Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1894)
- Date
- 1894-06-15
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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282 „Der biblische Geschichtsunterricht muß mit Hervorhebung der ethischen Momente in stufenmäßiger Folge mit Namen- und Sacherklärung ertheilt werden." 4. Schließlich hob der Redner mit Nachdruck hervor, daß es ganz unstatthaft sei, durch mechanisches Auswendiglernen aus dem Religionsbuche das Gedächtniß der Kinder zu überbürden. Der systematische Religionsunterricht soll jedoch, da er aus der Schule nicht gänzlich zu verbannen sei, indem er in ethischer Beziehung zusammenfasse, was an der Hand des Pentateuchübersetzens gelehrt wurde und somit den Bau des ganzen Religionsunterrichtes kröne, mit Zuhilfenahme eines Religionsbuches nur in die Oberstufe verlegt werden. — Hiergegen machte Herr Greif-Schwalbach seine Ansicht dahin geltend, daß der Geist unserer heiligen Religion nicht durch den Pentateuchunterricht, wohl aber durch den systematischen Religionsunterricht in die Seele des Kindes einzuziehen vermöge. Diese unhaltbare und falsche Behauptung rief allgemeinen Widerspruch hervor, so daß die These zur Annahme gelangte: „Her systematische Religionsunterricht soll nur in der Oberstufe an der Hand eines Lehrbuches ertheilt werden." Nach eingenommenem, gemeinsamem Mittagsmahle fanden sich die Konferenzmitglieder (um 2 Uhr) in der städtischen Knabenelementarschule ein, um einer Probelektion in der biblischen Geschichte nach Herbart'scher Methode, welche Herr Dr. Landau an Stelle des abwesenden Referenten Frank-Idstein, welcher sein Nichterscheinen entschuldigte, freiwillig in dankenswerther Weise übernommen hatte, beizuwohnen. Als die etwa einstündige Lehrprobe ihr Ende erreicht, wurden die beiden in Diez vorhandenen jüdischen Waisenhäuser in Augenschein genommen, worauf sich alle Anwesenden wieder in den Sitzungssaal des Stoll'schen Gasthauses zurückbegaben und alsbald zur Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes schritten. Auf Vorschlag des Herrn W. Frank-Westerburg -wurde unser bisheriger Schriftführer, Herr Fröhlich-Weilburg, zum stellvertretenden Vorstande und der Unterzeichnete als Schriftführer gewählt. Hierauf wurde bei Revision der Statuten der jährliche Beitrag von 8 Mark auf 2 Mark herabgesetzt. Nun entspann sich eine lebhafte Debatte über den zu wählenden Delegirten für die im Laufe des Sommers stattfindende Delegirten- Versammlung des allgemeinen deutschen Lehrerbundes. Nachdem Herr W. Frank-Westerburg, welcher in Vorschlag gebracht worden, die Wahl abgelehnt, wurde unser erster Vorsitzende, Herr S. Lomnitz - Diez per Akklamation gewählt. Die Besprechung wichtiger Vereinsangelegenheiten zog sich so sehr in die Länge, daß eine Debatte über die Lehrprobe des Herrn Dr. Landau auf die nächste Konferenz, welche wiederum am ersten Pfingsttage kommenden Jahres in Weilburg stattfinden wird, verschoben werden mußte. Auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz setzte man: 1. Vortrag über Konzentration des Unterrichts in der Religionsschule und 2. Probelektion im Ko nzentrationsunterricht; Referent: A. Fröhlich, Weilburg. 3. Debatte über die in Diez gehaltene Lehrprobe des Herrn Dr. Landau. 4. Bortrag: Welche Gebetstücke sind zuerst, welche später mit Bezugnahme auf den Religionsunterricht in den verschiedenen Abtheilungen durchzunehmen; Referent: Stamm-Selters. Am Schluffe gedachte Herr Frank-Westerburg in wenigen, aber herzlichen Worten des jüngst verschiedenen Lehrerveteranen und edelherzigen Vorsitzenden der „Achawa" und mehrerer wohlthätiger Stiftungen und Vereine, des Herrn Adolf Teblee. Man ehrte das Andenken desselben durch Erheben von den Sitzen. Der Löwenantheil unserer so lehrreichen Konferenz gebührt unstreitig Herrn Dr. Landau, der aus seinem reichen Geistesborne alle wissensdurstigen Anwesenden reichlich zu tränken verstand. So schön und belehrend diese Sitzung auch war, zu