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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-25 · Heft 21 (25.5.1894) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 Bekehrungsunsinn, die ich durch Freund Haffe kenne und deren Bekanntmachung ich für zeitgemäß und nothwendig halte, und über den Plan, alle Ihre Lebenserfahrungen und Ansichten in einer Selbst» biographie, die durch die gehaltvollen Notizen in Ihrem Briefe an Haffe so wenig überflüssig gemacht wurden, daß sie vielmehr nach Mehrerem Begierde erregen, nach Herzenslust sprechen, indem die erhabene Freundin im Präsidentenstuhl dabeisitzt. Noch nie ist der Kampf zwischen den Dienern Ormuzd und den Knechten Ahrimans heftiger entbrannt als jetzt, wo sich eine neue Weltperiode vorbereitet. Da soll sich Niemand eines mouvement retrograde schuldig machen." Dieses Billet B.'s steht auf der Rückseite eines Briefes der Elise v. d. Recke. Auch aus diesem mag ein Paffus hier folgen: „Auch hier hat sich eine Gesellschaft gebildet, die die Judenbekehrung zum Zwecke hat. Ammon, mehrere Staatsminister und verschiedene Personen aus allen Ständen sind zusammengetreten, um dies Proselytenwesen zu befördern. Wenn unsere Geistlichen doch, ehe sie sich bemühen, aus schlechten Juden schlechte Christen zu machen, dahin streben würden, aus schlechten Christen gute Christen zu bilden. Warum will man es den Israeliten nicht gestatten, den Glauben ihrer Väter von eingeschlichenen Vorurtheilen zu reinigen? Wie Hai unser Mendelssohn dadurch, daß er keinen fremden Glauben annahm, seine Nation veredelt! Innere Veredlung der Menschen sollte der Zweck aller Regierungen sein, die an Gott, Unsterblichkeit und eine belohnende und strafende Folge unserer Handlungen glauben..... Doch wo gerathe ich hin? Ich wollte es Ihnen nur nochmals ans Herz legen, Ihre treffliche Schrift über die Judenbewegung hier in meinem Hanse auszuarbeiten." Die Schrift, auf die in den letzten Notizen angespielt wird, ist möglicherweise die letzte von Friedländer überhaupt herausgegebene Schrift: „An die Verehrer, Freunde und Schüler Jerusalems, Spaldings, Tellers, Herders und Löfflers, von David Friedländer, herausgegeben von Prof. Krug, Leipzig, 1823." Seine Autobiographie, wenn er an diese überhaupt ernstlich gedacht hat, ist niemals erschienen. Grade die letzten Stellen von Böttiger und der guten Elisa durften in unserer Zusammenstelllmg nicht fehlen. Sie zeigen, daß in dem Verkehr dieser Menschen nicht blos geistige Interessen mit Ernst und Liebe gepflegt, sondern daß dort wahrhaft humane Gesinnungen geäußert und befolgt wurden. In einer Zeit starker Intoleranz und blinden Verfolgungswahns thut es wohl, solch reine Töne aus dem Aufklärungszeitalter zu vernehmen. Toledo besucht Juden die mir Aus Spanien. Von Landrabbiner Dr. Levi in Gießen. ein Sohn, der Generalmusikdirektor Hermann Levi zu München, hat gelegentlich zweier Konzerte, die er kürzlich in Madrid dirigirte, mehrere spanische Städte, darunter Granada, Sevilla und das Marokkanische Tanger, und in seinen Reisebriefen an mich folgende kleine, uns als solche besonders iuteressirende Notizen einfließen laffen, werth scheinen, in diesen Blättern veröffentlicht zu werden. Aus Madrid schreibt er: „Gestern Abend nahm ich voll der Straße zwei andalusische Straßenjungen mit ins Hotel, ließ mir Volksweisen von ihnen Vorsingen, seltsame, tiefmelancholische Melodien, die. den polnischen Synagogen-Weisen ähneln und wohl auch denselben orientalisch-arabischen Ursprung haben. Es war sehr ergreifend — wie der Weheschrei eines unterdrückten Volkes; und dabei hatten die Buben die Augen geschloffen und hielten die Hand auf die Wangen (wie die alten v'lkN bei uns) und die Züge waren wie vom Schmerz dlirchwühlt." Aus Toledo: „Ich besuchte zwei alte im Jahre 1366 von Samuel Levi (Namen meines Vaters ^k). Hofjuden Peters des Grausamen, erbaute Synagogen, dessen Wohnhaus auch noch existirt. Leichter maurischer Styl. Von dem Fußboden der einen Synagoge, die gerade restaurirt wird, habe ich ein Stück Terrakotta init schönem Muster für Dich mitgenommen. Eine andere Synagoge ist noch älter, aus dem 12. Jahrhundert." Aus Sevilla: ,,. ... sah im Museum einen Grabstein ans dem Jahre 5105 u. E. d. W. hebräisch, der gut erhalten ist und dessen Wortlaut ich Dir später mittheilen werde. Man ist hier allgemein der Ansicht, daß an dem Niedergang Spaniens die Vertreibung der Juden schuld ist. Ja,'ein Privatsekretär der Königin, der unter dem verstorbenen Könige sehr einflußreich war, erzählte mir, er habe Letzterem vorgcschlagen, Juden zu importiren, was dem Könige ganz recht gewesen sei; er habe sich darauf mit Baron Hirsch, mit russischen Komitees rc. in Verbindung gesetzt, um vertriebene Juden zur Ansiedlung zu veranlassen, habe aber keinen Erfolg gehabt; die Juden erklärten: nach Spanien gingen sie unter keinen Umständen zurück." Aus Tanger: „ . Erster Eindruck einer vollständig orientalischen Stadt. Wundervoll gelegen — auf dem höchsten Punkte Citadelle — von der herrliche Aussicht. Mit einem Führer (Araber, der französisch spricht) dreistündige Wanderung durch die engen, steilen Straßen, wimmelnd von Menschen. 15,000 Araber, 10,000 Juden. Letztere unterscheiden sich schon durch die Tracht wesentlich von den Arabern: schwarze Käppchen, dunkle Talare, große, rothe Bauchbinde — die Frauen gehen alle unverschleiert — wundervoll schöne Mädchen — die Häuser alle nach der Straße offen, während die der Araber verschlossen sind. Die Araber sehen sehr malerisch aus. Fez, weiße, wallende Gewänder, gelbe Pantoffel, bloße Beine bis zum Knie. Die Frauen dicht verschleiert, man sieht kaum die Nasenspitze. Ich trat in das Haus eines reichen Inden ein. Großes Durcheinander wegen Petzach-Borbereitungen. Dann besuchte ich den Oberrabbiner, deffen Sohn französisch spricht, und bei dem ich lange verweilte. Schöner alter Mann. Natürlich erzählte ich von Dir. Er schickt Dir seinen Segen. Der ganze Handel und das ganze Handwerk ist in den Händen der Juden. Auf den Straßen Kameele, Esel, Manlthiere. Die Araber vor den Thüren kauernd, großer Schmutz; in den Cafös (Spelunken) sitzen sie schweigend an den Wänden herum, keine Stühle, auf Verlangen singende und tanzende Mädchen. Vegetation unglaublich schön." Weiter finden sich in seinen Briefen keine uns Juden als solche besonders interessirende Notizen. Aber auch die mitgetheilten werden hoffentlich genügen, um das Interesse für ein Land wieder zu wecken, in dem das Judenthum einst eine so schöne Blütheperiode erlebt hat.

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