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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-18 · Heft 20 (18.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 20. Gerlin, 18. Mai 1894. Der Gemein-eoote. WeiLage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ** Berlin, 16. Mai. Professor Dr Hermann Munk, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, feierte am Dienstag das 25jährige Jubiläum als Professor an der Berliner Universität. Munk steht in der ersten Reihe der Forscher, welche die Lösung der feinsten physiologischen Probleme zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Am 3. Februar 1839 in Posen geboren, studirte er in Berlin und Göttingen. Er gehörte noch zu den letzten Schülern von Johannes Müller und zählte Virchow und Traube zu seinen Lehrern; ganz besonders aber stand er unter dem Einfluß du Bois-Reymond's. Mit 20 Jahren promovirte Munk, trat als Dreiundzwanzigjähriger in den Lehrkörper der Friedrich Wilhelms-Universität ein und bekleidet hier seit 1669 den Rang eines außerordentlichen Professors. Zugleich hat er seit 1876 an der Thierärztlichen Hochschule das Lehramt für Physiologie inne und leitete das damit verbundene Laboratorium. 1880 trat er als Mitglied der Akademie in den Kreis seiner ehemaligen Lehrer ein, begrüßt von du Bois-Neymond. L2 Berlin, 13. Mai. Am 9. d. Mts. ist hier der Kommerzienrath Louis Pollack im 78. Lebensjahre nach kurzen Leiden gestorben. Er war der älteste Chef der angesehenen Bank-Firma Louis Pollack. Der Verstorbene war ein warmer Jude und ein sehr wohlthätiger Mann, der überall, wo es galt, jüdische Interessen zu vertreten, mit Herz und Hand dabei war. Bei der Beerdigung am 13. hielt Herr Rabbiner Dr. Weiße eine ergreifende Grabrede. — Am 10. d. Mts. verstarb Hierselbst der Privatdozent Dr. Louis Löwenheim im 48. Lebensjahre. Der Verstorbene sollte auf Grund einer ausgezeichneten Arbeit über die Philosophie des Demokrit zum Extraordinarius berufen werden. Er gehörte zu den Mitbegründern der Gesellfchast für Heimathkunde „Brandenburgia". Friede dem Andenken beider Männer! M. F. Berlin, 15 Mai. Die Verwaltung der Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde hat ihren 64. Jahresbericht versandt. Sämmtliche Zimmer beider Anstalten, in der Schönhauser Allee und der Großen Hamburgerstraße, sind bewohnt, es haben 190 Hospitaliten darin Aufnahme gefunden. Leider mußten sehr viele Petenten, welche um Aufnahme baten, abgewiesen werden. Um so dringlicher trat an die Verwaltung die Pflicht heran, auf eine Erweiterung der Anstalten bedacht zu sein. Aus dieser Nothlage wurde sie durch die hochherzige Zuwendung des in der Sitzung vom 9. Februar 1894 zum immerwährenden Ehrenmitgliede der Anstalt ernannten Herrn Moritz Simon befreit. Ein neuer Anbau an der Anstalt in der Gr. Hamburgerstraße ist bereits in Angriff genommen und wird Raum zur Aufnahme weiterer 30 Hospitaliten bieten Allerdings gewähren die Einnahmen der Anstalt noch nicht denjenigen Ertrag, welcher zur Unterhaltung von 220 Hospitaliten erforderlich ist, und wendet sich daher die Verwaltung an die Mithilfe ihrer Freunde und Gönner, um auch weiter würdigen Mitgliedern unserer Gemeinde, welche durch Altersschwäche erwerbslos geworden sind, für den Abend ihres Lebens eine sorgenfreie Heimstätte zu gewähren. — Die Verpflegungskosten für die Hospitaliten haben sich im abgelaufenen Jahre auf 70^ Pf. gestellt gegen 731/2 Pf. im Vorjahre. Die größere Anzahl der Hospitaliten, sowie die billigeren Lebensmittelpreise haben es ermöglicht, daß sich die Verpflegungskosten pro Kopf und Tag um 374 Pf. billiger stellten. — Die Anstalten beklagten im Berichtsjahre das Hinscheiden der Frau Geh. Kommerzienrath PH. Manheimer, welche 10 Jahre als Ehrendame ihres Amtes waltete. Die Tochter derselben, Frau Clara Friedländer geb. Manheimer, ist als Ehrendame an ihre Stelle getreten. — In der Anstaltssynagoge werden die Sterbetage Dahingeschiedener durch Gottesdienst gefeiert. — Der Rechnungsabschluß weist an verzinslichem Kapitalbestande am 1. Januar dieses Jahres auf: Hypotheken 1,544,600 Mk., an Werthpapieren 313,606 Mk. und Cassa 15,557 Mk. Unter den Einnahmen befanden sich an Zinsen 69.890 Mk., an Jahresbeiträgen 14,047Mk, an Büchsengeldern und Geschenken 15,651 Mk. Vergütung des Gemeindevorstandes 1500 Mk., Pensionszuschuß 7150 Mk. Unter den Ausgaben figuriren an Küchenbedarf 19,921 Mk., an Backwaaren 7959 Mk., an Fleischwaaren 20,027 Mk., an Materialwaaren 4466 Mk. u. s. w. Die Büreaukosten sind anerkennenswerth gering, 1440 Mk. — Die Verwaltung der Anstalt kann stolz sein auf das stetige Wachsthum des segensreichen Instituts. Zg. Thorn, 9. Mai. