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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-25 · Heft 21 (25.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 21. HSeikage Der Gemrlndebote. Gerlin, 25. Mai 1894. zur „Allgemeinen Zeitung öes ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. B. Berlin, 22. Mai. In der letzten am Sonntag den 20. Mai stattgehabten Sitzung der Repräsentanten schreitet die Versammlung zuvörderst zur Wahl eines ersten Stellvertreters des Vorsitzenden, welches Amt durch den Tod des Herrn Louis Liebermann frei geworden war. Aus der Wahl geht Herr Rechtsanwalt Tiktin hervor, welchem im Herrn Geh. Sanitätsrath Boas ein zweiter stellvertretender Vorsitzender beigesellt wurde. Beide Herren nehmen dankend die auf sie gefallene Wahl an. Sodann giebt der Vorsitzende dem Kollegium Kenntniß von einer seitens der Erben des Kommerzienrath Israel gemachten Zuwendung. Durch diese ist die Altersversorgung mit 12,000 M. als weiterer Beitrag zu der bereits bestehenden Jacob Israel-Stiftung bedacht, 5000 M sind der Armenkommission und 20,000 M dem Krankenhause zugewiesen. An die Erklärung der Annahme wird bei der letzteren Summe eine vom Sanitätsrath Blumenthal eingebrachte Resolution geknüpft, die den Wunsch ausspricht, daß mit der seit langem als nothwendig erkannten und daher auch bereits beschlossenen Errichtung einer Gynäkologischen Abtheilung baldigst vorgegegangen werden wöge. In der Diskussion hatten sowohl Herr Jsaac wie Herr Mannheimer darauf hingewiesen, daß die Erledigung dieser unzweifelhaft wichtigen Angelegenheit ausschließlich eine Platzfrage wäre, da es nicht darauf ankäme, ein paar Säle mit Betten auszustatten, sondern darauf, daß das Krankenhaus um eine mit allen Errungenschaften der Wissenschaft eingerichtete besondere Abtheilung vermehrt würde und für eine solche sei, wie die Dinge nun einmal liegen, augenblicklich kein Platz vorhanden. Die Debatte endete mit der Annahme der Resolution Eine längere Diskussion ruft der alsdann zur Verhandlung gelangende Antrag hervor, die z. Z. bestehende Kommission zur Fürsorge entlassener Strafgefangener jüd. Glaubens in eine ständige Vewaltungskommission umzuwandeln. Der Referent, Herr Leonh. Sachs, begründet den Antrag damit, daß eine solche Kommission die Autorität haben werde, deren sie benöthige, um die Akten einsehen zu dürfen, ein für passende Unterbringung der Entlassenen nothwendiges Moment. Die Herren Fränkel und Jacobi treten für den Antrag ein, ebenso Herr Simon, der hierdurch eine Entlastung der Armenkommission erhofft, wenn er sich auch der Ansicht nicht zu verschließen vermag, daß auch diese Neugestaltung nur als ein Experiment sich erweisen dürfte. Rechtsanwalt Tiktin, Anfangs ein Gegner des Antrags, an dessen Stelle er ein Hand in Hand gehen mit dem großen Verein wünscht, tritt dem Antrag bei, da die Kommission sich vor Allem auch der Familien der Jnhaftirten annehmen soll. Die Versammlung beschließt, die bisherige provisorische Kommission in eine definitive umzuwandeln, deren offizielle Benennung unter Betonung ihres weiteren Zweckes, auch die Angehörigen der Gefangenen zu unterstützen, noch bestimmt werden soll. Für die Zeit vom 1. Januar 1894 bis 31. März 1895 werden laut Antrag des Referenten bewilligt: dem Religionsverein B'ne Brith 2000 M, Ahawas Reim 1200 M. und Ahawas Scholaum 900 M.; des Weiteren werden bewilligt laut Referat des Herrn Maurermeister Fränkel 3275 M. zur Herstellung und Renovirung von Feld- und Reihentafeln auf den Friedhöfen und nachträglich 1023 M. für die Ausführung der Be- und Entwässerung des Erziehungshauses Pankow. Eine Forderung von 19,500 M. behufs der Ausführung von Reparaturen am Krankenhaus, Reichenheimschen Waisenhaus und den Synagogen in der Oranienburger- und Lindenstraße wird dagegen zurückgestellt und die Baukommission mit der nochmaligen Prüfung der betreffenden Anschläge beauftragt. — Der Bericht über die Revision des Depositorii des Gemeinde- und Stiftungsfonds ergiebt, daß dieses an Hypotheken 41/2 Millionen und an Effekten 3,418,000 M. enthält. Mit der Erstattung zweier Rechnungsabschlüsse seitens des Herrn Leichtentritt pro 1893/94, demjenigen über Vertheilung der Mazzos, der bei einem Etat von 8000 M. einen Minderverbrauch von 