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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-06-01 · Heft 22 (1.6.1894) · p. Seite 256

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 22 (1.6.1894)
Date
1894-06-01
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
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256 abhalten, gestatte ich mir folgende Vorschläge, welche auch von den Einzelverbänden der bestehenden Lehrervereine behufs der einleitenden Schritte zum Zusammenschlüsse ausgeführt werden könnten. Der Vorsitzende bezw. Vorstand der bestehenden Vereine, bezw. Unterstützungskaffen versendet an alle seine Mitglieder gedruckte Postkarten mit Rückantwort (in ca. 8 Tagen zurück an den Vorsitzenden bezw. Schriftführer). Die Karte enthält folgende Fragen: 1. Sind für den Anschluß unseres Vereines (bezw. unserer Kaffe) au den deutsch-israelitischen Lehrerbund (bezw. an die Hauptunterstützungskasse deffrlben)? (Ja oder Nein.) — 2. Wen wählen Sie zum Vertreter unseres Vereins für den ersten Vertretertag? (Ein Name.) 3. Sind Sie bereit, zu den Kosten des ersten Vertretertages einen einmaligen außerordentlichen Beitrag von 1 (einer) Mark zu zahlen? (Ja oder Nein.) Eine Karte mit Rückantwort und den wenigen bedruckten Zeilen würde höchstens 12 bis 15 Pfennige kosten, welcher geringe Beitrag wohl aus der Vereinskaffe für^edes Mitglied gezaW werden kann. — Der außerordentliche Gründuugs-Beit^ag foll 'einen Theil der Vertreterkosten decken, bei großen Vereinen würde er die Kosten ganz decken, doch würde ich mir -en Vorschlag erlauben, für die erste Versammlung nur einen VHtreter aus jedem Vereine zu senden, einmal um hohe Kosten'zu vermeiden, datm aber auch, um das Werk der Gründung nicht durch die Vielheit 'der Köpfe zu erschweren; der deutsch-israelitische Gemeindebund wird sicher tote bisher — einen Theil der Reisekosten tragen, wenn eine diesbezügliche Bitte an ihn herantritt., da er ungemeinen Antheil an dem Zustandekommen des Bundes nimmt und oft genug dem Lehrerstande sein Wohlwollen bewiesen hat. — Sind die Vertreter gewählt, datm würde ich mir erlauben, nicht Kaffel, sondern Berlin, den Sitz des Gemeindedundes, als Versammlungsort vorzuschlagen, La der Gemeindebund wohl bei seinem regen Interesse verdient, daß. wir unter seinen Augen und seiner thatkräftigen Beihilfe unser schönes Werk beginnen.' Als Termin der Versammlung 'würde ich die Sommerfellen" Vorschlägen. Außerdem würde ich Vorschlägen, daß der Gemeindebund die Vertreter, welche ihm von den einzeln)» Vereinen zu nennen" sind, einberuft, da der Buttd ja bereits «ne feste Organisation hat. > ' ' - lV 39. Jahresversammlung - der israel. Lehrer von Mernland und Westfalen. Sie diesjährige Konferenz der israelitischen Lehrer Rheinlands und Westfalens fand an den beiden- Pfingsttagen zu Köln iry Hdlel „Rheingold" statt und war von 106 Mitgliedern besucht. In Abwesenheit des Vorsitzenden Herrn Blumenfeld-Essen, welcher aus Gesundheitsrücksichten nicht erscheinen konnte, üb^mahm Aerr Steiuweg-Rheda die Leitung der Versammlung. Dieselbe > Würde programmmäßig gegen 3 Uhr eröffnet und verlieh her Borgende. zunächst seiner Freude über die große Anzahl der Erschienene^ Ausdruck., Einem watm empfundenen Gebete um gute Erfolge «schloß sich' ein Hoch an auf Se. Majestät den deutschen Kaiser, welcher als echter Hohenzoller der deutschen Lehrerschaft ohne Unterschied der Konfession mit größtem Wohlwollen gegenübersteht. Begeistert stimmten die Versammelten in das Hoch ein und in hellen Tönen erschallte das „Heil Dir im Siegeskranz" durch den Saal. Der. Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Herr I. 'de Jonge, überbrachte Grüße und Segenswünsche als Delegirter des Deutschisraelitischen Gemeindebundes, welcher auch in diesem Jahre in wohlwollender Weise einen Reisezuschuß von 180 Mark gewährt hat. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte Herr I. de Jonge Namens der Synagogengemeinde Köln eine einmalige Spende von "300 Mark, unbeschadet des weiter zu zahlenden Jahresbeitrages von 100 Mark. Hierauf stellte der Vorsitzende den in Lehrerkreisen wohlbekannten und allverehrten Herrn Rabbiner Dr. Frank aus Köln als Gast vor. Derselbe begrüßte die Lehrer Namens der Gemeinde Köln, die sich freue, die Jugendbildner nach so langer Unterbrechung wieder in ihrer Mitte zu sehen. Nirgends findet sich, so etwa drückte sich der geehrte Redner aus, nachdrücklicher die Mahnung, die Jugend religiös zu erziehen, als in der Thora. Die Kinderlehrer seien ganz besonders im jüdischen Schriftthum hochgeschätzt. Darum verlange dasselbe vor dem Lehrer die gleiche Ehrfurcht wie vor Gott. Der Geist des Fortschritts sei auch an dem Lehrer nicht spurlos vorübergegangen. Jüdische Volkslehrer mit weltlicher Bildung kannte man vor 50 Jahren kaum. Das sei G. s. D. anders geworden. