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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-25 · Heft 21 (25.5.1894) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 21 (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Jur Charakteristik Vavid FrredLander s. (Ungedruckte Briefe 1816—1820). Bon Prof. Dr. Ludwig Geiger. (Schluß.) o schnell die im Vorstehenden mitgetheilten Briefe aufeinander folgten, so lang ist die nun eintretende Pause. Das erste Zeichen eines brieflichen Verkehrs ist ein kleines Schreiben Fr.'s vom 22. Sept. 1818. Doch wird dies hier absichtlich nicht mitgetheilt, weil es nichts die Zwecke dieser Zeitung Berührendes enthält und überhaupt nichts als eine lang ausgesponnene Empfehlung des jungen, norwegischen Malers Dahl ist. Doch beweist eine Aeußerung Fr.'s, daß er jenen Maler bereits mündlich empfohlen habe, die Thatsache, daß, an die Stelle des schriftlichen gelegentlich ein mündlich-persönlicher Verkehr, sei es in Dresden oder in Carlsbad trat; seltener kam B. wohl nach Berlin. Andrerseits mag auch die gemeinschaftliche Freundin Frau v. d. Recke den Verkehr vermittelt und den Entferntenvon einander berichtet haben. So meldete sie z. B., daß in dem litterarischen Zwiste, den B. mit dem Berliner Archäologen wegen einer vermeintlich falschen Benennung der Berliner Hofdamen anfing — vgl. meinen Bericht in der „Nat.-Ztg." 12. Dez. 1893 — Fr. auf Seiten des Dresdener Freundes stand und ihn in einer Angelegenheit für schuldlos erklärte, in der sich Jener zum Mindesten recht zweideutig benommen hatte. Leicht möglich ist es auch, daß nicht alle gewechselten Briefe erhalten sind. Denn es ist doch wohl höchst wahrscheinlich, daß Fr. sein Schriftchen: „Moses Mendelssohn. Fragmente von ihm und über ihn. Berlin 1819." — einen Sonderabdruck aus der Zeitschrift „Jedidja" Heinemanns, nicht ohne ein Begleitwort an B. hat gelangen lasten. B.'s Dank dafür (24. Febr. 1819) ist der Art, daß er an dieser Stelle nicht fehlen darf. Ey lautet: „Sie haben durch diesen besonderen Abdruck aus dem sä reich ausgestatteten Jedidja wieder ein sehr gutes Werk gethan. Jene Zeitschrift kann ihrer Natur nach nur ein beschränktes Publikum haben; Mendelssohn gehört aber uns Allen. Da muß kein Wort auf die Erde fallen. Die Fragmente besonders enthalten einen Schatz, den vollwichtigen Text zu ganzen Büchern. Sowie Lenophon in seinen Denkwürdigkeiten des Sokrates sich doch gewiß auch selbst mitgiebt und vieles davon Sokrates nur gesagt haben könnte, aber schwerlich ganz so ausführlich gesagt hat, so ist auch Ihr eigener Scharfsinn, Ihre eigene Gluth für Licht, Wahrheit, Recht, oft nur die Gestalt Ihres Lehrers und Freundes. Wenn dies Büchlein nur in recht viele Hände käme! Da wäre Kotzebue der Mann dazu, dessen doch der Jedidja oft mit gebührender Achtung gedenkt. Noch hoffe ich selbst eine schickliche Gelegenheit dazu zu finden." Auch der folgende Brief Friedländers — eher ein Billet als ein Brief — bedarf keiner wörtlichen Wiedergabe. Am 20. Okt. 1819 nannte Fr. seinem Dresdener Freunde ein seinem Sohne eben aus Paris zugegangenes französisches Buch — eine Briefsammlung Buffon's u. A. — dankte für die Würdigung seiner Mendelssohn- Schrift, sandte ihm mit Ausdrücken, die zu bescheiden sind, um ernst gemeint zu sein, eine neue litterarische Gabe, jedenfalls seine damals erschienenen „Gedanken über die Verfolgung der Juden in Polen, Berlin 1819", und erbat für die Handschriftensammlung seines Sohnes bei B. etwa existirende und für ihn werthlose Briefe berühmter Franzosen und Italiener. — Ueber den ihm gemachten Antrag äußerte sich B. in seinem Briefe vom 2. Dez. 1819 folgendermaßen: „Ich muß Ihnen durchaus mit einem deutschen Händedruck fiir Ihr gediegenes Gutachten über die Israeliten in Polen und die im schönsten Sinne geharnischte Vorrede danken. Das ist ein Wort zu seiner Zeit. Ich werde gewiß öffentlich davon sprechen. Dabei aber eine Frage: Was hat es eigentlich für eine Bewandtniß mit den