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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-25 · Heft 21 (25.5.1894) · p. Seite 247

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 Schritte gehen kann, ohne zu ermüden, keine Treppen steigen, und selbst nicht lange stehen kann, thut am besten, in seinem Zimmer zu bleiben, und seinen wohlwollenden Freunden bei übrigens heiterem Kopf und warmschlagendem Herzen zu sagen, daß er sie liebe, hochschätze und verehre. Gern hätte ich den Dr. Adersbach auch unserer Elisa und unserem Tiedge empfohlen, allein schwerlich wird er sie in Dresden antreffen. Höchst angenehm ist es mir gewesen, von der Edlen selbst zu erfahren, daß der Heilbrunnen in Carlsbad wohlthätig auf sie gewirkt hat, und daß Beide sich leidlich befinden. Bleiben Sie mir gewogen, und seien Sie meiner Hochachtung und großen Ergebenheit versichert. Friedländer. N. S. Ich habe es für überflüssig gefunden. Ihnen zu sagen, daß Dr. Adersbach, wie ich, von jüdischen Eltern geboren ist. Aber ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit einer Anekdote von Mendelssohn, die ich Ihnen doch mittheilen will, damit Sie erfahren, wie sarkastisch der Weise sein konnte. Ein junger Patrizier aus Frankfurt am Main, der unter anderen Seltenheiten auch dieses Wunder von Israeliten sehen wollte, besuchte ihn und that sehr vornehm in Wort und. Geberde. Während der lästigen Unterhaltung tritt Swa, ein Greis und vorzüglicher Mathematiker herein, und M. stellt ihn dem Fremden mit den Worten vor: „Dieses ist einer meiner intimen Freunde, ein Gelehrter, Herr Swa mit Namen." „Auch ein Jude?" fragte der vorwitzige Reichsländer. „Mit diesem Mann," erwiedert M, „bin ich seit mehr als 30 Jahre inniglich vertraut, aber noch soll ich ihn fragen, welchem Glauben er zugethan sei." — Unsere Freundin muß den alten Swa gekannt haben, und es wird ihr um so angenehmer sein, diese Antwort zu hören. — Wann werden wir aufhören, theuerster Freund, solche Fragen zu machen!! VI. Friedländer an Böttiger. Charlottenburg, den 1. September 1820. Dr. Adersbach hat mir dankbarlich angezeigt, daß Sie, ehrenwerther und hochgeschätzter Freund, ihn auf meine Empfehlung sehr wohlwollend ausgenommen und ihm freundliche Beweise Ihrer Güte gegeben haben. Dieses ist mir gewiß nicht unerwartet, aber es vermehrt meine Schuld. — Geben Sie mir ja bald Gelegenheit, Ihnen Gegendienste zu erweisen. Sie sind, mein edler Freund, in Löbichau bei unserer vortrefflichen Elisa und dem würdigen Tiedge gewesen. Wie beneide ich Sie! i Wäre diese Zierde unseres Zeitalters früh nach Dresden zurückgekehrt, wer weiß, hätte ich nicht alle Bedenklichkeit überwunden und hätt' eine Reise auf mehrere Wochen nach Ihrer Stadt gethan. Aber sie kommt erst Ende Oktober nach Hause und dann wag' ich's nicht in meinem Alter und in so später Jahreszeit, meine Büste — das Fußgestell ist schon morsch — der nassen Witterung auszusetzen. Die vortreffliche Freundin liegt mir an, Mendelssohn's Leben zu schreiben. Allein außerdem, daß mir die Talente dazu fehlen, weil dieses Leben nur durch die Entwickelung seiner Geisteserzeugnisse anziehend werden kann, weiß die edle Elisa nicht, daß M. und seine Philosophie, sein Stil nicht ausgenommen, ganz aus der Mode sind (wir Alten, seine Zeitgenossen ausgenommen) und daß kein Verleger, keiner es wagen würde, solch' Makulatur zu drucken. — Genug davon. — In seinem Nachlaß Hab' ich einige Aufsätze aufgestöbert, die ich Ihnen, verehrter Freund, zum Einrücken ins M -Blatt zusende, falls Sie sie der Aufbewahrung würdig finden. Ich habe ein Billet an Herrn v. H. als Einleitung dazu geschrieben, das wohl passend sein wird. Die Person ist nicht erdichtet. Unsere E. kennt sie und schätzt den Mann als ihren vieljährigen Freund. Näher als mit dem Initial-Buchstaben darf ich ihn öffentlich nicht bezeichnen, das hat er ausdrücklich verbeten. Und nun überlasse ich's Ihnen, ganz uneingeschränkt Gebrauch davon zu machen oder nicht. Im letzten Fall senden Sie sie mir nichts dir nichts gelegentlich zurück, denn ich habe durchaus keine Abschrift davon. So sehr ich das Urtheil des v. H. hochschätze, der diese Kleinigkeiten des Druckes würdig gefunden hat, bin ich doch nicht ganz sicher, ob sie Ihren oder des ehrwürdigen Ammon — dem ich mich zu empfehlen gehorsamst bitte — Beifall, wenigstens in gewisser Rücksicht, erlangen werden. Es ist vielleicht de la creme fouettee nicht in dem Sinn, daß es wirklich Schaumspeise ohne Gründlichkeit wäre, aber es dürfte heißen: toujour8 perdrix! wir mögen diese Vernünfteleien nicht; Fichte und seine Genossen, das find Gastgeber! Die tragen uns Vogelnester auf. Diese Urtheile des großen Haufens scheue ich. Und dann ist es genug, wenn Sie und Ammon sie gelesen, und wir legen sie, wie verrufene Münze, weg. Möglich auch, daß Ihnen nicht alles behagt, und Sie selbst das zweite Stück als gar zu fragmentarisch, mitunter auch dunkel, verwerfen wollen. In Gottes Namen! Es stehet ganz in Ihrer Wahl. Am wenigsten möcht' ich meinen unvergeßlichen Lehrer durch Bekanntmachung von Gedanken bloßstellen, die er für die Oeffentlichkeit nicht bestimmt hat, und mich obendrein dem Tadel einer Rücksichtslosigkeit aussetzen. Mit einem Wort: ich vertraue sie treuen und verständigen Händen, wie Sie wollen und was Sie wollen. Wenn Sie den Druck beschließen, haben Sie die Gewogenheit, mir einige einzelne Blätter gegen Erstattung der Auslagen zukommen zu lassen, da ich das M.-B. in meiner Einsamkeit selten zu lesen bekomme und doch einen Abdruck davon aufbewahren möchte. Eben das gilt von den Blättern, die eine mich so ehrende Rezension meiner kleinen Schrift enthält, wenn Sie sie mir zu verschaffen die Geneigtheit haben wollen. Schelten Sie mich nicht, daß ich Ihre edle Zeit Ihnen mit meiner Schreibseligkeit raube. Wenn Sie mich mit einer Antwort beehren, so adressiren Sie sie an M. Friedländer u. Co, zur Abgabe an den Stadtrath Fdr. nach Berlin. Ich bin und werde stets sein mit ausgezeichneter Achtung und Ergebenheit Ihr verpflichteter Friedländer. VII. Friedländer an Böttiger. Berlin, 17. Dezember 1820. Dacht ich's doch gleich, mein vortrefflicher geehrter Freund, daß meine Westen aus dem vorigen Jahrhundert, so sagement brodees sie sein mögen, bei den neumodischen Lroeanteurs keine gute Aufnahme finden würden. Indessen, da ich von den Manuskripten keine Abschriften behalten, so haben Sie wohl die Güte, sie von der Redaktion des Morgenblattes zurückzunehmen und sie mir wieder zukommen zu lassen. Vor einiger Zeit sind mir einige Bogen des M.-Bl. vorgekommen, wo zahme Xenien abgedruckt waren. Die Sara wird alt, mein theurer Freund, sie zeugt keine gesunden Kinder mehr Wir müssen lieber eine Hagar kommen lassen, wenn sie auch nicht so vornehmen Geblüts ist, um erbauet zu werden. Wie sehr ich Ihnen die edle Elisa beneide, brauch' ich einem Böttiger, der gewiß wie irgend Jemand den Werth dieser seltenen Frau zu würdigen weiß, nicht erst zu sagen. Hätte mich nicht der vorige Winter so angegriffen, und hätte das Podagra nicht sein Quartier bis tief im Juni bei mir aufgeschlagen, ich würde gewiß nach Dresden gekommen sein. Besonders da die Stadt und ihre Umgebung an und für sich, ohne die unschätzbaren Männer, die es beherbergt, in Anschlag zu bringen, mir ungemein theuer und werth ist. Erhalten Sie mir, edler Freund, Ihr geneigtes Andenken und seien Sie meiner unveränderlichen Hochachtung und Ergebenheit versichert. Der Ihrige Friedländer. Die „zahmen Xenien", von denen in dem letzten Briefe gesprochen wird, rühren von Goethe her, der also unter der „alten Sara" zll verstehen ist. Sie wurden, nachdem sie theils im „Morgenblatt", theils in der von Goethe selbst herausgegebenen Zeitschrift „Kunst und Alterthum" einzeln veröffentlicht waren, um ganze Reihen vermehrt in den „Nachgelassenen Schriften" zum Abdruck gebracht. Welche Fragmente Mendelssohns Fr. zum Abdruck anbot und zurück- 7 erhielt, vermag ich nicht zu sagen. Der „v. H.", dem die Veröffentlichung gewidmet werden sollte, ist offenbar der dänische Kammerherr v. Hennings, der, wie bekannt, mit Mendelssohn in vertrauten Beziehungen lebte. Der letzte oben mitgetheilte Brief ninimt Rücksicht auf einen nicht erhaltenen Brief B.'s, in dem die Ablehnung der Beiträge seitens des Morgenblattes ausgesprochen war. Weitere Briefe Fr.'s sind nicht erhalten. Die Korrespondenz endet mit einem Billette B.'s vom 23. September 1822, aus dem eine Stelle eine Mittheilung verdient: „Wären Sie nur hier, so könnten wir über die bequemste und wirksamste Herausgabe Ihrer Briefe über den Missions- und

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