190 M., und dem Abschluß des Etats der Synagoge Lindenstraße, welcher eine Minderausgabe von 5866 M. aufweist, endet die öffentliche Sitzung. Berlin, 21. Mai. Der Hilfsverein für jüdische Studirende hielt im Saale des Brüdervereins seine Generalversammlung ab. Die Einnahmen und Ausgaben des Hilfsvereins, zu welchem 26 Stiftungen gehören, balanzirten mit' 348,571 M. Hinzugekommen ist eine von Frau Kommerzienrath Jenny Levi errichtete Stiftung in Höhe von 15,000 M zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten. Rückzahlungen erfolgten in größerem Umfange als je zuvor; es gingen in 90 Positionen zusammen 11,516 M. ein. Unter 152 neuen Gesuchen konnten 104 berücksichtigt werden. Laufende Unterstützungen aus dem Hauptverein erhielten 99 Studirende im Betrage von 17,865 M., einmalige Unterstützungen 30 Studirende mit 3295 M. Die Zweigstiftung für Akademiker gewährte Subventionen an 53 Studirende der technischen Hochschule, der Kunstakademie und Musik-Hochschule im Betrage von 6805 M. Unter Hinzurechnung der Stiftungen ergiebt sich als Summe der Unterstützungen 32,865 M. Der Hilfsverein zählt jetzt 762, der Zweigverein für Gewerbe-, Bau- und Kunstakademiker 170 Mitglieder. Berlin, 20. Mai. Nach ihrem eben erschienenen 61. Jahresbericht erziehen die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehenden Baruch Auerbach'schen Waisen - Erziehungs - Anstalten 50 Knaben und 26 Mädchen. Die Zöglinge genießen den Unterricht größtentheils in höheren Schulen. Besonders fähige Knaben bleiben bis zum Abiturienten-Examen, welches zu Michaelis v. Js. zwei mit vorzüglichem Erfolge bestanden haben, die Mädchen sämmtlich bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit in der Anstalt. Jedem Zögling wird die Möglichkeit einer seiner Beanlagung entsprechenden Entwickelung und dereinstigen Lebensstellung geboten. Beihilfen zur Selbständigmachung oder Berheirathung früherer Zöglinge — von denen des Mädchen- Waisenhauses haben sich bisher etwas mehr als die Hälfte verheirathet — und sonstige Unterstützungen gewähren die Zinsen von Stiftungskapitalien, welche einschließlich einiger Spezialfonds 325,271.40 M. betragen. Unantastbares Vermögen besitzen die Anstalten 765,670.97 bezw. 377,500.87 M. Ein Baufonds von jetzt erst 60,032 M. ist dazu bestimmt, für den voraussichtlichen und dringenden Fall einer Verlegung und Erweiterung der Anstalten als Grundstock zu den alsdann erforderlichen Neubauten zu dienen. Die Ausgaben betrugen einschließlich Gottesdienst, Büreau, Renten, Stipendien u. a. Zuschüssen 48,502.30 bezw. 25,539.03 M., die Kosten der Verpflegung 11,376.85 bezw. 5754.72 M, d. h. für den Kopf und Tag annähernd 54 Pf. Seit 1885 wird alljährlich für die meisten Zöglinge eine Ferienkolonie eingerichtet, ebenso ist der Handfertigkeitsunterricht zu einer stehenden Einrichtung geworden. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Berthold Marckwald, Louis Gradenwitz, Kommerzienrath E. Lohnstein, Generalkonsul Eugen Landau und die an Stelle der verstorbenen Mitglieder Herren Louis Liebermann und Kommerzienrath Jacob Israel kooptirten Söhne derselben Herren Dr. Felix Liebermann und Hermann N. Israel. — In der Einleitung zu dem eben erschienenen Bericht spricht sich der Leiter der Anstalt über die Erziehungsprinzipien derselben folgendermaßen aus: „Auf dem festen Grunde barmherziger Menschenliebe errichtet, haben die Anstalten von Anbeginn den Waisen mehr als nur ein schützendes Obdach gegen die rauhe Sorge des Lebens und eine die nothdürftige Bildung vermittelnde Stätte sein wollen. Ihre Aufgabe war vielmehr seit jeher die eines Elternhauses für Waisen, und dieser Bestimmung entspricht ebenso wohl die sorgfältigste leibliche Pflege der in ihre Obhut genommenen Zöglinge, wie die zweckmäßigste Entwickelung der Bildungsfähigkeit derselben und die auch ins Leben hinaus sie begleitende Fürsorge. Soll dieser Charakter, welchen die Anstalten während des ganzen Verlaufs ihrer Geschichte bewahrt haben, unverändert bleiben, so müssen wir es ablehnen, das Gebiet der Waisenerziehung als ein Versuchsfeld für soziale Bestrebungen gelten zu lassen, die dahin zielen, die Jugend durchaus nur dem Handwerkerstande oder dem Acker- £ ’.f u \t ,

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