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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-15 · Heft 24 (15.6.1894) · p. Seite 284

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 24 (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
Seite 284 (sequence 8)
Language
German
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^xTnrTvy&yJ&i»,*<*2*1, ^-*7 ww^w^i i-^jp;* ^«pfT11 'a,Si^ >a ^w- - H84 - ich schwerlich mehr tommen. Und so schrieb ich nun dies Buch zu Ende und veröffentliche es. Das also ist der erste Unterschied dieser Arbeit von meinen bisherigen. Ein zweiter betrifft die Tonart dieses Werkes. (Schluß folgt.) Ern Brief von Gottfried Kinkel. urch die Güte des Herrn Rabbiners Dr. Jaulus in Aachen erhielten wir einen bisher ungedruckten und sehr interessanten Brief von Gottfried Kinkel zur Veröffentlichung, den der berühmte Dichter an einen Jugendfreund, den in unseren Kreisen noch in bester Erinnerung fortlebenden Oberrabbiner Josef Kahn in Trier s. A., gerichtet hat. Kahn, der auch ein fleißiger Mitarbeiter der A. Z. d. I. war, studirte in Bonn zur Zeit, als Kinkel dort Privat dozent war. In Poppelsdorf bei Bonn arbeitete Kahn seine Preisschrift über den Propheten Sacharia aus, von der in diesem Briefe die Rede ist. 1841 wurde er zum Oberrabbiner in Trier gewählt und in dieser Stellung wirkte er Jahrzehnte lang segensreich bis zu feinem Tode. Den nachfolgenden Brief erhielt Kahn 1866 nach dem Tode seiner Frau, von Kinkel. 23 Blomfield Road, London W., 7. Januar 1866. Mein lieber alter Jugendfreund! Ihr Brief mit der Verlobungsanzeige Ihrer Bertha kam mir im Frühjahr zu, und ich wollte ihn nicht mit einer bloßen Visitenkarte abthun, sondern, wie Sie es wünschten, auch von mir etwas mittheilen. Dazu komme ich aber jetzt erst, da die Weihnachtsvakanz mir eine kleine Muße giebt. In London giebt es eben kein halbes und schlaffes Arbeiten, und während der Lehrsaison lassen Einem die Geschäftsbriefe keine Zeit" zu freundschaftlicher Korrespondenz. Ich habe jetzt einen guten Erwerb hier, obwohl ein Lehrer hier niemals große Geschäfte machen kann. Eine irgend erfolgreiche kaufmännische Thätigkeit gewährt pekuniär viel bessere Resultate Indessen ist's doch dem ärmlichen Privatdozentenleben in Bonn gegenüber eine ganz andere Stellung, nur daß wir damals bei aller Armuth und Sorge durch Jugend, Leichtsinn und fröhliche Geselligkeit ein gut Theil lustiger waren. Hier ist das Leben in Arbeit so zerstreut, da man meilenweit zu fahren hat, daß für litterarische Thätigkeit, neben dem Broderwerb, kein Raum bleibt, und weder als Poet noch Kulturhistoriker kann ich etwas leisten, einzig weil die Sammlung fehlt. Daß ich nach Deutschland noch nicht zurückkam, weil in Preußen und Baiern ich noch nicht amnestirt bin, werden Sie wissen. Vielleicht ist das gut, denn ich möchte sonst versucht werden, wieder hinüberzugehen, und doch, wo sollte ich einen loeus staväi finden? Meine geistige Unabhängigkeit habe ich vollständig behauptet, ich gehöre keiner Sekte, keiner der englischen Parteien, keiner geheimen Verbrüderung an. In den letzten Jahren, seit 1858, haben wir hier viel im deutschen Vereinswesen gethan: einen Nationalverein, Turnverein, Rechtsschutzverein, und Verein, um hier einwandernden Neulingen Auskunft zu ertheilen, gegründet; bei allen bin ich betheiligt. Auch haben wir eine deutsche gelehrte Gesellschaft aus Akademikern, Technikern, Künstlern, Kaufleuten gegründet, welche schön blüht und mich im Sommer zum zweiten Mal zum Vorsitzenden gewählt hat Ueberall, außer unter den Gelehrten, wo Politik ausgeschlossen ist, dringt die republikanische Ueberzeugung durch. Ich habe, in