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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-15 · Heft 24 (15.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 15. Juni 1894. 'nmujtguUl.jyrjT,c"S—»v ^jww^wwpww' v - ‘W’*' *” " "* 58. Jahrgang. Nr. 24. Wer tage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Dentschland. §L Berlin, 13. Juni. Zum Kapitel von den jüdischen Stiftungen wird die folgende Mittheilung nicht ohne Interesse sein. Die politischen Blätter berichten nämlich von 39 sehr bedeutenden Legaten, die der Stadt Berlin testamentarisch zugesagt, aber noch nicht in Wirksamkeit getreten sind. Darunter finden wir auch die folgenden: die Heinrich Friedeberg-Stiftung mit 300,000 M, zur Unterstützung Hilfsbedürftiger, die Rentier Wilhelm Lev in-Stiftung mit 780,000 M. will Arme und uneheliche Kinder unterstützen. Aus der Bleichröder- Stiftung mit 1 Million Mark sollen hilfsbedürftige Kranke, auch speziell kranke Kinder, Unterkunft, Pflege und Unterstützung erhalten. Seit 1. Mai ist eine eigene städtische Stiftungsdeputation ins Leben getreten. Zu monatlich laufenden Unterstützungen dient die v. Blei chr öd er - Schenkung mit 3570 M. Zu einmaligen Unterstützungen sind bestimmt die Zinsen des Herzschen Fonds (240 M.), die P ad er st ein-Stiftung zum Ankauf von Nähmaschinen für hilfsbedürftige Bewohnerinnen Berlins (1080 M.), die Plantsche-Stiftung (1065 M.), die Therese Wolfs-Stiftung (1600 M.), Emilie Wolfs-Lev in-Stiftung (1500 M.) Auf .diese Stiftungen bezügliche Bewerbungen sind nicht mehr an die Armendirektion, sondern an die städtische Stiftungs-Deputation zu richten. * Berlin, 13. Juni. Nach den neuesten Erhebungen betrug in den Einkommenssätzen von 1500 M. und darüber im Steuerjahr 1893/94 für die evangelische Landeskirche (82,43 pCt. der Gesammtbevölkerung) das Staatseinkommensteuersoll 55,97 pCt., für die Katholiken (8,58 pCt. der Bevölkerung) 4,21 pCt., für die Juden (5,02 pCt. der Bevölkerung) 32,53 pCt. Z. Allenstein, 7. Juni. In unserer Zeit, in der dem jüdischen Religionsunterricht von vielen Seiten nur geringe Beachtung geschenkt wird, ist es wohl von besonderem Interesse, zu erfahren, wenn demselben auch einmal von Regierungsseite öffentlich Anerkennung gezollt wird. Am 25. v. Mts. erschien in früher Morgenstunde zwischen 7—8 Uhr zur Jnspizirung unserer höheren Töchterschule der Regierungs¬ und Schulrath Herr Klösel, begleitet von dem Kreisschulinspektor Herrn Spohn und dem Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Hassenstein, um dem in dieser Stunde durch unseren Religionslehrer Herrn Kantor Caro ertheilten Religionsunterricht beizuwohnen. Alle drei Herren hörten mit Interesse den Unterricht und waren über die Antworten der Schülerinnen überrascht. Sowohl im Wissen als auch im Betragen war ersichtlich, mit welchem Fleiß und Ernst Lehrer und Schülerinnen für ihre heilige Aufgabe durchdrungen find. Mit Worten des Dankes dem Lehrer gegenüber verließen die drei Herren befriedigt das Schulzimmer, in welchem der jüdische Religionsunterricht obligatorisch von Herrn Rabbiner Dr. Olitzki und Kantor Caro ertheilt wird. 1k Bereut, 10. Juni. Die Urheberin des Gerüchts über einen angeblichen „Ritualmord" stand dieser Tage vor dem hiesigen Schöffengericht. Die Wittwe Herrmann hatte sich, wie die Danziger Ztg. berichtet, wegen Erregung ruhestörenden Lärms und Verübung groben Unfugs zu verantworten, weil sie im April durch ihr Geschrei, „die Juden hätten ihr Kind geschlachtet" (dasselbe hatte bekanntlich eine Ziege zum Kaufe ausgeboten und fich dabei lange aufgehalten), einen großen Menschenauflauf verursacht hatte. Die Beschuldigte hatte gegen den auf fünf Tage Haft lautenden richterlichen Strafbefehl Einspruch erhoben und auf Hauptverhandlung angetragen. Da der Einspruch nach Anficht des Gerichts frivol erhoben war und die Beschuldigte auch nicht das Geringste zu ihrer Vertheidigung an führen konnte, so erhöhte das Gericht dem Anträge der Anklagebehörde gemäß die Strafe auf zwei Wochen Haft 4. Dt. Krone, 4. Juni. Am 24. Mai feierte das allgemein geachtete und beliebte Lehrer G. Brann'sche Ehepaar das Fest der Silbernen