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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-25 · Heft 21 (25.5.1894) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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-- 3 MWW^W? Jones Loge", eine Arbeitsstätte ins Leben gerufen hat, in der je nach Möglichkeit wirklich Arbeitswillige und Arbeitsfähige vorübergehend Unterkunft und Arbeit finden sollen, und wo dann für deren weiteres Fortkommen möglichst gesorgt werden soll. Es ist vorläufig mit acht Arbeitern begonnen worden; bei der Menge der Arbeitslosen zwar ein geringer Anfang, aber immerhin doch ein Anfang. In dieser Arbeitsstätte ist zunächst die leicht zu erlernende Koffer-Fabrikation in Angriff genommen. Die Hoffnung auf Absatz ist günstig. Aufträge liegen bereits vor, und es sind auch solche noch in Aussicht. Die Arbeitszeit ist streng geregelt, am Sonnabend und an den jüdischen Feiertagen wird selbstverständlich nicht gearbeitet. Das Komitee giebt sich der begründeten Hoffnung hin, daß sich die Anstalt mit der Zeit zum großen Theile aus sich selbst wird erhalten können, und so eine segensreiche Zufluchtsstätte für Viele werden wird. In der ersten Zeit jedoch bedarf es größerer Geldmittel, um die Anstalt entsprechend einzurichten und die Fabrikate in der Geschäftswelt einzuführen. Das Komitee wendet sich daher an die Wohlthätigkeit seiner Glaubensgenossen und bittet, das Unternehmen durch einen einmaligen größeren sowie durch einen jährlichen Beitrag zu unterstützen und zu fördern. Der Aufruf ist unterzeichnet von Rabbiner Dr Carlebach-Lübeck, Prediger Dr. Hannover-Wandsbeck, Oberrabbiner M. Hirsch-Hamburg, Prediger Dr. Leimdörfer-Hamburg, Rabbinatsverweser Munk-Altona, Prediger Dr. Seligmann-Hamburg und Prediger Dr. Stern-Kiel. — Beiträge sind zu richten an Herrn M. S. Wolff- Hamburg, Esplanade 15. OO Cleve, 21. Mai. Antisemitische Blätter berichten über einen Prozeß, der vor der Strafkammer des Landgerichts gegen zwei Juden, Isaak und David Bonn, am 10. d. Mts verhandelt wurde. Diesem Metzgerpaar wurde zur Last gelegt, am 7. August vor. I. das Fleisch einer von ihnen geschlachteten Kuh in unfläthiger Weise beschmutzt und an Christen verkauft zu haben. Obwohl die Angeklagten diese Beschuldigung als eine Lüge hinstellten und 13 Entlastungszeugen beibrachten, obwohl der aus dem Xantener Prozeß bekannte Bertheidiger Fleischhauer mittheilte, daß der Hauptbelastungszeuge, gegen den der Angeklagte Isaak Bonn schon früher eine Verleumdungsklage in der Sache geführt hatte, ein Antisemit sei, und daß antisemitische Agitatoren vor dem 7. August Briefe in der dortigen Gegend verbreiteten, in denen behauptet wurde, daß das jüdische Gesetz solche Fleischbesudelung für Christen vorschreibe — wurde Isaak Bonn zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Gewiß ist in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es handelt sich hier weniger um die Bestrafung des Angeklagten, — denn es liegt uns fern, das Urtheil des Gerichtshofes, das auf Grund vereidigter Zeugen gefällt wurde, zu bemängeln — als uw die Beschuldigung des jüdischen Religionsgesetzes, das eine solche Vorschrift nicht kennt, sondern vielmehr das Gegentheil gebietet. Bx. Münster u Wests., 16 Mai. Die turnerischen Bestrebungen finden in immer weiteren Kreisen Beachtung. In der .letzten Woche fand am hiesigen jüdischen Seminare (Marks-Haindorfsche Stiftung) ein Preisturnen statt. Die Kosten hierfür sowie ein werthvoller Preis sind durch eine Stiftung seitens der Frau Stadtrath Dr. Max Weigert in Berlin aufgebracht, welche damit das Andenken ihres sel. Vaters, des Herrn Elias Meyer, früheren Kurators genannter Stiftung, der ein besonderer Förderer turnerischer Bestrebungen war, ehren will. Das Fest nahm einen allerseits befriedigenden Verlauf und wird von jetzt ab alljährlich stattsinden. X Frankfurt a. ©., 15. Mai. Am 4. April d. I hielt unser Rabbiner Herr Dr. Blumenthal im Saale der Aktienbrauerei vor einer sehr zahlreichen durch Cirkulair eingeladenen Versammlung von Damen und Herren unserer Gemeinde einen Vortrag^iber „Die klassische Periode der jüdischen Litteratur". Der Redner beleuchtete zunächst die kulturgeschichtlichen Verhältnisse, welche die spanische Glanzperiode jüdischen Geisteslebens hervorbrachte, ging dann näher auf die jüdisch-arabische Poesie und Philosophie ein und skizzirte in abgerundeten Lebensbildern und ausgewählten Musterstücken die Leistungen der hervorragendsten Denker und Dichter, wie Gabirol, Bachia Jbn Pakuda, Mose Jbn Esra, Abraham Jbn Jsra, Juda Halevy und Maimonides. Am Schluffe seines Vortrages richtete Herr Tr. Blumenthal an die