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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-05-18 · Heft 20 (18.5.1894) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 20 (18.5.1894)
Date
1894-05-18
Page
Seite 238 (sequence 10)
Language
German
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238 völlig übereinst immm; (vgl. die trejfliche Schrift von Bloch: „Die Quellen des Josephus" S. 23 ff.) Ob der Umfang seinesWissens wirklich so groß gewesen, wie er ihn darstellt, können wir nicht kontroliren, denn er hat das Vorhaben, von dem er spricht, ein eigenes Buch über „Die Gründe der Gesetze" zu schreiben/) nicht ausgeführt. Daß er es nicht gethan, ist bedauerlich, weil wir sicherlich durch ihn von manchem Midrasch, der in den uns erhaltenen sich nicht findet, Kemüniß erlangt hätten?) Die Stelle in der vita ist auch insofern von Interesse, als neuere nentestamentarische Forschers in ihr einen Beweis dafür sehen, daß der Verfasser des dritten Evangeliums des Josephus Schriften gelesen haben müsse. Vergleicht man nämlich den Paffns in der vita mit der Schilderung, die Lukas von dem zwölfjährigen Jesus im Tempel entwirft, so drängt sich die große Aehnlichkeit beider in Inhalt lind Form Jedem alsbald auf?) Was in der einen von dem 14jährigen Josephus gesagt wird, sagt beinah mit denselben Worten der Evangelist in der andern von Jesus. vor mit vollem Verständnisse", und noch erinnere er sich, schreibt er in seiner am Anfänge des Jahres 1618 begonnenen Selbstbiographie, der Ereignisse aus jener Zeit. Als er sein 13. Jahr zurückgelegt, verfaßte er eine durch den Stil, wie durch geschickte Handhabung des Dialogs, noch mehr aber durch die darin liegende vorahnende Selbstermahnung beachtenswerthe hebräisch geschriebene Schrift gegen das Hazardspiel, die zu seinen Lebzeiten zuerst anonym und später mehrfach veröffentlicht wurde. Löw erinnert an den um dieselbe Zeit in Holland als Wunderkind angestaunten Johann Drustus, welcher mit fünf Jahren lateinisch und hebräisch lernte und zu sieben Jahren in der Auslegung des hebräischen Psalters eine Gewandtheit an den Tag legte, von welcher auch ein jüdischer Lehrer des Arabischen in Leyden mit Bewunderung sprach. Zu zwölf Jahren schrieb Drustus hebräisch in Prosa und in Versen (vgl. Bayle Dict. 1,1079). Man sieht, wie zutreffend das Wort „Wie es sich christelt, so jüdelt es sich". Die Juden partizipiren nicht nur an den Fortschritten, sie können sich auch mancher Rückschritte nicht erwehren» die wir in verschiedenen Kulturperioden gewahren. *) Vgl. den Schluß der Vorrede der „Alterthümer": Sollte Gott mir ein längeres Leben verleihen, so werde ich, wenn dieses Werk zu Ende gebracht, auch dieser Materie meine Feder widmen." Für Josephus Kenntniß der jüdischen Tradition spricht am deutlichsten A. 13,10: „Jetzt will ich nur erwähnen, daß die Pharisäer viele Satzungen, welche sie von den Vätern empfangen, dem Volke aufgedrungen, die in den Gesetzen Mosis nicht enthalten sind. Darum verwerfen auch die Sadducaeer solche Satzungen und sagen, man müßte sich an die geschriebenen Gesetze halten. 2) Fahr. bibl. gr.V. 5, x». 9 — AtzoXoylav magni, si ad nos per venisset, faciendum esse crediderim, quum hand dubie. ... comp Iura egregia et utilia nos docuisset Josephus, qua fortasse nemo hodie Judaorum Christianorumve nos doccre possit.“ 3) Hilgenfeld's Zeitschrift für wissensch. Theologie. Jahrgang 16, Krenkel, Lucas und Josephus S. 442. 