Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1894)
- Date
- 1894-06-08
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 befohlen, — wodurch ja auch die Nächstenliebe in Gefahr käme, .als Selbstliebe verdächtig zu werden, — sondern die Gleichheit der Menschen wird gelehrt und daraus die Liebe abgeleitet. So glauben und wiffen wir, daß unser Lehrer Moses die Nächstenliebe uns geschenkt hat, so wahr und so lange wir nach ihm! Höre Israel rufen. Auch rin Jubiläum. Von Prof. Ph Heidenheim, Rabbiner in Sondershausen. .uw D'wann für fix onripi m 12. Juni d. I. sind mit Gott 50 Jahre entschwunden, daß in Braunschweig unter dem Vorsitz des Kirchenrath Dr. Mayer ans Stuttgart die erste Rabbinerversammlung z» ihrer 8tägigen Verhandlung zusammentrat, zu der der unvergeßliche Dr. L. Philippson die erste Anregung und mühevolle Vorkehrungen getroffen hatte. Mit freudiger Wehmuth gedenke ich jener herrlichen, hoffmings-' reichen Tage, mit dankbarer Verehrung all der verdienstvollen Männer, die begeistert hingebend daran Theil genommen, die nun heimgcgangcn zur ewige» Ruhe. Doch V2£T ihr Andenken wird dem Judeuthum bleibend znm Segen gereichen. Soviel mir bekannt, sind von den damaligen Mitgliedern außer mir nur noch mein theurer Freund, der Kreisrabbiner Goldmann in Eschwege n'3. am Leben. Großartig war die Gastfreundschaft und Theilnahme der Ge-, meinde Brauuschweig, erfreulich das Jntereffe, das die höchsten Behörden an der Versammlung nahmen; ein mächtig belebender Geist durchwehte die Verhandlungen, und mit den schönsten Hoffnungen erfüllt, kehrten wir heim zu unseren Gemeinden. Nach dem damals entworfenen Statut sollten diese Versammlungen alljährlich erneuert werden, doch nur noch die in Frankfurt und Breslau fanden.statt; dann brauste der gewaltige Sturm von 1848 daher, und es unterblieb. — Erst im Jahre 1884 trat lvieder eine Rabbiner- Versammlung in Berlin zusammen, an der Theil zu nehmen ich leider verhindert war; doch habe ich schriftlich meine Zustimmung zu deren Beschlüffen gegeben. Seitdem ist wieder ein Jahrzehnt verflossen, und es ist vornehmlich in der Jetztzeit für Israel unabweisbare Pflicht, bald wieder eine solche Versammlung zu veranlassen, um durch das lebendige Wort-, der Lüge und Verläumdung nach außen, der wachsenden, gefahrdrohenden Gleichgiltigkeit nach innen erfolgreich und muthig enlgegenzutreten. Möge diese Anregung gehört und beachtet werden! Protokoll der 16. Versammlung des Vereins der jüdischen Lehrer in Schlesien und Posen und deren Unterstützungskasse in Breslau am 15. Mai 1894. Anwesend waren 50 Lehrer und Rabbiner aus beiden Provinzen. 1. Vormittags 9 Uhr wird unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Samuelsohn die Berathung des Vorstands der Unterstützungskasse des Vereins eröffnet. Nachdem der Status der Vereinskasse dargelegt worden, nach welchem die Einnahmen im abgelaufenen Jahre die Höhe von 2538.98 Mk. und die Ausgaben 1398.90 Mk. betragen haben, denn Kapitalfonds 3645 58 Mk. zugeführt werden konnten, welcher nunmehr die Höhe von 31,164.98 Mk., davon 1664.98 Mk. baar und das Uebrige in sicheren Staatspapieren bestehend, erreicht hat, wird der Revisionsbericht verlesen. Die Decharge wird ertheilt und sodann der Voranschlag für das Jahr 1894 vorgelegt, berathen und genehmigt. Hiernach betragen die Einnahmen: 1. Jahresbeiträge der ordentlichen Ehrenmitglieder 1300Mk. sowie 2. die Erträgnisse der Legate von Hirschel, Kommerzienrath Moll und Littauer nebst den Zinsen aus dem Kapitalfonds 1187.50M., also zusammen 2487.60 M. Gegenüber stehen die voraussichtlichen Ausgaben: zu Pensionen 1400 M, Honorar für den Vereinsboten 36 M., Druck-, Porto- und andere Kosten 70 M., zusammen 1506.00 M., sodaß voraussichtlich der Betrag von 981.50 M. dem Kapitalfonds wird überwiesen werden können. Zu ernsten Erwägungen gab die vorgeschlagene Bildung einer gemeinsamen Kasse des geplanten D.