Versammlung einen Appell zur Gründung eines Vereins für „Jüdische Geschichte und Litteratur", deren Kenntniß gerade in unserer Zeit neben dem allgemein menschlichen Interesse an dein geistigen Schaffen der Vergangenheit von großer Bedeutung für das religiöse Leben der Glaubensgemeinschaft sei. Nachdem sich über 100 Mitglieder zum Beitritt gemeldet hatten, fand die Konstituirung des Vereins am 5. d. Mts statt. — Die Statuten wurden festgesetzt und in den Vorstand Herr Rabbiner Dr. Blumenthal als Vorsitzender, Herr pr. Arzt Dr. Levy als Schriftführer und Herr Max Alexander als Rendant gewählt. Diese drei Herren kooptirten sich zu Beisitzern Herrn Adolf Lewin, Vorsitzender des Gemeinde-Vorstandes, und Herrn Oberlehrer Dr. Sternberg. Wir wünschen dem Verein eine gedeihliche Entwickelung. E. R Aus Baden, 22. Mai. Zum 29. April, dem Jahrestage des Regierungsantrittes unseres Großherzogs, erfolgten vielfache Auszeichnungen. Von Glaubensgenossen erhielten solche u. A. Bankdirektor Hofrath Dr. Felix Hecht in Mannheim und Bezirksrabbiner Dr. Jos. Eschelbacher in Bruchsal das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen, Alt-Synagogenrathsvorsteher Bar. Bernheim in Karlsruhe und Kaufmann E. I. Löwe iu London das Ritterkreuz II. Klaffe; Gerichtsschreiber G. Oppenheimer in Buchen das Verdienstkreuz dieses Ordens. W München, 22. Mai Unserer neulichen Mittheilung über wohlthätige, letztwillige Verfügungen, welche der verstorbene Vorsteher der Kultusgemeinde Hermann Müller angeordnet hat, haben wir erfreulicher Weise noch nachzutragen, daß seine Wittwe bereits eine der von ihm angeordneten Stiftungen ins Leben gerufen hat. Hermann Müller hat nämlich gemeinsam mit seiner jetzigen Wittwe Folgendes verfügt: „Der israelitischen Kultusgemeinde München vermachen wir den Betrag von 35,000 Mark. Wir machen der Vermächtnißnehmerin die Auflage, damit eine Stiftung mit der Bezeichnung: „Hermann und Jettchen Müller'sche allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung" zu begründen. Während ein Zehntel der Erträgnisse dieser Stiftung auf ewige Zeiten dem Kapitalsstocke zugefügt werden soll, sollen die übrigen Erträgnisse nach Abzug der Kosten der Verwaltung zur freien Verfügung der Vermächtnißnehmerin stehen, um damit je nach dem vorliegenden Bedürfnisse Erziehungszwecke, gemeinnützige Zwecke innerhalb des Judenthums ohne Rücksicht auf Ort und Land zu fördern, der Noth und Armuth zu steuern und die bürgerliche Stellung der Juden zu verbessern." Frau I. Müller hat nun, wiewohl die Stiftung erst nach ihrem Ableben zu errichten gewesen wäre, schon jetzt den ganzen zu der Stiftung bestimmten Betrag der hiesigen Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt und damit für ihre ganze Lebenszeit auf die erheblichen Renten des Stiftungskapitals verzichtet. Uebrigens sind auch wohlthätigen Anstalten, welche den Angehörigen aller Religionen zu Gute kommen, so der Stadtgemeinde, der freiwilligen Armenpflege, sehr erhebliche Geldbeträge von der Frau Wittwe Müller schon jetzt ausgehändigt worden. 8. 8. Fürth, 20.Mai. Die hiesige israelitische Bürgerschule wurde in Anbetracht, daß die israelitische Jugend der Unwissenheit in religiöser Hinsicht allzu sehr verfallen war, von einigen ebenso energischen wie zielbewußten Vertretern der hiesigen Orthodoxie im Jahre 1862 gegründet. Das hierzu nöthige Kapital wurde von Interessenten aufgebracht. Das Institut hat trotz der Schwierigkeiten, mit welchen jüdische Privatschulen zu kämpfen haben, sich auf eine achtungswerthe Höhe geschwungen. Dieser Umstand verdient desto mehr betont zu werden, als die Erhaltung der Bürgerschule auf eigenen Mitteln und Kräften beruht und ein Zuschuß seitens der Kultusgemeinde oder einer sonstigen Körperschaft nicht erfolgt. Der Appell an die Kultusgemeinde der verschiedensten religiösen Richtung, Beiträge zu leisten, fällt meist auf fruchtbaren Boden. Außer festen Jahresbeiträgen fließen namhafte Gaben, so daß die Erhaltung der Anstalt nicht in Frage gestellt ist, wenn die Opfersreudigkeit ferner anhält. Sie besitzt ein eigenes Haus nebst dazu gehörigem Rückgebäude und geräumigem Hof und an ihr wirken 10 ständige Lehrer und die einschlägigen Fachlehrer bei einer Anzahl von etwa 140 Schülern. Einen nicht geringen Antheil an der Blüthe der Schule hat der frühere Direktor Herr Dr. Auerbach, jetzt Rabbiner in Halberstadt, sein Nachfolger, der jetzige Direktor Herr Dr. Dessau, und der gesammte Lehrkörper. Gelterreich - Ungarn. □ Wien, 21. Mai. Die schwunghafte Kolportage mit aufreizenden Druckschriften („Das Vaterunser in der Judennoth" und „Türkennoth

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