israelitischen Christen im innern Rußland? Es soll ein eigener Ukas darüber vorhanden und die Anfledlung solcher eingeimpfter Palästiner groß sein. Ist bei der letzten Anwesenheit des Autokrators in Warschau, wo so mancher Sonnenstrahl vergoldend schimmerte, auch über die polnische Judenschaft etwas verfügt worden? Das will ich nicht aus frivoler Neugierde, sondern aus redlichen Abstchten wissen. Das schöne Wort von dem vollendeten Veit hat mir unsere ehrwürdige Freundin kopiren lassen. Schon wird es in den Händen der Frau Huber, der Redaktrice des Morgenblatts, sein. Vielleicht erlaubt mir unsere innigst verehrte Elisa auch aus dem herzlichen Brief an ste von Ihnen die Anekdote von dem Königsberger Rabbi zu ähnlicher Mittheilung. Wir müssen im gelesensten aller Tagesblätter, im Morgenblatte, einen kleinen Jedidja anlegen, der mehr gelesen wird als der vortreffliche große. Muß man auch überall das Gute in diese Welt des Wahns und der Verblendung als Contrebande einschwärzen?" So schnell als Böttiger dachte, wurden die beiden jüdischen Beiträge Fr's. nicht abgedruckt. Dies konstatirte B. in einem ferner» Schreiben vom 10. Februar 1820, in dem er erwähnte, daß er die Beiträge bereits vor 6 Wochen abgeschickt habe und damit schloß: „Es muß aber kommen." Es kam; doch ist es mir bisher noch nicht gelungen des betreffenden Bandes des Morgenblatts habhaft zu werden, so daß ich ein genaues Citat nicht geben kann. In dem letzterwähnten Briefe, in dem B. das lange Ausbleiben jenes Abdrucks beklagt, mahnt er Fr., dieser möge seines Versprechens über Mendelssohn eingedenk sein und fährt fort: „In D. Blessigs Lebensbeschreibung von Fritz (Straßburg, Heitz 1818) kommt auch Schönes von dem edlen Weisen vor. Die ganze Biographie wird Ihren Beifall haben." Da Blessig in der Mendelssohn-Litteratur unbekannt ist (sein Nanie fehlt auch in der Allgemeinen deutschen Biographie), so sei hier nach Meusel, Gel. Teutschl. d. 19. Jh., Bd. 1—5, daran erinnert, daß I. L. Blessig, gest. 17. Febr. 1816, Profeffor der Theologie in Straßburg, Pfarrer an der neuen Kirche daselbst und Mitglied des Konsistoriums war. Gedruckt sind von ihm (1801—16, einzelnes noch nach seinen! Tode herausgegeben) fast ausschließlich Predigten. V. Friedländer an Böttiger. Charlottenburg b. Berlin, den 31. Juli 1820. Mein theuerer und hochgeschätzter Herr und Freund! Woher meine Freunde, auch die jüngsten und neuerworbensten, es wissen mögen, daß ich das Glück habe, den ehrenvollen und würdigen Hofrath Böttiger meinen Freund zu nennen? Ich bin ja kein Prahler und genieße doch gern still und ruhig meines Glückes! Wie manchen weise ich ab, der ein paar Zeilen von mir an den edlen, vielbeschäftigten Gelehrten haben will. Diesem Mann darf man keine Zeit rauben; es ist ein Raub an Mit- und Nachwelt, an Wissenschaft und Künsten. Aber der Ueberreicher dieses macht eine Ausnahme. Er ist ein Arzt, sehr unterrichtet, also auch sehr bescheiden und fortstrebend in seinen Erkenntnissen. Er reiset nach Sachsen, um die musterhaften Irren- und Kranken-Jnstitute zu besuchen, um besonders in diesem seinem Lieblingsfach seine Kenntnisse zu erweitern; auch ist er in manchem anderen Zweig der Gelehrsamkeit kein Fremdling; er heißt Dr. Adersbach. Nehmen Sie ihn, edler Freund, freundlich auf, und wenn Sie ihm durch weitere Empfehlungen oder Nachweisungen nützlich sein können, so thun Sie es gewiß. Wie viel Dank bin ich Ihnen für die gehaltvolle, mich hochehrende Anzeige meines letzten Schriftchens schuldig! Ich schweige davon, um nicht das Ansehen zu haben, als trüge ich mit Worten meine Schuld wenn auch nur zum Theil, ab. Ich bin übrigens alt und kränklich, habe den letzten Winter viel und selbst in diesem regnichten Sommer so viel gelitten, daß ich keine Badereise antreten konnte. Wie gerne hätte ich das deutsche Florenz und die wackeren Freunde wiedergesehen, die dem Paradies seinen höheren Werth geben! Aber wer nicht tausend

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