glücklicher Ehe mit meiner zweiten Frau, 3 große und 3 kleine Kinder. Von jenen ist der älteste schon vr. phil. und studirt jetzt in Leipzig, die Tochter eine gute Mustkerin, jetzt in Hamburg, der 2. Sohn in einem großen Telegraphengeschäft hier in Woolwich als Ingenieur. Die 3 Kleinen sind lustige und pläsirliche Dinger. So viel von mir. Die Politik hat mir ja seit 1869 recht gegeben, und die Bourgeoisie, damals mir so feindlich, wird nun von dem Junkerthum dafür gezüchtigt. Ich, wie der Russe im Sprichwort sagt, stehe am Wasser und warte auf den Wnid. Es hat mich gerührt zu hören, daß Ihre Frau gestorben ist, und gerade in denjenigen Jahren der Ehe, wo der Verlust einer Frau Einem am allerschwersten wird. Wenn Sie mir mehr von sich schreiben, schildern Sie mir auch Ihre Stellung als Rabbi zu den Parteien im Judenthum, sagen Sie mir, wie die Juden Ihrer Provinz sich politisch stellen, ob deren Lage in sozialer Hinsicht sich gebessert hat, und welche Ansicht über Emanzipation und den Fortschritt Ihrer Rel.-Gemeinschaft Sie stch gebildet haben. Obwohl ich das Hebräisch vergessen habe, bleiben .meine Interessen für diese Dinge wach, und von London hier muß ich sagen, daß die Juden im Allgemeinen als meine besten und zuverlässigsten Freunde sich gezeigt haben, und daß sie pro rata mit größerem Eifer als die Christen am Vereinswesen stch betheiligen. Gowing habe ich einmal hier bei mir gesehen, er ist der Alte, nur (weil er alle geistige Getränke aufgegeben hat) etwas langweiliger. Er hat eine Broschüre geschrieben, daß man stch den Bart nicht scheeren soll, sehr witzig in seinem alten Stil. Mit herzlichem Gruß und liebevoller Erinnerung an Poppelsdorf, die „Juddegaß", und den Propheten Zacharias, Ihr G. Kinkel. ga^3i.iMjir»niu<)iii:iKiinwiiLMmmwiiTinmiimim)rwnm<iinni>mrnniimmiiimrnniimiiimmmmmiiiimmnwmMiiig*t>a MmWMMIiMMMIMIMWIIIWWWIilllimWWWINIWWIIlIlMiiMimiiilMIWMIIM FEUILLETON!iiiiii!ttiiMiii>iii:iHtiiinriuj<iiiiiiKiinriimiiiiiminriimiiiiii!minniiiiiiig«w II-II Romeo und Julia. Eine Humoreske von Bertha Ginsberg. war keine romantische Neigung, was Willi Goldstein und Olga Silbermann zusammen geführt hatte. In derselben mittelgroßen Stadt wohnend, waren sie sich unzählige Male auf der Straße begegnet, ohne von einander Notiz zu nehmen; — bis eines Tages Herr Bortenstein bei dem Vater Olga's erschien. Herr Bartenstein war Unter-Kantor, Schächter und nebenbei eine Art Vorsehung für die heirathsfähigen mitgiftbegabten jüdischen Töchter der Stadt. Wie viele waren schon durch seinen Beistand in den Hafen der Ehe eingelaufen! Mit einem Wort: er war Heirathsvermittler. Dieser Herr kam also zu dem Vater von Olga Silbermann, der in seinem Laden stand und einer Bauersfrau mit vielem Reden und Gestikuliren einige Ellen Stoff verkaufte. „Sie wünschen, Herr Bartenstein?" „Kann ich Sie ein paar Augenblicke sprechen, Herr Silbermann?" „Gleich." — Die Bauersfrau war gegangen, Herr Silbermann übergab den Laden der Obhut seines Kommis und führte den Gast in das „Komptoir" nebenan. Der Vermittler ging ohne Umschweife auf die Hauptsache los. Er verschwendete seine kostbare Zeit nicht gern mit Vorreden. „Wie viel geben Sie Ihrer Tochter mit, Herr Silbermanns" „Zehntausend Mark. — auch etwas mehr, je nach der Partie." „Ich habe eine Partie für Sie, das heißt, für Ihre Tochter, was Feines, sage ich Ihnen, was Großartiges!" „Offen gestanden," sagte der Andere, „wir möchten uns jetzt noch nicht gern von dem Mädel trennen.... Wir haben blos die Einzige...." „Sie brauchen sich von ihr nicht zu trennen, können sie hier in der Stadt verheirathen," sagte Herr Bartenstein.

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