-J. Lehrerbundes. Wenn der Vorstand sich auch nicht die große und nützliche Tragweite einer solchen gemeinsamen Unterstützungskaffe verhehlen konnte, so wurden doch gewichtige Bedenken geltend gemacht, einerseits ob es gerathen sei, bei dem für die geringe Mitgliederzahl unserer Kasse so außerordentlich günstigen Vermögensstande sich in der großen Kasse ganz aufgehen zu lassen und die Vortheile der Eigenschaft einer juristischen Person aufzugeben; andernfalls wurde bezweifelt, ob es thunlich und zulässig sei, die Mittel, welche aus den unserer Kasse vermachten Legaten fließen, einem andern Vereine zuzuführen. Da die Bildung des D -J Lehrerbundes bezw. die Berathung des Statutenentwurfs auf der heutigen Tagesordnung des Lehrervereins steht, so wird vorläufig ein Beschluß über die Angelegenheit noch nicht gefaßt. 2. Um 10 Uhr versammeln sich die Mitglieder der Unterstützungskasse. Zwei Anträge werden schriftlich und zwei mündlich um Aufnahme in die Kaffe eingebracht. Der Vorstand ertheilt den Jahresbericht, nach welchem im verflossenen Jahre 3 Lehrer und 2 Lehrerwittwen aus der Kasse Pensionen in der Gesammthöhe von 1300 M. bezogen haben, und fordert die Anwesenden auf, die wohlthätigen Wirkungen doch weiter bekannt zu machen und die Kollegen zu veranlassen, dem Vereine beizutreten. Der Kassenbericht wird mit Beifall ausgenommen und darauf dem Kaffensührer Decharge ertheilt. In der jetzt durch Zettel vorgenommenen Vorstandswahl wurden die bisherigen Mitglieder einstimmig wiedergewählt. (Für diejenigen, welche sich zur Aufnahme in die Unterstützungskasse melden wollen, sei hier bemerkt, daß Aufnahmegesuche an den Vorsitzenden, Dr. Samuelfohn, zu richten und diesen beizufügen sind: 1. Die Bescheinigung, daß der Aufnahme Suchende an einer Schule ist, die mindestens unter Aufsicht der Gemeinde steht, 2. ein Gesundheitsattest und 3. ein Altersnachweis für sich und seine Familienmitglieder.) 3. Um 11 Uhr begann die 16. Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. 1. Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, giebt seine Freude über das zahlreiche Erscheinen der Anwesenden zu erkennen und giebt eine Uebersicht über die Vereinsverhältnisse. Leider hat der Verein drei Mitglieder durch den Tod verloren, die Versammlung ehrt deren Andenken durch Erheben von den Sitzplätzen. Es sind neu zugetreten 8 Mitglieder, so daß die Zahl derselben sich jetzt auf 128 beläuft 2. Hauptlehrer Herbst-Lissa ertheilt den Kassenbericht, nach welchem die Einnahmen einschließlich eines kleinen Bestandes aus dem Vorjahre 88,65 M., die Ausgaben 85,55 M. betragen haben, so daß fürs Jahr 1894 ein Bestand von 3,10 M. verbleibt. Nach Prüfung der Rechnung wird dieselbe als richtig befunden und dem Kassirer Decharge ertheilt. 3. Vorstandswahl. Herbst-Lissa bittet die Versammlung, zum Schriftführer ein anderes Mitglied und zwar ein in Breslau wohnendes zu wählen. Er könne eine etwaige Wiederwahl nicht annehmen, da ihm, wie dem Vorsitzenden, die Geschäftsführung zu sehr erschwert sei, weil sie nicht in einem Orte wohnen. Für dieses Amt recht geeignet wird von einer Seite Herr Tr. Samter-Breslau, von anderer Seite Herr Dr. Louis Neustadt-Breslau vorgeschlagen. Statt der vorgeschriebenen Zettelwahl schlägt Herr Dr. Guttmann-Breslau vor, durch Zuruf zu wählen, und zwar zum Vorsitzenden wie bisher Herrn Dr. Samuelsohn, zum Beisitzer an Stelle des Herrn Dr. Cohn, dem seine Angelegenheiten nur selten die Anwesenheit in den Versammlungen gestatten, den bisherigen Schriftführer Hauptlehrer Herbst-Lissa. Die Versammlung ist hiermit einverstanden. Zum Schriftführer werden durch Zettelwahl abgegeben: für Dr. Louis Neustadt 14 und für Dr. Samter 21 Stimmen, letzterer ist somit gewählt und nimmt die Wahl an.