4) Die „Uebereinstimmung zwischen beiden Erzählungen ist derart, wie man sie bei zwei Schriftstellern, von denen der eine den andern vor Augen gehabt, ohne ihn gradezu abzuschreiben, nur immer erwarten darf". Josephus vita 2. hg /ntyccXyv naiötlag nQovxonzov enidooiv, (JivriM n ovveoei öoxwv ÖicuptQtiv. tzi ö' cc^rcc ndig ojv tibqI ztGGaQtGxaiösxazov trog öiu zb <ptXoyQa^ptazov, vnb ndvzwv tnyvovftrjv Gvviovzwv, dtl zwv doyttQtwv xai zwv zfjg noXeog ngwicov vnsQ zov na(j tiiov nt Ql zwv vofuptwv axQißecztQOv zi yvwvai. Lukas 2, V. 42, 47 u. 52. bzi iytvezo izwv dwöexa . . . bnepitivev ’lygovg b natg — tgiGzavzo dt ndvztg ot äxovovxtg avzov tnl zy Gvvtgei xai zaZg dnoxgiGtiv avzov . . . xai ’Irigovg nQOtxonzev Goipia xai yXrxia xal ydgizi naqu frew xai dv!)Qwnoig.!' Schon im Spicilegium Ottii (S. 124) wird dies, freilich noch sehr zaghaft, hervorgehoben. „Si licet miscere profana sanctis, ipse Josephus noster quatuordecim anos natus consultus est“. Daß einzelne hochveranlagte Kinder auf dem Gebiete der Traditionswissenschaft es mit zwölf Jahren schon ziemlich weit gebracht, dafür liegt ein Beweis vor in den Inschriften, die man in Ronl auf den alten jüdischen Grabdenkmälern fand. Schürer, der in seiner Gemeindeverfassung der Juden in „Rom" diese Inschriften behandelt, sagt S. 21. Von Interesse ist, daß schon unmündige Kinder zu künftigen Trägern der Wissenschaft designirt wurden. Auf einer Inschrift heißt ein zwölfjähriger Knabe schon yQapmaztvg schlechthin. Auf anderen findet sich yQaptf/a(ztvg) vyniog oder auch fieXygafj, (= fteX?.- ygafiptaztvg). Diejenigen, welche in allen Fragen oer Gesetzeskunde als Autoritäten anerkannt wurden hießen yga^aztZg, diejenigen, welche darauf aspirirten, ypapazzeZg vynioi oder pttXXoyQaptfxazeZg. Zu den letzteren mochte Josephus in seiner Jugend mit Recht gezählt worden sein. Daß dem Verfasser des dritter: Evang. nichts näher lag, als Jesus früh im Besitze solch tiefer Gesetzeskunde zu zeigen, liegt auf der Hand; daß er ihn als Zwölfjährigen sich seine ersten Sporen verdienen läßt, dürfte, wenn er Josephus Schriften gekannt, eher auf Samuel zurückzuführerr sein, der nach A. 5, 10 *) mit zwölf Jahren des ersten prophetischen Gesichts theilhaftig wurde Wenn darrrm Meier in feinem Kommentare zu Lucas diese starke Accentuirrrng von Jesus Schriftgelehrsamkeit „keusch" nennt (S. 342 „die Kerrschheit des Berichtes besteht darin, daß er der Versuchung, Jesus als frühreifen und übernatürlich erleuchteten Knaben darzustellen, widersteht"; im Vergleich dazu lese man Evang. infant. 50), so ist diese Auffassung nach der obigen Darlegung wohl berechtigt. ff m MUMM IMMM — | . ... . fSRlPiKniMUjfmlhiKHTiLMUiTTiiiiiMmiuAu fTTiinnimiLWiimiiHiiKnuAUimimnHTiuuirmifiiiiKTiUAurmiiiiiimiLwuimiti&^l m iHKiinrniu* MMM m 1 1 FEUILLETON P S i gg2iUMum VII t- 1-1 1---— " — ■immun uMiiigr? IMMMwL« Me Jüdin. Erzählung von John Paulsen. (Fortsetzung.) XX. n diesem Tage erschien Rachel nicht beim Mittagstisch. Sie ließ sich mit Krankheit entschuldigen. Abends ging sie in das Musikzimmer, in welchem sie glücklicherweise Niemand fand. Sie suchte da Trost, wo sie ihn in bitteren Stunden schon oft gefunden: in der Musik. Die Kammerherrin hatte sich ani Abend früh zurückgezogen. Sie litt an ihrer Migraine und mußte auch „Brillant" pflegen, der augenblicklich leidend >var. Seine Krankheit schrieb die Kammerherrin der unsanften Behandlung zu, welche er von Tante Rebekka erfahren hatte. Ein so feines, kleines, aristokratisches Thier, welches beinahe Menschenverstand hatte, konnte natürlich eine derartige Kränkung nicht ertragen, ohne daß sich sein stolzes Blut empörte — Armer Brillant! *) Vgl. K3T 0*711? 110 Kap. 13 NX11.1 t?*7X10 *?t? 1'»' *70 .... xoon *71? ot»1 * 3 4 jnon '*7X1 10x1t? *m?i o"i" X*7X ]rx *?x*ri' rix tost? xim 101X1 ooit? nvn*? moni pion 1711X0 .mir? "o

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