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich das am 1. d. M. stattgehabte 25jährige Amtsjubiläum des Lehrers Kramer, welcher die ganze Zeit an der hiesigen Religionsschule thätig war. Mittags fand sich in der Wohnung des Jubilars das Komitee früherer Schüler und Schülerinnen ein, welches ihrem ehemaligen Lehrer herzliche Glückwünsche im Namen aller Schüler darbrachte und ihm eine namhafte Summe als Ehrengabe überreichte. Es folgte sodann die Schulkommission und der Vorstand der Synagogen-Gemeinde in corpore. Herr Schulvorsteher Rosenfeld hob in längerer Ansprache die wirksame Thätigkeit des Jubilars in höchst anerkennender Weise hervor, beglückwünschte denselben im Namen der Schulkommission und der Gemeindevertretung und übergab ihm ein Ehrengeschenk nebst Anerkennungsschreiben. Von vielen Gönnern, Freunden und ehemaligen Schülern wurden ihm ebenfalls Beweise der Liebe und Theilnahme in Telegrammen, Geschenken re. entgegengebracht. Auch der hiesige Lehrerverein beglückwünschte den Jubilar in einem Schreiben. Nachmittags fand in der Aula eine größere Schulfeier statt, zu welcher der Jubilar vom Dirigenten Herrn Rabbiner Dr. Rosenberg abgeholt wurde. Die Feier wurde durch Choralgesang „Danket dem Herrn, denn er ist gütig", eingeleitet, worauf der Dirigent sich in längerer Rede, anknüpfend an den Text „Heute ist ein Tag der Freudenbotschaft u. s. w." über den schweren, aber zugleich wichtigen Beruf des Lehrers verbreitete und den Jubilar zu seiner bisher ausgeübten, segensreichen Thätigkeit beglückwünschte und es ihm ans Herz legte, den ideellen Beruf trotz aller Mühen hoch zu halten. Dann folgte die Deklamation einiger auf das Fest bezüglichen Gedichte und als Angebinde von der Schuljugend mehrere kostbare Geschenke. Der Jubilar dankte tiefbewegt in längerer Ansprache, sowohl hier bei der Schulfeier, als auch in seiner Wohnung. Die ganze Feier legte ein ehrendes Zeugniß, sowohl für die Liebe und Achtung, deren sich der Jubilar allseitig erfreut, als auch für die hiesige Gemeinde und deren Vertretung ab. Lp. Ostrotvo, 7. Mai. Gestern fand Hierselbst im Sitzungszimmer der israelitischen Gemeindevertretung eine Generalversammlung des israelitischen Frauenvereins unter Leitung des Herrn Oekonomie- Kommissionsrathes Goldstein statt. In derselben wurde zunächst Rechenschaftsbericht über die Thätigkeit des Vereins in den letzten drei Jahren erstattet, gemäß welchem in außerordentlich zahlreichen Fällen an arme Kranke und Wöchnerinnen Hilfeleistungen, an Bedürftig? Geldunterstützungen und schließlich auch Geschenke an weibliche Personen behufs Erlangung eines selbständigen Erwerbs verabreicht worden sind. Aus dem Kassenbericht ist ersichtlich, daß der Verein bei der letzten Generalversammlung im Jahre 1891 einen Bestand von 860 Mark 37 Pf. besaß, daß zu diesem Betrage noch eine Gesammteinnahme von 1654.24 Mark hinzugekommen und außerdem eine Baarsumme von 250 Mark aus Erträgen von Wohlthätigkeitsvorstellungen zinslich angelegt ist. Nach Abzug der Ausgaben in Höhe von 1615.66 Mark verbleibt ein Bestand von 898.76 Mark ausschließlich der oben erwähnten 250 Mark. Nach erfolgter Dechargeertheilung wurden in den Vorstand Frau Milea Weiß, Frau Oekonomie-Kommisstonsrath Goldstein, Frau Caroline Liebes, Frau Bertha Callomon und Frau Jenny Mendelsohn gewählt. Als Krankenvorsteherin wurde Frau Susanne Süßmann und zum Beirath des Vorstandes der zeitige Gemeindevorsteher, Herr Oekonomie- Kommissionsrath Goldstein, gewählt. Der Verein besteht bereits 54 Jahre zählt 118 Mitglieder, und zwar 109 hiesige und 9 auswärtige. Die monatlichen Mitgliederbeiträge sind auf 20 Pf. festgesetzt; außer diesen

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