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Lehrer sich der Saat einst freuen mögen, die sie ausstreuen. Hierans überbrachte Herr Rabbiner Dr. Samuel-Essen Grüße des leider abwesenden ersten Vorsitzenden Blumenfeld-Essen, einige am Erscheinen verhinderte Kollegen entschuldigten ihr Fernbleiben schriftlich; von anderen liefen Begrüßungstelegramme ein, ebenso von dem Redakteur des „Jeschurun" aus Tilsit. Der Ehrenpräses, Herr Blumenau-Hameln, drückte in einem herzlichen Schreiben an den Kollegen Herrn Goldstein- Grevenbroich seine Gefühle in den Worten aus, daß sein Denken, , Wünschen und Hoffen der Versammlung gelte. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, den Jahresbericht der Unterstützungskasse betreffend, theilte der Vorsitzende mit, daß das Jahr 1893 für die Kasse, das Lieblingskind des Vereins, besser gewesen als das vorhergehende, da das Vermögen des Vereins am 1. Januar 1894 den Betrag von 78,320.52 Mark erreicht habe. Vom 1. Januar 1894 sind an Mitgliederbeiträgen 390 Mk., an Zinsen 443.69, an freien Gaben 1330.62 Mk., im Ganzen 2164.31 Mk. eingegangen. Hoch erfreulich war die Mittheilung, daß Frau Dr. Weigert-Berlin auch in diesem Jahre zum Andenken an ihre selige Mutter in hochherziger Weise den Betrag von 200 Mark zur sofortigen Vertheilung an bedürftige Lehrerwittwen und Waisen gesandt, wofür die Versammlung durch Erheben von ihren Sitzen ihren Dank zu erkennen gab Kollege Gras-Essen richtet einen warmen Appell an alle Mitglieder der Kasse, für diese nach besten Kräften thätig zu sein, da die Anforderungen an den Verein immer größer werden. Kaufmann-Gelsenkirchen theilte mit, daß ein Freund und Gönner des Vereins, Herr Klestadt in Gelsenkirchen, bereit sei, alle Drucksachen des Vereins kostenfrei zu liefern, wofür die Mitglieder ihren Dank aussprachen Es sollen Sammelbogen für die Kasse an alle Lehrer gesandt werden, und bitten wir hiermit nochmals alle Kollegen, dieselben recht fleißig zu Gunsten unserer Kasse zu benutzen/ Der zweite Punkt der Tagesordnung — Ersatzwahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder und deren Stellvertreter, war schnell erledigt, da die Herren Blumenfeld-Essen, Steinweg-Rheda, Goldberg- Steele, Kaufmann-Ahlen durch Akklamation wiedergewählt wurden. Nunmehr ertheilte der Vorsitzende dem Kollegen Brisch-Mülheim a. Rhein das Wort zu seinem Bortrage: „Die rechtliche Stellung des jüdischen Lehrers innerhalb seiner Gemeinde." Bei gespanntester Aufmerksamkeit der Versammelten schilderte Redner in klai^Änd. erschöpfender Weise die trostlose und traurige Lage der an nicht öffentlichen Schulen wirkenden Religions- und Elementarlehrer. Dieselben seien W*unauskömmlichem Gehalte ganz in die Hand der Vor- " steher und der Repräsentanten gegeben, welche ihre Allgewalt und Herrschsucht gar oft zum Schaden von Gemeinde, Schule und Lehrer benutzen. Unter diesen Umständenkönne auch der beste Lehrer keine Berufsfreude empfinden. Redner schloß seinen interessanten Vortrag mit den Worten: „Soll es besser werden sowohl für die Gemeinde als auch ür die Lehrer, so ist vor Allem nothwendig, daß der jüdische Religionsfehrer und der Lehrer der Privatschule nach einem Provisorium von *3 Jahren lebenslänglich angestellt, daß ihm ein den Verhältnissen entsprechendes Gehalt gegeben werde, welches ihm ein sorgenfreies Leben ermöglicht, und^aß seine und der Seinigen Zukunft thunlichst gesichert sei." Der allseitig gespendete anhaltende Beifall zeigte, wie sehr Redner aus dem Herzen aller Kollegen gesprochen hatte. Einstimmig wurde der Wunsch ausgesprochen, den gediegenen Vortrag durch den Druck der Oeffentlichkeit zu übergeben, aus welchem Grunde auch von einer weiteren Debatte über denselben abgesehen wurde, i Herr Spier-Bocholt, welcher einen Bericht über die Thätigkeit der im vorigen Jahre gewählten Kommission, die Äeffentlichkeitserklärung <T

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