anlehnte, wobei der Redner besonders hervorhob, daß auch in gleicher Weise die Erhebung zu Gott es gewesen, die das herrliche Bauwerk, nunmehr eine bleibende Stätte für die Gemeinde, geschaffen habe. Der Predigt folgte das Gebet für den Kaiser, das kaiserliche Haus, die Stadt, die Gemeinde und ihre Vertreter, die Förderer des Baues, die Bauleute und das Haus selbst. Ein Chorgesang Hodu ladonai und das Halleluja bildeten den Schluß der Feier. # Gondershausen, 12. Juni. Am 27. Juni begeht der hiesige Rabbiner, Professor Philipp Heiden heim, seinen 80. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Gleichzeitig feiert der würdige Greis das sechzigjährige Jubiläum seines Wirkens in der hiesigen jüdischen Gemeinde. Fünfundvierzig Jahre war er Lehrer der fürstlichen Realschule, und unterrichtete in Prima und Sekunda Mathematik, Geschichte, Litteratur und deutsche Aufsätze. Ein Augenleiden zwanz ihn vor einigen Jahren, dem Berufe als Lehrer zu entsagen Den vielen Schülern und Zöglingen, die in seinem Hause erzogen wurden, wird es eine Freude sein, von dem Ehrentag ihres würdigen Lehrers Kunde zu erhalten. X Frankfurt a. M., 8. Juni. Soeben ist der ausführliche Bericht über die Verhandlungen der am Sonntag den 18.März 1894 in Frankfurt a. M, in den Räumen der Frankfurt-Loge II. 0. 6. B. abgehaltenen Delegirten-Versammlung israelitischer Gemeinden und Unterstützungs-Vereine erschienen. Außer den sehr zahlreich erschienenen Vereins-Mitgliedern und Vertretern hiesiger israelitischer Wohlthätigkeits-Anstalten, sowie des hiesigen Gemeinde-Vorstandes und -Ausschusses waren Delegirte anwesend: von Frankfurt a. M, Wiesbaden, Mainz, Mannheim, Heidelberg, Wörms, Gießen, Marburg, Aschaffenburg, Schlüchtern, Darmstadt und Offenbach. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung war laut Antrag des israelitischen Hilssvereins Frankfurt a. M., die Gründung eines Verbandes mit einer' Centralstelle. Von besonderem Werth war das Referat des Herrn Samuel Uhlfelder über den Wunderbettel, der in diesem Bericht in extenso abgedruckt ist. Nach längerer Debatte werden die folgenden wichtigsten Bestimmungen angenommen. 1. Die in heutiger Versammlung durch Delegirte vertretenen Gemeinden und Unterstützungs-Vereine bilden einen Verband zur Einschränkung des Wanderbettels durch Regelung des Unterstützungswesens. 2. Dem Verbände ungehörige Gemeinden, in denen Vereine oder gesonderte Kassen zur Unterstützung der Wanderbettler nicht bestehen, sollen sich bemühen, solche * baldmöglichst zu errichten. 3. Es soll eine Centralstelle mit dem Sitze in Frankfurt a. M errichtet werden. 5. Die Vereine und Kassen sollen über die bei ihnen erscheinenden Wanderbettler thunlichst genaue Aufzeichnungen machen, welche Namen, Alter, Geburtsort, Nationalität, Familienstand und Gewerbe der Unterstützungs - Suchenden enthalten. Ferner sollen darin deren Herkunft, Reiseziel, Zweck der Reise und Betrag der gewährten Unterstützung aufgeführt sein, sowie die Art der Ausweise, Pässe und Zeugnisse; auch die Ergebnisse der Ermittelungen, die über Charakter und Würdigkeit angestellt worden sind. 6. Dem Verbände ungehörige Vereine sollen sofort Mittheilung an die übrigen Verbands-Vereine in allen Fällen machen, in welchen sich ein Zweifel an der Person des Vorzeigers von Legitimationspapieren und deren Richtigkeit ergiebt, oder in welchen die Unwürdigkeit des Petenten festgestellt wird. a. Aus der Pfalz, 12. Juni. Nachdem kurz vorher Prinz Ludwig . von Bayern auf seiner Reise durch die Pfalz in Kaiserslautern-Neustadt, wie auch in Landau die Synagogen besichtigte, hat nun auch dessen erlauchter Vater, der Prinzregent Luitpold, dieselben mit seinem hohen Besuche beehrt. Namentlich gestaltete sich die Besichtigung der Synagoge in Kaiserslautern und der Aufenthalt darin zu einem feierlichen und eindrucksvollen Akte. Nachdem der Bezirks-Rabbiner, Herr Dr. Landsberg, auf dem Perron des Bahnhofes unter den anderen, zu diesem Zwecke befohlenen Herren dem Prinzregenten vorgestellt war, erschien Letzterer mit seinem großen und glänzenden Gefolge am Portale der neuen Synagoge, empfangen von der Gemeindevertretung und dem Rabbiner, der eine feierliche Ansprache an den Prinzregenten hielt. Sichtlich bewegt und erfreut dankte der hohe Herr für die weithin vernehmliche und herzliche Ansprache des Rabbiners mit den Worten: „Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre patriotische Ansprache", und ließ sich die Herren des Gemeindevorstandes vorstellen, mit denen er gleichfalls einige freundliche Worte wechselte, und betrat, begleitet von dem Rabbiner und dem ganzen Gefolge die Synagoge, in der ein Orgel- Präludium ihn empfing. In beständiger, recht leutseliger Unterhaltung mit dem Rabbiner durchschritt der Regent die festlich erleuchtete Synagoge bis zum Vorbeterpult. Nachdem der Herr Rabbiner sich die Erlaubniß erbeten, die „heilige Lade" öffnen und „als Zeichen des Dankes für den hohen Besuch der Gottesstätte ein Gebet sprechen zu dürfen", bestieg er bei geöffneter Lade mit der herausgehobenen Thora in der Hand die Kanzel und sprach unter der gespanntesten Aufmerksamkeit der ganzen Corona ein Gebet für das Wohl des Herrscherhauses, das auf den Regenten einen tiefen Eindruck hervorbrachte Der Prinzregeut kam nun dem Redner, als derselbe von der Kanzel stieg, ernst lächelnd entgegen, reichte ihm die Hand und bedankte sich für „das schöne Gebet". Die Orgel ertönte und der Regent stcind noch da in tiefer Unterhaltung mit dem Rabbiner, ließ sich Manches erklären und schritt die Stufen vor dem Vorbeterpult herab, reichte beim Herausgehen aus der Synagoge nochmals dem Rabbiner die Hand, erkundigte sich nach den Verhältnissen der Gemeinde und nach der Dauer der Wirksamkeit des Rabbiners, sowie nach beffeu Geburtsort re. rc. und verab-

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