bedauern bleibt dennoch, daß die Betheiligung an derselben nur als eine spärliche zu bezeichnen ist. Wünschenswerth und erfreulich zugleich wäre es, wenn auf der nächsten Versammlung die Präsenzliste der israelitischen Lehrer Nassaus ihre volle Zahl 37 enthielte. Fröhliches Wiedersehen in Weilburg! Hadamar. Adolf Oppenheimer, Schriftführer. Lehrerkonferenz in Eisenach. m 13. Mai 1894 Nachmittags 1 Uhr fand im Saale des Gewerbehauses zu Eisenach die Konferenz des „Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" statt, zu welcher sich 15 Mitglieder eingefunden hatten. Nach einem Begrüßungsgesang des Eisenacher Synagogenchores und einem Willkommengruß des Herrn Deputirten Steinberger eröffnete der Vorsitzende die Versammlung mit dem Geschäftsberichte und verlas ein Dankschreiben des Schriftstellers B. Hause in Eisenach auf die ihm vom Verein gewidmete Glückwunschadresse zu seinem achtzigsten Geburtstage. Nach Vortrag des Kassenberichts wurde dem Kasstrer, Herrn Heilbrunn, Decharge ertheilt. Hiernach erhielt Herr Dr. Dessauer das Wort zu seinem Referat über ein von ihm ausgearbeitetes Religionslehrbuch. Nachdem sich Referent über die methodische Anlage seines Buches ausführlich verbreitet, theilte er auch einige Proben aus demselben mit. Es besteht aus einer Abtheilung für die Unterstufe und einer für die Oberstufe, besonders für die höheren Klassen des Gymnasiums. Es wurde beschlossen, das Werk einer Kommission, bestehend aus den Herren: Dr. Salzberger-Erfurt, Rothschild-Erfurt, Oppenheimer- Barchfeld, zur Prüfung zu überweisen. Der folgende Gegenstand: „Das Bibellesen" (H. Katz-Aschenhausen), war auf Wunsch der hannoverschen Konferenz auf die Tagesordnung gesetzt worden. Der Referent behandelte in klarer Weise die Fragen: was, wann und wie soll gelesen werden Die Konferenz beschloß nach längerer Debatte: „Das Bibellesen ist in der jüdischen Religionsschule thunlichst zu pflegen und mit den übrigen Fächern des Religionsunterrichts in Konzentration zu bringen." Als sehr geeignet hierzu, hält sie das Lesen in der Auerbach'schen Schulbibel; nur wäre es höchst wünschenswerth, wenn eine billigere Ausgabe derselben veranstaltet würde. Zu dem gegenwärtigen Preise ist eine allgemeine Einführung nicht möglich. Zur Frage des D.-J. L.-B. nahm Herr Heilbrunn-Gehaus das Wort. Aus zweifachem Grunde trat Referent für Gründung des Bundes ein. Erstens, weil er glaubt, daß nur auf diese Weise die Stellung der nicht definitiv angestellten Religions- und Elementarlehrer eine bessere und sichere werden könne; zweitens aber, weil er glaubt, daß auch für die pädagogische Entwickelung des jüdischen Religionsunterrichtsweseus der D.-J. L.-B. von der größten Bedeutung werden müßte. Daraufhin wurde beschlossen: „Der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands tritt dem D -I. L.-B. bei," und sendet Herrn Heilbrunn, und im Verhinderungsfälle Herrn Baumgart, als Delegirten zur Konstitutionsversammlung nach Kassel. Auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz, die in Erfurt stattfinden soll, werden gesetzt: 1. Probelektion (Herr Popper-Mühlhausen). 2. Jugendgottesdienst (Herr Dr. Salzb erg er -Erfurt). 3. Thema, von dem D.-J.L.-B. aufzustellen (Hr. Wertheim-Gera). 4. Kritik des Dessauer'schen Religionsbuches. Begrüßungsdepeschen waren eingegangen von Herrn Kirchenrath Dr. Kr oner-Stuttgart, dem Begründer des Vereins, und Herrn Lehrer Steinhardt - Magdeburg. Mit einem Hoch auf den Landesfürsten und den deutschen Kaiser wurde die Versammlung um 5% Uhr geschlossen. Stadt-Langsfeld. B aum g a rt, Schriftführer. Äk. Ein Vorwort. Von Karl Emil Franzos. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) gsffm fing ich doch an, über den „interessanten Stvffkreis" zu grübeln. Die Gestalten der Heimath wurden mir lebendig. Ich hatte sie einst, als sie leibhaftig vor mir gestanden, sehr nüchternen Blutes angesehen. Nun aber verklärte sie ein Zauber, der Zauber der Ferne. Ich studirte an der Universität Graz, war der