Hochzeit. Schon am Abend vorher brachte der Synagogen- Gesangverein unter Leitung des Herrn Kantors Helischkowski ein Ständchen in der Wohnung des Jubilars und überreichte dort eine frühere Schülerin des Jubilars im Aufträge des Vereins eine schöne Blumenjardiniere. Am Festtage selbst konnte man Augenzeuge sein, in welcher Liebe und Achtung das Jubelpaar hier steht, denn zahlreiche Gratulanten fanden sich zur Beglückwünschung ein. Wir sahen die Repräsentanten, den Vorstand der Gemeinde in corpore, den Vorstand der Chebra Kadischa, der eine schön ausgeführte Adresse überreichte, den Vorstand des Gewerbe-Vereins, dessen Vorsitzender der Jubilar lange Jahre gewesen, u. A. Mögen alle die Wünsche, die dem Jubelpaar dargebracht worden, in Erfüllung gehen. pl. Aus der Provinz Posen, im Juni. Die Königl. Negierung zu Posen hat. den Beschluß der Synagogengemeinde-Vertretung in Krotoschin, die dortige Synagoge einer eingehenden Renovirung zu unterwerfen und in dieselbe eine Orgel einzuführen, genehmigt. Die dadurch entstandenen Ausgaben belaufen sich auf 45,000 Mark. Mit der Ausführung der Arbeiten ist bereits begonnen worden. Mit dieser eben erwähnten Orgeleinführung ist die Zahl derselben innerhalb der israelitischen Gotteshäuser in der Provinz Posen auf drei gestiegen, da außer dieser sich eine solche nur in dem Tempel der Brüdergemeinde zu Posen und in der Hauptsynagoge zu Bromberg befindet. Sicherem Vernehmen nach hat in Folge dieser Umgestaltung des Gottesdienstwesens der bisherige Rabbiner der Krotoschiner Gemeinde, Herr Dr. Banet, da er der streng orthodoxen Richtung angehört, seinen Vertrag mit der Gemeinde gekündigt mit dem Bemerken, in derselben nur bis zur Einweihung der renovirten Synagoge zu verbleiben. — Am 4. Juni er. feierten die Lippmann Todtmann'schen Eheleute in Kobylin das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar — der Jubelbräutigam steht im 95. Lebensjahr — erfreut sich trotz der Last der Jahre noch einer ziemlichen Rüstigkeit. — Auch in diesem Jahre werden in sehr vielen Gemeinden der Provinz viele Ferienkolonisten, welche vom Centralverein für Ferienkolonien in Berlin unter Leitung des Herrn Adolf Mayer verschickt werden, über die bevorstehenden Sommerferien untergebracht. Wie wir hören, hat Herr Oberkantor Sarason aus Stettin, der in den letzten Tagen dieferhalb eine Anzahl Städte der Provinz besucht hat, mit erfreulichem Erfolge gearbeitet. Wie verlautet, haben in den jüdischen Gemeinden Ostrowo, Pleschen, Krotoschin, Wreschen und Samter allein mehr als 100 Kinder Unterkommen gefunden. In allen diesen Gemeinden beabsichtigen die Lehrer derselben für eine recht zweckmäßige Zerstreuung der Kinder während der Ferien nach Kräften zu sorgen. — In Fraustadt wurde in dieser Woche an Stelle der Herren N. Cohn, der nach Breslau verzogen, und W. Japhta, die Herren Destillateur Carl Fuchs und Kaufmann Max Gothels in den Vorstand der israelitischen Gemeinde gewählt. — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Gnesen hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Korporationsbeitrag für das diesjährige letzte Quartal den Gemeindemitgliedern zu erlassen, da gegenwärtig ein guter Kassenbestand vorhanden ist und in dieser Zeit keine besonderen Ausgaben zu decken sind. (Dies Beispiel verdient Nachahmung!) Kempen (Posen), 8. Juni. Einen würdigen Mann, einen verdienstvollen Bürger, einen gläubigen Juden hat man heute zur letzten Ruhe geleitet. Herr Isidor Wieruszowski, Ritter des Kronenordens, Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, dann des Magistrats und später Beigeordneter, Vertreter der Stadt im Kreistage, Schatzmeister des vaterländischen Frauenvereins und Mitglied vieler kreisständischer und städtischer Kommissionen, war im Alter von 65 Jahren gestorben Alle Stände, alle Klassen der Bevölkerung erwiesen dem höchstverdienstvollen Mann die letzte Ehre. Der Landrath, Herr v. Schele, der Bürgermeister v. Borcke und sämmtliche Stadtverordnete gingen unmittelbar hinter den Leidtragenden. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Müntz mit Rücksicht

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